Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1933
- Issue
- Heft 10 (10.3.1933)
- Date
- 1933-03-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis dieser Nummer 40 Groschen le tÜahrhelt Ersdieint jeden Freitag mit den Veröffentlichungen der „Union österreichischer Juden" and den Amtlichen Verlautbarungen der israelitischen Kultusgemeinde Wien Redaktion und Administration: Wien II., Heinestraße 13 — Telephon R 46-2-16 — Postsparkassenkonto Wien: A 100.918 49. Jahrgang Wien, 10. März 1933 Nummer 10 OPTIKER M. SCHACHTER, II., GlOdttngassC 25 Genaueste Ausführung von Rezepten « Große Auswahl an modernen Fassungen* Samstag geschlossen ^^^^^^^^^^_^^^^^^^^_^^^i>^£e^ieriifun£^ufidies^ Für einen offiziellen Bund der Konfessionen. Von M. B. Morgenstern. Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. (Moses.) Erbarmen will ich und nicht Opfer. (Matthäus.) Vernichte nichts Lebendiges. (Buddha.) . . . und trotzdem wird immer wieder Massenmord, Krieg genannt, betrieben. Dieser Gegensatz zwischen den ethischen Geboten der Weltreligionen und dem Verhalten der Völker und Nationen war es, der mir den Gedanken eines offiziellen Bundes möglichst aller Konfessionsgemeinschaften für Frieden und Wohlfahrt aufdrängte. Ist es einer einzigen Konfession bis jetzt nicht gelungen, den Frieden auf Erden zu sichern, so mögen alle zusammen es versuchen. •Nicht dem Vergleiche oder der Besprechung von Unterschieden in den Religionen oder gar einer Angleichung der Konfessionen aneinander soll dieser Bund dienen, sondern einzig und allein — im Geiste des Völkerbundes — dem Frieden. Die Wohlfahrt aller Völker ist auf Frieden gegründet. Dieser Erkenntnis verdankt der Völkerbund seine Entstehung. Seine Pflicht ist es, jedes Mittel zu ergreifen, das geeignet ist, dem Friedenswerke zu nützen. An ihm ist es, an die Konfessionen zu appellieren, damit durch ihr Hinzutun dieser Bund für Frieden geschaffen werde: Ein offizieller Bund möglichst aller Konfessionsgemeinschaften für Frieden und Wohlfahrt nach dem Muster und durch die Initiative des Völkerbundes. Zehn Millionen Kriegsgefallene, einundzwanzig Millionen Menschenverluste infolge Geburtenrückganges und sechs Millionen Tote durch Zunahme der Sterblichkeit sind die schreckliche Bilanz des Weltkrieges. Haben wir trotz alledem auch nur die geringste Gewähr, daß sich dieses Massenmorden nicht in noch schrecklicherer Form wiederholen wird? Nein. Ebenso wie beim Ausbruche des Weltkrieges alle pazifistischen Bestrebungen einschließlich derjenigen der zweiten Internationale versagt haben, bestünde auch gegenwärtig keine Institution, die eine Entwicklung in derselben Richtung hintanhalten könnte. Ein gewisser Lichtpunkt ist der Menschheit im Völkerbund gegeben. Diesen Lichtpunkt kann der „Bund der Konfessionen" zu einer strahlenden Sonne erweitern. In diesem Sinne schreibt mir ein hervorragendes Mitglied eines bereits bestehenden privaten Bundes für kirchliche Friedensarbeit wörtlich: „Ihr Gedanke und Wunsch eines offiziellen Bundes aller Konfessionen ist gewiß außerordentlich begrüßenswert und man sollte eigentlich meinen, daß er sich schneller und gründlicher als der offizielle Bund aller Nationen verwirklichen ließe." Allen entgegengesetzten Bestrebungen zum Trotz beherrscht nach wie vor der Glaube an Gott die Menschheit. Dies müssen auch jene zugeben, die in den letzten Jahren versucht haben, für den wahren Glauben einen Ersatz in verschiedenen Formen zu bieten. Inwieweit meine Anregung neu ist und sich von den Satzungen der bereits bestehenden Bünde für konfessionelle Friedensarbeit unterscheidet und weiters, welche Schritte ich bis jetzt in dieser Sache unternommen habe, ist aus nachfolgender Eingabe an das Bundeskanzleramt sowie an 45 in Wien vertretene Mitgliedstaaten des Völkerbundes zu ersehen. Mit der Uebergabe meiner Anregung an die Oeffentlichkeit hoffe ich, mit dieser, wie mir ein englischer Fachmann für Friedensarbeit schreibt, „whole matter" nicht mehr allein zu stehen. Im Interesse des internationalen Friedens ist es notwendig, daß Männer und Frauen verschiedener Konfessionen in allen Staaten ihren Einfluß auf ihre Regierungen dahin ausüben, daß diese den Völkerbund mit dieser Frage befassen. Ebenso wäre eine Stellungnahme konfessioneller Führer zu dieser Anregung von großer Bedeutung. Es gereicht den Konfessionen sicherlich zur Ehre, wenn sie sich offen in den Dienst der Befreiung der Menschheit stellen, und es würde nur ihrer hohen Mission entsprechen, wenn sie dem Rufe des Völkerbundes, dieser weltlichen Organisation der Nationen, Folge leisten würden. Gelingt dieser Zusammenschluß, dann wird das Propheten wort zur Wahrheit: „Es wird kein Volk mehr gegen das andere das Schwert erheben." * Die oberwähnte Eingabe hat folgenden Wortlaut: Monsieur PAmbassadeur! Par la presente je me permets de soumettre les lignes qui suivent au haut Gouvernement de la Republique de l'Afrique du Sud etant membre de la Societe des Nations. Convaincu que toutes les Religions du monde exercent la plus puissante influence sur les adherents de chacune d'elles et que par suite meme de leurs commandements ethiques, les Religions ont le devoir absolu de mettre leur influence au seryiee de la paix, j'ai cru qu'il serait de la pfus grande utilite que la pensee d'une collaboration des Religions s'implantät et cela sur le modele de la Societe des Nations qui devrait en pendre l'initiative et contribuer ä former ainsi la Societe officielle des Religions. Cette initiative se traduirait Juwelier Österreicher hat seine Verkaufsräume Wien I., Graben 7, eröffnet. Im Lokale WlpplingerstraSe 29 werden bis auf weiteres zurückgesetzte Waren zu Räumungspreisen abverkauft. S. jZWUL, IL, Franz Hochedlingergasse 2.1 Atelier für feinste Herrengarderobe. Gebe hiemit meine Übersiedlung von I- Opernring 15 bekannt und ersuche um zahlreichen Zuspruch. par un appel ä toutes les Religions pour creer cette societe qui serait un appoint de plus pour la paix et le bien des peuples. Je me suis adresse ä Geneve et par une lettre datee du 26 octobre 1931, signee par la Section Intellectuelle de la Societe des Nations, on m'a fait savoir qu'il existe d'ores et dejä une Alliance universelle pour developper l'amitie internationale par l'intermediaire des Religions. Le professeur D. F. Schultze, Berlin, le Secretaire international de l'Union Universelle pour les Amities Internationales des Differentes Religions et membre du Congres Universel des Forces Religieuses pour la Paix est absolument d'aecord avec moi que le but de ces deux Organisations est identique ä la proposition que j'ai faite, mais que les voies, c'est-ä-dire les moyens pour arriver au but sont totalement differentes. La proposition de demander ä la Societe des Nations de s'interesser ä la collaboration des Religions, c'est cette proposition meme que le professeur Schultze salue tres cordialement dans une lettre. J'ai fait connaitre ä la Section Intellectuelle de la Societe des Nations la teneur de toute cette correspondance. La dite Section m'a fait savoir dans une lettre du 1 decembre 1931 que la Societe des Nations ne saurait entreprendre des demarches quelconques que dans le cas oü un Gouvernement, un des Etats, en fasse la proposition formelle. Connaissant l'esprit paeifique qui inspire Votre Gouvernement, permettez-moi, Monsieur 1'Ambassadeur, d'exprimer l'espoir que Votre Gouvernement sera favorable ä l'idee d'examiner la chose et sera dispose ä entreprendre les demarches necessaires aupres de la Societe des Nations. Je prends la liberte, Monsieur l'Ambassadeur, de venir Vous prier de bien vouloir etre l'intermediaire de cette proposition aupres de Votre Gouvernement. Je crois utile de Vous faire savoir que par le present courrier j'adresse la meme lettre ä toutes les autres Ambassades des Pays faisant Partie de la Societe des Nations ainsi qu'ä la Chancellerie d'Autriche ä Vienne. Croyez, Monsieur l'Ambassadeur, ä l'assurance de ma tres haut consideration M. B. Morgenstern m. p. Vienne, mars 1933. * * :jc Die „Union österreichischer Juden", deren Mitglied Herr M. B. Morgenstern ist, hat mit großem Interesse dessen überaus begrüßenswerte Anregung aufgenommen und sie den offiziellen Stellen übermittelt. Die Redaktion der „Wahrheit" ist gerne bereit, diese Anregung betreffende Zuschriften und Entgegnungen zu veröffentlichen.