Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1923
- Issue
- Heft 5 (1.3.1923)
- Date
- 1923-03-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 14 Nr. Z Die L Uri) ift Ml a Hartl; der erste Schritt, in welchen! arische Wihiiuei in semitisches Volkstum einbrach. Unter Werdandierzählt er die Geschichte der Rebeka und den Kamps Jakobs und Esaus. Unter Skult erzählt er die (beschichte Josefs. Nach derselben Ordnung werden auch die anderen Bücher Moses in altgermairische Mythen verwandelt. Max Maurenbrecher begrüßt dieses Buch als einen Versuch zur „Entjudung und Verdeutschung des alten Testaments". Die wirklichen OsseNbarungsträfte des alten Testaments erscheinen ihm hier als religiöse Zeugen gegen das jüdische Volkstuni. Er schreibt: „Manchein Deutschvölkischen wird das Buch eine Erlösung aus eiue-ln Zwiespalt sein, M-dvnr wir das alte Testament, soweit es die heilige Schrift des Judentums ist, mit aller Bestinnntheit ablchnen müssen." „Aus diesem Zlviespalt kommt man heraus, wenn man criennt, daß das alte Testament größer ist als das Judentum, daß es die Offenbarung einer großen Kraft ist, die vom Judentum nicht verstanden war und kn Judentum daher nur zur Entartung geführt hat." „Mancher Pfarrer, der dieses Buch gelesen hat, wird darnach wieder Mut gewinnen, über alttestamentariische Texte zu predigen; alle völkischen Lehrer aber, denen die biblischen Geschichten des alten Testaments bisher ein Stein des Anstoßes waren, werden in diesem Buche ein Vorbild finden, wie sie diese Geschichten interessant und lebendig zu machen vermögen." — Ein Gesinnungs- und Geistesverwandter Lhotzkys, der Wirrkops Niemann, hat sich mit einem ähnlichen Literaturwerk, dein von uns kürzlich besprochenen „Altvater oder Jehooah?" unsterbliche Lächerlich,keil gesichert. Die Mahnung der Polizeidirektion an die politischen Organisationen, ihre Gegensätze nicht mit Gummiknütteln, Schlagringen und Revolvern,, sondern mit geistigen Waffen auszutragen, hat sehr merkwürdige Wirkungen ausgelöst. Zunächst halben sich die Führer aller -monarchistischen Gruppen beeilt, die Verantwortung für die Bluttat in der Hüttelborserstraße von sich abzuwälzen. Wenn man den Herren Oberst Wolfs und Sektionschef S ch a g e r glauben wallte, so -waren ihre 'Sturmtruppen oder wie sie sonst heißen inögen, unschuldsvoll und rein wie frisch gefallener Schnee. Auch Herr Dr. Rieh l will für seine Nationalsozialisten von GLwa-lttätigkeiten nichts wissen und das Hakenkreuz ist nach seiner Darstellung Nur ein Symbol der Gesinnung, nicht aber -ein solches der Tat. Dagegen bringt es das offizielle Organ der großdeutschen Parteien fertig, für den Hietzinger Mord die sogenannte Jndenpresse verantwortlich zu machen und es schreibt am Schlüsse des betreffenden Artikels: „Der Todfeind aller Völker -der Erde heißt das internationale, nach der Weltherrschaft langende Judentum." Wenn das genannte Organunter „Jndenpresse" den „Abend" verstanden wissen will, so muß klar und bestimmt erklärt werden, daß zwischen dein genannten -Blatt -und dem Judentum-nicht der geringste Bernhrungspunkt -besteht. Die maßgebenden Kreise der Wiener Judenschast lehnen jede Beziehung zum „Abend" ab, zumal ja besten Herausgeber aus dem Judentum längst ausgetreten ist. Ueber die Phrase jedoch, daß das Judentum der Todfeind aller -Völker der Erde ist, werden wir mit dem großdeutschen Organ keine Diskussion sichren, weil es uns zwecklos erschiene, dieses lediglich aus die Verhetzung^ spekulierende Blatt eines Besteren belehren zu wollen. Solange die Wiedererhebung des deutschen Volkes lediglich mit Aufreizungen -zum Pogrom gegen die Inden betrieben wird, solange der ungeheure Anteil, den das Judentum an dem deutschen Kultur- und Geistesleben seit Moses Mendelssohn genommen, wissentlich geleugnet wird, muß ruhig abgewartet werden, bis diese Welle von h r hi e|* Schur ach und Schande wieder abgelaufen sein wird. Was aber die gewiß wohlgemeinte Meinung der Wiener Polizeidircktiou betrifft, so sind wir der unmaßgeblichen Merunng, daß bei dem gegenwärtigen Stand der Dinge die genannte Behörde von der Methode väterlichen Zuspruches zu drastischeren Mitteln werde übergehen müssen, um den erwünschten Erfolg zu erzielen. Der feste Zugriff, der sich in der Emlieferuug der an der Mordtat Beteiligten in das Landdsgericht offenbarte, «hat es schon zuwege gebracht, daß alle monarchistischen und hakenkrenzlerischen Vopsammlungen. die für die letzten Tage -anberanmt waren, abgesagt wurden. Man hat in der Dschecho-Slvwakei ein ziemlich scharfes Gesetz zum Schutze der buchenden Staatsfornl eingebracht und auch in Ungarn Ist ein solches Gesetz zur Abwehr aller Angriffe auf das dortige, 'gerviß nicht wünschenswerte Horthy-Regime zur Anwendung gelangt. In Oesterreichhat man es -bis jetzt nicht für notwendig erachtet, zn drakonischen Bestimmungen -zugreifen. Mir volleur Rechte, denn das österreichische Volk ist sanftmütiger und milder geartet undwas bisher an Verhetzung und Brutalitäten in unserem Stanke geleistet wurde, ist in denselben von anßenher hineingetrageu worden. Aber gerade der weiche Bolkscharakteir des Österreichers und seine geringere politische Erziehung bringt die Gefahr mit sich, daß er MNistürtzlerifchm Agitationen leichter zugänglich ist. Unsere derzeitige Strasgesetzgebung reicht zur Hintanhaltung solcher Agitationen voMo'mmLN ans, wtznn sie nur energisch und objektiv zur Anwendung gebracht wird. Diese Energie und Objektivität muß aber deutlich sichtbar und erkennbar sein und sie darf auch nicht gegenüber -den Aufreizungen!, die gegen die Juden -gerichtet sind, Hallt machen. Wir hoffen, daß diese Lehre -aus den letzten blutigen Vorgängen an berufener Stelle befolgt werden tvird. Junge Schafe. Wenn ein Judenblatt die wackeren Deutschvölkischssn als junge Schafe ausprechen würde, gälte die als semitische Frechheit, nachdem es aber Gras Reventlow im Leitaufsatz seines „Reichswart" vom 10. Februar getan hat, wäre es jüdische Frechheit, dem erfahrenen Kenner des Ariertums zu widersprechen. Es wird also damit seine Richtigkeit haben. Den jungen Schafen tvird also im „Reichswart" empfohlen, daß sie gegen die alten Wölfe (sprich Juden) die Einheitsfrevel h-evstellen mögen. Uns aber null es bednnken, daß die Reventlowsche Zoologie daneben gegriffen hat. Was sich die jungen Schafe bisher im gesamten Deutschland and dem anschlußbeflissenen Oesterreich geleistet haben, gleicht allem eher als einem unschuldigen Hammelsprung. „Die alten Wölfe" wären sehr zufrieden, weniger arisch-schafmäßig behandelt zu werden. Nicolai über den Rastenhumbug. In .seinem von beu Hakenkreuzlern gestörten Vortrag sagte Professor N ic o l a i auch einige kräftige -Worte über die 'Fichte-Begeisterung -und -das Ariertum der BöWischen. Wir geben hier die bezüglichen Stellen: „Fichte, der uns heute als Urbild des deutschjen Mannes hingestellt wurde, galt seinen Zeitgenossen als f r a n z ö s i f ch erFrei,g e i st und Revolutionär. Seine Jenenser Studenten pfiffe n ihn aus. In Wirklichkeit ist kaum je Tieferes und -gegen-übel' deni landläufigen Patriotismus R -e v o l u tionäreres über das Verhältnis der Nation zur Kultur gesagt worden. . . . Wer erst hundert Jahre tot ist, darf sogar ein revolutionärer Ideologe sein, und ich glaube, daß es 'heute umt Deutschland bester stünde, wenn sein Patriotismus immer Fichke-scher —das heißt kultureller —gewesen wäre. Aber die Vaterlandsliebe wurde meist an Aeußerlichkeiken gemessen und, entsprechend ihrer dadurch bedingten Unpro-