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Die Wahrheit · 1926-07-02 · Heft 28 (2.7.1926) · page 14

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 28 (2.7.1926)
Date
1926-07-02
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 12 Schlußprüfungen in den Bibelschulen.. Alljährlich um diese Zeit finden in den Wiener Bibel- und Talmud-Thora- Schulen Schlußprüfungen statt, welche den an der religiösen Erziehung der jüdischen Jugend interessierten Kreisen Einblick in das Leben und Treiben dieser von wahrem jüdischem Geiste durchströmten Erziehungsstätten gewähren. Mit Freude kann auch in diesem Jahre die Feststellung gemacht werden, daß die aufopferungsvolle Arbeit unserer jüdischen Jugendbildner schöne Erfolge aufzuweisen hat. Samstag, den 26. Juni, 4 Uhr nachmittags, fand nach dem Minchagebete die Schlußprüfung der Zöglinge der Bibelschule in der Pazmanitengasse statt, zu welcher die Vorstandsmitglieder des Vereines Aeschel Awrohom und die Eltern der Kinder erschienen waren. Herr Rabbiner Dr. S. Funk hielt eine Begrüßungsansprache und gedachte des vor kurzem verstorbenen Obmannes der Bibelschule Adler, der der verdienstvolle Gründer der Schule war. Hierauf fand die Prüfung der Schüler statt, welche von den großen Kenntnissen derselben Zeugnis ablegte. Besondere Beachtung fand die Prüfung der der sechsten Abteilung angehörenden Schüler, deren Talmudkenntnisse ganz bedeutend sind. Zum Schlüsse dankte Rabbiner Dr. S. Funk den Lehrern für ihre Mühewaltung und den Schülern für ihren großen Eifer. Sonntag, den 27. Juni, fand die Schlußprüfung der Schüler und Schülerinnen der Talmud-Thora-Schule für den IV. und V. Bezirk statt, zu der die Herren Inspektor W i e s n e r als Vertreter der Kultusgemeinde, der Tempelvereinspräsident Adolf H o f m a n n, Rabbiner Doktor G. Mehrer, die Eltern der Kinder und die Mitglieder des Tempel Vereines für den IV. und V. Bezirk und des Vereines Machsike-Tbora erschienen waren. Obmann Herr Desider Wollner leitete die Prüfung mit einigen der Bedeutung der Schule würdigenden Worten ein und führte aus, daß die Schule im heurigen Schuljahre durch die Eröffnung eines Kurses für die moderne hebräische Sprache eine bedeutende Erweiterung erfuhr. Es wurden im Schuljahre 1925/26 in der Bihelschule 85 Kinder, in der hebräischen Sprachschule 30 Kinder und 25 Erwachsene eingeschrieben, wovon im Laufe des Schuljahres 25 wieder ausgetreten sind. Zunächst hatte man Gelegenheit, die unter der Leitung des ausgezeichneten Religionslehrers Rabb. I. Friedmann stehenden 3 unteren Gruppen beim Lesen aus dem Gebetbuche, Uebersetzungen und Erklärungen über die täglichen Religionsgebräuche sowie im hebräischen Schreiben zu beobachten. Die 2 oberen Gruppen standen unter der bewährten Leitung des Religionslehrers Herrn Kampfer: auch hier war der Unterrichtserfolg ein vorzüglicher. Die Sprachschule stand unter der Leitung des Herrn Fachlehreres Aron D a f t. Hier war der Erfolg mit Rücksicht auf die kurze Dauer des Bestandes (seil 15. Dezember 1925) geradezu bewundernswert Präsident Ii o f m a n n dankte nach Schluß der Prüfung dem Obmann und den Lehrern für die ausgezeichnete Führung der Schule, worauf Herr Rabb. Dr. M e h r e r in einer gehaltvollen Rede die Bedeutung der Schule würdigte. Herr Insp. W i e s n e r gab als Vertreter der Kuitusgemeinde seine vollste Befriedigung über die Leistungen der Schule kund und versprach werktätige Hille seitens der Kultusgemeinde. Dann wurden die Kinder mit kleinen Geschenken beteilt. Die Schlußprüfung der Bibelschule im VIII. Bezirke fand Mittwoch, den 23. Juni in Anwesenheit des Herrn Rabbiners Dr. M. Bauer und einiger Herren des Tempelvorstandes statt. Die Prüfung, die vom Herrn Religionslehrer Sprinzelles vorgenommen wurde, erbrachte den Beweis von den großen Kenntnisen, welche die Schüler der Bibelschule im Laufe des heurigen Schuljahres erworben haben. Nach der Prüfung wurden sämtliche Kinder mit kleinen Geschenken bedacht, die das Vorstandsmitglied Herr Alois Hayek ihnen im Namen des Vorstandes überreichte. Barmizwahfeier. Samstag, den 26. Juni fand im Währinger Tempel die Konfirmation des jungen Harald Bösel, des Sohnes des Herrn Oskar Bösel und seiner Gattin Hedwig, eines Neffen des Herrn Leopold Bösel, statt. Rabbiner Dr. Feuchtwang hielt an den zum ersten Male vor der Thora Erschienenen eine eindrucksvolle Ansprache, während Oberkantor M a r g u 1 i e s die kantoralen Funktionen in hervorragender WTeise vollzog. Zu der Feier hatten sich zahlreiche Freunde und Bekannte der Familie Bösel eingefunden, die den Konfirmanden und dessen Eltern aufs herzlichste beglückwünschten. Silberne Hochzeit. Dienstag, den 22. Juni feierte der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Baden bei Wien, Herr Alexander Braun,/ und seine Gattin Frau Hedwig Braun das Fest der silbernen Hochzeit. Die beiden, in den weitesten Kreisen geschätzten und verehrten Jubilare stehen an der Spitze der Judenschaft Badens. Alexander Braun ist seit vielen Jahren im Vorstand der Badener Kuitusgemeinde und seit sieben Jahren der Präsident. Er hat sich in dieser Eigenschaft um die jüdische Gemeinde Badens sehr große Verdienste erworben und insbesondere auf dem Gebiete der Wohltätigkeit Großes geleistet. Seine Gattin unterstützt ihn bei seiner charitativen Tätigkeit auf das wirksamste, hat aber auch selbst als Vorstandsdame des Israelitischen Frauenvereines in Baden und des Vereines zur Ausspeisung armer Glaubensgenossen eine ausgedehnte charitative Tätigkeit entfaltet. Als ein Mann, der jeder Ehrung aus dem Wege geht, hat sich Präsident Braun auch anläßlich seiner silbernen Hochzeit jegliche Feierlichkeiten verbeten. In gewohnter Bescheidenheit wollte er dieselbe nur im engsten Familienkreise begehen. Dennoch aber haben es sich die Vorstände der Kultusgemeinde und der Chewra Kadischa nicht nehmen lassen, die Jubilare persönlich zu beglückwünschen, und fanden sich vollzählig in der Wohnung des Jubelpaares ein, woselbst gleichzeitig auch die Delegierten zahlreicher Wohltätigkeitsanstalten erschienen waren. Oberrabbiner Reich hielt eine ergreifende Ansprache, in der er die außerordentlichen Verdienste des jubilierenden Paares hervorhob, worauf die Herren Ludwig Lackenbacher, Präsident der Chewra Kadischa, und Vorstandsmitglied Louis Pollak herzliche Glückwünsche dem Jubelpaar überbrachten. Herr und Frau Präsident Braun waren außerdem Gegenstand herzlichster Glückwuns^hkundgebungen von Seiten ihrer zahlreichen Freunde und Bekannten, j. H. Anna Fischer, Gummi- und Bandagengeschält, 11. Bez. Taborstraße 24 a (Tel. 40-5-95). Die wegen ihrer Fachkenntnis und ihres Entgegenkommens beim Leopoldstädter Publikum sehr beliebte Frau Anna Fischer hat im Zentrum des- II. Bezirkes ein Geschäft für hygienische Bedarfsartikel eröffnet. — Telephonische Bestellungen auch aus der Provinz werden promptest ausgeführt. — Die Dame, deren langjähriges Wirken auf dem Gebiete der Wohltätigkeit bekannt ist, ist gerne bereit, unbemittelten Patienten, sowohl was den Preis als auch was die Zahlungsbedingungen anbelangt nach Möglichkeit entgegenzukommen. Max Schwager. Agende für Trauungen, Selbstverlag. Wien II., Zirkusgasse 50. Der wegen seiner vortrefflichen Charaktereigenschaften sich allgemeiner Beliebtheit erfreuende, rührige Tempelverwalter der israelitischen Kultusgemeinde in Wien, Herr Max Schwager, nimmt bekanntlich seine amtlichen Funktionen ungemein ernst und versieht sie seit langen Jahren mit der taktvollsten Liebenswürdigkeit; allen jenen gegenüber, die amtlich oder auch bloß freundschaftlich ihr Weg zu ihm führt, ist er zu dienen, zu helfen, zu nützen bestrebt. Er ist ein ungemein genauer, praktisch eminent geschulter Kenner, namentlich der technischen Seite unseres jüdischen öffentlichen Gottesdienstes und mit schöner, unentwegter, unbeirrbarer Begeisterung bemüht, das Seinige dazu beizutragen, damit alles stets höchst weihevoll und würdig vor sich gehe. Nun hat er ein mit eminentem Geschmack hochelegant ausgeschmücktes Büchlein herausgegeben, das Brautleuten ein wertvoller Führer und ein reizendes Erinnerungszeichen zugleich zu sein bestimmt ist. Das altehrwürdige Trauungsrituale wirkt in dieser anheimelnden sympathischen Form fast wie ein Novum. Es ist alles übersichtlich geordnet, so unübertrefflich einleuchtend in typographischer Vollendung dargeboten, daß der vom Herausgeber angestrebte Zweck vollauf erreicht wird, sowohl den Funktionären als auch den künftigen Eheleuten zu dienen, zu nützen. Die Hochzeitsgesänge finden sich in klarstem Notendruck beigegeben. Nichts fehlt! Der große geniale Salomon Sulzer s. A. hätte wahrlich seine Herzensfreude an diesem entzückenden Werkchen gehabt, wenn es zu seiner Zeit erschienen wäre! Er hätte seinen Vorsatz gewiß mit Vergnügen und dankbarst wiedererkannt, Herr Schwager hat mit dieser seiner neuesten Publikation einem längst tief gefühlten Bedürfnisse auf die glänzendste und vollkommenste, kaum zu übertreffende Weise entsprochen. Das liebe Büchlein wird sich ohne Zweifel bald als Unentbehrlichkeit herausstellen. A. Friedmann.

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