Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Volume
- 1877
- Date
- 1877-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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— 22 — 4. Die Arthur und Emil KSnigswarter'sche Unterrichts- und Studienstiftung hat durch den Tod des Herrn Isaak Königswarte r, (geb. 8. September 1818, gest. 30. Januar 1877), eines ihrer Mitbegründer, der als solcher auch der Verwaltung angehörte und in derselben durch seinen milden und menschenfreundlichen Sinn ungemein wohlthätig wirkte, einen allgemein schmerzlich empfundenen, unersetzlichen Verlust erlitten. Es ist das Wahrzeichen einer edlen Natur, daß alle Wechselfälle des Lebens sie nur zu immer reinerem Ausdruck gelangen lassen. Isaak Königswarter war eine solche Natur. In Glück und Unglück hat sich der Adel seiner Seele bewährt. Seine kaufmännische Thätigkeit war von seltenen Erfolgen begleitet, reicher Segen an irdischen Gütern wurde ihm zu Theil: er blieb der schlichte, bedürfnißlose, Men zugängliche Mann. — Auf der Höhe des Lebens traf ihn der härteste Schlag; er verlor was seinem Leben Inhalt, seinem Streben ein Ziel gab, was überhaupt dem irdischen Besitz Werth verleiht: der hoffnungsvolle, einzige Sohn starb ihm in der Blüthe der Jahre. Das wurde und blieb der nagende, nimmer endende Schmerz seines Lebens. Aber der Schmerz zeitigte in ihm nur Liebe. Dessen ist unsere Stiftung ein Zeugniß, zu der er sich mit der Gattin und dem Bruder vereinigte, den das gleiche, harte Schicksal getroffen hatte. Noch war die Stiftung nicht ins Leben getreten, da starb ihm der einzige Bruder, der ihm noch geblieben war, und mit dem ihn die Gemeinsamkeit der Berufstätigkeit und aller Interessen von Jugend auf verbunden hatte. Er suchte Trost in Werken der Menschenliebe. Er baute zur Erinnerung an seinen Bruder und,an seine Eltern ein großes Hospital und übereignete es, reich ausgestattet, unserer Gemeinde. Die Milderung der Noth seiner Nebenmenschen war von da an seine Hauptthätigkeit. Er ward die Zuflucht der Armen und Bedrängten und ihr unermüdlicher Helfer. Nun ist er dahin gegangen, der Letzte seines Geschlechts in unserer Stadt. Die Stätte ist leer. Aber schon die Betrachtung seines Wirkens hat etwas Erhebendes, sie prägt uns von Neuem ein, was von allen menschlichen Thaten und Erfolgen das Bleibende ist. Unvergängliche Denkmale der Liebe knüpfen sich an seinen Namen. Das Andenken des Gerechten ist ein Segen! Die Stiftung hat auch im abgelaufenen Jahre die Zwecke wissenschaftlicher Studien, des Schul- und Fortbildungs-Unterrichts gefördert, sie ist dabei auch 12 Schülern unserer Schule ohne Unterschied der Consession zu Gute gekommen. Näheres besagt ein demnächst von der Verwaltung zu erstattender Bericht. 3. Die Creizenach-Stiftung, welche eine Wittwen- und Waisenklasse für die Hinterlassenen der dazu berechtigten Mitglieder des Lehrer-Collegiums und eine Hülfskasse für sämmtliche an der Schule wirkende Lehrer und Lehrerinnen im Falle der Erkrankung oder bei körperlichen Leiden ist, wird in ihrer statutenmäßigen Wirksamkeit durch die im Jahre 1873 zum Andenken an den am 6. Juni desselben Jahres verstorbenen, um unsere Schule hochverdienten Herrn B. H. Goldschmidt mit dem gleichen Zwecke ihr von dem Herrn Leopold B. H. Goldschmidt zu Paris als Annex beigefügte P. H. Goldschmidt-Stiftung wesentlich gefördert. Wir geben auf den unten folgenden Seiten ein Verzeichniß der im Laufe des Jahres bei der Creizenach-Stiftung eingegangenen Gaben, und indem wir für dieselben im Namen der Schule unsern verbindlichen Dank aussprechen, empfehlen wir die Förderung dieser wohlthatigen Anstalt den Freunden «nd Gönnern unserer Schule auf das Angelegentlichste.