Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1938
- Issue
- Heft 7 (12.2.1938)
- Date
- 1938-02-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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V. b. b. Zeitung vom Verleger „Journal expetHe par Jüdische ü)ochensclirifr Die bbahrdcit mit den Veröffentlichungen der „Union österreichischer Juden** Erscheint jeden Freitag Preis 40 Grosdien Redaktion und Administration: Wien II., Heinestraße 13 — Telephon R 44-1-40 — Postsparkassenkonto Wien: A 100.918 54. Jahrgang Wien, 12. Februar 1938 Nummer 7 Vertrauensmänner-Kundgebung der „Union österreichischer Juden' Die Leitung der „Union österreichischer Juden", die jetzt in einein schweren Kampfe um die Wahrung der Rechte der - österreichischen jüdischen Jugend steht, hat das dringende Bedürfnis gehabt, die Vertrauensmänner der Organisation einzuberufen, um deren Meinung über die Weiterführung der mit allem Nachdrucke begonnenen Aktion gegen die Ausschaltung unserer Jugend aus dem „Oesterreichischen Jungvolk" zu hören. Der Zentralvorstand der „Union" hat deshalb für Sonntag, den 6. d. M. vormittags, die Einberufung einer Vertrauensmänner - Zusammenkunft beschlossen. Dem Rufe der Leitung waren Männer und Frauen aus allen Bezirken Wiens in erfreulich großer Zahl gefolgt, sie alle wie auch die zahlreich anwesenden Vertreter der Jugendorganisationen der „Union" lauschten begeistert den Worten des Referenten, des Präsidenten der „Union", Reg.-Rat Dr. Hermann Oppenheim, dem wiederholte spontane Beifallskundgebungen bewiesen, daß die Funktionäre, die für die Bezirksorganisationen der „Union" erschienen waren, in deren Namen den eingeschlagenen Weg gutheißen und dessen energische Fortsetzung verlangen. Diese überwältigende Stimmung des Vertrauens kam auch in der zur einstimmigen Annahme gelangten Resolution zu glänzendem Ausdruck. Die eindrucksvoll verlaufene Versammlung wurde vom Vizepräsidenten Dr. Josef T i c h o geleitet, der nach einleitenden 'Begrüßungsworten Herrn Reg.-Rat Dr. Oppenheim das Wort erteilte, welcher, mit stürmischem Jubel begrüßt, u. a. folgendes ausführte: Vollkommen, überraschend für uns ist am 6. Jänner d. J. die auf der Arbeitstagung des „Oesterreichischen Jungvolkes" 'abgegebene Erklärung des Herrn Bundesjugendführers Graf Thurn-Valsassina erschienen, wonach ein Jüdischer Jugendverband gegründet werden soll, in dem die jüdische Jugend „unter sich" bleiben soll. Wir haben auch jetzt Gelegenheit, den genauen Wortlaut dieser Erklärung des Herrn Bundesjugendführers kennen zu lernen, und zwar durch die in den jüdischnationalen. Zeitungen veröffentlichte sogenannte „Antwort" des Herrn Dr. Desider Friedmann auf die (in der letzten Nummer der „Wahrheit" an leitender Stelle veröffentlichte) Resolution unseres Zentralvorstandes. Aber wir wissen bereits seit einiger Zeit auf Grund von Informationen einer maßgebenden Stelle die ganze und volle Wahrheit, wissen, daß es beabsichtigt ist und anscheinend feststand, die jüdische Jugend nicht ins „Oesterreichische Jungvolk" einzugliedern, sondern außerhalb desselben in einem Zwangs-(Dach-)Verband zu vereinigen, dessen Angehörige allein das Recht haben sollen, mit Erreichung des 18. Lebensjahres in die Vaterländische Front einzutreten. Der geplante Titel dieses Zwangsverbandes sagt alles; er wird nicht „Oesterreichisch-Jüdischer" oder „Jüdisch-Oesterreichischer Jugendverband" heißen, sondern „Jüd> scher Jugendverband in Oesterreich", d. h. es soll auch nichtösterreichischen jüdischen Jugendlichen die Möglichkeit gegeben sein, in diesen Verband einzutreten, eine Möglichkeit, an die der jüdischnationale „Verhandlungspartner" des Herrn Bundesjugendführers vor allem dachte, weil bekanntlich den verschiedenen jüdischnationalen Jugendorganisationen auch zahlreiche NichtÖsterreicher, in manchen „Bünden" sogar in überwiegender Zahl angehören. Es sei bei dieser Gelegenheit wieder einmal festgestellt, daß die „Union österreichischer Juden" nicht im entferntesten gegen Glaubensgenossen, die aus dem Osten stammen, eingestellt ist, alles, was in dieser Hinsicht von jüdischnationaler Seite in demagogischer Weise vorgebracht wird, ist infame Lüge, aber in einer Frage, die ausschließlich die österreichische jüdische Jugend betrifft, darf man sich nicht von internationalen oder, wie man es auch ausdrücken kann, jüdischnationalen Motiven leiten lassen. (Sehr richtig!) In der nach dem 6. Jänner zuerst veröffentlichten Erklärung des Grafen Thurn-Valsassina ist großes Gewicht auf die religiöse Erziehung der Angehörigen des „Oesterreichischen Jungvolkes" gelegt worden. Es berührt angesichts dieser nur selbstverständlichen Betonung des religiössittlichen Charakters des „Oesterreichischen Jungvolkes" merkwürdig, daß in dasselbe auch die konfessionslosen Jugendlichen aufgenommen werden sollen. Da schweigt das religiös-sittliche Bedenken, das scheinbar nur gegenüber den jüdischen Jugendlichen obwaltet. Woher weiß Herr Graf Thurn-Valsassina, daß „es jüdischen Eltern unmöglich recht sein kann, ihre Kinder ins „Jungvolk" zu schicken", weil „es unser Prinzip ist, die Jugend christlich, deutsch und sozial-gerecht zu erziehen"? Hat er die österreichischen jüdischen Eltern befragt? Nein, er begnügte sich mit den Informationen, die er ausschließlich oder fast ausschließlich von Herrn Dr. Desider Friedmann erhalten hat, und wurde in seiner irrigen Ansicht bestärkt durch die „Zustimmungserklärungen" (Gelächter) von jüdischnationalen Organisationen von der „Bedeutung" eines „Brith Trumpeldor", des „Jüdisch-Kulturellen Elternbundes" und des „Ringes der Alt-Herren-Verbände" der zionistischen Verbindungen". Also durchwegs Vereinigungen jüdischnationaler oder blau-weißer Couleur. Dr. Oppenheim befaßte sich kritisch mit der Bedeutungslosigkeit der angeführten jüdischnationalen Organisationen für die österreichischen Juden, wobei er insbesondere feststellte, daß der „Ring" eine sehr unheilvolle Rolle im jüdisch-politischen Leben Wiens spielt, da von den 17 jüdischnationalen Kultusvorstehern der „zionistischen Liste" die Hälfte dieser rein politisch-zionistisch-jüdischnationalen Organisation angehört. Unter dem Beifall der Anwesenden erwähnte Dr. Oppenheim lobend, daß lediglich die „Vereinigung jüdisch-legitimistischer Frontkämpfer" unter Führung des Generals Sommer den Mut gefunden habe, energisch gegen die ^-sr^v. beabsichtigte Diskriminierung der österreichischen^* jüdischen Jugend Stellung zu nehmen. f-'^lf6'3' Dr. Desider Friedmann hat in dieser Angele^ & 3 genheit, wie die Juristen sagen, als „fatsus procu- \J!£*X rator" gehandelt, er hat eine Vollmacht vorgegeben, die er vom österreichischen Judentum nicht erhalten hat, er hat monatelang Verhandlungen ohne diese Vollmacht geführt und, wie wir nun authentisch hören, gar einen „Vertrag" geschlossen, der die österreichische jüdische Jugend vom „Oesterreichischen Jungvolk" ausschließt und sie in einen Dachverband zwingt, der, wie es sich Dr. Friedmann vorstellt, von „volksbewußtcn Jugendführern" geführt werden soll. Die österreichische jüdische Jugend soll also — und dazu hat Herr Dr. Friedmans seine Zustimmung gegeben — nicht ein Teil des „Oesterreichischen Jungvolkes" sein (lebhafte Entrüstungsrufe-Rufe), sondern nur hinsichtlich der ' Aufnahme in die Vaterländische Front nach Erreichung des vorgeschriebenen Alters den Jugendlichen anderer Konfessionen gleichgestellt werden. Unter steigender Entrüstung der Versammlung schilderte Dr. Oppenheim die Entwicklung der Angelegenheit bis zum gegenwärtigen Momente, sprach davon, daß ursprünglich sogar ein blauweißes Abzeichen für die Angehörigen des soge- Damenhonfehnons= OHIE*KOK$ ANTHRAZIT „Three Stars ...BUCHENHOLZ BÄSCH Inhaber« Dr. RICHARD BÄSCH IV., Argentinierstrafie 22 Zweimal täglich EUznsteUnng nach allen Bezirken 0 47-5 40 Tnodellfraus „Zue feschen. Wienerin fUejius Sa^er & Co. Wien K/2., Währingerstr. 63 Telephon A 23-249 Gründungsjahr 1897 Dorneljmes modellbaus für Damenbekleidung wie Mäntel, Kleider, Kostüme, Blusen ITlafrHtelier im fiaufe Trauerwaren stets lagernd oder Anfertigung binnen 24 Stunden