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Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main · 1886-01-01 · 1886 · page 4

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V Diese Worte geben den Eindruck wieder, den der Tod Moses Mendelssohns in den gebildeten Kreisen seiner Zeitgenossen hervorrief. Mendelssohn stand, als er starb, auf der Höhe seines Ruhmes. Seitdem er im Jahre 1754 mit seinen philosophischen Gesprächen von Lessing in die deutsche Litteratur eingeführt worden war, hatte er sich mit jeder neuen Schrift einen immer weiteren Leserkreis gewonnen. In so reiner, edler, aus der Tiefe des Gemüts hervorquellender Sprache hatte vor ihm noch niemand in Deutschland philosophische Materien behandelt. Über die höchsten Anliegen des Menschen, über Gott und Unsterblichkeit, hatte er sich in herzgewinnender, überzeugender Weise vernehmen lassen. Namentlich durch seinen Phädon, der den Ruhm seines Namens in der ganzen civilisierten Welt verbreitete, war er ein Trost und Beruhigung spendender Lehrer der Menschheit geworden, ein Lehrer, dem man bewundernde Verehrung und Liebe zollte, weil Leben und Lehre bei ihm im Einklang waren, weil man ihn als einen der edelsten Menschen kannte, der auch in den schwierigsten Verhältnissen Mäßigung, Weisheit und den reinsten Adel der Seele bewährt hatte. Gern nannte man ihn den deutschen Sokrates. Sokrates, so sagte man, hat die Weisheit vom Himmel herab auf die Erde gebracht, Plato ihr den Weg in die Herzen der Menschen gebahnt, Mendelssohn hat beides zugleich gethan. Man verehrte in ihm noch besonders den Mann, den Lessing sich zum Freunde erkoren, dem er im „Nathan" ein unvergängliches Denkmal gesetzt hat. Man dachte sich in jener Zeit gern immer beide vereinigt, Lefsing und Mendelssohn, wie später Goethe und Schiller. Als Lessing dahingegangen war, tröstete man sich damit, daß man Mendelssohn noch besitze. „Sparen Sie sich, liebster Mendelssohn," so schrieb ihm Herder bald nach Lessings Tod, „soviel als an Ihnen ist, unserer Erde. Da Lessing hin ist, hat Deutschland Sie, wenn Sie auch nur stillschweigender Zeuge sind, vor so vielen andern nötig." Er selbst ward von dem Gedanken an seinen Freund nicht mehr verlassen. Die Trauer um seinen Heimgang war aber geweiht durch ein Gefühl des Dankes. „Ich schlafe mit ihm," schrieb Mendelssohn nach dem Tode Lessings, „ich träume von ihm, erwache mit ihm und danke der Vorsehung für die Wohlthat, die sie mir erzeigt hat, daß ich diesen Mann so frühzeitig habe kennen lernen, und daß ich seinen freundschaftlichen Umgang so lange genossen habe." Und in seinem vollendetsten Werke, in den „Morgenstunden", pries er in rührenden Worten Lessings Verdienste um die Religion der Vernunft und setzte dem Freunde ein ehrendes Denkmal. Seine Kraft war erschöpft; er wollte fortan allen anstrengenden geistigen Arbeiten entsagen. Da ward ihm noch einmal die Feder in die Hand gezwungen. Friedrich Heinrich Jacobi hatte in seiner Schrift über die Lehre des Spinoza Lessing als Spinozisten hingestellt; das hieß, nach Mendelssohns Auffassung, als Atheisten und Gotteslästerer. Das erregte ihn tief: Lessing ein Atheist! Der Urheber des „Nathan" ein Gotteslästerer! Er raffte alle Kraft zusammen und schrieb in fieberhafter Aufregung seine Schrift: „An die Freunde Lessings." Es war am 31. Dezember 1785, daß er sie beendete und bei kalteni, stürmischem Wetter selbst in die Druckerei trug. Krank kehrte er nach Hause zurück. „Ich habe mich erkältet, als ich meine Schrift in betreff der Jacobischen Sache in die Vossische Druckerei trug", sagte er seinem Arzt vr. Marcus Herz am 2. Januar. Am 4. Januar in der Morgenstunde machte ein Schlagfluß seinem Leben ein Ende. Diese äußeren Umstände erhöhten noch die Teilnahme und Trauer; sie war in den weitesten Kreisen der gebildeten Welt eine aufrichtige und allgemeine; man blickte ihm nach mit der wehmütigen Empfindung, daß man Unersetzliches in ihm verloren habe. Verhältnismäßig am wenigsten wurde sein Verlust von denen empfunden, die in ihm das meiste verloren hatten, von seinen Glaubensgenossen. Zwar fehlte hier nicht eine begeisterte Schar von Jüngern,

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