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Die Wahrheit · 1935-11-15 · Heft 46 (15.11.1935) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 46 (15.11.1935)
Date
1935-11-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Nr. 46 — 15. November 1935 Seite 7 GROSSFLEISCHHAUEREI flEGM. KORNMEHL WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE i XVIII., WÄHRINGERSTRASSE 97 Telephon Nr. A 17-3-99 und A 16-0-34 Lieferant für Heilanstalten AbteilungenfürKoscherfleisch unter Aufsicht das ehrw. Rabbinates der Isr. Kultusgemeinde Wien. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen Waffenaffäre wieder akut srewordenen Gegensatz zwischen Arabern und Juden in Palästina. Gerade in dem Augenblick, heißt es in dem Artikel, da der High Commissioner für Palästina in London an eine aus Juden bestehende Zuhörerschaft den beredten Appell richtete, in dem Heiligen Land den Wuchs eines zarten Baumes, des Baumes der Verständigung, zu fördern, wurde das Mandatsgebiet selbst infolge der zufälligen Entdeckung •einer großen unerlaubten Waffensendung nach Jaffa in Erregung versetzt. Unglücklicherwelse ist der Versuch des Waffenschmuggels nach Palästina keine neue Erscheinung; und es war vermutlich eher der Umfang der Ladung als ihr Inhalt, der Protest hervorrief. Wir können in diesem Augenblick, da die Ergebnisse der amtlichen Untersuchung des Zwischenfalls noch nicht bekannt sind, niemanden beschuldigen. Es genügt zu sagen, daß die ganze Affäre gerade dasjenige ist, was auf eine weitere Zerstörung der Wurzeln jenes schwächlichen Baumes der Verständigung abzielt, von dem Sir Arthur Wauchope sprach. Zu behaupten, daß es in Palästina eine erhebliche und wirkliche Freundschaft zwischen den alten Einwohnern und den neuen Siedlern gebe, hieße einen unbegründet optimistischen Standpunkt einnehmen. * In einer Reihe von Zeitungen erschien ein Dementi 7.u den Mitteilungen der „Palcor" über die von der britischen Regierung im Haifaer Hafen durchgeführten Befestigungsarbeiten. Im Anschluß hieran ist die „Palcor" in der La.ge, erneut festzustellen, daß in der letzten Zeit im Haifaer Hafen weitere militärische Befestigungen vorgenommen •wurden. Im Gelände des Hafens wurde ein Minenlager geschaffen, auf dem Karmel die erforderlichen Befestigungsarbeiten für die Aufstellung von Geschützen zur Verteidigung des Hafens durchgeführt. Die Vorbereitungen stellen einen Teil der Vorsichtsmaßregeln dar, die von England im Mittelländischen Meer für jeden in der Zukunft möglichen Fall getroffen wurden. Diese Maßnahmen sind ein weiterer Beweis für die Bedeutung des Haifaer Hafens als Verteidigungsposition des britischen Imperiums im Osten des. Mittelländischen Meeres. Seit einiger Zeit ist eine Verstärkung der Aktion der palästinensischen Polizei gegen illegale Einwanderer zu verzeichnen. In den letzten Tagen wurden wiederum zahlreiche Personen als angeblich illegale Einwanderer verhaltet und ausgewiesen, unter ihnen solche, die sich bereits im Lande gut etabliert hatten. 0cmeindedkroiii&. Frieden in der Berliner Gemeinde. Vom Vorstand der Jüdischen Gemeinde zu Berlin wird der Jüdischen Telegraphen-Agentur mitgeteilt: Geleitet von dem Wunsche, eine vom Vertrauen der gesamten Gemeinde getragene Führung der Geschäfte herzustellen, haben sämtliche Vorsteher der Gemeinde sowie die Vertreter aller Fraktionen der Repräsentantenversammlung Beratungen gepflogen, in welcher Weise und Form das erstrebte Ziel erreicht werden kann. Hierbei ist von der Voraussetzung ausgegangen worden, daß keiner der in der Gemeinde bestehenden Richtungen ein für sie nicht tragbares Opfer zugemutet werden soll und daß alles zu geschehen hat, ein friedliches und freundschaftliches Zusammenarbeiten aller Richtungen unter Anerkennung ihrer völligen Gleichberechtigung in der Gemeinde zu gewährleisten. In Ausführung dieser Grundsätze ist eine Vereinbarung getroffen worden, deren wesentlicher Inhalt die Anerkennung des sogenannten Fitty-Fifty-Prinzips bei der Besetzung des Gemeindevorstandes und eine entsprechende Verteilung der Dezernate des Gemeindevorstandes ausmacht. Präsident bleibt, wie wir erfahren, der Liberale Dir. Heinrich Stahl. Personalnachricht. Dem Direktor Dr. Sokal des Wiener Giro- und Kassenvereines wurde das Ritterkreuz erster Klasse des österreichischen Verdienstordens verliehen. Hauptbüro der Welt-Äguda von Frankfurt nach London verlegt. Einem Beschluß des Zentralrates der Weltorganisation Agudas Jisroel zufolge ist der Sitz der Weltexekutive und des Hauptbüros der Aguda. zugleich des Hauptbüros für Westeuropa, von Frankfurt a. M., wo die Aguda^Leitung seit 1911 ihren Sitz natte, nach London verlegt worden. Der Weltp.räsir <lent der Aguda Herr Jacob Rosenheim trifft dieser Tage in London ein, um die Leitung der Organisation von hier aus in die Hände zu nehmen. Die agudistische Agentur in Jeursalem, das Büro für Osteuropa in Warschau und das Büro für Mitteleuropa in Wien werden nunmehr der neuen Londoner Exekutive unterstellt sein. Die Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel in Frankiurt a. M. wird sich in Zukunit nunmehr mit innerdeutscher Palästina-Arbeit befassen; in Berlin und in anderen deutschen Zentren werden Zweigstellen iür Hachschara und Alija eröiinet werden. Die Palästina- Arbeit auf Weltbasis wird von jetzt ab außerhalb Deutschlands geleistet werden. Algier. In Algier starb 86jährig der Schöpfer der jüdischen Kriegswaiseniürsorge Oberst Mayer, Kommandeur der Ehrenlegion, der allgemein als die prominenteste jüdische Persönlichkeit Algeriens galt, Oberst Mayer hat im Kriege drei Söhne verloren, die beiden anderen wurden in Anerkennung tapferen Verhaltens zu Rittern der Ehrenlegion ernannt. Die Hakoah-Schutzhütte auf dem Semmering. In unvergleichlich schöner Landschaft wurde Scnntag, den 10. d., von herrlichstem Wetter begünstigt, in Anwesenheit von zirka 2000 Personen die Einweihung des ersten jüdischen Schutzhauses auf dem Semmering vorgenommen. Es waren Vertretungen der Kultusgemeinden Wien, Graz, Baden, der Bürgermeister vom Semmering, eine Abordnung der Vaterländischen Front, des B. 1. F., der Haganah, der legitimistischen jüdischen Frontkämpfer, des Allgemeinen Skiverbandes u. a. erschienen. Eröifnet wurde die schöne Feier durch einen von Alfred W i nzec verfaßten, von Jakob Feldhammer wirkungsvoll gesprochenen Prolog. Dann nahm Oberrabbiner Dr. Feuchtwang die feierliche Eröffnung vor. Er und die ihm folgenden Redner. Staatsrat Dr. Friedmann. Rat der Stadt Wien Dr. E h r 1 i c Ii, Bürgermeister M u s g e r, Dipl.-Kfm, S t i a ß n y, Dr. Oskar Grünbaum, Dr. Leo Fischmann, Vizepräsident Robert Glücksmann und Obmann Hugo K o h n hoben die eminente Bedeutung der Errichtung dieser vom Architekten Philipp Diamantstein reizend erbauten Hütte für die jüdische Sportwelt hervor. Die Touristik- und Skisektion der Hakoah hat mit dem Bau dieser Hütte eine gute und schöne Tat gesetzt. Verlobung. Sonntag, den 10. d. M. fand die Verlobung des Fräuleins Rene F r e u d e r, Tochter der Frau Gisela Freuder, Witwe nach dem langjährigen Oberschammes des Pazmanitentempels Jakob F r e u d e r s. A., mit Herrn Don Goliimann statt. Bei der im Hause Freuder stattgehabten Feierlichkeit, der zahlreiche Vorstandsmitglieder und Funktionäre des Pazmanitentempels beiwohnten, wurden mehrere herzliche Ansprachen gehalten. Trauung. Dienstag, den 5. November, fand im Tempel, II., Große Schifigasse, die Trauung des Fräulein Frieda Schreiber, Tochter des Ehepaares Benjamin und Cäcilie Schreiber, geb. Hofbauer, des Inhabers der bekannten orthodoxen Restauration „W i n e a", mit Herrn Jacob Cohen aus Lugano (Schweiz), statt. Der Tempel war von einem zahlreichen Publikum dicht gefüllt. Den Trauungsakt vollzogen Oberrabbiner Fürst, Oberkantor Braun und I. Kantor K u n s t ad t in feierlichster Weise. Nach der Trauung fand in den Lokalitäten der Restauration Wiüea ein Hochzeitsmahl statt, bei dem geistreiche Reden und Toaste gehalten wurden. Den Brauteltern kamen aus allen Kreisen zahlreiche Gückwiinsche zu, die von der großen Beliebtheit der Familie Zeugnis geben. M. S. »»IMMQmHHMm» MÖBEL «•oc«»e«a«o«e«ecai Moderne Küchen- Vorzimmer- Wohnzimmer- F. KOHN, Wien II., TABORSTRASSE Nr. 22 Telephon R 40 7-14 Samstag geschlossen. Regierungsrat Dr. Heinrich Knöpfmacher ist im 77. Lebensjahre plötzlich verschieden. Er stammte aus Nikolsburg, war ein Enkel des dortigen Daj'en, studierte in Wien unter Menger. Ein paar bedeutsame nationalökonomische Publikationen brachten dem 24-jährigen die angesehene und einflußreiche Stellung eines Sekretärs der Brünner Handelskammer, die er 30 Jahre zu allgemeiner Zufriedenheit ausfüllte und die er freiwillig verließ, um seinen literarisch-philosophischen Neigungen in Wien zu leben. Er war ein lebendes Lexikon theologischen und philosophischen Wissens; seine Kenntnis altjüdischer Familien von Mähren und Wien ließ sich nur mit der Dr. Joseph Bloch's vergleichen. Im Alter liebevollst von Neffen und Nichten, den Mitgliedern der Kaffeehausbesitzerfamilie Knöpfmacher betreut, warfen ihn die Hitler ereignisse seelisch vollkommen nieder. Die Verfolgung seiner Glaubensbrüder ließ ihn an der Menschheit verzweifeln und trieben ihn in den Tod, wie ich, die bis zum Tage seines Todes täglich seinen interessanten Umgang genoß, wohl zu behaupten wagen darf. Viele werden dem aufrechten und treuen Juden, der Knöpfmacher immer gewesen ist, ein wehmütiges Gedenken weihen. C. Benedikt. Der Brigittenauer Israelitische Frauenverein (Präsidentin Olga Fr tedmann) veranstaltet am Sonntag, den 17. November, um 4 Uhr nachm., im Festsaal des Hotel Continental. Wien II.. Taborstraße 4. eine Akademie mitTanz Der Reinertrag der Veranstaltung, für die erstklassige Kunstkrätte gewonnen wurden, soll den Verein in die Lage versetzen, in den. kommenden Wintermonaten wenigstens in den Fällen der allerärgsten Not in dem jüdischen Elendbezirke Brigittenau helfend einzugreifen STEININDUSTRIE CARL BENEDICT Zentrale: III- Rennweg 112, Tel. U 15-0-52 GRABSTEINLAGER: Zentralfriedhof, 3. Tor, Tel. B53-0-53 denn seine Mittel wurden anläßlich der vergangenen Feiertage in einem bisher noch nie dagewesenen Ausmaße in Anspruch genommen. Karten zu S 1.50 bei allen Vorstandsdamen. Der Verein iür unentgeltlichen Arbeitsnachweis, I., Kohlmessergasse 4, Tel. U 27-0-65. sucht dringendst Stellen für: A) Kontoristen, Buchhalter» Handelshilisarbeiter, ueschäitsdiener, Packer. Inkassanten, Verkäuier, Auslagenarrangeure, Kellner, Krankenpflegerinnen, Nachhilfelehrer und Lehrerinnen iür Mittelschuliächer, Musiker für Konzert-, Stimmungs- und Jazzkapellen. B) Arbeit für gewerbliche Hilfskräfte aller Art, darunter auch Chemiker, Elektrotechniker, Installateure. Bau- und Maschineningenieure, Chauiieure. sowie ungelernte Arbeiter. C) Handwerkliche und kaufmännische Lehrstellen iür Knaben- und Mädchen. Im selben Verein sind derzeit offene Stellen für: Lageristen und Buchhalter mit Invaliden-Einstellschein, Verkäufer aus der Delikatessenbranche. Kinderiräulein mit und ohne Spraclikenntnisse für Inuud Ausland, Geschultes Hauspersonal jeder Art, Gut eingearbeitete Konfektionsnäheriiineii (auch Heimarbeit), Diverse Stellen für deutsche Emigranten. Jiunst und XHewatm. Aus den Wiener Theatern. Im Deutschen Volkstheater begeistert Albert B a s s e r m a a n, unterstützt von einem ausgezeichneten Ensemble, als „Gentlemen". Man kann sich diese heute so seltene Menschenspezies nur so dargestellt denken, wie der große Künstler, der dem Dritten Reich den Rücken gekehrt hat. den in Konflikt zwischen Berufs- und Menschenpflicht geratenen Arzt verkörpert. — Im Theater in der Josefstadt spielen Mardayn, Thimig und Hörbiger ein lustiges Gesellschaftsspiel „Ich kenne dich nicht meh r", das natürlich gut ausgeht und dem Publikum sehr viel Spaß bereitet. — In der „Seal a*' amüsiert der ungemein beliebte Heinz Rühmann im „Mustergatten" durch seine glänzende gemütliche Komik, die man von der Toatilmleinwand kennt, die aber auch im Theater zu wahren Lachstürmen hinreißt. — Die gleiche Feststellung kann mau bei Gisela Werbezirk in den „Kammerspielen" machen, wo sie als Mutter von „Floras Töchter" souverän die Familie und1 die Bühne mit ihrer drastischen Komik beherrscht. Sehr gut die Regio von Martin M a g n e r. — Die „Volksoper" schwankt zwischen „E v a" und „T r i 1 b y". beide Aufführungen sind sehenswert und finden viel Beifall. — Besonderes Lob gebührt den Darstellern, dem Komponisten und dem Regisseur der Lönner-Tr tippe, die in ihrem netten ..Kleinen Theater" (II., Praterstraße 60) „Die M ol d a u - Sc h i f f e r" lustig um die Welt segeln ließ. — In den Kleinkunstbühnen gehen die alt-neuen Programme über die Bretterchen. o. Sevilla Pastor ist seit kurzem wieder da. Mit „M a s e 11 o w" begrüßte sie in den „J ii d i s e h e n K ü n s 11 e r s p i e I e n Reklame" das enthusiasmierte Publikum und dieses erwiderte mit gesteigerter Begeisterung, mit erhöhtem Beifall. Die Steigerung der Gefühle des Publikums ist berechtigt, denn auch Sevilla Pastor ist in der Zeit, da wir sie nicht sahen, gewachsen. Nicht körperlich, sie ist noch immer das zierliche Personellen, dem — wie in „M a s e 11 o w" — die Rolle des schüchternen Bochers oder — wie in ihrem neuen Stück „Rersl macht Karriere" — die Rolle des unbedeutenden kleinen Mädchens am besten liegt. Aber künstlerisch ist sie, wenn dies überhaupt noch möglich war, noch gestiegen. Sie hat gewisse Uebertriebenheiten, die man gerne vermieden sah, überwunden und ist heute die beste jiddische Darstellerin des jungen Menschen (egal ob männlich oder weiblich), der sich im harten Lebenskampf mit Witz und Esprit durchsetzen will. Das gelingt ihr auch in der erwähnten neuen Komödie „Reisl macht Karriere", in der sie eine arme „Tempetmaus" spielt. Von ihrem Gatten Munin Pasto r gut inszeniert, von ihrer Schwester Erna S i e g 1 e r choreographisch schön einstudiert. — beide tun auch brav mit —. gefiel die an Handlung nicht sehr reiche Sache dem Publikum sehr, das mit Beifall nicht kargte und immer wieder Zugaben erzwang. Ein Separatlob gebührt Dolly Nachbar, der ein Charakterkomiker besten Formats, und Herrn Sigall, der ein glänzender Episodist ist. Man müßte wirksamere Stücke für dieses ausgezeichnete Ensembuj iinden, dessen Star Sevilla Pastor eine Begabung besitzt, wie sie heute fast schon rar wird. o. Neu-hebräischer orientalischer Liederabend J. Segal- Rosenhach. Samstag, den 2. d. M. fand im mittleren Saale der U r a n i a das Konzert des bekannten Konzert- und Liedersängers J. Segal-Rosenbach statt. Das reichhaltige Programm enthielt: Neuhebräische Kunstlieder von den Komponisten Engel. Milzer, Beimel Almau, weiters original hebräische orientalische Volkslieder, populäre palästinensische hebräische Lieder und Horras. WIEN I., FRANZ-JOSEFS-KAI 3 / TELEPHON R £8-2.-36!

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