Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 49 (5.12.1924)
- Date
- 1924-12-05
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 12 DIE WAHRHEIT Ni Von Woche zu Woche Der Vorschlag der Aguda zur Kalenderreform. Das Zentralbüro der Aguda Jisroel teilt mit: „Das Memorandum, welches der Geschäftsführende Ausschuß der Agudas Jisroel in Angelegenheit der Kalenderreform an den Völkerbund gerichtet hat, enthält neben dem kritischen Teil auch einige positive Vorschläge, die geeignet sind, die Vorzüge der geplanten Kalenderreform ohne Schädigung des Sabbathgedankens zu sichern. Im wesentlichen geht der Vorschlag dahin, daß statt Einführung eines bzw. zweier wochenloser, sogenannter weißer Tage, wodurch erreicht werden soll, daß alljährlich dasselbe Datum auf denselben Wochentag fällt, nach je sechs Jahren eine Schaltwoche eingefügt werde. Der Vorschlag beruht darauf, daß die Einführung von weißen Tagen den Sabbathtag auf Montag bzw. Dienstag und Mittwoch verrücken würde, hingegen bei Einschaltung von ganzen Wochen die siebentägige Woche und somit der Sabbathtag unberührt bleibt. Man hofft, daß der Vorschlag ernste Beachtung finden wird." Palästina-Studienreise; Der Verband jüdischer Ingenieure und Techniker für den Aufbau Palästinas in Wien veranstaltet im Februar 1935 eine Studienreise nach Palästina, Aegypten tmd Syrien. Die Abreise von Wien wird am 5. Februar 1925 erfolgen, die Reisedauer wird 34 Tage umfassen. Die Teilnehmerzahi ist beschränkt. Hervorragende Industrielle, welche die Lage im Orient aus persönlicher Anschauung kennen lernen wollen, werden sich an der Reise beteilige«. Im Anschluß an diese wird in Tel Awiv der I. iüd. Ingenieur-Kongreß eröffnet. Schriftliche Anmeldungen ergehen an Architekt Ing. Ii. S'obelsohn, Wien III., Rechte Bahngasse 12, der auch alle anderen näheren Auskünfte erteilt. Festgottesdienst. Anläßlich des 25jährigen Amtsjubiläums Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiners Dr. A. Abel es findet im Tempel III., Untere Viaduktgasse 13, Montag, den 8. Dezember 5 Uhr nachmittags ein Festgottesdienst statt. Anschließend daran wird von den Schülern und Freunden des Jubilars eine gemütliche Zusammenkunft im Restaurant Wienea, IL, Obere Donaustraße 91 veranstaltet. Isr. Fraaen-Wohitätfgkeitsverem für den II. und llf. Bezirk. Am 13. v. M. fand im Sitzungssaale der Israel. Kultusgemeirfde die ordentliche Generalversammlung des im Titel genannten Vereines unter dem Vorsitze der Präsidentin Frau Margarete Grunwald statt. Anwesend waren: Ehrw. Rabb. Dr. Grunwald, Dr. Kaminka, die Delegierten: Ehrenmitglied Frau Direktor U11 m a n n (Weibl. Fürsorge), Frl. Bella Deutsch (Greisinnenfürsorge), Redakteur Hirschfeld (Tempelfreunde), Fr. Dr. Hopf ing er (Zuflucht), Fr. Kanitz (Nachlai-Jeschurun), Dir. K o 1 m i n (Jüd. Elternbund), Amtsleiter K r a u ß (Wohltätigkeitsamt). Dr. L ö w y (Zentralstelle), Frau W eitzmann (Philantropia), Frau Trost, Frau Rosenberger und Frau Prof. M a h 1 e r (Jüd. Frauenverein Landstraße), Frau Fuchs und Rosenberger (Bikur Chaulim), die Herren Reg.-R. N e u m a n n, Ing. Beren und viele andere. Die Präsidentin begrüßt die Erschienenen und übergibt dann den Vorsitz der Vizepräsidentin Frau Dir. Mandl. Nach Verlesung des Protokolles der letzten Generalversammlung durch die Schriftführerin Frau Dr. Kaminka ei stattet Frau Dir. Mandl den Tätigkeitsbericht, der ein anschauliches Bild des segensreichen Wirkens des Vereines entwirft, illustriert durch viele Einzelfälle, denen Hilfe gebracht wurde. Sie berichtet von verschiedenen Veranstaltungen zur Aufbringung der nötigen Mittel und erbittet rege Werbetätigkeit und Mithilfe. Nun erstattet die Kassierin Frau B e r a n den Kassabericht, demzufolge im letzten Jahre 25 Millionen zur Verteilung gebracht wurden. Nach erfolgtem Revisorenbericht durch Fr. Schein wird derselbe genehmigt und dem Vorstand das Absolutorium erteilt. Die Versammlung beschließt nun, den Jahresbeitrag auf mindestens K 30.000 festzusetzen, die Aenderung des Titels in „Jüd. Frauen-Verein Leopoldstadt" vorzunehmen und die Gründer- und Stifterbeiträge entsprechend zu valorisieren. Nachdem noch Frau Direktor Ullmann, Ehrw. Herr Rabb. Dr. Grunwald und Herr Dr. L ö w y dem Vorstande in herzlichen Worten gedankt haben, wird derselbe auf Antrag von Frau Kanitz per Akklamation wiedergewählt und die Kooptation der neueingeiretenen Mitglieder bestätigt, so daß der Vorstand nun bestehen wird aus den Damen: Clara Bauminger, Natalie Beran, Josefine Czuczka, Melanie Engelsrath, Anna Fischer, Olga Fischer, Olga Friedmann, Rosa Funk, Margarete Grunwald, Clara Kaminka, Marie Kann, Irma Lindner, Gisela Löwenfeld, Sofie Mandl, Regine Neumann, Recha Neurath, Regine Oppenheim, Marie Rübner, Stefanie Schein, Henriette Schwarz. Lola Steiner, Marie Steiner. Als Revisorinnen wurden gewählt die Damen Frau S. Hirschfeld und Frau Selma Klar. Tragischer Tod. Die 33jährige Frau Helene Engel, Gattin des im III. Bezirk allgemein geachteten Großkaufmannes Eduard Engel, ist Montag abends eines jähen. Todes gestorben. Frau Engel, eine Tochter des im Bezirke ebenfalls sehr geachteten Vorstehers Adolf Ung er, nahm an diesem Abend ein Bad, doch war der Gasofen schadhaft und Frau Engel würde durch Einatmen von Oxydgasen, die nicht abströmen konnten, bewußtlos und ertrank. Die auf so tragische Weise Verblichene ist Mutter von drei Knaben, die die Mittelschule besuchen. Der vom Schicksale hart getroffenen Familie Engel-Unger wendet sich die allgemeine Teilnahme aller Bekannten und Freunde zu. Max Hickl gestorben. Wie wir in der letzten Nummer unseres Blattes kurz berichteten, ist der Herausgeber und Redakteur der „Brünner jüdischen Volksstimme", Herr Max H i c k 1, am 24. v. M. in Wien im Allgemeinen Krankenhause nach kurzem schweren Leiden im Alter von 51 Jahren einem Kopftumor erlegen. Mit ihm ist einer der besten und edelsten Männer des Judentums dahingegangen und die Nachricht von seinem plötzlichen Tode hat in weitesten Kreisen tiefste Teilnahme erweckt. Hickl war ein Selfmademan im besten Sinne des Wortes. Aus dürftigen Verhältnissen stammend, hat er sich durch unermüdliche Arbeit zur Höhe durchgerungen. Er war ein vielseitiger, allseits interessierter Mensch, der mit persönlichen Opfern dem Wohle des Judentums zu dienen bestrebt war. Sein Arbeitsfeld war unbeschränkt. Als Zeitungsherausgeber stand er seit der vor einem Viertel]ahrhundert erfolgten Gründung seiner „Jüdischen Volksstimme" im politischen Leben, er verstand es, dieser, insbesondere in der ersten Zeit unter den größten Sciiwierigkeiten erhaltenen Wochenschrift weite Verbreitung zu sichern; als Verleger hät er in seinem „Jüdischen Buch- und Kunstverlag" manchem jungen jüdischen Autor den Weg gebahnt; sein alljährlich unter Mitarbeit hervorragender jüdischer Publizisten erschienener „Jüdischer Volkskalender" hat Licht und Belehrung ins jüdische Haus getragen. Auch in der Bewegung der jüdischen Handelsangestellten spielte der arbeitsame Mann eine große Rolle. Während des Krieges hat Hickl seine ganze Tatkraft den unglücklichen Flüchtlingen gewidmet. Dieser brave, einfache Mensch, der niemals Aemter und Ehren anstrebte und mit eisernem Fleiß dem Judentum diente, war nicht mit Glücksgütern gesegnet und hat manchen herben Schicksalsschlag erlitten. Sein Kind starb in zartem Alter und seine Gattin verfiel nach dem Tode ihres Kindes in geistige Umnachtung. Die Arbeit für das Judentum hat ihn aufrecht gehalten und gab ihm die Kraft, alle Prüfungen des Lebens zu bestehen. Anderen Verstorbenen rühmt man nach, daß sie sich viele Freunde zu schaffen wußtea Dieser Tote hat viele, viele Feinde gehabt, und wenn je das Wort galt „Viel Feind', viel Ehr'!" hat es von ihm gegolten. Und diese Feindschaft hat den Toten hoch geehrt, deshalb sei ihrer gedacht. Ein guter Jude, ein edler Mensch ist zu früh dahingegangen. Todesfall. Am 10. November Ost die in S t r a ß n i t z-, Mähren im großen Ansehen stehende Frau Betty Reichsfelid, Oberiehrerswätwe nach dem. bekawuten Gelehnten und Begründer der VVws; Warenerzeugung in Wien, Hern Sigmund Reichsfeld aus Verbecz, Tschechoslowakei, im 74. Lebensjahre verschieden. Die Verblichene entstammte der sehr angesehene Verbrczer Familie Findler, war gottergeben, fromm und das Muster einer wahrhaft echt jüdischen Gattin und Mutter. An ihrer Bahre trauern ein Sohn, drei Töchter und EnkeJ, welche sämtliche in Wien dem Handelsstande angehören. Am 12. d. fand das Leichenbegängnis vom Trauerhause aus, wo Herr Oberkantor Kantnier dfie rituellen Gesänge in gewohnt musterhafter und zu Herzen dringender Weiise zum Vortrage brachte, unter außerordentlicher Beteiligung aller Gesellschaftskreise statt. Am offenen Grabe wurde von Herrn Öbcikantor Kantner nochmals das El mole racliamm in ergreifendster Weise zum Vortrage gebracht, so daß kein Auge, bis die letzte Scholle fiel, tränenleer blieb. Friede ihrer Asche!