Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1923
- Issue
- Heft 9 (27.4.1923)
- Date
- 1923-04-27
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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- Jakob Wassermann 2× ep/1005248
- Alfred Kerr 1× ep/1025227
- Arnold Zweig 1× ep/1009291
- Arthur Schnitzler 1× ep/1025577
- Franz Kafka 1× ep/1025205
- Franz Werfel 1× ep/1000003
- Max Brod 1× ep/1024844
- Maximilian Harden 1× ep/1025092
- Richard Beer-Hofmann 1× ep/1006750
- Rudolf Borchardt 1× ep/1024825
- Theodor Herzl 1× ep/1007316
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D-re. Wahrheit - - Seite 15 Nr. 9 tritt doch die jüdische Linie bewußt nrcht hervor und erst den tiefer Schürfenden wrrd es ersichtlich, wo die Wurzeln ihres Seins liegen. Eine Fülle von Stoff bietet uns der vorliegende Band und die Auswahl scheint recht gut getroffen zu sein. Franz Werfel, Georg Hermann, Alfred Kerr, Franz Kafka, Albert Eh reust ein, Alfred D ö b li n, Jakob Wassermann, Maximilian Harden, Alfred M o m b e r t, Otto W e i n i n g e r, Hugo von H o fmannsthal, Martin Bub er, Else Lasker-Schliier, Peter Altenburg, Richard Beer-Hofmann, Arthur Schnitzler, Paul Kernfeld, Rudolf Borchardt, Arnold Zweig, Paul Adler, Moritz Heimann, Sternheim, Max Brod werden analysiert. Mancher der eben Erwähnten tritt wiederum als Essayist über einen Anderen im gleichen Bande hervor/ so daß stch ein anziehendes Wechselspiel ergibt. Die Stellung zu den behandelten Autoren ist je nach der Einstellung des Verfassers eine verschiedene. Der Eine betont das Jüdische in dem Wesen seines Sujets stärker als der ändere, der mehr ein Gesamtbild entwirft. Aber alle lassen uns empfinden, daß ein hoher Reiz ihres Wesens grade darin uegt, daß sich in ihrem Wirken zwei Strömungen treffen. Doch sind die Differenzen im Einzelnen natürlich stark und der ^Abstand etwa von Jakob Wassermann und Martin Bub er ein ungeheurer. Man wird an diesem Buch nicht voroeigehen können, wenn man sich über die zeitgenössische jüdische Literarur iu deutscher Sprache ein Bild machen will. . . ■ Dr. Willy Eohn, Breslau. Das neue Ghetto, ein Roman aus der Zeit von Arthur Zapp. (Verlag Alfred Streißler, Berlin-Nowawes.) Dieses neue Ghetto muß nach der Erklärung eines deutschvölkischen Versammlungsredners — Reden pro und kontra Juden nehmen den Großteil des' Buches in Anspruch — wieder aufgerichtet werden und Berlin ist dabei als erstes gedacht. Bekannte Typpen der Großstadt werden um eine wenig komplizierte Handlung gruppiert. Als eigentlicher Held mit allen Tugenden eines solchen ausgestattet erscheint Dr. Siegfried Bornfeld, der Sohn eines schon assimilierten jüdischen Geschäftmannes, ritterlicher Lebensretter einer Generalstochter, die er besucht. Nach altem bewährten Romanrezept,.wächst erst das Glück, dann wird es „angefochten". Dr. Bornfeld wird in diesem! rein christlichadeligem Hause unmöglich, es kommt zu einem Duell mit einem bornierten Gast und berufsmäßigen Antesemiten. Viel Rührseligkeit, als hätte die Marlitt oder Courths- Mahler das neue Ghetto geschrieben. Zum Schluß die großmütige Entsagung. Die Tendenz ist gut, die Nebenfiguren nach dem Leben der Gegenwart. d. Die Lebenserinnerungen Wilhelms II. Diese mit Spannung erwartete Publikation bestätigt die Charakteristik, welche Theodor Herzl in seinen Tagebüchern von dem Autor gibt: „Zweifellos ist er ein hoch- und vielseitig begabter Mensch, der nur mit seinem einzigen Arm zuviel angreifen möchte und immer die Hände voll zu tun hat, weil er verbergen will, daß er nur eine Hand hat". Der mächtige Herrscher des großen deutschen Reiches, ■ der dessen Aufstieg und Zusammenbruch miterlebt hat, alle Spannungen der hohen Politik und kleiner Jntriguen mitgefühlt hat, bietet Einblick in das Räderwerk der Staatsmaschine, als deren treibendes Element er sich darstellt, wenn etwas glückt — bei Fehlschlägen ist er das Opfer seiner Ratgeber. Im Jahre 1912 lag die Möglichkeit vor, den Weltkrieg welcher schon seit den Verwicklungen auf dem Balkan drohte, zu vermeiden. Eines Tages erschien Sir Ernest Cassel, „ein intimer Geschäftsfreund Eduard VII.", eingeführt von dem Freunde des Kaisers Ball in, mit einer Verbalnote, welche einen Neutralitätsantrag Englands enthielt. Bei den hierüber eingeleiteten ^Verhandlungen leistete Ballin gute Dienste — allein die Verhandlungen führten zu keinem Ergebnis, weil — wie der Kaiser behauptet — das perfide Albion die Sache im Sande verlaufen ließ — tatsächlich aber der Kaiser seine Flottenpolitik nicht aufgeben wollte. — Man sollte meinen, daß diesen Herrscher die Regierungs geschäfte voll in Anspruch hätte nehmen müssen — aber er findet noch Zeit zur Erholung „Archiologie und insbesondere Assyriologie" zu treiben, den Vorsitz der deutschen Orientgesellfchaft zu übernehmen, sich für die Ausgrabungen in Ninive, Babylon usw. zu interessieren und sich in den durch Delitzsch eingeleiteten Bibel-Babel-Streit einzumengen. Als gläuiger Christ und Oerhaupt der evangelischen Kirche hält er sich für verpflichtet, zu dieser Frage autoritativ Stellung zu nehmen. In einem leider nicht vollständig abgedruckten, Schreiben vom 15. Februar 1903, gerichtet an das Vorstandsmitglied der deutschen Orientgesellschaft Admiral Hollmann, setzt der Kaiser seinen persönlichen Standpunkt in der Offenbarungsfrage auseinander. Von dem spinoziotischen Gedanken ausgehend führt er eine Reihe von historischen Persönlichkeiten an, welche als Organe Gottes gewirkt haben angefangen von Hammurabi, Moses und Abraham (in dieser Reihenfolge) bis zu seinem Großvater Wilhelm den Großen, der sich selbst „ein Instrument in des Herren Hand" genannt hat. Von den Urkunden für die „nur religiöse Offenbarung" will Kaiser Wilhelm die Evangelien von jeder historisch-kritischen Behandlung ausnehmen und ruft dem „guten Professor" ein deutlicher „hands off" zu, dagegen darf derselbe „was die Religion, Sitten und die Babylonier und in Beziehung zum Alten Testament bringt, ruhig schildern — mag auch dadurch viel vom Nimbus des auserwählten Volkes verloren gehen, das schadet nichts". Damit ist das Alte Testament von höchster Stelle der Kritik der Theologen und Historiker überantwortet; aber trotzdem dieselben Jahrzehnte lang an der Arbeit sind, sind deren Grundfeste noch unerschüttert. t; Dr. A. B. Friedrich Raab: Politische Bildung auf deutschen Hochschulen. Deutsche Verlagsgesellschaft für Politik und Geschichte m. b. H., Berlin, W. 8. In der kleinen überaus bemerkenswerten Schrift sondert Raab von einander drei Begriffe: Die staatsbürgerliche, die volksbürgerliche und politische Bildung. Die staatsbürgerliche Bildung umfaßt den Inbegriff aller Erziehungsmaßnahmen, die den einzelnen befähigen sollen, in den innerhalb des Staates und der Verfassung gezogenen Grenzen sich zu betättgen. Die Erziehung zu volksbürgerlicher Bildung dagegen wendet sich an die Gesinnung. Sie erstrebt das Bewußtsein einer inneren Verbundenheit mit allen Gliedern des Volkes. Die staats- und die volksbürgerliche Erziehung setzen verfassungsmäßig bestimmte Formen eines bestimmten Staates voraus, die politische Erziehung will dagegen zu einem richtigen Denken und Handeln überhaupt erziehen. Sie besteht darin, fähig zu machen, bestehende Machtbereiche wirksam umzugestalten. Unter den wesentlichen Seiten politischer Erziehung, die einer wissenschaftlichen Behandlung fähig sind, unterscheidet der Verfasser die politische Wertlehre, die politische Methodenlehre, sowie politische Wirklichkeitskunde.