Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Volume
- 1871
- Date
- 1871-01-01
- Page
- – (sequence 36)
- Language
- German
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Schulnachrichten ^. Chronik. Montag den 25. April wurde das neue Schuljahr eröffnet. — Der Schulrath hatte beschlossen, während desselben längst zum Bedürfnisse gewordene bauliche Veränderungen im Schulhause zur Ausführung zu bringen. Als Lehrer und Schüler sich mit dem Beginne der Sommerferien am 30. Juni im tiefsten Frieden trennten, wurde der Bau unverzüglich mit aller Macht in Angriff genommen. Da erscholl der Aufruf zur Verteidigung des Vaterlandes, alle waffenfähige Mannschaft eilte an die bedrohte, uns so nahe Grenze — die Baustätte war verödet. Nur mit Mühe gelang es, den Bau so weit zu fördern, daß unter Benutzung der Turnhalle und des Physiksaales zu Klassenzimmern, sowie durch Combmation der beiden Abtheilungen der zweiten Knabenklasse, 14 Tage nach dem gesetzlichen Schluß der Sommerferien der Unterricht wieder begonnen werden konnte. Unter dem erhebenden Eindruck der ersten großen deutschen Siege nahmen wir am 16. August unsere Schulthä'tigkeit wieder auf. Aus eigenem Antriebe hatten schon während der Ferien viele unserer erwachsenen Schüler sich dem Comitö zur Verpflegung der durchziehenden Truppen zur Verfügung gestellt. Jetzt wurden sie in den Geschichtsstunden auf die Bedeutung der großen Ereignisse der Gegenwart hingewiesen, die Mädchen wurden in den Handarbeitsstunden mit der Anfertigung von Lazarethbedürfnifsen beschäftigt, Sammelbüchsen, am Eingange des Schulhauses befestigt, mahnten Schüler und Schülerinnen zur Selbstbeschränkung zu Gunsten der Verwundeten, endlich haben wir auch der Aufforderung, unsere Schüler und Schülerinnen zum Besten unserer auf dem Schlachtfelde nothleidenden Brüder bei einem Kinderconzerte mitwirken zu lassen — so erheblich auch unsere pädagogischen Bedenken dagegen waren — uns nicht entzogen. Geschah so Alles, was geeignet war, die reichen Anregungen der Gegenwart zur richtigen Erkenntniß der großen geschichtlichen Ereignisse und zur Hebung der vaterländischen Gesinnung in unserer Jugend zu verwerthen, so hatte es sich das Lehrer-Collegium zur Pflicht gemacht, hierbei das Maaß nie zu überschreiten und die nächsten Aufgaben der Schule und des Unterrichts in diesen ereignißreichen Zeiten nur um so fester im Auge zu behalten. Ohnedies wurden wir nur zu bald und unerwartet durch ein erschütterndes Ereigniß zur Sammlung für unsere besonderen Aufgaben hingedrängt. Am 29. August starb unser College Lazarus Geiger. Was er gewirkt und gewesen, ist in den den Schulnachrichten vorangeschickten Blättern darzuthun versucht worden. Seine Beerdigung fand am 1. September statt. Sie gab ein Zeugniß davon, daß die Bedeutung dieses seltenen Mannes hier doch in viel weiteren Kreisen gewürdigt, oder doch geahnt worden ist, als man bei der bescheidenen Zurückgezogenheit, in der er lebte und bei dem Character seiner schriftstellerischen Tätigkeit hätte vermnthen dürfen. Die Schule war dabei durch die Schüler der oberen Klassen, das Lehrer- Collegium und den Schulrath vertreten. Am Grabe sprach der hochbetagte Vater des Verewigten ergreisende Worte, sodann widmete der Unterzeichnete dem verehrten Collegen einen Nachruf. Noch im Monate September traten Freunde und Verehrer des Verstorbenen, darunter die namhaftesten Gelehrten unserer Stadt 1