Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1923
- Issue
- Heft 21 (17.10.1923)
- Date
- 1923-10-17
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Seite 18 DIE WAHRHEIT Nr. 2.1 Todesfälle. Freitag,r den 12. d, M. wurde der in weiten Kreisen bestbekannte und geschätzte Kaufmann Herr Bernhard Fischer zu' Grabe getragen, welcher am 10. d. M. nach langem schweren Leiden, im 67. Lebensjahre gestorben war. Das hohe Ansehen, das der Verblichene wegen seiner Rechtschaffenueit allgemein genoß, kam so recht durch die große Beteiligung beim Leichenbegängnisse zum Ausdruck. In tfefergreifender Weise hielt Herr Rabbiner Dr. S. Fu n k einen Nachruf, und würdigte gebührend die vortrefflichen Charaktereigenschaften des 'Verewigten. Im Namen des Tempelvereines „Aeschel Awrohöni", Pazmanitengasse, dessen langjähriges Vorstandsmitglied Herr Bernhard Fischer war, sprach Herr Tempelvorsteher S. Lee n m a n n von den großen Verdiensten, die sich der Verewigte um den Bäu des schönen Gotteshauses erworben. Im Namen des Tempelvereines rezitierte Herr Erster Kantor A. Stift,.der auch die kantorale Funktion versah, ein feierliches „El mole rachamim". — Der Sekretär der „Union deutschösterreichischer Juden". Herr Siegfried Fleischer, hat einen schweren Verlust erlitten. Sonntag, den 14. d. M. ist sein Sohn, der Redakteur des „Tag"', Herr Ernst Fleischer, im 36. Lebensjahre nach langem schweren Leiden einer Herzlähanung: erlegen. Der Verblichene war im volkswir tschaft liehen Teil des Blattes tätig: und gehörte dem Redaktionsve.rband aueli als Redaktionsausschußmitglied seit der Gründung des Blattes an. Er war einer der beliebtesten und rührigsten Kollegen-, der seine Pflicht bis zum äußersten erfüllte und schon schwer krank mir auf ärztlichen Rat die Redaktion verließ. Das Leichenbegängnis fand Mittwoch, den 17. d. M. unter großer Beteiligung statt An der Bahre trauerten nebst den tiefgebeugten Eltern die Junge - Witwe Grete Fleische r und die Geschwister Hedwig W i h t e r und Dr. Otto F1 e i s c h e r. Die Leichenfeier Armand B1 ochs, des kürzlich verstorbenen belgischen Großrabbiners, gestaltete sich zu einer imposanten Sympathiekundgebung für den Verblichenen und seine Familie. In, dem Leichenzug, der von Genadieren, die dem Toten die militärischen1 Ehren erwiesen, flankiert .war, sah man sämtliche Rabbiner und noch andere jüdische Notabein Belgiens, Bekanntlich wurde Bloch wegen einer der deutschen Besetzung Brüssels, unangenehmen Predigt monatelange gefangen gehalten. Mokanterweise ließ die deutsche Kommandatur ihn mit einem aus ähnlichem Grunde verhafteten Jesuitenpater, einem Brüssler GymnasiMdirektor, die Zelle teilen. Beide schlössen aber in der Gefangenschaft eine Freundschaft, die sich später fortsetzte. Zu den Sabbatgottesdiensten wurde Bloch in den Tempel und wieder zurück eskortiert. Er benützte, mit glücklichem Humor begabt, die unfreiwillige Muse zu Aufzeichnungen seiner Erlebnisse in deutscher Gefangenschaft, die er selbst illustrierte. Bei der Gedenkfeier im Tempel, am 6. September, drei Tage nach dem Leichenbegängnis, war der König durch Generai Bernheim vertreten. Ernennung von Bethausvorstehern. Der Vorstand der israelitischen Kuitusgemeinde Wien hat die Herren Dr. S. Boll im, Göttlich Drab, Hermann R a 11 i n und Leopold. Weis s als Mitglieder in den Bethaus vorstand für den Gemeindetempel des 16. Bezirkes berufen. . Stellenvermittlung für arme jüdische Studenten. Um die unter der Studentenschaft herrschende große Not zu lindern, hat der "Jüdische Hochschulausschuß die-Aufgabe übernommen, bedürftigen Studenten durch Vermittlung eines Erwerbes Verdienstmöglic-akeit zu verschaffen und ihnen auf diese Weise zur Fortsetzung und Beendigung ihrer Studien zu verhelfen. Der Jüdische Hochschulausschuß richtet nun zu Beginn des laufenden' Studienjahres an die Oeffentlichkeit die höfliche Bitte, bei Bedarf an Hofmeistern, Lehr- und Karizleikräften, Stenotypisten, Dolmetschen und dergleichen sich vertrauensvoll an das Sekretariat des Jüdischen Hochschulausschusses. Wien IX., Zimmermannplatz 8, schriftlich oder telephonisoii (Fernruf 25-2-28) zu wenden, welches unentgeltlich "Vormerkungen entgegennimmt umd Stellenvermittlungen besorgt. Der Jüdische Hochschulausschuß gibt der Hoffnung Ausdruck, daß es ihm wie bis .nun auch in diesem Jahre gelingen wird, die übernommene' Aufgabe zu' erfüllen und deir arbeitsuchenden. Kollegen, geschulten,, ejier^schen,- und gewissenhaften" Pädagogen' sowie tücntigen Kanzleikräften Verdienst und somit auch Studienmöglichkeit zu verschaffen. .Kosice (Kaschau). Unser dortiger Berichtet-, statter meldet, daß der Erlauer Ober-Rabbiner, Ehr-, würden Herr Simon Schreiber, am 9„ 10. und 11. Oktober in Kaschau' geweilt' hat. zwecks Fühlungnahme mit der dortigen Kuitusgemeinde. Bei dieser Gelegenheit inspizierte er auch die Koscher- und Schelpessach-Ikzeugung der unter seiner Oberaufsicht stehenden Kaffeesurrogatfabrik "Heinrich Franck Sohne, wo er alles den rituellen Vorschriften entsprechend, also in vollster Ordnung und sehr befriedigend vorgefunden hat. Seine Abfahrt gestaltete sich zu einer herzlichen Sympathiekundgebung, weil ihn viele Gemeindemitglieder an die Bahn begleiteten. Richtigstellung. Durch einen unliebsamen Irrtum unserer Administration ist im letzten „Verzeichnis jener Koscherfleischbänke, welche unter Aufsicht des ehrwürdigen Rabbinats der israelitischen Kultusgemeinde Wien stehen", versehentlich die Firma Adolf F i s c h e r, IL, Im Werd 1, aufgenommen worden. Seidenhaus HUHSTflDT Wien I.. Fleisdtmarkt Nr. SO Erößtes Spezialhaus aller Qualitäten Seidenstoffe für Kleides* und Futter. 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