Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 47 (4.11.1936)
- Date
- 1936-11-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3062972-3064606-3064652--20901-3086197- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
V. b. b. Zeitung von Verleger versendet „Journal expedie' par fedttear" Jüdische UUenschritr )lt UUrhclT mit den Veröffentlichungen der „Union österreichischer Juden" SONDERAUSGABE \ Redaktion und Administration: Wien IL, Heinestraße 13 — Telephon R 46-2-16 — Postsparkassenkonto Wien: A 10&918 52. Jahrgang Wien, 4. November 1936 Nummer 41 Beachl len Sie die der heutigen Ausgabe Stintmx« beiliegenden :ffel Jiultusmahlpta&tamm der „Union ösferreienisener Juden 99 1. Einhaltung des Wirkungskreises des Kultusvorstandes nach Maßgabe des Gesetzes vom Jahre 1890 (Befriedigung der religiösen Bedürfnisse der Mitglieder der Gemeinde und Erhaltung und Förderung der diesem Zwecke dienenden Anstalten und Einrichtungen), daher unbedingte Ausschaltung jeglicher Politik aus der Kultusstube, dies insbesondere auch mit Rücksicht auf den gesetzlichen Zwangscharakter der Kultusgemeinde, nach welchem jeder in Wien wohnende Jude Angehöriger der Kultusgemeinde sein muß. 2. Ideelle und materielle Mithilfe bei dem Aufbauwerk in Palästina für Glaubensgenossen, die in ihren Heimatländern nicht bleiben können oder wollen. Förderung jeder sich bietenden Gelegenheit, solche Juden unter günstigen Verhältnissen Puch anderwärts anzusiedeln. Ablehnung jeder pem Aufbauwerk und den jüdischen Siedlungen [schädlichen jüdischnationalen Politik. 3. Pflege des Gedankens der Schicksalsver- >undenheit aller Juden und somit Fortführung der alten Tradition der »Union", die sich in den fünfzig fahren ihres Bestandes immer wieder mit gleicher nergie unterschiedslos aller Juden, insbesondere mserer östlichen Glaubensbrüder angenommen lat. 4. Gleichmäßige Berücksichtigung der religiösen Bedürfnisse der einzelnen Riten und Gruppen ler in Wien wohnenden Glaubensgenossen unter »esonderer Beachtung der religiösen' Bedürfnisse ler Orthodoxie. Ausreichende Subventionierung er bestehenden Tempelvereine und Bethänser, im die trotz aller Sparsamkeit zwangsläufig sich rgebende Defizitwirtschaft derselben endlich zu beseitigen und die überaus peinlichen Bittgänge 'er Tempelvorstände zur Kultusgemeinde zu erparen. Rigorose Prüfung des Lokalbedarfes bei ubvenüonlerung von bestehenden, sowie bei Bewilligung von neueinzurichtenden Minjanim. 5. Reform des von der Kultusgemeinde beeinuEten Schulunterrichtes bei Vertiefung der Erlehiujg in religiösem und nicht nationalem Sinne unter besonderer Berücksichtigung der zukünftigen wirtschaftlichen Betätigung in Oesterreich. Förderung der Berufsumschichtung, beginnend bei der Schuljugend. Förderung des Eintrittes der jüdischen Jugend in öffentliche und private gewerbliche, handwerksmäßige und landwirtschaftliche Schulen. Förderung des freiwilligen Arbeitsdienstes, insbesondere in Handwerk, Gewerbe und Landwirtschaft. Stellung der jüdischen Jugendorganisationen unter die Führung der öffentlichen staatlichen Jugendeinrichtungen. 6. Durchgreifende Reform der Fürsorge. Reorganisation der sozialen Anstalten der Kultusgemeinde zwecks Verbilligung der Gebühren. Vergrößerung des Spitals der Israelitischen Kultusgemeinde unter Förderung seiner Eignung zum wissenschaftlichen Institut und zur Lehrstätte für jüdische Studierende und Aerzte. Ausgestaltung des Altersheimes. Bevorzugung der Wiener und österreichischen Juden bei der unentgeltlichen Aufnahme in Spital und Altersheim und den sonstigen Fürsorgeeinrichtungen der Kultusgemeinde unter sonst gleichen Voraussetzungen, Förderung der produktiven Fürsorgetätigkeit durch Schaffung und Subventionierung von Genossenschaften der Produktion, des Handels, des Konsum- und Kreditwesens. Bruch mit dem bisherigen Prinzip der Fürsorgetätigkeit durch Almosen. Beschränkung der Zuwendung von geldlichen Unterstützungen auf Kranke, Sieche und sonst Erwerbsunfähige oder trotz Erwerbswillens und Erwerbsfähigkeit unverschuldet Arbeitslose. Unterbringung jüdischer Lehrlinge bei Handwerkern und Gewerbetreibenden. Ausbau einer der wirtschaftlichen Not angepaßten jüdischen Stellenvermittlung und Einflußnahme auf die öffentlichen Stellenvermittlungen zugunsten arbeitsloser Glaubensgenossen. Ausbau der periodischen Rentenbezüge an alte, erwerbsunfähige Glaubensbrüder. Bezirksweise DezentraUsatloa des Fürsorgewesens, das trotzdem nach einheitlichen Grundsätzen von der Fürsorgezentrale zu fetten ist. 7. Reform der allgemeinen Verwaltung, insbesondere des Steuerwesens. Vereinfachung des Steuerwesens zwecks Verbilligung des teueren Steuerapparates. Abschaffung der Willkür bei der Besteuerung und bei der Entscheidung über Rechtsmittel Die Grundlage der Besteuerung soll die Bemessung der Einkommensteuer durch die staatlichen Steuerbehörden sein. Revision der Trainings- und Begräbnistaxen. Ausschaltung der Eigenmächtigkeiten bei Bemessung derselben. & Abänderung des Statutes der Kultusgemeinde, und zwar: Schaffung von Vorsorgen zur Verhinderung von parteiischen Maßnahmen in Personalangelegenheiten und bei Verleihung von Subventionen. Verhinderung des Mißbrauches der Verwendung von öffentlichen Mitteln für Parteizwecke; Ausschluß von Kultusvorstehern von besoldeten Beamtenstellen während der Dauer der Funktionsperlode und für eine Reihe von Jahren nach Erlöschen derselben. Obligatorische Verpflichtung zur öffentlichen Ausschreibung von alten zur Besetzung gelangenden Aerzte-, Beamten-, Rabbiner- und Kantorenstellen etc. 9. Neuregelung des Lieferungswesens, Ausschaltung jeder Möglichkeit der Protektion durch strenge Beachtung der allgemeinen Bestimmungen für öffentliche Ausschreibungen. Wer einem wiener Judentum mu reinen Händen und mit klarem Denken zum Sieg verhelfen will, wähle am 8. November die Liste der „UNION ÖSTERREICHISCHER MMN" (lisientOhkb: Rc*-*ai Dr. n, o»»ENirirn