Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1923
- Issue
- Heft 17 (17.8.1923)
- Date
- 1923-08-17
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Seite 18 DIE WAHRHEIT i Nr. 17 und dem Feinde damit das Tor zu öffnen. Und nicht nur als Juden, als Oesterreicher, als Wilener fühlen wir mit das deutsche Leid. Deutsch ist unsere Muttersprache, deutsch die Bildtog, die uns die Mutter ins Kinderherz gepflanzt. Neben Weimar steht unser Wien, als der Bodleo, der zu dem Ruhmesdiadem deutschen öeistes und deutscher Größe kostbare Perlen beigesteuert. Uns beseelt darum der Drang, mitzuhelfen, um der deutschen Not zu steuern Und wir alle wollen jetzt unsere Herzen vereinen in dem Gebet zu unisenem Vater im Himmel, es mögen endlich von der Erde verschwinden Völkerhaß, rechtlose Gewalt und herzlose Menschenknechtunig! Frieden ziehe ein in die deutschen Lande! Innerlich geeint, durch Leid geläutert, in Bruderliebe erstarkt, möge Deutschland aus dieser Prüiuing hervorgehen zu neuer Größe, als ein Hort cter Gerechtigkeit, der Freiheit und unverbrüchlichen beglückenden Bürgerfriedens!" Mähr.-Aussec. Am 5. August d. J. kam hierher der Verein der Mähr.-Ausseer aus Wien. Dieser Umstand war für unsere Kultusgemeinde ein gegebener Anlaß, den Verein in Mähr.-Aussee <u empfangen. Eine Gesellschaft von vielen Damen und Herren mit dem Kuitusvorsteher, der Rabbiner der Gemeinde war leider erkrankt, eüten aus Schönberg hierher und es wurde am Vormittag erst der Friedhof besucht und mittags fanden sich die Wiener und Schönberger Gäste in den beiden Stadthotels zum gemeinschaftlichen Mittagessen. Um halb 2 Uhr nachmittags fand ein Gottesdienst im dortigen Tempel statt, nach welchem Kultusvorsteher Z i e g 1 e r die Wiener Damen und Herren begrüßte und in zu Herzen gehenden Worten deren tatkräftiges humanitäres Wirken hervorhob und ihnen hierfür den Dank ihrer zugehörigen Kultussemeinde aussprach. Im Tempel hatte sich auch die katholische Gemeindevertretung und ein Teil der Bevölkerung eingefunden. Auf die Ansprache des Herrn Kultusvorstehers erwiderte Herr M. Kohn, Präsident des Vereines der Mähr.-Ausseer in Wien, in langer Rede, wobei er Anlaß nahm, einen genauen Bericht über die Tätigkeit dieses humanitären Vereines zu erstatten. Gleich ihm tat dies auch Herr Oberlehrer Kohn aus Karlsdorf, der als Mitglied des Vorstandes des Vereines dessen Geschäfte in der Tschechoslowakei leitet. Trauung. Sonntag, den 29. Juli, fand im festlich geschmückten Währinger Tempel (Schopenhauer straße) die Trairung des Herrn Dr. Benno Feiichtwang, des ältesten Sohnes Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Feuchtwang, mit Fräulein Schwarz aus Saaz statt. Von den Sympathien, deren sich das Ehepaar Dr. Feuchtwang erfreut, gab der Tempel Zeugnis, der bis auf das letzte Plätzchen gefüllt war. Unter den Anwesenden bemerkte man den Präsidenten der Kultusgemeinde, Professor Dr. Alois Pick, Kultusvorsteher Komm.-Rat B. B u c h w a 1 d, Sekretär Dr. Emil Adler, den Tempelvorstand an der Spitze Dr. Winter, den Vorstand der Chewra Kadischa Währ in g mit dem Obmann J. N o s s i g, Hofrat Frankfurter mit Gemahlin, Hofrat Guido Adler und Frau, Generaldirektor A e 1 p 1 e r, die Doktoren Wilhelm Pappenheim und Arnold Hildesheimer, in Vertretung der BB. Generaldirektor Laßberg er, zahlreiche Großindustriellen und fast alle jüdischen Religionslehrer; ferner die Damen Erna P a t a k, Hermine K a d i s c h (Weibliche Fürsorge), Sidonie Kahn (Döblinger Verein), Dr. Grünberg (Währinger Verein), Bella Deutsch (Altersfürsorge), Bertha D o n r e i c h (Feuchtwangfonds). Die rituellen Gesänge wurden vom verstärkten Tempelchor und Kantor Funke glänzend exekutiert. Die Trauung nahm Dr. Feuchtwang selbst vor; bei seiner ergreifenden Rede bemächtigte sich der Anwesenden die tiefste Rührigkeit. Mit den hebräischen Worten des Propheten hob er hervor, daß die zahlreichen Anwesenden der schönste Schmuck des Brautpaares seien; er dankte dem Allmächtigen, der die Familie diese Stunde habe erleben lassen, wobei er der Gefahren des Sohnes im Kriege und der schweren Erkrankung der Gattin gedachte, Gott dafür dankte, daß er es zugelassen, daß die Familie in allem Leid aufrecht gestanden durch ihre Berufsarbeit und ihre Sorge für die Allgemeinheit; er dankte Gott, daß der lieblichen Braut, der in früher Kindheit beide Eltern genommen wurden, Geist und alle anderen Eigenschaften gegeben seien, um die Herzen der Menschen zu gewinnen. Seinem Sohne sei seit früher Jugend die schwere Aufgabe zugefallen, sich des Namens seines Großvaters, des unvergessenen Nikolsburger Rabbiners, und seiner übrigen Ahnen würdig zu erweisen; er sei dieser Aufgabe vollkommen gerecht geworden. Dies sei aber nicht des Redners Verdienst, der durch sein öffentliches Wirken wenig Zeit für das Haus gehabt habe; ihm sei eben die Gattin geworden, die jeder im öffentlichen Leben Stehende haben sollte, die ihn im Hause und bei der Erziehung der Kinder vollauf ersetzt habe. Diesem ernsten jungen Paare brauche er nicht erst Ermahnungen auf den Lebensweg mitzugeben; er sei überzeugt, daß der Sohn, der trotz seiner Jugend schon an hervorragender kommerzieller Stelle stehe, sich als eine Säule des Judentums ein aufrechtes jüdisches Haus gründen werde, bei dem die Gattin ihm die beste Stütze sein werde. An die Trauung schlössen sich im Zeremoniensaal die Gratulationen der vielen Vereinsdeputationen an. Briefkasten. W. E., Wien IX. Sie bitten mich, Ihnen meine Eindrücke über den Judenhaß in Deutschland mitzuteilen. Das ist rasch geschehen: Die Reventlöwen, die von. Gräf-lichen Scharen, die Wulle-Haarigen, die Erhardtherzigen — sie haben im ganzen Reich die Parole ausgegeben: Erst mal an den inneren Feind heran, an den Juden, dann kann den Franzosen das Genick gebrochen werden. Gegen beide ist heute in Deutschland die Erbitterung eine große und zu diesen gesellt sich jetzt die gegen den Oesterreicher, den ,,Inflationsgeier", den Besitzer des „Alpendollars". M. G. Ihrem Gedichte ist wackere Gesinnung und beste Absicht nicht abzusprechen, Form und Gedanke vormävzlich, erinnern aber an die „Mir-alles-ans"-Gstanzeln: „Wer a Geld hat, ißt a Butterkipfel, und wer kans hat, beißt in's Polsterzipfel!" Hoffentlich haben Sie eine Kopie Ihrer Verse. A. K. Von den 3 Millionen amerikanischer Juden gehören 600.000 dem Schneiderhandwerk an. Austritte aus dem Judentum. Dr. Max Lindenbaum, geb. 10. März 1876, Drohobycz, Gutseigentümer, I., Seilerstätte 5. — Sandor Ertler, geb. 5. Mai 1899, Leipnik, Gutseigentümer, III., Czapkagasse 7. — Ilona Barta, geb. 27. Oktober 1893, Budapest, Gutseigentümer, III., Klimschgasse 8. — Emilie Adler, geb. 16. Februar 1880, Wien, Näherin, XVI., Gangelbauergasse 18. — Josef Knöpfelmacher, geb. 1. September 1891, Wien, Private, VIII., Bennogasse 8. — Melanie Grünberg, geb. 4. April 1893, Czernowitz, Bankbeamtin, IX., Höfergasse 8. — Getrüde Falmdi, geb. 9. September 1928, Budapest, XIII., Laizerstraße 158. — Alice Krisant, 17. September 1894, Wien, Priv., VII., Kirchbergg. 28. — Fritz Mose, geb. 14. April 1893, Wien XIV., Karl Waestergasse 6. — Leo Singer, geb. 29. Juni 1893, Bielitz, XIV., Sechshauserstraße 39. — Bernhard Reiszner, geb. 4. Jänner 1918, Poszony, Bankbeamter, XVI., Haberlgasse 50. — Vilma Zwicker, geb. 30. Mai 1895, Wien, Priv., II., Lassingleitnerplatz 2. — Hilda Falk, geb. 4. August 1901, Wien, Priv., II., Rembrandtstraße 17. — Paul Brück, geb. 6. August, 1894, Wien, Bankbeamter, Franz Hochedlingergasse 23. Seidenhaus KUH STADT Wien 1.. 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