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Die Wahrheit · 1926-05-28 · Heft 23 (28.5.1926) · page 14

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 23 (28.5.1926)
Date
1926-05-28
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Nr. 24 und wirtschaftlichen Lebens. — Regierungsrat Kreppel hat u. a. im Vorjahre ein Handbuch zur Judenfrage „Juden und Judentum von heute" herausgegeben, das von der Kritik wegen seiner Reichhaltigkeit, erschöpfenden Darstellung der Daten. Ziffern und Tatsachen, sowie Objektivität, allgemein als epochal bewertet wird. Auch sein neuestes Werk soll dieselben Vorzüge aufweisen. Das Handwörterbuch befaßt sich auch eingehend mit den Fragen des Judentums. Oberhollabrunn. Der als Kantor, Religionslehrer und Matrikenführer allgemein beliebte Herr Sigmund Jellinek feiert am 3. Juni das 2 5jährige Jubiläum seiner Wirksamkeit in Oberhollabrunn, wohin er vor 25 Jahren aus Mistelbach berufen wurde. Der Jubilar entfaltete besonders im Kriege ein von den allerhöchsten Stellen anerkannte charitative Tätigkeit und -erfreut sich in der Gesamtbevölkerung dank dieser seiner Tätigkeit, seines umfassenden Fachwissens und seiner konzilianten Natur allgemeiner Wertschätzung. Die dortige Kultusgemeinde unter Führung des Vorstandes, Herrn Emil Skiutetzky macht große Vorbereitungen um ihren beliebten Beamten zu ehren. Der jüdische Elternbund für den II. Wiener Gemeindebezirk veranstaltete Sonntag, den 23. d. M. im „Bayrischen Hof" eine ebenso schöne wie gelungene Sch wuoth-F eier, für deren glänzenden Erfolg den nimmermüden Damen und Herren des Komitees der Dank aller Mitglieder und Freunde des um" die religiöse Erziehung der jüdischen Jugend sehr verdienten Vereines ausgeprochen sei. Die pädagogische Leitung sowie die Darbietungen der jungen Künstler und Küntlerinnen war über jedes Lob erhaben. Trauung. Sonnttg, den 23. Mal fand unter ungewöhnlich großer Beteiligung im herrlich geschmückten MüllneTtempel die Trauung des Fräulein Grete Salzer, Tochter des Herrn Samuel S a 1 z e r ud seiner Gattin Hanl geb. Braun, mit Herrn Alexander Weiss, Sohn des Herrn Michael Max Wflefliflsfl und seiner Gattin Regina geb. Deutsch, statt. Unter dei zahlreichen Festgästen sah man in Vertretung der Kultusgemeinde den Vizepräsidenten Dr. J. Ornstein, den Gesamtvorstand des Müllnertempels, das Präsidium des Vereines Bikur Cholim sowie eine Deputation des Vereines ,.W o h 1 f a h r t". Oberkantor S. Postolow versah mit großer Assistenz die kantorale Funktion in erhebender Weise, während der Trauungsakt von Rabb. Schwarz vollzogen wurde. Dieser verdolmetschte in überaus warmen Worten die Gefühle der zahlreichen Versammelten für das Glück und das Wohlergehen des Brautpaares. Er ermahnte dasselbe, stets eingedenk zu bleiben der grenzenlosen Liebe und Treue seiner Eltern und auf dem festen Grunde echt jüdischer Tugenden das neue Haus aufzurichten. Dr. Schwarz würdigte sodann die hervorragenden Verdienste, die sich der Väter des Bräutigams durch sein Wirken im Vorstande des Gotteshauses und für die jüdische Oeffentlichkeit erworben hat. — Anschließlae'h an die Trauungsfeierlichkeit fand im Zeremoniensalle des Tempels eine Gratulation des Gesamtvorstandes des Tempelvereintes „B e t h H a t f i 1 a h" statt, dem der Vater des Bräutigams als Vorstandsmitglied angehört Präsident Börserat J. Glück würdigte die großen Verdienste des Herrn Michael Max Weiss und seiner Gattin um den Verein und überbrachte dem jungen Paare und seinen Eltern die herzlichsten Glückwünsche des Vorstandes. Tiefgerührt dankte Herr Weiss für die ihm und dem Brautpaare dargebrachten Ehrungen. Die Gratulation für die Familienmitglieder und Freunde des Brautpaares fand im Hotel Bristol statt. Trauungsanzeige. Sonntag, den 6. Juni 1926 findet um Yii Uhr nachm. im Tempel I., Seitenstettengasse Nr. 4, die Trauung des Fräulein Gretl Steiner mit Herrn Adi Haas. Sohn des Herrn Karl Haas (Wien I.), statt Ein Wiener städtischer Lehrerveteran. Aus der Geburtsstadt des großen Leopold \o m p e r t, ans Münchengrätz in Böhmen, stammte Alois Hahn, Lehrer der Stadt Wien, der 85 Jahre alt, nach dreitägigem Krankenlager seiner Familie und seinen Freunden vor kurzem entrissen wurde. Nach Absolvierung der Lehrerbildungskurse wurde Alois Hahn — geboren 13. Mai 1841 zu Münchengrätz — Lehrer, Kantor usw. in seiner Heimatsgemeinde und kam 1873 nach Wien, wo er als besonders anerkannter Pädagoge bis 1914, in welchem Jahre er in Pension ging, bei oft schwer zu bewältigendem Schülermateriale viele Jahre allgemein geschätzt, segensreich wirkte. Seinen Kindern von denen ein Sohn auch ein Kriegsopfer wurde, war er ein Mustervater wie er auch seiner edlen Gattin in Liebe stets zugetan war. Beide sah man regelmäßig beim Gottesdienste im Stadttempel. Vor zwei Jahren verließ ihn seine gute Gattin und nun ruht der alte Pädagoge — einer unserer alten, jüdischen Lehrergarde — von seiner Arbeit für immer aus. Ehre und Segen seinem Andenken und himmlischer Trost werde seinen lieben und treuen Kindern zuteil. M. A. äOjähriges Dienstjubiläum. Am 18. d. M. feierte der Disponent der Firma Adolf und B. H o f b a u e r, Herr Ludwig A b e 1 e s, das 50jährige Jubiläum seiner kaufmännischen Tätigkeit. Der Jubilar war aus diesem Anlasse Gegenstand zahlreicher Ehrungen, die ihm von seiten der Chefs und des Personales der Firma entgegengebracht wurden und erhielt die große goldene Medaille des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft Todesfälle. Am 14. Mai wurde unter großer Beteiligung die würdige Witwe nach dem unvergeßlichen Obmann von Rudolfsbund, Frau Rosalie P o 11 a k unter großer Beteiligung zu Grabe getragen. Die Herren Rabbiner Dr. Bach und Prof. Nasche hielten ergreifende Nachrufe. Die Trauerzeremonie vollzog in. erhebender Weise Oberkantor H. Fischer. An der Bahre trauern Herr Gustav Po 11 a k, der einzige Sohn, dessen Gattin, sowie die zwei Töchter der Verblichenen. — Am 14. Mai starb in Wien der Rabbiner in Steyr Herr Heinrich Schön nach langem, schwerem Leiden im 75. Lebensjahre. Der Verblichene hat der kleinen Gemeinde ein Menschenalter hindurch unter den schwierigsten Verhältnissen Dienste geleistet und ist mit ihm .eine jener Persönlichkeiten des jüdischen Lebens hingeschieden, die um Gottes Lohn gearbeitet und gedient haben. Die Gemeinde Steyr ist selbst zu, klein, um inen Beamten ausreichend ziu bezahlen* und so mußte der Verewigte die ganze Bürde der Arbeit in alten Tagen unter großen Entbehrungen tragen. Rabbiner Schön war ein pflichttreuer Beamter, ein bescheidener Mensch, der sich bei der Bevölkerung großer Achtung und Beliebtheit erfreute. An seiner Bahre trauern eine betagte Witwe und sieben treffliche Kinder und Schwiegerkinder Der Familienkreis, der den Verstorbenen voll innigster Liebe allzeit umgab, hat alles Anrecht, die aufrichtigste Teilnahme an dem schweren Verluste zu empfangen und wird das Andenken an Rabbiner Schön bei allen, die ihn kannten, stets in Ehren gehalten werden. Kl. — Donnerstag, den 20. d. M. verschied im Alter von 79 Jahren Herr Jacob Lichtenstein in Wien IL, ein in weitesten Kreisen bekannter Journalist Wegen seiner hervorragenden geistigen und moralischen Eigenschaften erfreute er sich der größten Wertschätzung, von welcher die zahlreiche Beteiligung bei der Sonntag, den 23. d. M., auf dem Zentralfriedhofe stattgehabten Beerdigung des Verblichenen Zeugnis gegeben hat. — Am 21. d. M. starb hier nach jahrelangem schweren Leiden Fräulein Jenny Süß, Tochter des Fürsorgerates Jakob Süß. Das Leichenbegängnis fand Sonntag, den 23. d. M. statt und hielt Herr Rabbiner Dr. S. Funk einen tiefempfundenen Nachruf am Sarge der Verblichenen. — Freitag, den 21. d. M. wurde unter großer Beteiligung Frau Elenore W a i t z n e r, die Mutter des bekannten Buchdruckereibesitzers Alfred Waitzner, zu Grabe getragen, die am 19. d. M. im 92. Lebensjahre verstorben war, Sie war eine wahrhaft jüdische Frau, die ihr ganzes Leben dem Wohle ihrer Familie gewidmet hat und nach dem Tode ihres unvergeßlichen Gatten bescheiden und wunschlos für ihre eigene Person, als eni Musterbild treuer Pflichterfüllung lebte. Herr Rabbiner Dr. T a g 1 i c h t hielt sowohl im Trauerhause, als auch am Zentralfriedhofe zu Herzen gehende Trauerreden, in welchen er die Tugenden der Verewigten würdigte. Die kantorale Funktion versah Herr Oberkantor M. M a t i a s. — Unter den zahlreichen Trauergästen bemerkte man Herrn: Kultusvorsteher Emil Engel, Amtsdirektor Dr. Emil Adler, Amtsleiter Wilhelm Freistadt, Börserat I. Glück, die Tempelverwalter Kraus und Schwager u. a. m. Der Judenstämmling Eckener. Dr. Eckener, der anläßlich eines erfolgreichen Zeppelin-Werbetages in Götti'ngen weilte, wurde bei seiner Ankunft vor dem Hotel von mehreren, allem Anschein nach völkisch eingestellten Studenten belästigt. Sie gaben in rüpelhafter Weise zu verstehen, daß sie Doktor Eckener ablehnen, weil er Mitarbeiter der „Frankfurter Zeitung" und Judenabkömmling sei. Diese „Ablehnung" wird der viel o-ef eierte Ueberflieger des" Atlantischen Ozeans gewiß mit Würde zu tragen wissen.

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