Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 44 (22.10.1926)
- Date
- 1926-10-22
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 12 DIE WAHRHEIT Nr. 44 Blättern vereinigt ist, weiche Fülle an auch heute noch interessantem Material von dem Verstorbenen und seinem unvergeßlichen Freund und Mitarbeiter Oberkantox Singer seligen Andenkens zusammengetragen wurde. Sollte man diejenigen nennen, die sich zur Wahrung der Standesinteressen um Jakob Bauer geschart haben, dann dürfte man kaum einen der großen Kantoren der damaligen Zeit auslassen. Seine Fortsetzung und gewässermaßen Krönung fand dieses sein Wirken in der Gründung des österreichischen Kantorenvereines und ich glaube/ daß wir das Andenken unseres verstorbenen Führers nicht besser ehren können, als indem wir das Werk, das er geschaffen, weiterführen und in seinem Sinne ausbauen. Das Wirken und Scharfen Oberkantor Bauers ist in die Geschichte des Kantorenstandes mit unvergänglichen Lettern eingetragen. Wir und mit uns die Kantorenschaft der ganzen Welt werden ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren. — Nachdem Oberkantor Asseo von der türkisch-sephardischen Gemeinde ein Trauergebet verrichtet hatte, brachte der erste Vizepräsident des Vereines, Oberkantor J. Schleifer, ein El mole rachamim in ausgezeichneter Weise zum Vortrage, bei welchem ihm ein Doppelquartett der Sänger der Kultusgemeinde assistierte. Das von ihm hierauf gesungene Schiwissi machte auf alle Anwesende tiefen Eindruck. — Anläßlich des Hinscheidens seines Begründers und Ehrenpräsidenten hat der Oesterreichische Kantorenverein zahlreiche Beileidskundgebungen aus dem In- und Auslande erhalten. Unter den Kondolenzschreiben der Standesorganisationen, welche dem Vereine aus aller Herren Länder zugekommen sind, sei ein in warmen Worten gehaltenes Schreiben des Ungarischen Kantorenvereines erwähnt. Wiener Kantorenschule. Bei den Aufnahmsprüfungen in die Wiener Kantorenschule sind von den Aufnahmswerbern 15 Herren, sowohl was ihre stimmlichen, als auch sonstigen Qualitäten betrifft, zur Aufnahme in die Schule geeignet befunden worden. An dem Unterricht, welcher in den nächsten Tagen beginnt, beteiligen sich außer den Gründern der Schule, Oberkantor I. Müller und G. Margulies, auch die Herren Prof. S. Braslawsky, Prof. Dr. E. Schidlof, Prof. Dr. E. Grosser und Prof. Chartiner. Das Kuratorium der Schule, das aus hervorragenden Vertretern der Wiener Judenschaft besteht, wird ebenfalls mit seiner Tätigkeit beginnen. Wir werden uns nach erfolgter Eröffnung noch eingehender mit dieser Schule beschäftigen. Der Verein für jüdische Geschichte und Literatur in Wien veranstaltet Montag, den 25. Oktober a. c. im Klubsaale der „Hakoah", I., Wipplingerstraße 24 (Cafe Altes Rathaus) einen Vortrag des Herrn Prof. Dr. Samuel Krauß: „Die biblischen Namen der modernen Völker." — Beginn 7 Uhr abends. — Eintritt frei. — Gäste willkommen. Eine Elternversammlung der Talmud-Thora-Schule, II., Pazmanitengasse 6, findet Samstag, den 23. d., um 148 Uhr abends, statt, zu welcher die Eltern höflichst geladen werden. 80. Geburtstag. Am 12. Oktober feierte Frau Eva Bix aus Boskowitz in Mähren, die Witwe des Großkaufmannes Ignaz Bix im Kreise ihrer zahlreichen Familie in Wien in voller körperlicher und geistiger Frische ihren achtzigsten Geburtstag. Die Jubilarin, die wegen ihres frommen Lebenswandels und ihrer steten Hilfsbereitschaft den Armen, Kranken und Bedürftigen gegenüber in den weitesten Kreisen geschätzt ist und sich wegen ihres edlen Charakters und liebenswürdigen Wesens der größten Achtung erfreut, kann mit Stolz auf ihre sechzehn Kinder sowie zahlreichen Enkel blicken, unter denen sich Aerzte, Anwälte, Gelehrte, Industrielle und Kaufleute in angesehener Position befinden. Frau Eva Bix war anläßlich ihres Jubelfestes Gegenstand zahlreicher Ehrungen im Kreise ihrer Familie, Freunde und Bekannten. Maxim Winawer gestorben. Vor kurzem starb in der selbstgewählten Verbannung der berühmte russischjüdische Demokrat Maxim Moissejewitsch Winawer" im Alter von 63 Jahren. Als Sohn einer angesehenen jüdischen Familie in Warschau geboren, vollendete er in seiner Vaterstadt seine Studien, um bald nach Erlangung des juristischen Doktorgrades nach Petersburg zu ziehen, zu dessen hervorragendsten Anwälten er alsbald zählte. Vor allem war er der Anwalt der noch immer ihrer Menschenrechte beraubten Judenschaft des Zarenreichs, für deren Recht er als Jurist, Politiker und Publizist unablässig eintrat. In seinem Kampfe um die Gleichberechtigung der Juden fand er die Unterstützung der „Kadetten", der einzigen fortschrittlichen Partei im damaligen Rußland. Diese Partei entr sandte ihn auch in die erst« Duma, wo er stets mutig und unerschrocken für Recht, Freiheit und Fortschritt eintrat. Denkwürdig bleibt die große Dumarede, welche er nach de» blutigen Pogromen in Hornel und Kischinew hielt. Nach Ausbruch der kommunistischen Revolution verließ Winawer Rußland und zog sich nach Paris zurück. In Mentone, wo er zur Kur weilte, ist er nun gestorben und wurde nach Paris überführt. Winawer hat sein russisches Vaterland ebenso heiß; geliebt wie sein Judentum und sich offen als Gegner der jüdischnationalen Ideologie bekannt. Seine Verdienste im Kampfe um die Freiheit und das Recht der russischen Juden sichern ihm einen ehrenvollen Platz in der jüdischen Geschichte. ' Bedeutung und Herkunft des Wortes „nebbich". Von einem Leser unseres Blattes erhalten wir folgende Zuschrift: „Geehrte Redaktion! In der Notiz: „Meschugge vor Gericht" wird ganz richtig bemerkt, daß ebenso wie „meschugge" auch „n e b b i c h" bei Juden und Christen sehr populär ist, obwohl letzterer Ausdruck meines Wissens nach nicht befriedigend erklärt wurde. „Nie bei euch", wie es meist gedeutet wird, ist doch sehr gezwungen und gibt doch nicht die Bedeutung des Bedauerns wieder, welcher in dem Ausdruck gelegen ist. Das Naheliegendste ist, es mit „Verwirrter".. „Irrender" zu erklären, in Anlehnung an „N e b u c h i m" (II. B. M. 14. 3) und das Werk von Maimonides: „More Nebuchim". Vielleicht regen Sie einen Meinungsaustausch in dieser Frage an. Hochachtend Dr. Alfred Berger." — Wirsind gerne bereit, einer Diskussion über die ethymologische Bedeutung dieses merkwürdigen Wortes in unserem Blatte Raum zu gewähren und würden uns freuen, wenn diese zur endgültigen Klärung dieser Frage und zu einer befriedigenden Deutung des eigentlichen Sinnes des Ausdruckes „n e b b i c h" führen würde. Die Opfer der Judenschaft von Florida. Nach den neuesten Feststellungen wurden während des Wütens des Zyklons längs der Küste von Florida von der jüdischen Einwohnerschaft des Seebades Miami sechs Personen getötet und hundert mehr oder weniger schwer verletzt. Man schätzt den Schaden an jüdischem Eigentum auf 20 Millionen Dollar. Das Komitee für Hilfe an die Judenschaft von Miami hat einen Appell an die amerikanischen Juden gerichtet, in welchem zur Beisteuer für einen Wiederaufbaufonds zugunsten der geschädigten Juden aufgefordert wird. „Das neue Europa". Unter den internationalen Revuen», die sich nach dem Kriege die Wiederanbahnung der Völkerverständigung zum Ziele gesetzt haben, steht das von Doktor Paul Hohenau herausgegebene „Neue Europa" (Zürich, Wien,; Berlin) an führender Stelle. Das jüngste Heft stützt sich naturgemäß auf die letzten Ereignisse in Genf und veröffentlicht Beiträge von Persönlichkeiten, die dort entscheidend aufgetreten sind. In wirtschaftlicher Hinsicht werden besonders ein Artikel, „Vom Bolschewismus zum Kapitalismus",, von Gustav Sigmund Wolff (Frankfurt a. M.) sowie Ausführungen James Speyers (New York) über „Europa und die Vereinigten Staaten" interessieren. Von der Parteien Haß und Hader unberührt bleibt der tadellose Ruf des Warenhauses Brüder Schiffmann. Alle Bevölkerungsschichten der Leopoldstadt und der umliegenden Bezirke sind sich, unbeschadet ihrer gegensätzlichen. Parteizugehörigkeit, seit langem darüber vollkommen einig, daß man nirgends so gut und billig kauft, wie bei Brüder , Schiffmann. Dieses zentral gelegene — Taborstraße 4& -- wirklich großstädtische Unternehmen, hat mit Recht wegen seiner außergewöhnlichen Leistungsfähigkeit und unerreichten; Billigkeit große Popularität erworben. In dem Bestreben, dem Geschmack und den Wünschen seines zahlreichen, sich ständig vermehrenden Kundenkreises möglichst entgegenzukommen, haben die Brüder Schiffmann für die Herbstsaison eine ungemein reichhaltige Auswahl in Samt und Seide letztmoder-. ner Farben und Muster auf Lager, welche gegenwärtig noch zu außerordentlich billigen Preisen abgegeben werden. Eine. Besichtigung der mit besonders' künstlerischem Geschmack, arrangierten Schaufenster wird jedermann von der Güte der Ware und Konkurrenzlosigkeit der Preise überzeugen. In der. neu eingeführten Abteilung für Schneider- und Modistenzugehöre sind die Preise zur Einführung außerordentlich billig angesetzt. /#0##9#####9##9#########################v Werbet Abonnenten für „Qie Wahrheit"!