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Die Wahrheit · 1936-02-28 · Heft 10 (28.2.1936) · page 1

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 10 (28.2.1936)
Date
1936-02-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Preis dieser^ Nummer 40 Grosdien Jüdische Die tÜanrnen In Deutschland verboten mit den Veröffentlichungen der „Union österreichischer Juden44 Erscheint jeden Freitag IfflfBOUIBfllffiiraBflBI HHBfllff] Redaktion und Administration: Wien II., Heinestraße 13 — Telephon R 46-2-16 — Postsparkassenkonto Wien: A 100.918 52. Jahrgang Wien, 28. Februar 1936 Nummer 10 Ein jüdisches „Eltlorado H Wo gibt es in der heutigen Welt ein Land, das seinen jüdischen Bewohnern nicht nur ein erträgliches Verhältnis mit seinen andersgläubigen Mitbürgern gesetzlich gewährleistet, sondern dessen ganze Verfassung darauf angelegt ist, den .luden besondere Vorrechte, ja den Aufstieg zur Weltherrschaft zu sichern? Daß damit nicht etwa Palästina gemeint sein kann, zeigt die in der letzten Nummer der „Neuen Welt'' (Seite 2) registrierte psychologische Wirkung der von der englischen Mandatarmacht für die „jüdische Heimstätte" vorbereiteten Verordnungen: „Das jüdische Volk hört mit Schrecken von den Gesetzen, die ihm den Weg zur einzigen Zuflucht versperre n." Trotz dieser Erkenntnis, daß der Weg zu einem selbständigen Judenstaat auf sehr weite Sicht noch verschlossen ist, spricht das Stricker-Blatt auf der vorhergehenden Seite (Seite 1) den Verfechtern der jüdischen Verwurzelung in den europäischen Heimatländern den Verstand und das Recht ab, in der Kultusgemeinde die führende Rolle zu spielen . . . Doch davon später! Vorerst wollen wir die Neuierde unserer Leser, wo denn nun eigentlich das eingangs geschilderte jüdische Eldorado zu findeti ist, stillen. Von selbst werden sie ja trotz allem Scharfsinn doch nicht darauf kommen. Denn dieses Judenparadies auf Erden, Gegenstand blassesten Neides -für alle Nichtjuden, ist — Hitler-Deutschland . . . Das ist nicht etwa ein verfrühter Purimscherz, sondern das wissenschaftliche Ergebnis tiefschürfender Beobachtungen des Tübinger evangelischen TheöJogieprofessors Dr. Adolf Schlatt er. Während die Union, der Völkerbundligen vom Völkerbund energische Abhilfe gegen die jeder Menschlichkeit und Zivilisation hohnsprechende Behandlung der Juden im Dritten Reiche fordert, während sich die Empörung über das grausame Schicksal seiner deutschen Glaubensgenossen in einem jüdischen Studenten aus Jugoslawien ins Pathologische steigert und ihn zum Mörder macht, während in München die Gauleiter der Nationalsozialistischen Partei beraten, wie sie ihren in Davos erschossenen Parteigenossen an der Gesamtheit der deutschen Juden rächen sollen, veröffentlicht der genannte Gottesgelahrte im Dritten Reiche eine Schrift, die im Titel die bange Frage stellt: ..Wird der Jude über uns siegen?" Und die Antwort des Verfassers lautet keineswegs so zuversichtlich wie Hitlers Erwiderung auf die angebliche Kriegserklärung der Juden gegen seine Partei am Grabe Gustloffs. Prof. Schlatter führt aus* „Heute kann der Rabbi mit Stolz sagen: Seh:, wie sich die Lage in Deutschland geändert hat: Dafür, daß der Wahn, der Christus sei in die Weif gekommen, aus der Oeffentlichkeit verschwinde, bemühten wir uns bisher allein. Nun aber kämpfen auch solche mit uns, denen die Führung des deutschen Volkes anvertraut ist. Diese kennen nichts Höheres als ihre Rassenseele. Sie denken vollständig jüdisch; denn einen anderen als ihren eigenen Willen anerkennen sie nicht. Duldung kann der Staat nur der Judenschaft, aber nicht der Kirche gewähren, denn nur die. Judenschaft kann er als Fremdkörper ■ von sich absondern und neben sich ertragen, die Kirche ist dagegen ein Teil, seiner selbst und verschmäht es, geduldet zu werden. Dem Juden mutet niemand zu, daß er sein Judentum verstecke, vielmehr wird von ihm verlangt, daß er sich jederzeit . als Jude gebe. Vom Christen wird dagegen gefordert, daß er seinen Christenstand nur im Verborgenen habe. Dem Juden werden seine Kinder nicht weggenommen, den christlichen Eltern dagegen wer- 99 den sie genommen, weil ihnen die deutsche Weiianschauung eingeprägt werden müsse. Dem Juden wird zugesagt, daß er seine eigene Schule, Presse und Kunst haben dürfe; wie weit dieses Recht auch der Christenheit zugestanden wird, ist fraglich geworden. Würde die deutsche Politik in dieser Richtung weitergehen, so wäre die staatliche Macht der Judenschaft für ihren Kampf gegen Jesus dienstbar gemacht." Das ist einmal eine sensationelle Entlarvung! Das ganze Nazi-Regime nichts anderes als eine Sturmtruppe der Weisen von Zion! Jetzt erkennt man erst, wie recht Hitler mit seiner vielbestaunten Behauptung hatte, daß der Nationalsozialismus den Juden niemals etwas zuleide getan hatte. War er doch vielmehr bestrebt. " ihnen den Weg zur Weltherrschaft zu ebnen. Damit ist es jetzt freilich Essig . . . Jedenfalls war es die höchste Zeit, daß Prof. Schlatter das Spiel aufgedeckt hat. ■ Nicht nur, weil der Fasching schon%i Ende ging, sondern weil die Juden, wie der unglückselige David Frankfurter am eindringriefrsten beweist, sonst r icundWachung '" Wir empfehlen unseren geschätzten Lesern wärmstens die ■ Firma Bandagen-Mikolasch Wlan, Taborstr. 33, T«l. R 42-5-40 - welche den geehrten Abonnenten gegen Vorlage des Abonnementscheines bestimmte mit uns abgemachte Rabatte in folgenden Abteilungen einräumt: Fußstützen, fertig oder nach Gipsmodell Fußheilbehelfe Bandagen aller Art (Bruchbänder, Leibbinden etc.) Krampfaderstrümpfe Elektro-medizinische Apparate (Höhensonnen) Bestrahlungslampen, Heißluft- und Inhalationsapparate etc. Krankenfahrstühle Zimmerklosette und sonstige Krankenmöbel Personen- und Säuglingswaagen Große medizinische fceihabteilung Ausschneiden!!ü ihre größten Wohltäter gar nicht als solche erkannt hätten. Die Braunen waren, zu gut getarnt — so gut, daß ihnen sogar Konrad Henlein aufsaß, der Auserwählte jener Wählerschicht, die schon aus Hitlerianern bestand, als Hitler selbst noch ABC- Schütze war. Wenn der jetzige Nachfolger Schönerers und Karl Hermann Wolfs in der Gunst der siidetendeutschen Wähler sich am letzten Sonntag im Deutschen Haus zu Prag gleichzeitig zum Rassenantisemitismus und zu Hitler bekannt hat, so zeigt dies, wie wenige die von Schlatter entlarvten Pläne des deutschen Reichskanzlers, die staatliche Macht der ..ludensciiatt dienstbar zu machen, zu durchschauen vermocht hat. Daß die christlichen Kinder ihren Eltern „genommen" werden, um „deutsche Weltanschauung" eingeimpft zu bekommen, hätten die evangelischen Seelsorger vor Hitlers Machtergreifung sehr leicht verhindern, können, so wie heute erst ein k a t h o- 1 i s c Ii e r Gelehrter erkennt, daß „der mächtigste Bundesgenosse im Kampfe gegen das Christentum, den man im Deutschland der Gegenwart Rasiere Dich auf und billig OesterrelcMsches üualilätsfabrlkal Ueberau erhältlich überhaupt gewinnen konnte, der Antisemitismus" ist. (Nach einem Berichte der „R e i c Ii spos t" über einen Vortrag von Prof. Dr. Josef Liener.) Heute besitzt man diese Erkenntnis, früher aber haben auch Seelsorger der nationalsozialistischen Seelenvergiftung noch Zutreiberdienste geleistet, weil sie dem Nazi-Versprechen eines positiven Christentums auf den Leim singen. Die Judenkinder genießen natürlich nicht den Vorzug eines ..deutschen Wekanschauungs"- Unterrichts, der u. a. in der Mahnung des Lehrers an die Schüler besteht, sich auf der Straße, wenn sie einem Juden begegnen, die Nase zuzuhalten. Trotzdem ist Prof. Schlutters1 Meinung, daß dem Juden seine Kinder nicht weggenommen werden, allzu optimistisch. Das zeigt jetzt der Fall Helene Mayer. Dieser mehrfach preisgekrönten Florettfechterin, Tochter eines Offenbacher Juden und einer Arierin, hat man zur Belohnung für ihre Teilnahme an der Berliner Olympiade das Reichsbürgerrecht in dem Rahmen, in dem es das Nürnberger Gesetz für Juden ermöglicht, versprochen. Was das heißt, lehren die analogen Fälle Milch und Bronnen. Diese beiden Juxlenstämmlinge konnten die Gunst der Machthaber im Dritten Reiche erringen, indem sie ihre jüdischen Väter verleugneten und ihre Mütter des Ehebruchs mit Ariern bezichtigten. Diesen Weg wird wohl auch Helene Mayer jetzt wählen, denn nur er führt sie zur ersehnten Reichsbürgerschaft. Ehre, wem Ehre gebührt . . . Die Juden, die sich über diese Gestaltung der Verhältnisse im Dritten Reiche entrüsten, sind aber bloß intellektuell zurückgebliebene Assimilationsjuden. Die Jüdischnationalen haben volles Verständnis für das jüdische Eldorado, als das jetzt der evangelische Theologe aus Tübingen das Hitler- Reich deklariert hat. Herr Stricker triumphiert in der „Neuen Welt" vom Dienstag: „Seit es einen Zionismus gibt, nehmen die führenden Elemente der Kultumationen zur .ludenfrage Stellung. Wäh- Lesen Sie nächsten Montag im Wiener Montagblatt den Roman von Schalom Asch Der elektrische Stuhl

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