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Die Wahrheit · 1924-08-01 · Heft 31 (1.8.1924) · page 14

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 31 (1.8.1924)
Date
1924-08-01
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 12 DIE WAHRHEIT Nr. 31 Von Woche zu Woche . Kriegserinnerungen. Die ungarisch-jüdische Zeitschrift „Egyenlöseg" veröffentlichte in ihrer letzten Nummer eine umfangreiche Sammlung von Episoden aus der großen Zeit des Weltkrieges, um an ihnen zu zeigen, welch schneidender Gegensatz in der Wertung der Juden seitdem sich vollzogen hat. Aus der großen Sammlung dieses anekdotischen Materials übernehmen wir zwei besonders charakteristische. Der Einjäftrigfreiwillige Samuel Schwarz trat im Sommer 1914 als Leutnant seinem Dienst an, wurde am südlichen Kriegsschauplatz beim Sturm auf eine feindliche Stellung an der Spitze seiner Mannschaft am 3. November schwer verwundet. Nach Wien ins Palffyspital überführt, erlag er trotz sorgfältigster Pflege am 27. desselben Monats seinen Verletzungen und wurde dtfrch die Chewra Kadischa mit allen Ehren zur ewigen Ruhe bestattet. Die Eltern des Leutnants Schwarz, zu spät .von dem Ende ihres Sohnes verständigt, konnten seinem Begräbnisse nicht beiwohnen. Einige Tage später erhielt der Vater folgendes ehrendes Schreiben: Wien, am 1. Dezember,1914.- Sehr geehrter Herr Schwarz! So gerne hätte ich anläßlich des Todes Ihres jungen Helden, ihm einen Kranz gespendet, als Erinnerung, daß die Pflegerinnen in Treue an diesen geduldigen und mutigen jungen Mann 'denken. Da nun Ihr Ritus Ihnen <iie Annahme von Blumen nicht gestattet, erlaube ich mir Ihnen 100 Kronen per Pöst- .anweisung anstatt dieses Kranzes zu senden, mit der herzlichen Bitte, dieselben Ihren anderen Kindern zu geben. Ich bitte mir es im Andenken an Ihren lieben Sohn nicht übel zu nehmen; ich war so vielem denselben, daher erfüllen Sie mir gewiß diese Bitte, und nehmen es so gut auf, wie es gemeint ist - Mit den herzlichsten Grüßen denkt an Sie in Ihrem tiefen Schmerz Schwester Maria Therese, Palffyspital. („Schwester" Maria Therese war niemand anders als die ehemalige Erzherzogin gleichen Namens.) — Ein anderer- Fall: Die k. u. k. Armee vollführte gegen den Einbruch der Serben von Südslawonien aus einen Gegenstoß und befand sich eines schönen Herbsttages auf feindlichem Gebiet Erzherzog Josef kam nach langem beschwerlichen .Ritte, von zwei Stabsoffizieren begleitet, spät abends in dem gottverlassenen Dorfe Puthize an. Todmüde und bärenhungrig, sehnten sich die Herren nach Obdach und Nahrung. Die Bauernhäuser waren dem Erzherzog aus kulturellen Gründen und der persönlichen Sicherheit wegen nicht vertrauenerweckend. Deshalb beauftragte er einen der Herren zu sehen, ob nicht ein Jude im Orte sei. Es war zufällig einer — Karl Reitzer hieß er — und betrieb ein armseliges Lebensmittelgeschäft. Hier wurde eingekehrt Karl Reitzer bot seinen Gästen^ was möglich war. Am folgenden Morgen, als er von den Fremden bedankt und belohnt war, wandte sich Erzherzog an seine Begleiter. „Die Lehre kann ich Ihnen, meine Herren, geben, im Kriege ist nur der Jude verläßlich!"— Ja, das war vor zehn Jahren, als man <len Juden brauchte. , Die Gründung eines .jüdischen Zentral-Hilfskomitees in Wien. Auf Einladung des Präsidenten der israelitischen Kultusgemeinde in Wien, Prof. Dr. Alois Pick, fand sich Dienstag, den 22. Juli eine stattliche Zahl von Delegierten' fast aller Wohlfahrtsorganisationen, ohne Unterschied der Parteistellung, im Sitzungssaale der israelitischen Kultusgemeinde ein, um vor allem dem fürchtbaren Elend der in Wien weilenden-Emigranten zu steuern. Nach einer kurzen Eröffnungsansprache des Präsidenten Prof. Dr. Pick referierte Sekretär Alfred Meissner und nach den trefflichen Ausführungen des Kultusvorstehers Gluck über die traurige Lage der Emigranten schlug er die Gründung eines gemeinsamen Komitees aller Wohlfahrtsorganisationen, das als Zentralstelle für die Emigrantenfürsorge dienen soll, vor. Dieser Vorschlag wurde nach einiger Diskussion angenommen. Im. Namen des Emigrantenfüfsorgekömitees der Aguda/ dessen Initiative ebenso aufopferungsvolle wie. erfolgreiche Tätigkeit sowohl vom KultuspräsidenteH wie fast von allen Rednern des Abends rühmlich hervorgehoben wurde, gab Herr Kaiman Pappenheim die Erklärung ab, daß die Aguda die Schaffung eines gemeinsamen Arbeitskomitees begrüße, daß sie ihre Arbeiten im Dienste der Emigranten weiter fortsetzen werde, und daß sie vom-nächsten Tage an durch neue Adaptierungen in ihren Heimen die Möglichkeit haben wird, für weitere 100 Emigranten Obdach zu schaffen. Es ist zu begrüßen, daß es dem neu geschaffenen Komitee gelingen wird, alle Kreise des jüdischen Wien für die schreckliche Lage der Emigranten zu interessieren, um diesen traurigen Opfern einer traurigen Zeit die Weiterreise zu ermöglichen. Ein Erfolg dieser Organisation ist umsomehr zu erwarten, als deren Leitung sich nunmehr in vollkommen vertrauenswürdigen Händen befindet. Jedem Rindvieh sein Hakenkreuz. In dem Organ des Waldteckschien Laindbundes stand dieser Tage das folgende heitere Inserat: . ""VI Hochtragendes rt Rind n~ angehörten Zuchtbullen leide schwarzbunt, guter Abstammung, verkauft K. Kr am er, Lelbach py Schwarzbunt ist noch nicht ganz schwarz-weiß-rot Aber zielbewußter deutsch - völkischer. Züchtung wird« ja auch das noch gelingen. Und dannwird es stolz bei allen deutschvölkischen Rummeln erschallen: ' „Hakenkreuz am Rindvieh. Schwarz-weiß-rotes Band) Besetzung der Kantorstelle im Ottakringer Tempel. Für die durch das Ableben des Kantors Julius Smotritzky. vakante Stelle des II. Kantors am Gemeindetempel, XVI., Hubergasse 8, wurde vom Kultusvorstand, Herrn Moriz Härendorf, vormals Kantor in Wien-Simmenng, bestellt. Herr Kantor Harendorf hat sein neues Amt bereits angetreten. . Eine Weltkonferenz der jüdischen Jugendbewegung. Die Zentralstelle für jüdische Jugendbewegung, d*e von Vertretern einer Anzahl von Jugendverbänden während des 13. Zionistenkongresses ins Leben gerufen worden ist, hat gemeinschaftlich mit dem Weltchaluzverband für den 2. bis 4. September nach Dan'zig eine Weltkonferenz der jüdischen Jugendbewegung einberufen. Es ist . dies der erste Versuch, die zahlreichen Bünde der Jugend, in denen neujüdisches Leben pulsiert, zu einem kraftvollen gemeinschaftlichen Werke zusammenzuschließen. Zum Ziele hat die Konferenz die Schaffung eines einheitlichen Verbandes der zionistischen Jugend, der für die Verbindung der sonst auseinanderfallenden Gruppen Sorge trägt, den jungen und schwachen Verbänden die Erfahrung der älteren und starken in den Formen und Inhalten der Arbeit übermittelt und den Geist der Chaluziuth allenthalben stärkt und neu entzündet. Der Verband soll zugleich mit dem Welthechaluz dafür sorgen, daß der Ström von frischen Kräften* die aus den Galuthländern dem arbeitenden Erez Israel zufließen, unaufhörlich gestärkt und neu gespeist wird. Anfragen ■sind an die Zentralstelle für jüdische Jugendbewegung, per Adresse. H. J. Issaharoff, Berlin W 15, Pariserstfaße 38, zu richten. ■■«■•••■■•••■••■•••■■••■■HMM Seidenbaus KUHSTBDT Wien I.. Flei«dimork< Nr. 26 EroBtes Spezialhöus aller Qualitäten Seidenstoffe ffOr Kleider und Futfer. Herrliche Broteale, Crepe de Chine, Crepe Maroquine etc., zu staunend billigen Preisen

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