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Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main · 1886-01-01 · 1886 · page 2

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Journal
Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
Volume
1886
Date
1886-01-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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IRI
…/9643684-3089726--1020-3090863
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Sonntag, den 10. Januar d. I., fand in unserer Schule zur Erinnerung an den hundertjährigen Todestag Moses Mendelssohns eine Feier statt. In dem festlich geschmückten Hörsaale, in welchem vor dem Rednerpulte die Büste Moses Mendelssohns aufgestellt war, versammelten sich um 11 Uhr vormittags unsere Schüler und Schülerinnen der mittleren und oberen Klassen, das Lehrerkollegium, Vertreter des Schulrates und der Gemeindebehörden, viele ehemalige Schüler und Freunde unserer Schule. Die Feier wurde mit Absingung des 19. Psalmes „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre" eröffnet. Darauf wurde von einem Schüler der folgende, von dem Kollegen Herrn vr. Ferdinand Neu bürg er für diese Feier gedichtete Prolog vorgetragen: Prolog. Vor drei Jahrtausenden, da trieb die Herde Ein Hirt hinaus, wo einsam sich die Wüste Dem Weltmeer gleich in ew'ger Fläche dehnt. Hehr von Gestalt; aus seinem Auge flammte Des Geistes Licht, das eine Welt erleuchtet Und Segen bringt nachkommenden Geschlechtern In fernster Zeit. Da sah das Flammenaug' Des hohen Manns dort in dem Wüstensand, Wie sich ein Feuer aus dem Dornbusch hob. Ihn nicht verzehrend. Da, des Wunders staunend. Er sich dem Feuer naht, das nicht verlosch In Heller Glut, da*hört er eine Stimme Im weiten, menschenleeren Raum der Wüste: „Nimm deine Schuhe ab, der Boden hier ist heilig Dem Gott der Väter!" Und die Stimme sprach: „Du sollst mein Volk aus Sklaverei erretten; Sein Weinen drang zu mir, und ich erhöre Des Volkes Fleh'n." — Er aber rief: „Was bin ich Zu solchem hohen Werk!" Da sprach die Stimme: „Ich werde mit dir sein, der Weltenkönig, Der war und ist und sein wird." — Und der Hirte Ward seines Volkes Hirt; er führt' es weg Aus Not und Drang und tiefer Sklaverei. Die Feuersäule schritt dem Volk voran. Das wilde Meer, das ihm den Weg erlaubte. Sich für ihn teilend, ward des Königs Grab Und seiner Krieger. — Nicht nur für die Dauer Des kurzen Lebens ward zum Hort und Heil Der Hirte seinem Volk. Auf steinerne Tafeln Schrieb er Gesetze, die sein Volk erhalten Für alle Zeit, wenn es sie treu befolgt. Und sterbend zeigt' er ihm das schöne Land, Das seinen Vätern mild und voller Liebe Einst Gott verhieß, und lange wohnt es da. — — --Der wilde Sturm verstreut den heil'gen Samen In alle Welt, nicht daß er untergehe. — Jahrtausende entfloh'n. In Knechtschaft seufzte bang Nochmals das Volk, von Mose einst erlöst. Die weite Welt war sein Ägypten jetzt. — Verachtung, Hohn und bitt'rer Druck sein Teil. — Da ward auf's neu' ein Retter ihm geboren. Unscheinbar von Gestalt, ein schwaches Kind, Das zu dem Gotteshaus der Vater trug, Armut sein Erbteil, und die frühe Not Beugt seine Schulter: Doch im schlichten Schreine Barg sich der Liebe und des Geistes Kleinod: Die Menschenliebe, der kein Werk zu schwer. Die reichen Schätze, die das Wissen bietet.

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