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Die Wahrheit · 1926-08-20 · Heft 35 (20.8.1926) · page 14

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 35 (20.8.1926)
Date
1926-08-20
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 12 DIE WAHRHEIT Nr. 35 Von Woche zu Woche Der siebzigste Geburtstag Achad Haaras. Vor kurzem feierte der große jüdische Schriftsteller und Philosoph Achad 11 aam in Tel Awiw seinen 70. Geburtstag. Achad Haams, dessen bürgerlicher Name Ascher G i n s b e r g lautet, wurde im Jahre 1856 in S k w i r a, im Gouvernement Kiew, geboren und war bereits vom Palästinagedanken erfüllt, bevor Theodor He<rzl den politischen Zionismus verkündete. Nach dem Baseler Zionistenkongreß trat Acham Haam gegen den politische n Zionismus Herzls auf und erklärte, daß der von Herzl erstrebte jüdische Staat nicht verwirklicht werden könne und daß nicht daran zu denken sei, daß man die Juden in den Ländern der Diaspora oder auch nur einen Teil derselben nach Palästina werde verpflanzen können. Die wahre Palästina-Idee besteht nach Achad Haam in dem Bestreben, in Palästina, der historischen Heimat des jüdischen Volkes, ein geistiges Zentrum der Judenheit der ganzen Welt zu errichten. Hier soll die Wiedergeburt der hebräischen Sprache als lebendige Sprache, die freie, nicht in fremden Rahmen gepreßte, j üdische Kultur erstehen. Als hebräischer Dichter hat sich Achad Haam einen großen Namen geschaffen und seine Werke wurden in viele Sprachen übertragen. Installierungsfeier. Sonntag, den 22. August 1926, um 4 Uhr nachmittags findet in der Synagoge in Mödling, Enzersdorferstraße 6, die Installierungsfeier Sr. Ehrw. des Rabbiners Herrn Dr. Albert Schweiger statt. 50. Geburtstag des Dr. Rudolf Schwarz-Hiller. Der ehemalige Kultusvorsteher und Gemeinderat Dr. Rudolf Schwarz-Hiller, der lange Zeit und als einer der letzten Mandatare das Wiener freiheitliche Bürgertum im Wiener Gemeinderat vertrat, feierte am 15. v. M. den 50. Geburtstag und wurde aus diesem Anlaß vielfach geehrt, namentlich von seinen politischen Freunden. Unsere Redaktion entbietet aus diesem Anlasse dem verdienstvollen und hochgeachteten Manne ihre herzlichen Glückwünsche. Justizrat Dr. Brodnitz 60 Jahre alt Ueber den auch in weitem Kreisen des österreichischen Judentums bekannten und verehrten Jubilar schreibt der Direktor des Central verein es Dr Ludwig Holländer in der letzten Nummer des Verbandsorganes: „Am 19. August 1926 begeht der Vorsitzende des Centraivereines, Justizrat Dr. Julius Brodnitz, die Feier seines sechzigsten Geburtstages. Wer hat ihm fen Gefühle wärmster AneTkenumg für all das, was er in Jahrzehnten der Zugehörigkeit zum Vorstand und in vi'elen Jahren, die ihn als Vorsitzenden des Centraivereines gesehen haben, ganz besonders zu danken, ihn besonders herzlich zu beglückwünschen? Wer einsieht, daß das deutsche Judentum in keinem Augenblick seine Augen vor seinen offenen und noch mehr vor seinen versteckten Gegnern verschließen und in Feigheit und Schlappheit sich einer Ungewissen Zukunft verschreiben darf. Wer einsieht, daß die geigen uns gerichtete Bewegung nicht nur „abgewehrt" werden muß, sondern daß sie den Ausfluß einer irregeleiteten, auf falschen Voraussetzungen und falschen Schlußfolgerungen beruhenden Richtung darstellt. Wer infolgedessen einsieht, daß wir uns deshalb mit der wissenschaftlichen Erforschung unseres Seins, unserer Lage, unserer Wirtschaft, unserer Einbettung in den deutschem Volkskörper befassen müssen, und daß unsere politische Aktivität von wissenschaftlichen Erkenntnissen getragen werden muß. Wer einsieht, daß wir deutsch bis auf die Knochen ein Bestandteil des deutschen Volkes sind und sein wollen, und diese Eigenschaften auch dann nicht aufgeben wollen, wenn Deutschvölkische und innerjüdische Gegner uns noch so sehr schmähen und höhnen. Wer einsieht daß wir treue Söhne der jüdischen Gemeinschaft sind und bleiben werden, daß wir kein Judentum der Phrase, der Phantasie und der Utopia in uns tragen, sondern das Erbe der Väter als heiligstes Gut in uns bergen, und daß wir dieses Judentum in Liebe umfassen, erhalten und fördern wollen. Wer einsieht, daß Vornehmheit der Gesinnung, Versöhnlichkeit des Wesens, wahrer Adel in der Art der Ausübung der übernommenen Pflichten das Beste ist. was ein Leiter, ein Führer seinen Anhängern geben kann. Wer einsieht, daß eine so große und aus den verschiedensten Kreisen zusammengeströmte Masse, wie sie im Centraiverein vereint ist, nur geleitet werden kann von einem im tiefsten gerecht denkenden und warmes Verständnis für die menschlichen Gegebenheiten zeigenden Manne. Das verkörperte Dr. Julius B r o d n i t z in sich. So führt er das Amt, dessen Adel ihm seine ersten Inhaber Maximilian Hörwitz und Eugen Fuchs verliehen haben. Auch der Eintritt in das höhere Alter wird unseres Julius Brodnitz Frische und innere Jugend nicht beeinträchtigen! Gott schütze und segne ihn! Das ist unsere Bitte. Gott erhalte ihn den Seinen und der Gesamtheit der jüdischen Deutschen noch viele, viele Jahre in Freuden! Das ist unser Wunsch!" Diesem Wunsche schließen sich mit innigen Glückwünschen auch die „Union deutschösterreichischer Juden" und die Redaktion der „Wahrheit" an. 30jähriges Amtsjubiläum. Am 18. August 1. J. vollendete Herr Hermann Goldenberg seine 30jährige Wirksamkeit als Oberkantor der Kultusgemeinde Marienbad. Der allseits bekannte, in seinem Fache hervorragende Oberkanitor 'erfreut sich großer Beliebtheit nicht nur seines Könnens halber, sondern auch wegen seiner bescheidenen sympathischen Persönlichkeit. Der weltberühmte Gottesdienst im Marienbader Tempel ist lediglich dem Wirken des jubilierenden Oberkantors zu danken. Oberkantor Goldenberg wurde vor 30 Jahren zur Abhaltung eines Gottesdienstes anläßlich des Geburtstages des Kaiser Franz Josef nach Marienbad berufen, bei welchem er einen derartigen Erfolg hatte, daß er sofort engagiert wurde. Damals war weder ein Chor vorhanden, noch stand die Orgel in Gebrauch. Dem Jubilar war es überlassen, beides einzuführen und den Gottesdienst derart auszugestalten, daß er die Anerkennung des großen internationalen Kurpublikums fand und großer Wertschätzung seines jeweiligen Vorstandes sich erfreute. Oberkantor Goldenberg wird auch von seinen Amtskollegen' sehr geschätzt, welche in ihm einen Senior und Meister seines Faches verehren. Möge dem Jubilar an diesem schönen Gedenktage die ihm gebührende Würdigung zuteil werden. Amtsantritt. Wie man uns mitteilt, hat Herr Max Schidlo, der vom Israelitischen Tempel verein für den XI. Bezirk zum Oberkantor bestellt wurde, vorigen Samstag zur vollsten Zufriedenheit seiner Gemeinde sein Amt angetreten. Todesfall. Am 31. Juli d. J. starb im Alter von 87 Jahren Frau Julie Blau, geb. S z a m e k, Mutter des Herrn Jacques B a 1 o g, III., Weißgärberlände 52. Die Verewigte war eine wahrhaft jüdische Frau, eine zärtlich liebevolle Gattin, die ihr ganzes Leben dem Wohle ihrer Kinder und ihrer Familie gewidmiet hatte. Die Beerdigung fand in Schaohtice, Tschechoslowakei, unter großer Teilnahme der jüdischen und christlichen Bevölkerung statt. Sieben Kinder folgten dem Sarge dieser edlen Frau, die sich die Verehrung aller derer, die sie kannten, erworben hat. In Schachtice lebte und wirkte sie segensreich, von allen geliebt und verehrt, ein volles Menschenalter an der Seite ihres ihr vor 21 Jahren vorausgegangenen Gatten. Ehre ihrem Andenken! Centenarfeierlichkeiten in Deutschland. Im ersten Tage des Roschhaschono sind es 100 Jahre her, daß der Temp e 1 der jüdischen Gemeinde zu M e s e r i t z erbaut und eingeweiht worden ist. Es war im Jahre 1824, als eine große Feuersbrunst, der auch einige junge Glaubensgenossen zum Opfer fielen, einen großen Teil der Stadt vernichtete, und zwar hauptsächlich diejenigen Straßenzüge, welche von den jüdischen Bürgern bewohnt wurden. Man hatte ursprünglich den Plan, den Tempel an einer anderen Stelle neu aufzubauen. Mit Rücksicht darauf, daß sich die umliegenden Häuser ausschließlich in jüdischen Händen befanden, wurde der Neubau wieder an der Stelle des alten Tempels errichtet, und im Jahre 1926 am ersten Tage des Roschhaschono-Festes neu eingeweiht. — Meseritz ist eine der wenigen jüdischen Gemeinden der früheren Provinz Posen, welche bei Deutschland verblieben sind, mit alten ehrwürdigen Traditionen, aus deren Mitte viele bedeutende Männer und Gelehrte von Ruf hervorgegangen sind. Als ein Beweis für die frühere Größe der Gemeinde möge erwähnt sein, daß der Tempel zirka 300 Männer- und 200 Frauensitze hat, während heute die ganze Gemeinde nur zirka 80 Seelen stark ist. — Am 25. Juli beging die Gemeinde Groß-Krotzenburg b. Hanau a. M. das hundertjährige Bestehen ihrer Synagoge. Aus diesem Anlaß fanden unter lebhafter Anteilnahme der gesamten Bevölkerung eine Reihe von Feiern statt. Nahezu sämtliche Häuser des Dorfes waren mit Fahnen und Girlanden geschmückt. Nachdem am Vortage in Anwesenheit von Rabbiner Dr. Gradenwitz - Hanau ein Festgottesdienst stattgefunden hatte, folgte abends ein Kommers, an dem die Gemeindeverwaltung, der Turn-, der Gesangs-, der Krieger¬ und sämtliche anderen Vereine durch Ansprachen und Vorführungen sich beteiligten.

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