Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 6 (13.2.1925)
- Date
- 1925-02-13
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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DHE WAHRHEIT wichtige Standesfragen zur Diskussion, an der sich Kommerzialrat Alois Theumann, Präsident Oskar To n e 11 o sowie die Vorstandsmitglieder J. Freund und J. Grüner u. a. lebhaft beteiligen. Mit einem Dank an Herrn Kommerzialrat A. Theumann für die wertvollen Anregungen schloß der Präsident die Generalversammlung. Verein der Kinderfreunde (zur Bekleidung armer Schulkinder für den XVI. und XVII. Bezirk). Der in einer unserer letzten Nummern erschienene Bericht über den unter Führung des langjährigen Obmannes Herrn Rudolf Urbach stehenden Verein hat von einer Befürsorgung von 120 Parteien gesprochen. Diese Zahl hat sich inzwischen auf 153 erhöht und es laufen immer noch flehentliche Bittschriften ein. Zur Linderung dieses stetig größer werdenden Elends veranstaltet der Verein Mittwoch, den 25. d. M. in Gschwandners Saallokalitäten, XVII., Hernalser Hauptstraße 41, eine Wohltätigkeits-Maskenredoute. Diese Veranstaltung verspricht ebenso gelungen zu werden, wie alle bisherigen des Vereines, der insbesondere dank der Individualität seines verdienstvollen Obmannes stets Ersprießliches leistete. Eintrittskarten sind bei allen Vorstandsmitgliedern erhältlich. Trauung. Samstag, den 15. d. M., 11 Uhr vormittags findet im Pazmanitentempel die Hochzeit des Fräulein Aranka Chlamtatsch, Tochter des Ehepaares S. Chlamtatsch, mit Herrn Ingenieur Stephan Blauhorn statt. Goldene Hochzeit. Zu unserem Bericht in der letzten Nummer über die goldene Hochzeit Oberkantor J. Bauers ist nachzutragen: Es erschienen in der Wohnung des Jubelpaares die Herren Rabbiner Dr. Max G r u n w a 1 d, Vorsteher H a 1 f o n von der türk.-isr. Gemeinde, Prof. Dr. S. Krauß, Prof. Antscher), und im Namen der Kultusgemeinde, I. Sekretär Dr. E. Adler, welcher eine überaus herrliche Adresse überreichte. Der Kantoren verein widmete seinem Begründer und Ehrenpräsidenten Oberkantor J. Bauer ein wertvolles Geschenk, das der Präsident J. L ö w i t mit einem herzlichen Schreiben überreichen ließ. Weiters kam eine Deputation des türkisch-israelitischen Frauenvereines mit der Präsidentin Frau Hannika Halfon und Frau Selma Cohen. Im großen Leopoldstädter Tempel wurde Samstag, den 7. Februar Oberkantor Bauer zur Schira gerufen, wobei Oberkantor Fischer einen überaus wirkungsvollen, von ihm verfaßten „Mischeberach" sowie die „Schira" meisterhaft vortrug und die zahlreichen Zuhörer entzückte. Todesfälle. Am 13. Jänner dieses Jahres ist in Madrid Dr. Philipp H a u s e r im Alter von 93 Jahren gestorben. In Ungarn in einem kleinen Städtchen, Nadas, geboren, ging er mit 13 Jahren nach Wien; wo er nach Absolvierung des Gymnasiums Vorlesungen an der medizinischen Fakultät unter Hajek, Rokitansky und Skoda besuchte. Infolge einer Lungenblutung mußte er ein südliches Klima aufsuchen und kam zunächst durch Empfehlungen nach Paris, wo ihn Albert Cohn, der Almosenier von Rotschild, protegierte. Er setzte seine medizinischen Studien fort, mußte aber sein Doktorat 1856 in Bern machen. Damals hatte Rotschild die ersten Eisenbahnen in Spanien gebaut und kam auf seiner Reise bis nach Tetuen in Marokko. Die jüdische Gemeinde bat ihn bei dieser Gelegenheit, ihr einen Arzt zu verschaffen. Albert Cohn bot Dr. Philipp Haus er die Stellung an, der sie gerne annahm. Als 1859 zwischen Spanien und Marokko der Krieg ausbrach, flüchteten alle Europäer und Dr. Hauser wandte sich nach Gibraltar. Nach Beendigung des Krieges 1860 leistete er der spanischen Regierung in Marokko erhebliche Dienste, blieb aber in Gibraltar ansäßig, wo er im August 1865 Gelegenheit hatte, den ersten Fall von Cholera im Hafen zu diagnostizieren. Er wurde ins Sanitätskomitee zur Bekämpfung und Eindämmung der Epidemie berufen und widmete sich in der Folge eingehenden Studien über das Wesen dieser Krankheit, deren Ergebnis zwei wissenschaftliche große Arbeiten darstellen. Das erste trug den großen Prise Brehant der Pariser Akademie der Wissenschaft im Betrage von 3000 Frcs. davon. Pettenkofer hat die Vorrede zum zweiten Bande geschrieben. Das andere, 1897 verfaßt, erhielt als beste Arbeit über die Cholera von der Stadt München 1900 den Pettenkofer-Preis von 1O00 Mark in Gold. Dr. Hauser übersiedelte 1872 nach Sevilla, wo er eine ausgedehnte ärztliche Praxis ausübte, eine medizinische und soziale Topographie der Stadt verfaßte. 1882 Heß er sich, um seinen Söhnen spezielle Studien zu ermöglichen, in Madrid nieder, wo er eine reiche wissenschaftliche und praktische Tätigkeit durch 42 Jahre entfaltete. Er veröffentlichte eine medizinische Geographie der iberischen Halbinsel und zwei philosophische Werke „Griechen und Semiten in der Geschichte der Menschheit" und die „Geistige und religiöse Entwicklung der Menschheit". Seine 340 Bände umfassende Bibliothek hat er der Stadtsemeinde von Sevilla zum Geschenk gemacht, welche, ihn das Ehrenbürgerrecht verlieh und eine Straße nach ihm benannte. Dr. Hauser war mit einer entfernten Verwandten der Baronin James von Rotschild vermählt, einer seiner Söhne wirkte als Bergwerkingenieur und Direktor der chemischen Laboratorien der montanistischen Hochschule in Madrid und ist Mitglied der dortigen Akademie der Wissenschaften. Er genießt als Fachmann einen Weltruf. Ein zweiter Sohn lebt als Bauingenieur in Paris. Dr. Hauser war 1887 als Vertreter der spanischen Regierung auf dem internationalen Hygiene- Kongreß in Wien. Sein großes Ansehen und seine Beliebtheit in allen Gesellschaftskreisen Madrids kamen anläßlich seines Ablebens zum Ausdruck. Med.-Rat. Dr. H. H a a s e. — Am 8. d. M. fand am Zentralfriedhof, I. Tor, unter außerordentlicher Teilnahme das Leichenbegängnis des Herrn Ludwig G r ü n f e 1 d, Chef der gleichnamigen Konzertdirektion und Grammophon-Spezialhauses, statt. Der Verblichene, ein Bruder des unvergeßlichen Meisters Alfred Grünfeld, den er nur ein Jahr überlebt hat, verstand es, durch unermüdlichen Fleiß, strenge Rechtlichkeit und ungewöhnliche Tatkraft sein Unternehmen zu hohem Ansehen zu bringen und erwarb sich weit über die Grenzen unseres Landes, man kann sagen in ganz Europa, bekannten und geachteten Ruf. Bis in die letzten Wochen körperlich rüstig, geistig von bewundernswerter Frische, war Grünfeld eine stadtbekannte und hochgeachtete Persönlichkeit. Die zahlreichen Freunde, die er sich in den langen Jahren zu erwerben1 verstand, werden ihm stets ein ehrendes Gedenken bewahren. Die große Beteiligung an dem Leichenbegängnis gab Zeugnis von der Wertschätzung, deren sich der Verstorbene in weiten Kreisen der Bevölkerung erfreute. Rabbiner Dr. Max G r u n w a 1 d hielt dem Verblichenen einen überaus herzlichen und tiefempfundenen Nachruf. Oberkantor H. Fischer versah die kantorale Funktion in gewohnt musterhafter Weise. — Mittwoch, den 4. d. M., fand das Leichenbegängnis der dtg-ch ihre Wohltätigkeit beliebten und bekannten Frau Rosa Sp i t z statt. Der funktionierende Seelsorger hielt einen zu aller Herzen dringenden Nachruf, in welchem er die int Alter von 77 Jahren Verstorbene als musterhafte Gattin, liebevolle Mutter und Wohltäterin würdigte. An der Bahre trauern die Söhne Kommerzialrat Siegmund Spitz und Max Spitz, die Töchter Paula U j 1 a k i und Luise G o 1 d b r u n sowie die Schwiegertöchter Gisela und Marie Spitz und vier Enkelkinder. ■• * » ■• » 1 l! Ii Ii l! I I I I I I I I I I Tempelverein Aeschel Awrohom wlen II., Pazmanltengasse e Konkurs Obiger Tempelverein sucht zum sofortigen Dienstantritt geschulte Chorherren (Tenoristen und Bassisten) Bewerber wollen" sich in der Sekretariatskanzlei (II., Pazmanitengasse 6, 1. Stock) melden. Der Vorstand.