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Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main · 1875-01-01 · 1875 · page 2

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Journal
Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
Volume
1875
Date
1875-01-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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IRI
…/9643684-3089704--0481-3090284
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Dem ersten Beitrage zur Geschichte unserer Schule, welcher Ostern 1869 als Einladungsschrift zur öffentlichen Prüfung unserer Zöglinge erschienen ist, folgt hier ein zweiter. Er greift, früher Mitgetheiltes ergänzend, noch einmal zurück in die Anfänge der Schule und führt die Geschichte derselben bis zum Jahre 1822, wo ihr, mit der Einführung einer staatlich genehmigten Schulverfassung, die Bahnen sich ebnen. Im Anschluß an die Darlegung der wichtigsten Bestimmungen jener Schulverfassung sollen dann die Veränderungen bezeichnet werden, welche das Verhältniß der Schule zum Staate und zur israelitischen Gemeinde, die Zusammensetzung und der Wirkungskreis des Schulraths, die Stellung des Oberlehrers, nachmals Directors und der Lehrer-Conferenz im Laufe der Zeit erfahren haben, vor Allem aber soll die innere Entwickelung der Schule in entsprechender Ausführlichkeit zur Darstellung gelangen. Dieses Alles wird den Inhalt eines später zu veröffentlichenden, den Gegenstand abschließenden dritten Beitrages ausmachen*). I. Die Zeit des Fürsten Primas und das Project einer Carlsschule. Die geistige Bewegung des achtzehnten Jahrhunderts blieb vor den Ghetti der Juden nicht stehen, am wenigsten vor demjenigen, in welchem Ludwig Boerne geboren wurde. Lastete auf den Juden hier in der freien Reichsstadt noch im Anfange dieses Jahrhunderts der Druck stärker als anderswo in Deutschland^), so wurde hier auch das Streben nach Befreiung um so kühner, energischer und nachhaltiger. Nach zwei Richtungen wurde der Kampf gegen das Bestehende gleichzeitig aufgenommen, nach innen und nach außen: es galt die geistige Stagnation, den Rost und die Schlacken zu beseitigen, welche Religion, Bildung und Sitte fast bis zum Zerrbild verunstaltet hatten, und gleichzeitig die Fesseln und Schranken zu durchbrechen, die, Jahrhunderte auf den Juden lastend, jenes Elend erzeugt hatten. Als die unerläßliche Vorbedingung und das einzige, nach innen wie nach außen zu sicherem Erfolg führende Mittel in diesem Kampfe erschien der Besitz deutscher Bildung. Gute Schulen sollten dieselbe der großen Masse der jüdischen Bevölkerung zuführen. Dieses ist das Charakteristische der in jener Uebergangsepoche, am Ende des vorigen und im Anfang dieses Jahrhunderts von den Juden selbst errich- *) Außer den Archiven der Schule und der israelitischen Gemeinde konnten für die folgende Darstellung die betreffenden Akten des Senats und der ehemaligen gemischten Kirchen- und Schulcommission benutzt werden, wofür ich dem hiesigen Magistrate und dem Königlichen Provinzial-Schul-Collegium in Cassel zu Dank verpflichtet bin. **) Kriegk, Frankfurter Bürgerzwifte und Zustände im Mittelalter, S. 405, sagt: „.. was die in Deutschland ansässig gewordenen Juden betrifft, so war ihre Lage während des Mittelalters im Ganzen genommen, eine bessere, als in den ersten drei Jahrhunderten der neueren Zeit. Namentlich aber war dies der Fall in Betreff der Frankfurter Juden, welche im Mittelalter jener tiefen Verachtung und schmählichen Mißhandlung entzogen waren, die sie vom Beginn der neueren Zeit an bis zu unserem Jahrhundert zu erdulden hatten. 1

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