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Die Wahrheit · 1926-06-11 · Heft 25 (11.6.1926) · page 14

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 25 (11.6.1926)
Date
1926-06-11
Page
– (sequence 14)
Language
German
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DIE WAflRHElT__Nr< 25 Seite_12 Barmizwahfeier. Samstag den 5. Juni fand im Margaretner Tempel die Barmizwah des Studenten Hans Fried- 3 u n g, Sohn des in weiten Kreisen geachteten und geschätzten Apothekers Dr. Ernst Fried jung und seiner Gattin Hedwig, geb. K1 a u b e r statt. Nach altjüdischer Sitte trug der Knabe die Haftorah mit viel Verständnis in weihevoller Weise vor, die, von frischen Kinderlippen gesprochen, einen tiefen Eindruck auf die zahlreich erschienenen Verwandten und Bekannten machte. Herr Rabbiner Dr. Mehrer richtete an den Konfirmanten eine eindrucksvolle Ansprache, in welcher er die Worte aus dem V. Buche Moses, Kapitel 32 zugrunde legte: „sch'al owicho w'jagedcho", „Frage deinen Vater, daß er dir es sage" und ihn ermahnte, den weisen und religiösen Lehren seines so gottesfürchtigen und edlen Vaters jederzeit zu folgen, denn in seinem Vater hat er den besten Lehrer. Nach dem Gottesdienst versammelten sich die Verwandten und Freunde in der Wohnung zu einem intimen Festmahl. In Vertretung des Vorstandes des Tempelvereines Wieden-Margareten waren anwesend der Präsident Herr Adolf Hof mann samt Gemahlin, Frau Karoline H o f m a n n,. Präsidentin des isrealitischen Frauenwohltätigkeitsvereines und der Bethausvorsteher Herr Dr. Adolf P e t ö, ferner die Gemahlin des Präsidenten der israelitischen Kultusgemeinde Frau Prof. Dr. Alois Pick, die beiden Großmütter des Konfirmanten, von denen die eine, Frau Dr. Alois F r i e d j u n g, eine trotz ihres Alters ungemein geistesfrische Dame, die in ihrem Glücke schwebte und Frau K1 a u b e r, eine in ihrer Heimat angesehene und wohltätige Dame aus Pilsen herbeieilte, um an diesem schönen Familienfeste teilzunehmen. Der Konfirmant, ein intelligenter, aufgeweckter Junge, hielt eine geistreiche, allen Anwesenden zu Herzen gehende Ansprache, worauf Rabbiner Dr. M e h r e r in humoristischer Weise antwortete. Der Präsident des Tempelvereines, Herr Adolf Hofmann, toastierte auf die Eltern des Konfirmanten, indem er die Verdienste des Dr. F r i e d j u n g für den Tempel verein, seine angeborene Frömmigkeit und Wohltätigkeit hervorhob, überall, wo jüdische Interessen zu vertreten sind, ist Dr. Friedjung an erster Stelle, und in seiner Frau hat er eine würdige Gehilfin. Dr. Fried jung lehnte dankend in seiner bekannten Bescheidenheit jedes Lob ab, indem er sagte: er bemüht sich nur immer seinem Nebenmenschen nicht unangenehm zu sein und ist immer bestrebt, nur das'zu tun, was ihm sein Herz als Mensch und Jude diktiert. N. Das -Maimonides-Institut veranstaltet im Vereine mit der Misrachistischen Partei Donnerstag, den 17. d. M., einen Vortragsabend im größeren Rahmen, bei welchem Rabbiner Dr. R. K a m i n k a über den Wiederaufbau Palästinas auf Grund seiner Reiseeindrücke berichten wird. Näheres über den Ort der Veranstaltung usw. wird in den Tagesblättern verlautbart. Mädchenkonfirmation. Donnerstag, den 3. Juni, halb 10 Uhr vormittags, fand im großen Leopoldstädter Tempel^ die feierliche Konfirmation der Mädchen statt, bei welcher Herr Rabbiner Dr. Bach und Oberkantor Heinrich Fischer fungierten. Die schöne und erhebende Feier nahm einen sehr würdigen Verlauf. Mädchenkonfirmation im Ottakringer Gemeindetempel. Sonntag, den 30. Mai d. J. fand die diesjährige Konfirmationsfeier statt. Es war ein herzerfreuender Anblick, als die jungen Mädchen unter Harmoniumklängen in das festlich beleuchtete und überfüllte Gotteshaus ihren Einzug hielten. Die gesamte Feier nahm Herr Rabbiner Dr. Bach vor. Der gesangliche Teil wurde von Herrn Oberkantor K o g a n und dem Tempelchor unter Leitung des Herrn M i 11 e t in vorzüglicher Weise ausgeführt. Die Mädchen trugen ihr Pensum mustergültig vor. Hotel-^-Restaurant Guthl | II., Hollandstraße Nr. 14 | E Vornehmes-Restaurant mit erstklassiger Küche | I Menü zu S 1.80 und 2.20 | | Übernahme von Diners und Soupers in und ausser Haus 3 | Jeden Samstag und Sonntag Souper bansant | E Jeden Sonntag fünf-V§r-Zee mit Zanz | E Zum Besuch ladet höfl. ein j GUTH, Besitzer. | Das Glaubensbekenntnis sprachen die Mädchen Salamon und Mandl; die Fragen beantworteten die Mädchen Reiß, Perlmutter, Diamant, Singer, Bo da scher, Melier und Fischer. Alle Teilnehmer standen unter dem Eindrucke daß diese Einrichtung für die aus der Schule tretenden Mädchen eine Notwendigkeit ist und auch in Zukunft beibehalten werden soll. Verlobung. Herr Alfred Wald, Sohn des Rechtsanwaltes Dr. Heinrich Wald, verlobte sich mit Fräulein Steffy Landwirt h, Tochter des Großkaufmannes Heinrich L a n d w i r t h. Trauung. Sonntag, den 6. d. M. fand im Stadttempel die Trauung des Fräulein Gretl Steiner, Tochter des Ehepaares Elsa und Richard Steiner, mit Herrn Adi Haas, Sohn des Ehepaares Karl und Fanny Haas, geb. K o h n, unter außergewöhnlich großer Beteiligung statt. Eine überaus große Zahl von Gästen, die für die Wertschätzung des Brautpaares und dessen Familien beredtes Zeugnis gab, füllte das schöne Gotteshaus bis auf das letzte Plätzchen und bemerkte man unter anderen Herrn Obmann Franz Pos pis c hi 1 in Vertretung der Reichsorganisation der Kaufleute Oesterreichs, Herrn Bezirksrat F a r d a, in Vertretung des Detaillistenverbandes Herrn Vizepräsident Alexius S a 1 z e r. Für den Verein „Vereinte Kraft", dessen Obmannstellvertreter der Brautvater ist, war Herr Kultusvorsteher S. Meister erschienen. Herr Rabbiner Dr. I. Bach verlieh nur den Gefühlen der zahlreich versammelten Freunde passenden Ausdruck, als er auf die hohe Wertschätzung hinwies, die den Eltern des Brautpaares, von deren Leben er ein schönes Bild entwarf, gezollt wird. Man schätzt bei ihnen, hob er hervor, die vornehme Gesinnung, die innige Familien- und selbstlose Menschenliebe, die Treue, Tugenden, die auch den schönsten Schmuck des Brautpaares bilden mögen. Besonders legte er dem jungen Paare ans Herz, die Pflege jenes Gott und Menschen gefälligen Sinnes, der seine Verkörperung im Großvater des Bräutigams gefunden, in Herrn S. Kohn, der sich durch sein hingebungsvolles, selbstloses Wirken in der Ottakringer Gemeinde so vielfache Anerkennung seitens verehrender und bewundernder Freunde erworben hat. Die kantorale Funktion versahen die Oberkantoren Kaufmann und M a t i a s. Gedächtnisfeier. Samstag, den 5. d. M., 8 Uhr abends, fand im Sitzungssaale des KranJtenunterstützungsvereines „Nächstenliebe" eine sehr würdig verlaufene Trauersitzung statt, die dem Andenken zweier treuer Mitglieder des Vereines gewidmet war. Obmann Adolf Reich gedachte zunächst des verstorbenen Vorstandsmitgliedes Kommerzialrat Gustav Qruber, dessen vornehmen, menschenfreundlichen Charakter er in tiefempfundenen Worten schilderte und hob besonders die großen Verdienste hervor, die sich der Verblichene während seiner langjährigen unermüdlichen Tätigkeit im Vorstande um den Verein, erworben hatte. Sodann hielt Obmann Adolf Reich dem verstorbenen Mitgliede Frau Katharina Winkler, der verstorbenen Gattin des altbewährten Vorstandsmitgliedes Leopold Winkl er, einen in überaus warmen Worten gehaltenen Nachruf, wobei er die seltene Herzensgüte und den großen Wohltätigkeitssinn der Verstorbenen, insbesondere aber ihr verdienstvolles Wirken für den Verein beleuchtete. Er gab der Trauer des Vereines um den Verlust zweier so hervorragender Mitglieder in bewegten Worten Ausdruck und erklärte, ihre Verdienste werden niemals vergessen werden. — In der darauf unter Vorsitz des Obmannstellvertreters I. Schönherz stattgehabten Vorstandssitzung wurde der einstimmige Beschluß gefaßt, anläßlich des 60. Geburtstages des verdienstvollen Schriftführers 5. Bojnitzer einen Bojnitzer-Fonds zu gründen und Herrn Leo G r u b e r an Stelle seines verstorbenen Bruders in den Vorstand zu kooptieren. Der Sammeltag der Rettungsgesellschait am 5. und 6. d. M. hat mit einem großen finanziellen Ergebnis geendet, ein Beweis dafür, daß sich die Wiener Bevölkerung trotz der schweren wirtschaftlichen Verhältnisse der Wichtigkeit dieser menschenfreundlichen Institution stets bewußt ist. Zu dem schönen Reingewinn haben auch unsere Glaubensgenossen ihr redlich Scherflein beigetragen, eingedenk des Umstandes, daß unsere Rettungsgesellschaft neben den „Barmherzigen Brüdern" eine der wenigen Wiener humanitären Institutionen ist, die ihre Hilfe jedem Unglücklichen ohne Unterschied der Konfession angedeihen lassen. So hat Präsident Sigmund Bösel dem Präsidenten der Wiener Freiwilligen Rettungsgesellschaft, Polizeipräsidenten Schober, aus Anlaß des Sammeltages eine Spende von 5000 Schilling für die Gesellschaft, übergeben.

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