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Die Wahrheit · 1929-03-08 · Heft 10 (8.3.1929) · page 14

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 10 (8.3.1929)
Date
1929-03-08
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 14 DIE WAHRHEIT seines eingeführten Geschäftes niemals ein besonders vermögender Mann. Denn er rechnete sich stets den bescheidensten Nutzen aus und es wagte auch keiner seiner Kunden, mit ihm zu feilschen. Es würde auch nichts genützt haben. Bei vielen Bauern galt als Regel: „Wer beim ,Judenkaiser' handelt, ist kein besonderer Mensch." Es kam auch sehr oft vor, daß der „Judenkaiser" nach Verlauf von einigen Wochen dem einen oder anderen Kunden einen Betrag rückerstattete, da er die Ware billiger besorgte, als er glaubte. Die fünf Bücher Mosi, sämtliche Psalmen und Mischna beherrschte der Verblichene auswendig. Er saß stundenlang an seiner Nähmaschine, arbeitete und rezitierte dabei ununterbrochen seine Psalmen. Sein Haus bildete auch eine Lehrstätte der heranreifenden jüdischen Jugend. Die Auffassung des Maimonides in bezug auf den Bibelvers „In allen deinen Wegen sei dir die Gottheit bewußt", daß das ganze Leben des Menschen ein heiliger Dienst sei, fand in dem Frommen die idealste Verwirklichung. Um Mitternacht (Chazoth) vergaß er heiße Tränen über die Zerstörung des Heiligtumes. Auch im strengsten Winter suchte er zeitlich morgens die Mikwah auf, um sein Gebet in echt jüdischer Reinheit verrichten zu können. Nachdem der Verblichene ins altehrwürdige B e t h- Hamidrasch der Rabbi Schreiber-Dynastie getragen wurde, hielten Oberrabbiner Ehrenfeld aus Mattersburg, der würdige Dajin aus Mattersburg Rabbiner Taussig, Herr Josef Hönigsber, Vizepräsident der orth. isr. Kultusgemeinde Nitra, gleich seinem Vater ein großer Talmudgelehrter, Mendel Hönigsber (Wien), gleichfalls ein würdiger Sohn des Verblichenen und Rabbiner Benedikt (Wien-Mattersburg) Trauerreden. Kein Auge blieb tränenleer, als der Vertreter der Nachbargemeinde Wr.-Neustadt. Herr Oberrabbiner Dr. Hillel Weiss, in ergreifender Weise die erhabene Lebensweise des gottesfürchtigen Mannes an Hand talmudischer Zitate schilderte. Dann zog eine große Schar Verehrer hinter dem Sarg zum altehrwürdigen „Beth hachajim". Nicht bloß die fünf würdigen Söhne und die einzige Tochter, sondern alle die dem Sarge folgten, fühlten sich als Kinder des Dahingeschiedenen. Unter den zahlreichen Anwesenden bemerkte man Oberrabbiner Frey aus S u r ä n y. Rabbiner Rosen aus Wien, die Kultusvorsteher Hugo Reininger und Samuel Mandl Union deutschösterreichischer Juden Wien IX., Berggasse 4 Tel. A 19-2-77 Der 6. Sprediabend der „Union" findet Sarnstall, den 9. Marz 1929, 8 Der abends, im sonlerralnlokaie des Arkaden-Cafe I., Unlversliats- Sfraße 3, statt, wozu hiemit die höfliche Einladung an alle Freunde der „Union", sowie an die Mitglieder, insbesondere auch an die Damen ihres Familien- und Bekanntenkreises ergeht. Tagesordnung: Kultusvorsteher Bernhard Alfmann: „Das Geschalt in Sowjefrußland Iii Theorie and Praxis" AnsAlleftend Diskussion GÄSTE WILLKOMMEN/ Für die „UNION DEUTSCHÖSTERREICHISCHER JUDEN- Der Präsident : Dr. Jakob Ornstein m. p. aus Wr.-Neustadt. sowie eine große Zahl von Abordnungen der Gemeinden W r.- Neustadt, Baden, Ocdenburg, Z e 1 e m usw. Möge die edle Persönlichkeit des Verstorbenen beispielgebend wirke-n, denn die Werke der Frommen sind fruchtbringend. Secher zadik livrocho! Der Verein zur Erhaltung und Förderuns der Mensa academica judaica veranstaltet Samstag, den 16. März 1. J. in sämtlichen Sälen des Kursalons, I., Stadtpark, einen Tanzabend, dessen Reinerträgnis zur Gänze dar Mensa academica judaica zufließt Die Musikkapelle „The Midnight Cölibiri. Amateurs" hat sich in liebejiswüfrdiiger Weise der humanitären Sactoei zur Verfügung gestellt. Karten zu S 6.— siind im Vorverkauf erhältlich: Im Sekretariate des Vereines IX., Zimmermannplatz 8, Tel. A 25-2-28 und bei den Israel. Humanatätsvereinen B'nai B'rith IX., Universiitätsstraße 4, Tel. A 20-5-42. Volksbibliothek „Zion" (II., Kl. Mohrgasse 3). Samstag, den 16. März, 8 Uhr abends, findet im Festsaal der Bibliothek ein Vortrag des Herrn Rabb. Dr. Feuchtwang: „Die kulturgeschichtliche Bedeutung der Bibelübersetzungen", statt. Die Jazzsängerin. Was AI Jolson in Amerika, das ist die Sophie T u c k e r in London. Bei uns noch kaum bekannt, ist sie in London der viel umworbene Webling der mondänen Gesellschaft. Das von ihr gewählte Genre ist auch ganz neuartig. Dem Grammophonfreund ist sie schon seit längerer Zeit durch die Schallplatten der englischen ColumbJagesellschaft bekannt. Insbesonders ihre letzten^Aufnahmen „Some of these Days" in englischer und „My jyddTs he Momme" in jiddischer Sprache sind in ihrer rührenden Art unerreicht. Das Musikhaus „Excelsior", Wien L, Adlergasse 5 (Telephon R 23-4-90) und IL, Kleine Pfarrgasse 28 (Telephon A 41-6-24) hat diese nebengeräuschfreien Columbiaplatten schon auf Lager und erzielt mit ihnen große Umsätze. Dte Firma hat auch alle anderen jüdischen und hebräischen Gesänge, sowie die modernsten Schlager vorrätig. Einzelexemplare der „Wahrheit sind in der Großtrafik Lloydhof, Wien II., Praterstraße 11, erhältlich. KONKURS Die Tempelverwaltung der Kultusgemeinde in Lemberg (Lwöw) hat beschlossen, einen ODERKANTOR aufzunehmen. Reflektanten mit erstklassiger Stimme (Tenor oder Bariton), musikalisch vollkommen ausgebildet, mit der Liturgie vollkommen vertraut, mögen ihre Gesuche mit entsprechenden Belegen, nebst Photographie und kurzer Lebensbeschreibung längstens bis 30. März 1929 an den Vorstand der Tempelverwaltung Dr. Osias Wasser, Rechtsanwalt in Lwöw (Lemberg), Kosciuszkigasse 6 einsenden. Die Stelle kann jederzeit angetreten werden. Gehalt und sonstige Gebühren werden im Wege gütlicher Verabredung bestimmt werden. Der Sekretär: Der Präsident der Verwaltung: Dr. Witold Wiesenberg Dr. Osias Wasser

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