Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 38 (16.9.1927)
- Date
- 1927-09-16
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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m DIE WAHRHEIT Seite 13 Von Wodke zu Wo^e^M, Der Vorstand des Rabbinerverbandes in Deutschland veröffentlicht folgenden schönen Aufruf an die deutschen Juden: Die bedeutsamste Zeit des jüdischen Jahres steht vor der Tür. Rausch Haschonoh und Jom Hakippurim rufen zum Gotteshause und zu stiller Feier in den jüdischen Häusern. Aber ihr Aufruf zur Besinnung, zur Einkehr und Umkehr findet in unserer Mitte nicht mehr überall Gehör. Mancher ist gleichgültig, mancher ist seinen Brüdern und dem Gott seiner Väter fremd geworden. Andere sind unter der Last der Arbeit erdrückt. Die Zeit scheint dahin zu sein, da die geschlossenen Geschäfte der jüdischen Kaufleute an Sabbaten und Festtagen, am Rausch Haschonoh und Jom Hakippurim ein Stammes, aber eindringliches Bekenntnis zu Gott und zum Judentum vor aller Welt ablegten. Aus dieser Unfähigkeit, unsere heiligen Tage .zu feiern, sprechen Not und Druck der jüdischen Seele. Unsere Verantwortung, unsere Sorge bewegt uns deutsche Rabbiner zu einem ernsten Wort an die deutschen Juden. Genug des Leids, daß so vielen von uns der Sabbat, der Oueillpunkt unseres Familienlebens, die Wurzel der edelsten Tugenden unserer Gemeinschaft, der Tag unserer Seele, das Wahrzeichen unseres Glaubens, verloren gegangen ist. Sollen nun auch die „ehrfurchtgebietenden Tage" dem Materialismus mehr und mehr zum Opfer fallen? Die „Tage der Umkehr" nahen. Möchte ein jeder den Willen und den Weg finden, die heQigen Tage ganz und ungeschmälert zu feiern. Möchte jeder jüdische Geschäftsinhaber seine Angestellten von jeder Arbeit an den hohen Tagen befreien. Möchten die Treuesten der Treuen, denen es ein tiefes Bedürfnis ihres Herzens ist, der religiösen Pflicht gemäß Sabbate und Feste zu feiern, weitherziges Verständnis bei allen in Betracht kommenden jüdischen Persönlichkeiten finden. Euch alle aber bitten wir: Setzt alles daran, daß unsere Ruhe- und Festtage unserer jüdischen Gemeinschaft erhalten bleiben. Die Treue zum Judentum fordert Opfer. Aber ihr Lohn ist eine Ruhe des Gewissens, das Bewußtsein treu erfüllter Pflicht, die Festigung und Erhöhung des Judentums. Im Geiste eng mit Euch allen verbunden, wünschen wir Euch den Segen der heiligen Tage. „Möge alle Sorge_von Euch weichen; die Freude an Gott bleibe die Quelle Eurer Kraft!"' Edmund Eysler. Edmund Eysler, der allseits beliebte, feinfühlige Wiener Komponist, der am 13. d. M. sein fünfundzwanzigjähriges Komponistenjubiläum gefeiert hat, war aus diesem Anlasse Gegenstand zahlreicher Ehrungen und unzählige Glückwünsche aus aller Herren Ländern, in welchen seine Kunst Glück und Frohsinn gebracht hat, flatterten dem Meister der Operettenmusik zu. Wer Edmund Eysler ist, brauchen wir den Wienern, den Oesterreichern nicht zu sagen, das sagen seine Werke, die entzückenden Schöpfungen einer fröhlichen Mu9e; was wir aber zu erwähnen nicht unterlassen wollen, ist. daß Edmund Eysler als einfacher Bruder Straubimger wie auch auf dem Gipfelpunkt seiner Erfolge stets ein guter, aufrechter Jude geblieben ist, ein Wiener Jude mit all jener vornehmen und doch ungezwungenen Kultiviertheit, wie sie eben nur der Wiener Boden, das Wiener Milieu hervorbringen kann. Möge der Abglanz von all der Freude, die uns Edmund Eysler geschenkt hat, sein Alter verklären, das eigentlich gar kein Alter ist, da Schönheit und Freude ewig jung bleiben. Regine Ulmann-Feier. Die Weibliche Fürsorge, deren Vorsitzende die 80jährige Philanthropin und Schriftstellerin ist, veranstaltete am 11. September im intimen Rahmen eine Feier in der Wohnung der Tochter der Jubilarin, Frau Regierungsrat Massarek. Der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde, Prof. Dr. A. Pick, mit den beiden Vizepräsidenten Dr. O r n s t e i i> und Dr. Löwenherz nebst zahlreichen Herren des Vorstandes, Amtsdirektor Fuchsgelb, Doktor Moritz L ö w y, Amtsleiter K r a u ß hatten sich eingefunden und überbrachten das 100jährige Statut der Kultusgemeinde und eine Adresse namens der Zentralstelle für jüdisch-soziale Fürsorge, Frau Sofie G r ü n f e 1 d hielt eine gehaltvolle Festrede und Frau Hermine Kadisch verlas die mit symbolischen Bildern der Malerin Emmy Goldschmiedt-Schur geschmückte künstlerische Adresse der Weiblichen Fürsorge, welche die Jubilarin zur ihrem Ehrenmitgliede ernannt und ihr einen Regine-Ullmann-Fonds für wohltätige Zwecke übergeben hat, der vorläufig die Höhe von 4000 Schilling erreicht. Herr Hof rat Nüchtern überbrachte die Glückwünsche des Ministeriums für soziale Fürsorge und kündigte der Jubilarin eine Ordensauszeichnung an, Frau Helene Kuranda teilte mit. daß der Mädchenuntersiützungsverein seine einstige Mitbegründerin zu seiner Präsidentin ernannt habe. Frau Henriette Schwarz sprach als ehemalige Schülerin des Vereines, Dr. Else F r e n k e 1 feierte die Jubilarin als Journalistin, Frau Markus Freund namens der R o h ö, Frau Hertha v. Sprung für den Bund österreichischer Frauenvereinie, Frau Else Spitzer für den Verein für soziale Hilfe. Frau Professor Roth überreichte eine Adresse der Altersfürsorge, worauf sämtliche Präsidenten und Präsidentinnen der der Weiblichen Fürsorge angeschlossenen Vereine einige Worte des Glückwunsches sprachen. Herzliche Glückwunschschreiben hatten die Mutter und die Gattin des Bundespräsidenten, Frau Marianne und Emilie Hainisch, Bürgermeister Seitz, die Israelitische Allianz, Charlotte Königswarter, die Rabbiner Dr. G r u n w a 1 d und Dr. Rosenmann gesendet. Unter den Anwesenden bemerkte man außer den sechs Kindern, Schwiegerkindern und Enkeln der Gefeierten dfie Hofrätinnen G o m p e>r a und L ö w n e r, die Schriftstellerinnen Rosenberg und Mieses-Rappaport, Obermedizinalrat Dr. Krüger, die Rabbiner Dr. F e u c h t w a n g und Dr. Schwarz, die Gattinnen der Rabbiner Dr. Grunwald, Feuchtwang, T a g 1 i c h t, R o s e n tn an n, Mandl und Frau Erna P a t a k, die namens der zionistischen Vereine eine Qelbaumspende gewidmet hatte. Ernennung. Der Bundespräsident Dr. Michael H a i n i s c h hat dem bekannten Flcridsdorfer Fabrikanten Ignaz Buchw a 1 d für seine Verdienste um die österreichische Wirtschaft taxfrei den Titel eines Kommerzialrates verliehen. Kommerzialrat Ignaz B u c h w a 1 d. ein warmer Förderer jüdisch-humanitärer Institutionen, ist ein Sohn des ersten Präsidenten der Floridsdorfer jüdischen Gemeinde Josef Buchwald s. A. Oberkantor Bernhard Linetzky des Tabaktempels in Budapest hat in den letzten Jahren glänzende Anträge von amerikanischer Seite abgelehnt. Gegenwärtig weilt der Direktor eines großen amerikanischen Konzertunternehmens in der ungarischen Hauptstadt, um den allgemein beliebten und als glänzenden Sänger geschätzten Oberkantor durch persönliche Intervention für eine Sechs-Monat-Tournee durch alle großen Städte der Vereinigten Staaten zu gewinnen. Trotz außerordentlich verlockender Anbote kann sich jedoch Oberkantor Linetzky nicht entschließen, den Antrag des amerikanischen Konzertunternehmers anzunehmen. Trauung. Unter außerordentlich großer Beteiligung fand Sonntag, den 11. d. M.. in Budapest die Verehelichung des Herrn Alexander T k a t s c h, eines Sohnes des bekannten Oberkantors des Budapester Rombach-Tempels, Israel Tkatsch, mit Fräulein Erzsi Weinberger, Tochter des Besitzers und Direktors der „Credit-Reform", Herrn Josei Weinberger, statt. Zu dieser hatten sich das Präsidium und die Vertreter der Pester israelitischen Religionsgemeinde, des Bethausvorstandes sowie zahlreiche Freunde und Verehrer des allgemein geschätzten und beliebten Oberkantors eingefunden, welche das große MÖBELFABRIK FER NSPRECH-NUM MER 45-1-91 P P E N H E I SIGM. WIEN, 2. BEZ., PRATERSTRASSE NR. 30 Reiche Auswahl solid gearbeiteter Möbel zu billigsten Preisen