Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 4 (30.1.1925)
- Date
- 1925-01-30
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 12 DfE WAHRHEIT Nr. 4 stimmt sei, um das neu errichtete psycho-physiologische Institut zu eröffnen. Es ist eine Schöpfung des Vorstandsmitgliedes Universitätsprofessors Dr. Gustav Alexander und die erste derartige Institution überhaupt. Dieses Institut besitzt die wertvollsten Apparate zur Prüfung des Gehörs und ein großes Kymographion zur feinsten Messung jeder Ausdrucksbewegung im Atmen und Artikulieren, wie Sprechen. Die Apparate wurden zum Teile durch den „Wiener Verein für fromme und wohltätige Zwecke" (Präsident Dr. Wilhelm Pappenheim) erworben. Die Assistenten des Herrn Professors Dr. A1 e x a n d e r, die Herren Dr. Oskar B e n e s i, Dr. Hans Brunner, Dr. Josef Fischer und Dr. Viktor F r ü h w a 1 d demonstierten die Apparate und hielten in deutscher und englischer Sprache, -da auch amerikanische Aerzte zugegen waren, Vorträge. Von den Leistungen des Instituts, das auch selbst Schneiderei, Schusterei und Tischlerei für die Schüler der oberen Klassen eingeführt hat und dessen Handarbeiten sehr geschätzt sind, gaben auch die Ansprachen der drei Zöglinge bei der Hauptfeier am 18. Jänner und die Danksagung und Begrüßung eines früheren Zöglings, der jetzt Zahntechniker ist, laute Kunde. Fast überwältigend wirkte diese Entstummung auf die Hörer. Glückwünsche und Anerkennung sprachen die Redner des Tages aus, so Präsident Professor Dr. Pick, Sektionschef Dr. Helly, Hofrat Dr. Wollmann, Hochwürden Herr Direktor Rech berger, Direktor Wiümann, Direktor Biff 1, Direktor Altmann und die Professoren H e i n d 1 und M e 1 h u b a und Bürgerschuldirektor i. R. Max Beer. Ein Quartett des Tempelchores leitete den Festtag ein und beschloß ihn. — Am 19. war das Kinderfest des Institutes, zu dem auch die Schicksalsgenossen der Kinder von Speising und Döbling geladen waren, und dem Herr Dr. Jakob O r n s t e i n, der neue Vizepräsident der Kultusgemeinde, Direktor Guentschl von Döbling und die Philanthropin Frau Meta Blum den ganzen Festakt über beiwohnten. Heller Jubel begleitete den Tanz der Zöglinge, die Vorführungen des „Zauberers" und das Skioptikon. Eine Festpause an schön geschmückten Tischen vereinte Schüler und Lehrer. Amtseinführung des Oberrabbiners von Wiener-Neustadt. Aus Wiener-Neustadt wird uns berichtet: Sonntag, den 11. d. wurde der neugewählte Überrabbiner der hiesigen Israelitischen Kultusgemeinde. Herr Heinrich W; e i ß, in sein Amt eingeführt. Der Feierlichkeit, welche in dem herrlich dekorierten und prachtvoll beleuchteten Tempel stattfand, wohnten zahlreiche Rabbiner von auswärts, Vertreter der Kultusgemeinde Wien und aus den Provinzgemeinden, zahlreiche Gemeindevertreter des Burgenlandes und die Vertreter der hiesigen Behörden bei. Magistratsrat Dr. Stöcklmayer begrüßte den neuen Oberrabbiner namens des Stadtrates Wiener-Neustadt und beglückwünschte ihn zu seiner neuen Stellung. Hierauf hielt der neue Oberrabbiner die Festpredigt, welche mit einem Gebet für den Bundespräsidenten, die Landesregierung und die Stadtgemeindevertretung schloß. Aufruf? Der Bund jüdischer Frauen Deutsch-Oesterreichs, der in der kurzen Zeit seines Bestehens schon sehr schöne Erfolge in der Kinder-Tuberkulosenfürsorge aufzuweisen hat, beabsichtigt, ein Heim für schuletlassene Mädchen, die schutzlos allen Versuchungen der Großstadt ausgesetzt sind, zu errichten. Leider sind die Mittel des Bundes sehr beschränkt. Trotzdem an jeden einzelnen heute größere Ansprüche denn je gestellt werden, sind wir sicher, keine Fehlbitte zu tun, einen so eminent notwendigen sozialen Zweck zu unterstützen. Wer rasch gibt, gibt doppelt! Präsidentin: Hermine Kadisch. Vizepräsidentin: Jemw Adler. Schriftführerin: Richa Theodor. Freundliche Spenden werden erbeten an den Bund jüdischer Frauen Deutsch-Oesterreichs, VII., Lindengasse 32, Postsparkassenkonto 149.146. Jubiläum. Herr Adolf Wein er in Klosterneuburg, der sein 50jähriges Jubiläum als Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr in Klosterneuburg dieser Tage feierte, wurde aus diesem Anlaß durch einstimmigen Beschluß des Gemeinderates von Klosterneuburg zum Bürger dieser Stadt ernannt. Herr Weiner, der der Senior der Kultusgemeinde in Klosterneuburg ist, entstammt einer aus Szenicz (Slowakei) nach Klosterneuburg eingewanderten angesehenen Familie und genießt wegen seiner Glaubenstreue und wegen seines ehrbaren Wesens allgemeine Sympathien bei allen seinen Mitbürgern. Verlobungen. Fräulein Edith K r a u ß, Tochter des bekannten Professors Herrn Dr. Samuel K r a u ß, hat sich mit Herrn Dr. Ing. Samuel M o r g e nstern, Oberbaurat der Bundesbahnen, verlobt. Wir sprechen unsere herzlichste Gratulation» aus. — Herr Leopold Steiner, Sohn des im vorigen Jahre verstorbenen hochverdienten Präsidenten der orthodoxischen Gemeinde Steinamanger, hat sich mit Fräulein Marta Reiniger, Tochter des Herrn Dr. Isidor Reiniger, verlobt. Allgemeiner Kranken- und Untersfützungs - Verein „Monteüore". Donnerstag, den 22. Jänner fand im Sitzungssaale obigen Vereines eine Trauerfeier nach dem verstorbenen Ehrenmitgliede und Obmannstellvertreter Karl Kalmann s. A. statt. Zur Feier hatten sich der Gesamtvorstand des Vereines mit Ehrenpräsident Paul Schwarzstein an der Spitze, die Witwe des Verewigten, Frau Jeanette Kalmanu, mit sämtlichen Familienmitgliedern sowie eine große Anzahl von Mitgliedern und Freunden eingefunden. Obmann Bezirksrat Kultusvorsteher Edmund Hoffmann betonte in seiner Gedenkrede die hervorragenden Leistungen Kalmanns um den Verein, schilderte sodann sein ideales Familienleben und seine Treue als Freund und hob hervor, daß in Anbetracht dieser überaus großen Herzens- und Charaktereigenschaften das Andenken Karl Kalmanns im Vereine ein dauerndes bleiben wird. Für den Witwen- und Waisenfonds-Verein sprach Obmann Heinrich Gronner und gedachte ganz besonders der großen Verdienste, die sich der Verblichene um die Erhaltung des Vereinsbethauses erworben hatte. Hierauf erfolgte die Enthüllung des Porträts des Verstorbenen. Ehrenpräsident Paul Schwarzstein spendete 1 Million Kronen für die Schaffung eines Karl-Kalmann-Keren-Kajemeth-Fonds, welche Spende von den anwesenden Vorstandskollegen sofort auf das Doppelte ergänzt wurde. Todesfälle. Im Alter von 56 Jahren ist am 26. d. M. der Präsident der Zentralstelle für jüdische soziale Fürsorge, I. J. Wachtel, infolge eines Unfalles nach vierwöchiger schwerer Krankheit verschieden. Seine erfolgreiche Tätigkeit als Präsident des Humanitätsvereines „Eintracht" ließ ihn für seine verantwortungsvolle Stellung als zielbewußten, tatkräftigen Führer geeignet erscheinen. Seinem Wirken, seinen, reichen Erfahrungen und seiner unermüdlichen Arbeitskraft, die er mit seltener Hingebung in den Dienst der jüdischen Fürsorge stellte, ist es in erster Linie zu danken, daß die Zentralstelle nunmehr fast alle jüdischen Fürsorgeinstitutionen umfaßt und insbesondere die jüdische Jugendfürsorge wie auch die seinerzeitige Organisierung der Deutschlandhilfe einen bisher ungeahnten Umfang erreicht hat. Er verstand es, tüchtige Mitarbeiter heranzuziehen und der Fürsorgearbeit großzügigen Charakter zu verleihen. Auch als Mensch erfreute sich Wachtel als edle, aufrechte Persönlichkeit und wegen seines segensreichen Wirkens größter Achtung und Wert-: Schätzung, die sich in dem am 28. d. M. unter großer Beteiligung stattgefundenen Leichenbegängnisse bekundete. — Zu dem in der letzten Nummer gemeldeten Leichenbegängnis des Oberkantors H a 1 p e r n wäre noch nachzutragen, daß der Floridsdorfer Oberkantor Herr David Groß, ebenfalls ein Schüler des Verblichenen, sich mit seinen bereits namhaft gemachten Kollegen in die kantoralen Funktionen teilte. Geschäftseröffnung. Die Firma Siegmund Steuer hat im Zentrum der Stadt, Wien I., A d 1 e r g a s s e 8, eine streng koschere Delikatessenhandlung eröffnet und lenken wir die Aufmerksamkeit auf das diesbezügliche Inserat auf der vierten Umschlagseite. JAC. MAVER Kleider-, Pelzeu. Gummimäntel-Fabrik Zentrale: Detailverkaui: Wien II., Glockengasse 24 Wien I!., TaborairaDe 4.4