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Die Wahrheit · 1924-08-29 · Heft 35 (29.8.1924) · page 14

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 35 (29.8.1924)
Date
1924-08-29
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 12 DIE WAHRHEIT Nr. 35 die Ehrenbeleidigungsklage des Rabbiners Mayersohn vor das Schwurgericht zu weisen. Denn — heißt es in dieser Entscheidung — „beide Ehrenbeleidigungssachen stehen sachlich in so engem Zusammenhang, daß gerade ihre Trennung eine Arbeitsvermehrung bedeuten würde". Da diese Entscheidung endgültig ist, so wird bereits in der nächsten Schwurgericht - Session der Prozeß zu Ende geführt Seinem Ausgange sieht man in interessierten Kreisen mit großer Spannung entgegen. Aus Mährisch-Aussee (Tschecho-Slowakei) wird berichtet: Am Sonntag, den 3. August L J. hattenwir, wie im Vorjahre, das Vergnügen, -den Veredai der Mährisch-Aussaer in Wien, ga&tSach bei ums m begrüßen. Dem Rufe dies Präsidenten dieses Vereines, Hennn S. Kohn, waren viele Mitglieder des Vereines aius Wfcen und aus -der techechosäowafciischen RepubKk gefolgt und' hatten sich hüer recht zahlreich eätigefunden. Die leben Gäste, fast ein halbes Hundert an Zahl, besuchten am Vormittage die Gräber inner Ahnen, Mittags fand man sich zu gemeinschaftlichem Speisen in den beiden Ortsgasthäusern- Am Nachmiifctage wurde to Tempel ein feierlicher Mimchagottesdäeflst abgehalten, bei welchem an Stelle des schwer erkrankten Kantors Moriz (H e r t z k a Herr Schönfeld aus Goldenstem fungierte und mit seinem schönen Vortrage ein allgemeines „Schekauach" errang. Nach dem Gebete begrüßte Kultus Vorsteher Ziegler die erschienenen Gäste, Damen nmd Herren, mit ihrem Präsidenten Herrn S. Kohn und erwähnte hierbei die der Gemeinde besonders gewordene Ehrang durch die Answesenlkeiiit des Seniors der Vereines der Mährisch-Ausseer, 'dies Herrn Oberlehrers S. Jahoda 'aus Wien, der als 80jähriiger Greis die Strapazen der Reise nicht gescheut hat, seine Muttergemeinde zu besuchen. Vereänspräsädent S. Kohrn dankte dem Kultusvorsteher für die herzliche Begrüßung und allen Mitgliedern des Vereines für ihr Erscheinen und' für ihr, Wirken für die Interessen des Vereines. HSerasuf erstattete das korrespondierende Mitglied des Vereines, Herr Oberlehrer Moriz Kohn aus Karlsdorf, den Tätigkeits- und Rechenschaftsbericht des Vereines in interessanfter, von der OpferwÄgkeit der Mitglieder zeugender Weise. Kiütusvorsteher Ziegüer dankte nun dem Herrn Präsidenten, dem geehrten Vorstande und sämtlichen Funktionären des Vereines für ihre ersprießliche Tätigkeit und für ihr ihrer Heimatsgemeinde gewidmetes Wohlwollen, er dankte auch im Namen ider Armen, für die ihnen seitens des Vereines gewordene Unterstützung und beschloß so die schöne Feier. Nach hierauf vorgenommenem gemeinschaftlichen Besuche der Fürst Liechtensteinischen Jagdaussteilumg schied1 man mit dem Versprechen, sich im kommenden Jahre s. G. \v. in Mährisch-Ausseel wiederzusehen. Trauungen. Sonntag, den 31. August 1. J., um 3 Uhr nachmittags, findet im Tempel I., Seitenstettengasse, die Trauung des Frl. Else Khuner, Tochter des Herrn Kantors Heinrich Khuner, mit Herrn Med. U. Dr. Hugo Schlesinger statt. — Sonntag, den 31. August, um 3 Uhr nachm., findet im Tmpel des 9. Bezirkes (Müllnergasse) die Trauung des Frl. Frieda Walzer, Tochter des Ehepaares Ignaz Walzer, mit Herrn Rudolf S z i 1 a g y i statt. Todesfälle. Sonntag, den 24. & M., wunde Frl. Grete Barschak, die Tochter des Resitaiuraiteurs Aron Bars c Ii a k und seiner Gattin Maivine, zu Grabe getragen, weJche ihren Eltern durch ein unerbittliches Schicksal jählings entrissen wurde. Wenn es schon in der natürlichen Tragik liegt, daß Kinder ihren EWera im offene Grab blicken, so erhöht sich dieselbe noch, wenn die Eltern ein blühendes, hoffoitungsvolles Kind zur letzten Ruhe bestatten müssen und besonders, wenn > diese Hinterbliebenen sich einer so1 allgemeinen Verehrung und Sympathie erfreuen, wie es in diesem Falle verzeichnet werden kann. Hunderte von Teilnehmern fanden sich zu diesem traurigen Akte ein, darunter zahlreiche Vertreter von Wohlfährtsvereineii. denen Herr und Frau Barschak in hervorragender Weise ihre Hülfe gewidmet hatte. Oerzzereißenld war das vielstjanmige Weinen und Schluchzen aller Anwesenden bei der Trauerrede des Rabb. Dr. Bach, der in einem ergreifenden Bilde 'ausführte: Grete Barschak war der Sonne gleich, die bei ihrem Aufgehen allen Freude bereitete und späterhin eine Wärme ausstrahlte, die niemand' vergessen wiind, der idie Verblichene gekannt hat Während 'aber die Sonne am Abend untergeht, ist diese Sonne nicht einmal am Mittag, sondern in den ersten Vorrnaittagstundfen unseren Blicken entschwunden Wir können es nicht fassen, daß das Ehepaar Barschak, das speziell im Brautausstattaingsveraih hunderten, von jungen Mädchen Freude und! Siohenuwg ihrer Zukunft bereitet, durch ein junges Mädchen, ihr eigenes Kind, unsägiches Leid; getroffen. Mit der Ermahnung an die schwergeprüften Eltern, stark zu sein und sich dem Walten der Vorsehung zu fügen, schloß Dr. Bach seine ergreifende Rede. Hierauf folgte der schwere Gang dier Eltern zum offenen Grabe ihres geliebten Kindes, und auch hier zeigte sich, welche Teilnahme und Sympathien dieses Elternpaar in weitem. Krefee genießt, indem nahezu das sämtliche TrauergeleSte beflissen war, die teure Last ein Stück des schmerzvollen Weges auf diSe Sohulter zu nehmen. — Die kantorale Funktion versah Oberkantor Frankel in tilefergreifenider Weise. — Von einem tragischen Geschick wurde der langjährige Neutitscheiner Rabbiner Dr. S. Mandl in Wien erreicht. Er kam vor einigen Wochen behufs notwendig gewordener Operation hierher, unterzog sich derselben mit bestem Erfolg, erlag jedoch einige Tage später den Folgen einer Erkältung und wurde Montag, den 25. d. M. am Wiener Zentralfriedhof zu Grabe getragen. Daß die Beteiligung an diesem Leichenbegängnisse, das auf fremder Erde stattfand, keineswegs eine solche sein konnte, wie sie der Bedeutung dieses hervorragenden Mannes entsprochen hätte, ist begreiflich. Weniger begreiflich aber ist der Umstand, daß die Heimatsgemeinde des Verewigten, in der er seit Jahrzehnten in segensreicher Weise wirkte, ihn nicht überführen ließ; am allerwenigsten ist es zu begreifen und zu rechtfertigen, daß die dortige Gemeinde ihrem verehrten Rabbiner eine seiner Stellung und Beliebtheit durch eine entsprechende Deputation die verdiente letzte Ehre nicht erweisen ließ. — Rabbiner Dr. S. Mandl, der sich auch schriftstellerisch betätigte, gehörte zu unseren eifrigsten Mitarbeitern und erinnern wir nur an seine hochinteressante Artikelserie „Jüdische Motive in der Weltliteratur", zu denen er vor kurzem einen Nachtrag für unser Blatt lieferte, der demnächst erscheinen wird. Wir werden Herrn Dr. S. Mandl stets ein ehrenvolles Angedenken bewahren, wie dies auch bei einem Großteil seiner nunmehr verwaisten Gemeinde der Fall sein wird, die das Verhalten ihres Vorstandes ebenso . wenig billigen wird als wir. Trauergottesdienst. Sonntag, den 31. August 1924, findet im Bethause des Vereines zur Unterstützung jüdischer Kleingewerbetreibender, Wien II., Matzgasse 1, im Anschlüsse an den Abendgottesdienste eine feierliche Trauerandacht für das verewigte Fräulein Grete Barschak statt. Für eine jüdische Erziehungsanstalt wird ein PRÄFEKT mit deutscher Schulbildung aufgenommen Zuschriften an die Exp. d. BI. Werbet Abonnenten für „Die Wahrheit"! -^mmMMMMmmm 111 i ITTtTFi ■■auauM« Seidenhaus HllliSTBDT Wien I.. rielsdiinarM Nr.26 SrBBtes Spezielles aller Qualitäten Seidenstoffe für Kleider und Futter. Herrliche Brokate, Crepe de Chine, Crepe Maroquine etc., zu staunend billigen Preisen --- Telephon Nr. 79.20! und 79.202---

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