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Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main · 1886-01-01 · 1886 · page 6

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vu an seinem uralten Bekenntnis, treu dem Glauben der Väter, unter dem Schutze des gleichen Rechtes mit allen Bürgern des Staates, in der Entfaltung und Bewährung seiner Kraft auf allen Gebieten menschlicher Thätigkeit, in der Erfüllung seiner Pflicht gegen König und Vaterland, im Krieg und im Frieden, entschlossen, der Verkennung und Mißachtung, welche eingewurzeltes Vorurteil ihm hie und da noch bereiten, nicht durch zornige Worte, sondern durch ernste Arbeit an sich selbst, durch strenge Pflichterfüllung entgegenzutreten und seine Ebenbürtigkeit durch die That zu bewähren. Wie sollten wir heute nicht freudig und dankbar dem Genius des Mannes huldigen, der aus der Enge uns in die Freiheit geführt, der zu so hohen, menschenwürdigen Zielen uns die Vorbedingungen geschaffen, uns die Bahn geöffnet und die Wege gewiesen hat! In der That, wenn wir heute die gesamte Wirksamkeit Moses Mendelssohns überblicken, so müssen wir sagen: So groß auch seine Bedeutung als deutscher Schriftsteller und Philosoph gewesen ist, ungleich größer sind seine Verdienste um uns, seine Glaubensgenossen. Darum wird zwar heute seine Stellung in der deutschen Litteratur nicht minder gewürdigt als vor hundert Jahren, wie schon Goethe selbst sie gebührend hervorgehoben hat. Die litterarhistorische Forschung unserer Zeit hat nicht verfehlt, ihm die Stelle einzuräumen, welche er unter den Männern einnimmt, die unsere große klassische Litteratur-Ep.oche vorbereitet haben. Aber es konnte nicht anders sein, als daß, nachdem der, wie Mendelssohn ihn nennt, alles zermalmende Kant mit seiner „Kritik der reinen Vernunft" dem spekulativen Denken neue Bahnen gewiesen hat, der Philosoph Moses Mendelssohn diesem Giganten gegenüber in seine achtungswerte, aber bescheidene Stellung zurücktrat und daß, nachdem in den zwei Jahrzehnten nach Mendelssohns Tode Schiller und Goethe unsere Litteratur auf eine ungeahnte Höhe emporgehoben, den Schriftstellern der Aufklärungsperiode ein geringeres Maß der Beachtung geblieben ist. Als lebendig wirkender deutscher Schriftsteller hat Moses Mendelssohn die Bedeutung nicht mehr, welche er vor hundert Jahren hatte. Aber seine Einwirkung auf seine Glaubensgenossen tritt heute klarer hervor als damals und wird erst jetzt richtig gewürdigt; sie ist, weltgeschichtlich betrachtet, das Bleibende und Unvergängliche an ihm. Eben diese Verdienste um uns, seine Glaubensgenossen, sind es, die zu vergegenwärtigen der Feier dieser Stunde nicht unangemessen sein mag und die ich insbesondere Euch, meine lieben Schüler und Schülerinnen, darlegen möchte. Gutes und Großes haben immer nur diejenigen zu wirken vermocht, die, bei sich selbst anfangend, von Jugend auf darauf ausgegangen sind, sich in ernster Arbeit, streng gegen sich selbst, gut und tüchtig zu machen. Das Leben Moses Mendelssohns bestätigt eindringlich diese Wahrheit. Moses Mendelssohn ist nicht etwa darauf ausgegangen, ein berühmter deutscher Schriftsteller und ein Reformator und Befreier seiner Glaubensgenossen zu werden. Das lag seinem bescheidenen Sinn ganz fern. Er fing bei sich selbst an, er wollte seinen eigenen Wissensdurst befriedigen, seinem Drang nach Erkenntnis genügen, er wollte seine eigene moralische Kraft stärken, sich selbst sittlich vervollkommnen. Und weil er dieses von seiner Kindheit an mit reiner Hingebung, immer sich selbst treu, gethan hat, darum hat. er nicht bloß für sich erreicht, was er erstrebt hat, sondern es war ihm, bei den Gaben, die ihm Gott verliehen, beschieden, eine große Mission zu erfüllen. Sehen wir, wie das geschehen ist! Moses, der Sohn des Lehrers und Thorarollen-Schreibers Mendel zu Dessau, wurde sehr früh in der Thora und im Talmud unterrichtet. Die Talmud-Jünger in jener Epoche waren in der heiligen Schrift selbst in der.Regel nur wenig bewandert; grammatische Kenntnisse fehlten ihnen ganz. Moses

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