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Die Wahrheit · 1926-03-29 · Heft 14-15 (29.3.1926) · page 18

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 14-15 (29.3.1926)
Date
1926-03-29
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seit« 16 DIE WAHRHEIT — Unter den heutigen Verhältnissen, speziell in der Großstadt, verschwindet immer mehr jener berühmte Frauentypus, für den die heilige Schrift die so ehrenvolle Bezeichnung Esches Chajil. das wahrhaft fromme Weib, geprägt hat; Eine solche edle Frau war die am 24. d. M. zu Grabe getragene Frau Charlotte G o 1 d m a n n, die sich wegen ihrer vorzüglichen Eigenschaften des Herzens und ihren frommen Lebenswandels allgemeiner Sympathien erfreute. Das Leichenbegängnis fand unter außerordentlich großer Beteiligung vom Trauerhause aus statt. In der Zeremonienhalle des Zentralfriedhofes (I. Tor) hielt Herr Rabb. Dr. Schwarz eine zu Herzen gehende Trauerrede, in welcher er all die Tugenden der Verewigten und die große Liebe, die sie nach dem Tode ihres Mannes ihren Kindern entgegenbrachte, würdigte. Er sprach sodann von der Dankbarkeit der Kinder, die dieses edle Wirken ihrer Mutter dadurch vergalten, daß sie ihr den Lebensabend verschönerten. Sodann trugen die Söhne den Sarg zur letzten Ruhestätte, wo die Verblichene nun mit ihrem edlen Gatten, mit dem sie in jahrzehntelanger glücklicher Ehe gelebt und um den sie acht Jahre getrauert hat, in Ewigkeit vereint ist. An ihrer Bahre trauern die Kinder Siegfried, David, Karl, Josefine, Philipp und Therese, die Schwiegerkinder Olga und Lilly G o 1 d m a n n und Sigmund H i r s c h 1, sowie drei Enkelkinder. Die kantorale Funktion versah sowohl im Trauerhause, als auch am Friedhofe Herr Oberkantor S. Post o 1 o w mit großer Assistenz und in hingebungsvoller Art. Für den Vorstand des Vereines „Wohlfahrt", dessen verdienstvoller Obmannstellvertreter Herr David Goldmann, der Zweitälteste Sohn der Verblichenen, ist, erschienen die Herren Bezirksrat Julius Berger, A. H. David, Paul Fries, E. Juszkovits, S. Kornmehl, I. Müller, M. Oesterreicher, Bezirksrat S. W e i n e r und Michael M. Weiß. Als Delegierte der Chewra Kadischa erschien Herr Julius Grüner. — Dienstag, den 24. d. M., wurden die irdischen Ueberreste des im 63. Lebensjahre plötzlich verschiedenen Herrn Moriz Morawetz, Gesellschafters der Firma Friedrich Abeles, zur ewigen Ruhe bestattet. Eine überaus zahlreiche Trauergemeinde, darunter Vertreter der verschiedenen Korporationen, gaben dem allseits hochgeschätzten Manne die letzte Ehre. Die Trauerrede hielt Herr Rabbiner Dr. D. Feuchtwang. Er betonte in beredten Worten die hervorragende Persönlichkeit des Dahingeschiedenen, seinen festen Charakter, sein tiefes jüdisches Bewußtsein und seine Herzensgüte als Helfer und Berater der leidenden Menschheit. Sodann sprachen der Delegierte der B. B. Logen sowie ein Delegierter des Vereines reisender Kaufleute herzliche Worte des Abschiedes. Moriz Morawetz, der der Kaufmannschaft beinahe 50 Jahre angehörte, zeichnete sich durch ein ganz besonders liebenswürdiges, konziliantes und menschenfreundliches Wesen aus, dem es zuzuschreiben war, daß er wohl sehr viele Freunde, aber keine Feinde hatte. Die kantorale Funktion versah in ergreifender Weise Herr Oberkantor M. 3. Kaufmann. Israelitischer Bethausverein „Chewra Beth Hatfiiah". Zu unserem Berichte über die am 3. März stattgehabte Generalversammlung obigen Vereines haben wir noch nachzutragen, daß der in diesem Vereine seit Jahren verdienstvoll wirkende Herr Michael Max Weiß in den Vorstand des Vereines wiedergewählt wurde. Wohltun ist religiöse Pflicht. Wie lange noch — nur noch einmal bricht der Morgen an, ein letzter Morgen; dann ist mein Ziel erreicht — er, der langersehnte Ehrentag ist gekommen. Liebenden, Leidenden und Sorgenden, vor allem aber Frommen habe ich steinernes Gemäuer als Tempel gedient, dem Herrscher alles Lebenden treu angehört durch ein volles Jahrhundert. Ja, unzählige Millionen Male stieg der Geist, Wunsch und Gedanke der Andächtigen inbrünstig in meiner Halle zu Gott empor, nach heißem, angsterfülltem Kasteien, Beten und Ringen wurde der Segen des Herrn erfleht; Gott der Heerscharen, hat er doch stets alle erhört, die ihn riefen. Ja, sie naht, die feierliche Stille, der große Augenblick der Beglückwünschung und der Anerkennung für meine treu geleisteten Dienste. Wie schön und würdevoll werden die Menschen mich schmücken, wie schön werde ich wirken, welche unendliche Fülle von Wärme und Akustik werde ich aufzubringen haben, wenn der Oberhirte der Wiener Kultus- JAC. MAYER gemeinde die Kanzel besteigt, um die Festrede zu halten. Ja, die ehrenvollste Auszeichnung an diesem Festestage fällt dem Oberrabbiner und dem Oberkantor zu. Die Worte der Predigt, der Gesang müssen Aufsehen erwecken, erstrangig,' bezaubernd und begeisternd wirken. Funken, Feuer, Geistestiefe werden sie sprühen, nur ein einzig Hoch und Lob den Erbauern und all den vielen Spendern widmen, beginnend von 1826 bis zu unseren Tagen. Millionen Menschen habe ich bei mir ins Gotteshaus eintreten gesehen mit den verschiedensten Gefühlen, wundem und gebrochenem Herzen; suchend, bittend, mit gequältem, zermürbtem Gemüt und mit verbitterter, gehetzter Seele. Aber auch Fremde aus aller Herren Länder, die Angehörigen der verschiedensten Nationen, reich, arm, alle e i n e n Rettungsanker, einen Glücksstern suchend. So haben prachtvolle Menschen seinerzeit wohl ean Bleibendes vor 100 Jahren geschaffen und sich zu einer Ehrengemeinde zusammengefunden. — Wird aus dem Beispiel, das uns diese edlen Menschen gaben, auch gelernt werden? Gibt es auch heute noch fromme, dankbare, gläubige Menschen? Gewiß, alle wollen es sein tund bekennen sich zum Glauben unserer Vorväter, aber wer wird sich als Spender und Wohltäter zeigen? Gesunde, Kranke, Reiche, Arme, Satte und Hungrige, Menschen mit freudigem, und traurigem Herzen, mit rosenroten und mit leichenbleichen Lippen, alle betraten meine Schwelle, erbebend und Gott vertrauend. Werden alle diese sich der glücklichen und trüben Stunden erinnern, werden alle Geretteten Z e d o k o h tun aus frohem, dankbarem Herzen heute an diesem meinem Ehrentage? Auf einer kurzen Fahrt befinden sich die Menschen, meine Besucher und Freunde. Hoffnungsvoll und stolz verließen sie das Gotteshaus. Deshalb rufe ich ihnen zu: „Vergesset nicht, daß ihr nur M e n s c h e n seid; bleibt Juden, treu in eurem Herzen und in eurem Tun." Eduard Engel. Wien III. Das Bezirksrabbinat Mattersburg gibt der Oeffentlichkeit bekannt, daß K u n e r o 1 unter seiner Oberaufsicht in den Kunerol-Werken, Wien—Atzgersdorf, hergestellt wird. Während des ganzen Fabrikationsganges ist ein vom Rabbinate be-r stellter Aufseher im Betriebe. Kunerol mit dem Ostersiegel kann daher mit ruhigem Gewissen von jedem strenggläubigen Juden zu den Osterfeiertagen verwendet werden. S. B. E h r e n f e I d, Bezirksrabbiner der Stadt Mattersburg. Schaufensterkonkurrenz des „Neuen Wiener Tagblattes". Mit besonderer Freude und Genugtuung wird es die Wiener jüdische Geschäftswelt erfüllen, daß einer aus ihrer Mitte bei der anläßlich der Wiener Jubiläumsmesse abgehaltenen Schaufensterkonkurrenz mit dem 1. Preise im II. Bezirk prämiiert wurde. Die Schaufenster des bekannten Warenhauses der Brüder Schiffmann, II.* Taborstraße 48, wurden von der aus hervorragenden Künstlern und Architekten bestehenden Jury des ersten Preises für' wert erachtet. Das erste der prämiierten Fenster, das ganz in Schwarz und Weiß gehalten ist, fällt durch die äußerst originelle Anordnung und die scharfe Kontraststimmung auf, das zweite durch seine weichen Farbenharmonien, während das dritte eine aus den zartesten Seidenstoffen bestehende duftige Frühlingssymphonie darstellt. Professor Nasche gibt am 29. und 30. März für die Gäste des Restaurants Salamon Grüner einen Seder abend. Anmeldungen werden im Restaurant, II., Zirkusgasse 30, entgegengenommen. Reichhaltiges Festmenü. Anjunsere Leser! Die vorliegende Pessachnummer ist 20 Seiten stark. Die nächste Nummer erscheint mit Rücksicht auf die bevorstehenden Feiertage aus technischen Gründen Freitag, den 9. April 1926 und von da ab regelmäßig jeden Freitag. Kleider-, Pelzeu. Gummimäntel-Fabrik Zentrale: Detailverkauf: Wien II., Glockengasse 24 Wien II., Taborstrafle U

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