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Die Wahrheit · 1916-01-21 · Heft 3 (21.1.1916) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1916
Issue
Heft 3 (21.1.1916)
Date
1916-01-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Die Wahrheit Rr. 3. aussichtslose Fortführung des Krieges laut. Wenn * mau die Gegner weder entmutigen, noch erschöpfen oder anshuygern - kann, dann ist eine Berlängernng des aüschädigenden Kriegeswohl unsinnig. Diese Binsenwahrheit müssen schließlich alle vernünftigen Menschen begreifen, wenn sich auch die verantwortlichen, schwer schuldbeladenen Kriegstreiber noch so verzweifelt dagegen sträuben. Die siegreiche Balkanaktiön hat nicht nur Öesterreich-Ungarn militärisch entlastet und strategische Vorteile gebracht, sondern auch die Orientbahn in die Gewalt des zentralenropäischen Bierbundes gebracht und schon wird dieselbe eifrig befahren, welche Tatsache nicht nur das militärische Zusammenwirken der neuen Freunde systematisch ermöglichen, sondern auch eitler drohenden Not an Lebensmitteln wirksam entgegenarbeiten kann. Schon jetzt blickt die österreichisch-ungarische indnftriette Handelswelt hoffnungsvoll in die Zukunft. Wohl erfüllen uns die leider sehr zahlreichen gefallenen Helden mit Trauer, wohl beklagen wir aufrichtig das unermeßliche Unglück, welches der überlange wütende Weltkrieg über gar viele unserer Familien gebracht hat, wohl würden wir alle einen entsprechenden Friedensschluß bereits freudig begrüßen, aber wir müssen weiterkämpfen bis unsere Gegner die Zweckkosigkeit einsehen. Dies möge vor allem der wahre Kriegsverlängerer, die britische Regiernug bedenken! Noch käme England mit der Herstellung des Status quo ante in der Hauptsache davon, «och könnte England seinen Welthandel zurückerhalten, wenn es in die F r e i h e i t der Wasserstraßen einwilligen will. Es mutet den Eingeweiteu wie ein Ausdruck grimmen Galgenhumors an, wenn der englische Handelsminister im Unterhanse schadenfroh erklärt, Deutschland sei heute schon wirtschaftlich besiegt. Wer denkt da nicht an ein altes, derbes, jüdisches Witzwort, das da lautet: „Rache den Wanzen, das Häuschen brennt!" Der Weltkrieg ruiniert alle europäischen Staaten ohne Ausnahme, sogar die neutral gebliebenen. Nur das merkantile Nordamerika saugt sich mit noch nie dagewesenen Kriegsgewinneu voll und wenn der Weltkrieg noch länger so verderblich als bisher andauert, daun wird es unfehlbar den kriegführenden Mächten für immer den Löwenanteil des Welthandels entwinden. Wir in Oesterreich waren in letzterem Belange vor Ansbruch des Weltkrieges nicht am besten bestellt, aber selbst im Falle als das britische Reich halsstarrig bleibt und seine Uebermacht zur See auch weiterhin behaupten könnte, muß es nach Friedensschlnß besser werden, zumal die Zeutralmächte gewiß alle Anstrengungen machen werden, neue Berkehrsrvege über den Balkan, Kleiuasien. Persien nach China und über Palästina «ach Aegypten zu Lande zustande zu bringen. Im schwarzen Meere kann die russische Seemacht ebenfalls gehörig zngestutzt werden, wenn das militärische Uebergewicht der Zentralstaaten über die russischen Waffen erhalten bleibt, woran hellte in Wahrheit niemand mehr zweifelt. Noch könnte Frankreich heil und vorteilhaft aus dem Weltkriege heranskommeu. wenn es feine komproumierende und unnatürliche Freundschaft mit dem barbarischen, tyrannischen Moskowitentum aufgibt und rasch Fneden schließt, indem es auch aufhört, für die britischen Weltausbeutnngsgelüste weiterhin die Kastanien aus dem Feuer zu holen. Mutwillig noch weiterhin vergossene Blntströme können und werden «ur die negativen Erfolge unserer Kriegsgegner und ihr« schwere Schuld ins Angemessene vermehren. Diese wird aber schließlich mit heiligem Zorne unnachsichtig eingeforderti werden! L. Ans dem okkupierten Polen. In einem Warschauer 93rief" beS fSfi'aelit— i»ivb ‘ jüdische Leben in den von den verbündetendeutschen und österreichischen Truppen okkupierten Teilen Rnssiich-PolenS überaus anschaulich geschildert und zur Ergänzung ähnlicher, '■ in unserem Blatte voransgegangeller Berichte wollen wir die trefflichen Beobachtungen des Warschauer Korrespondenten des „Israelit" im Nachstehenden wiedergeben: Wie sehr sich bereits alle Teile der hiesigen Gesellschaft mit der neilen deutschen Ordnung verwachsen fühlen, zeigte auch der Nenjahrsempfang des Präsidenten des Bürgerkomitees. Fürsten Lnbomirskl, im großen Saale des, Magistrates. Alle städtischen und sozialhnmanitären Institutionen waren durch Deputationen vertreten uns deren, Begrüßungsansprachen wie ans den Danksagungen des Fürsten der eine Ton höchster Zufriedenheit und steigende'Zuversicht 'j sprach. Die jüdische Gemeinde war durch ihren Vorstand am : Empfange offiziell beteiligt. - - , - Weit mehr als die Repräsentation nach außen dürften dem Vorstand die inneren Probleme Kopfzerbrechen machen. Die sozialen Aufgaben werden ihm durch das Hochherzige Eingreifen Amerikas wesentlich erleichtert. Es weilen hier znr Zeit zwei Delegierte, des Amerikanischen Hilfskomitees, die . die Lage eingehend studieren. Auf deren Veranlassung ist eiye . eigene Amerikanische Sektion gebildet worden, die in ihren Maßnahmen zur zweckmäßigen Verwendung der amerikanischen Gelder dem Vorstand gegenüber verantwvtlich ist. Für Januar 1916 wurden znr Unterstützung jüdischer Arbeitsloser 8000 Rubel, als Beitrag zur zinslosen Darlehenskasse für kleine Handwerker 2000 Rubel bewilligt. Die vom hiesigen Erzbischof der Lodzer jüdischen Gemeide überwiesene Spende von 10.000 Rubel hat ihre moralische Wirkung nicht verfehlt. In der letzten Sitzung der jüdischen Gemeindeverwaltung dortselbst, wurde bekanntgegeben, daß dem Vorbild seines Vorgesetzten auch der Dekan des Lodzer Dekanats Przezdziecki mit einer Spende gefolgt ist. Es lag der Schling ein Projekt des jüdischen Frauenschutzvereins vor, mehrere Asyle in der Stadt zu errichten und diese aus den genannten Spenden zu unterhalten. Es . wurde noch beschlossen, die Kinder der Reservistenfrauen. die vom Knratorinm keine Zuwendungen erhalten, von der Gemeinde zn unterstützen. Ferner wurde eine Kommission gewählt, die den Kohlenverkanf für die jüdische Bevölkerung zn ordnen hat. Auch sonst haben die Lodzer auf sozialem Gebiete ihren Ruf als praktische Leute bestätigt. So hat der beim jüdischen Wohltätigkeitsverein bestehende Ausschuß zur Unterstützung verarmter jüdischer Kanflente einen Konsnmladen für diejenigen Personen eingerichtet, die vom Ansschnß Darlehen erhalten. Wie segensreich die Tätigkeit des Ausschusses ist, beweist der Umfang der bisher erteilten Darlehen; seit Ausbruch des Krieges wurden weit, über 100.000 Rubel verausgabt. Vorgestern nachmittag ivurde der Konsnmladen nun feierlich eröffnet. Znr Feier hatten sich die Mitglieder der Verwaltung des jüdischen Wohltätigkeitsvereins und die Ansschnßmitglieder eingefunden. Der Vorsitzende des Ausschusses, Herr Dr. Brande, hielt eine Ansprache, in der er auf die Bedeutung des Ladens hinwies und hervorhob, daß durch die Möglichkeit, für das geborgte Geld billige Lebensmittel zu erhalten, der Wert der Darlehen bedeutend steige. Nach der Eröffnung des Konsnmladeus fanden sich alsbald die ersten Käufer ein. Der Ausschuß beabsichtigt auch, billiges Brot, sowie Kartoffeln besorgen,! zu lassen. . Sehr erfreulich ist es, daß nunmehr die Frage der jüdischen Staudesamtsregister, zunächst in Lodz, zur endgültigen Lösung gelangt ist. Bekanntlich wurde beim Magistrat; eine Deputation zur Beaufsichtigung der Führung, der Standesamtsregister ins Leben gerufen. In einer ihrer letzten. Sitzungen hat die Deputation beschlossen^ dem Seträter der ' jüdische» GemeiudeverwaltUng/j Herrn Isidor Schwartzmann, die Führung des Standesamtsregisters zu übertrageii. Zur Deckung der Besoldnngskosten der Beamten sollen die.Gebührem

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