Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1938
- Issue
- Heft 6 (11.2.1938)
- Date
- 1938-02-11
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT Nr. 6 — 11. Februar 1938. Seite 7 im Namen des Bundesstaates Oesterreich! mußte die „Neue W e 11" vom 4. d. M. folgendes verlautbaren: Das Stratbezirksgericht Wien 1 in Wien als Preßgericht, hat in Gegenwart des Privatanklägers Dr. Ernst F e 1 d s b e r g, in Gegenwart des Privatanklagevertreters Dr. Karl Steiner, in Abwesenheit des Angeklagten Fritz Kolb, in Anwesenheit des Verteidigers Dr. Gottfried Weidenfeld über die Anklage, die der Privatankläger Dr. Ernst Feldsberg gegen Fritz Kolb, 28 Jahre alt, verheiratet-, verantwortlichen Schriftleiter der Zeitung „Die Neue Welt" erhoben hatte, nach durchgeführter Hauptverhiandlung zu Recht erkannt: Der Angeklagte ist schuldig, er habe in Wien als verantwortlicher Schriftleiter der Zeitung „Die Neue Welt" bei Aufnahme des Aufsatzes ,,Die Assimilation rührt sich" durch Aufnahme der Stelle: „Ueber Herrn Dr. Feldsberg . . . als niedrige Verleumdung abgetan wird", in Nr. 706 der genannten Zeitung, deren Inhalt objektiv den Tatbestand der Uebertretung gegen die Sicherheit der Ehre gemäß § 491 St. G. begründet, jene Sorgfalt unterlassen, bei deren pflichtgemäßer Anwendung die Aufnahme des strafbaren Inhaltes unterblieben wäre. Er hat hiedurch die Uebertretung nach § 30 Preßgesetz begangen und wird nach dieser Gesetzesstelle zu einer Geldstrafe von 30 S (dreißig Schillin gi), im NEF. zu 24 Stunden Arrest, und gemäß § 389 STPO. zum Ersatz der Kosten des Strafverfahrens verurteilt. Der Verurteilte wird gemäß .§ 43. Abs. 1, Preßgesetz verpflichtet, dieses Urteil in der ersten oder zweiten Nummer der Zeitung -,Die Neuiei Wfclt", die nach Rechtskraft dieses Urteils erscheinen wird, in der in § 23 Preßgesetz vorgeschriebenen Weise zu veröffentlichen. Gemütlicher Abend des „Union-Klub". Der „Union-Klub", der Klub der Mitglieder und Freunde der „Union österreichischer Juden", hat am 1. d. M. wieder in seinen schönen Räumen am Schottenring ejinen geselligen iAbend veranstaltet, dessen ausgezeichneter Besuch und harmonischer Verlauf den Beweis dafür erbrachte, daß die Abhaltung solcher auf gutem gesellschaftlichen Niveau stehender Abende den Wünschen weitester unionistischer Kreise entgegenkommt. Der diesmalige Abend war aber auch in jeder Hinsicht gut vorbereitet. Ein gediegenes Programm erfreute das Publikum aufs beste, gute Musik sorgte für Tanz und Stimmung,, das ausgezeichnete warme und kalte koschere Büffet der Firma Nagel, II., Praterstraße, mundete vortrefflich. So konnte auch dieser Abend als höchst gelungen betrachtet und als gute gesellschaftliche Vorveranstaltung vor dem in großzügiger Weise geplanten Pur dm- Abend des „Union-Klub" angesehen werden. Von den Mitwirkenden seien lobend erwähnt: die reizende Tänzerin Ruth Wasser, die talentierte Chansonniere Lisi Weinberger, Oberkantor Feuer, der gediegene Proben seiner Sangeskunst bot, der ganz ausgezeichnete Liedersänger Erich Kesakoff. der blendende Kopist Fritz M u 1 i a r. Das Gesamtarrangement lag in den bewährten Händen des Herrn Sigmund Freund, die künstlerische Leitung hatte Herr Chefredakteur Oskar Hirschfeld inne, der auch in sehr launiger Weise die Conference versah.. Die Klavierbegleitung besorgte in gewohnt feinfühliger Weise Herr Felix Lenk, der ebenso wie die Mitwirkenden großen Beifall erntete. Die „Jugend Union", Bezirksgruppe II und XX hat ab 1. Februar, ein neues Heim in den Souterrainlokalitäten des Cafe Sächsischer Hot, II., Taborstraße 46a (separater Eingang Novaragasse 2), eröffnet. In den vom Kafteehausbetrieb vollständig separierten Räumen bietet sie ihren Mitgliedern und Freunden Gelegenheit zu geselligem Zusammensein. Kein Konsumationszwang. Interessante Vorträge und Veranstaltungen, ferner Spielkarten, Ping-Pong, Schach und Gesellschaftsspiele stehen zur Verfügung und auch für Tanz ist Vorsorge getroffen. Programm für Februar 1938: Montag, den U. Februar: Heiterer Heimabend; Samstag, den 19. Februar: Geselliger Abend (Akademie mit Tanz). Näheres in der nächsten Nummer. iMontag, den 21. Februar: Vortrag Leitungsmitglied E. Bases: Ein Streifzug durch die Textilindustrie; Montag, den 28. Februar: Josef Berljawsky, Mitglied des Scherchen-Orchesters, spricht über: Jüdische Komponisten und ihre Musik. Mit Instrumentalbeispielen. Beginn pünktlich um 8 Uhr abends, abends. Bürgermeister Schmitz gegen den Rassenhaß. Bürgermeister Schmitz sprach, wie die Korrespondenz Austria berichtet, am Dienstag im Volksbund der Katholiken Oesterreichs über das Thema „Politischer Katholizismus". Der Vortragende führte tt. a. aus: Im politischen Leben stoße der Katholik auf Erscheinungen, die christlicher Lebensbetrachtung so entgegengesetzt sind, daß es damit keinKompromiß geben kann. Grundsätzlicher Klassenhaß und Rassenhaß, überspannter Nationalismus, der nicht nur eine irreführende Ueberwertung des eigenen Volkes, sondern zugleich auch eine unbegründete Mißachtung der fremden Völker ist, stehe im Gegensatz zur allgemeinen Gotteskindschatt, aus der die heilige Würde des Menschen entspringt. Niemand habe das Recht, sich über diese von Gott jedem Kinde mitgegebene Würde hinwegzusetzen. Vatikan gegen Rassenfanatismus. Das vatikanische Blatt „Osservatore Romano" veröffentlicht einen Artikel des Grafen della Torre anläßlich des Jahrestages der Besetzung des Hl. Stuhles durch Pius XI. In einem Passus des Artikels erklärt der Autor, der Katholizismus lasse nicht die Tendenz einer Superiorität oder Hegemonie oder die Ueberheblichkeit einer Rasse zu, „die dem Imperialismus einen heroischen Anstrich und eine Marsgestalt gibt"; della Torre fügt hinzu, der Katholizismus hebe im Gegenteil die Ansicht hervor, daß jede Rasse ihre besondere Aufgabe im Fortschritt der Welt hat, und daß n i emand das Recht sich anmaßen dürfe, irgend ein Volk zu erniedrigen, .,wenn nicht ein solcher Ostrazismus schließlich alle treffen soll". Der Autor schließt, dies seien die Grundgedanken, die der Hl. Vater stets verteidigen werde. Bethlen warnt vor dem Nationalsozialismus. In Anwesenheit des Ministerpräsidenten und Innenministers sprach in der Sitzung des staatsrechtlichen Ausschusses der frühere Ministerpräsident Graf Stephan Bethlen sich gegen alle Links- und Rechtsextremisten aus. Bethlen sei nicht damit einverstanden, wie die Rechtsextremisten die Judenfrage lösen wollen. Er fragte, ob jene, die diese Lösung gutheißen, nicht sehen. JUGEND-UNION. Nächste Vorträge im Klubheini, I., Schottenring 25. Mittwoch, 16. Februar, 8 Uhr. Vortrag: Rabbiner Prof. Dr. M. Papo im Rahmen des Zyklus: „Das Judentum, in seinem Verhältnis zu den anderen Kulturreligionen": „Judentum und Islam" II. (..Der Einfluß des Islams auf das Judentum"). Mittwoch, 23. Februar, 8 Uhr, Vortrag: Doktor Franz Josef Weiss: „Josef Popper Lynkeus" (anläßlich seines 100. Geburtstages;). Zum ehrenden Gedenken an sein hochgeschätztes Ehrenmitglied Herrn Saiomon Holtmann sei. And. findet Donnerstag, den 17. Februar I. J., um 7 Uhr abends, eine Trauerfeier-Hesped statt, zu welcher alle Mitglieder und Tempelbesucher geladen werden. Der Vorstand des Leopoldstädter Tempelvereines Aeschel Awrohon. schmucknng tob Gruiten and Gräbern LeopoIdDeutsciiJienXl. einzige jüdische Gärtnerei beim Zentralfriedhof I. Tor, Tel. U 13-0-40 Zentralfriedhot IV. Tor, Tel. U 17-0-08 Eigene Kulturen daß die Lösung der Judenirage nach deutschem Vorbild die Wirtschaits- und Finanzordnung Ungarns von einem Tag auf den anderen umstürzen würde und daß dies mit ganz anderen Folgen verbunden wäre, als es in Deutschland der Fall war. Wenn in Ungarn eine Gleichschaltung des politischen Lebens im Sinne der rechtsextremistischen Ideen erfolgen würde, würden die Ungarn nicht Freunde, sondern Dienstboten Deutschlands werden. In diesem Falle würde die unabhängige ungarische Außenpolitik ein für allemal ein Ende haben. Ein Jude vom Jerusalemer Militärgericht zum Tode verurteilt und begnadigt. Vor dem Militärgericht in Jerusalem begann am Mittwoch, den 2. Februar, der Prozeß gegen den 22jährigen jüdischen Polizisten Elieser Alt mann, von dem die Anklage behauptet, er habe am 27. Dezember 1937 in der Nähe des jüdischen Steinbruchs an der Straße Jaffa-Jerusalem auf ein arabisches Lastauto gesehossen und dabei den Tod eines arabischen Kindes verursacht. Es war dies der erste Fall, daß ein Jude von einem Militärgericht eines Verbrechens angeklagt ist, auf welches Todesstrafe steht. Die Anklage behauptet, daß Altmann sich in dem Augenblick, als die Schüsse fielen, nicht auf seinem Posten betand, sondern im Umkreis der Stelle gesehen wurde, wo der Angriff auf das Auto erfolgte. Er sei erst ein paar Stunden später zurückgekehrt und habe seinem Vorgesetzten gemeldet, daß er von Arabern aus dein Hinterhalt beschossen wurde und das Feuer durch Abgabe von 17 Schüssen erwidert habe. Laut dem Polizeibericht habe Altmann zuerst auf das Lastauto geschossen. Der Bericht der Polizei stützt sich auf die Aussagen von drei Arabern, unter ihnen eines Polizeikorporals, der aussagte, er habe in der Nähe des Tatortes mehrere Patronenhülsen geiunden. Die arabischen Zeugen wiederholten ihre Aussagen vor dem Militärgericht. Am Freitag, den 4. Februar, wurde das Urteil gesprochen. Das Militärgericht verurteilte Elieser Altmann zum Tode durch den Strang. Der Oberkommandierende der britischen Streitkräfte in Palästina, Generalmajor W a v e 11, hat die vom Militärgericht in Jerusal e m über Elieser Altmann verhängte T o - desstrafe in lebenslängliches Gefängnis umgewandelt. Altmann war vor zweieinhalb .lahren aus Bessarabien in Palästina eingewandert. Er arbeitete zuerst in Galiläa. Vor kurzem erst wurde er als Hilfspolizist aufgenommen und in Nachlat Jizchak, etwa 10 Meilen von Jerusalem entfernt, stationiert. Er ist Mitglied der Revisionistischen Partei. GEMEINDECHRONIK. Der Badener Oberrabbiner fristlos entlassen. Der Kultusvorstand von Baden b. W. hat in der Sitzung vom I. d. M. ohne jedes irgendwelche Entlassungsgründe feststellende Verfahren die fristlose Entlassung des seit 1931 im Amte befindlichen Oberrabbiners Doktor Hartwig Carlebach beschlossen. Er hat den Beschluß der Bezirkshauptmannschaft gemeldet und den Oberrabbiner von Wiener-Neustadt, Professor Dr. Heinrich Weiß, mit der zeitweiseu Führung des Rabbinates in Baden betraut. Oberrabbiner Dr. Carlebach hat gegen seine Entlassung bei der zuständigen Aufsichtsbehörde Protest eingelegt und die Klage bei Gericht eingereicht. Wir erfahren zu dieser mehr als befremdend wirkenden Maßnahme des Badener Kultusvor-