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Die Wahrheit · 1913-05-30 · Heft 21 (30.5.1913) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1913
Issue
Heft 21 (30.5.1913)
Date
1913-05-30
Page
– (sequence 9)
Language
German
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©eite 9. Nr. 21.. / Die Wahrheit Armin Freiftngrr ' Oberkantor der israelitischen Knltusgemeillde Pilsen. - ^Zn seinem 40 jährigen Dienstjnbiläum am 6. Juni -1913.) •: > . . „Da kam ein Mann, dem flüchtigen Volk entstammt, . . Begeistert von der Muße heil'gem Drang, ' ' Der schlng die Zionsharfe gyttenlflammt, /Daß sie wie unrer Davids Fingern klang - '' Und zog ans Herz mit liebevollem Fleiße - Der Barer heilige und hehre Weise, - / Mit dem Gesetze der künstlerischen Schöne v - Band er die alten heimatlosen Töne." Mit diesem höchstpoetischen Prolog aus der Feder des 'Dichters der „Deborah", S. H. M o s e n l h a l, der anläßlich des 40 jährigen Kantorjnbilänms Salomon Sulzers gesprochen wurde, möchte ich die Jubelfeier einleiten, die unser Lnltusvorstand seinem verehrten Altmeister, Oberkantor Freisinger, in diesen Tagen als dankbare Huldigung für seine gesanglichen Leistungen im Dienste der Gemeinde festlich begehen wird. Wie in diesen Blättern bereits gemeldet wurde, sind es am 6. Juni d. I. 40 Jahre, seitdem Oberkantor Freisinger sein Amt in . der hiesigen Gemeinde angetreten hat. Der Jubilar wurde am 9. Oktober 1846 in Balassa Gyarmat (Ungarn) geboren und huldigte schonim zartesten Knabenalter dem traditionellen Synagogengesange und der Musik. Anch der Vater Freisingers' schlug die Zionsharfe so wnndervoll. daß der Knabe schon im Elternhause Gelegenheit hatte, seine gefühlvolle Sopranstimme, die, in einem melodischen mpTiö itjr Gepräge erhielt, künstlerisch weiterzubilden. Seine musikalische Ausbildung erhielt er bei den Professoren K a r a b z i k und S t o l l in Budapest und in welch glanzvoller Weise der Jünger die Erwartungen seiner Lehrer übertraf. beweist am deutlichsten der Umstand, daß ernste Verhandlungen mit ihm gepflogen wurden, um ihn ffür die königliche Hvfoper in Budapest zu gewinnen^ Sein strengreligiöser Sinn bestimmte ihn aber, der Synagoge treu zu bleiben, um seine Gesangesblüten als Kranz der Verherrlichung aust die Stirne des Judentums zu drücken. Er wollte Jude bleiben und als Levite zum Preise Gottes singen. Nach kurzer Amtstätigkeit in Temesvar, Gran, Großwardein und Dreßburg folgte er am 6. Juni 1873 dem ehrenvollen Rufe der israelitischen Knltusgemeinde in Pilsen, woselbst er auch .außerhalb seiner Berufstätigkeit durch seine Friedfertigkeit, Leutseligkeit' und durch seine gewinnenden Umgaugsformen in den weitesten Kreisen sich Achtung und Wertschätzung erworben. :>• /■'•; Oberkantor Freisinger, der ewigjunge, glutvolle Säuger, besitzt ein mächtig aushallendes Organ, das durch seinen melodischen Wohlklaug und seine markige Fülle überwältigt und .entzückt. Er versteht es meisterhaft, den althergebrachten Melodien ein musikalisch-künstlerisches Gepräge zu verleihen und durch die ideale Verschmelzung von Wort und Ton, von Tradition, /und Modernen in der Rezitative das Herz der Betenden zu erheben und zu erschüttern. Sein feines Verständnis der Gebetsprache' beseelt nnö beflügelt seine markige Stimme und setzt -den vorgetragenen Worten jenes indifinite Licht auf, das sie wie ein zarter Heiligenschein umgibt. Die Seele des Gebetes erzittert in jener Zwiesprache mit dem Unendlichen und mächtig klingt sie aus dem visionären Timbre seiner ebenso schönen als -kräftigen Stimme wieder. Je höherer seine Stimme aufsteigen läßt, umso reiner und herrlicher . schlägt er den Triller und .umso, tiefer dringt er. in die Seele der Betenden. Doch nicht allein durch seine Glauzleistnngen auf künstlerischem Gebiete, sondern auch kraft seiner musterhaften religiösen Lebensführung, urie' durch seine nie ermattende- Pflichttreue im Dienste der -Gemeinde ist er eine gekannte und anerkannte Zierde seines Standes und mit gerechtem Stolz neunen seine Berufsgenossen ihn als -den Ihrigen, von. dessen Ruhm und Glanz ein Wiederschein auch ans ,sie fällt. Oberkantor Freisiuger hat den Kantorenstand .zu Ehren gebracht und auf ihn kann das Wort unserer Weisen .angewandt, werden. - ' -nöipö rin naaa pnan 8*78 oikn n8 .naab-öiparr 8b „Nicht der Platz ehrt den Mann, sondern der Mann .Bringt den Platz zu Ehren." Möge der verehrte Jubilar, der seinen Platz noch heute nach 40 jähriger Amtstätigkeit voll und ganz ausfüllt, diesen Platz noch lange zieren und schmücken! Pilsen, in den Tagen der Sefirah 5673. Dr. Link. Oesterr Ungar. Kantaren-Uerei«. Auszug des Protokolles der Sitzung vom 21. Mai 1913. An w e s e nd: Bauer, Schorr, Dünnmann, Jurberger, Schleifer, Schlesinger. Rosenberger. Friedländer. Kaufmann, Grob, Serebremk, Baffer. S.Kohn. Entschuldigt: Morgenstern. Vorsitzender: Präsident I. Bauer. Nach Verlesung des Protokolles wird zur Tagesordnung geschritten. Der Präsident berichtet, daß der Vorstand der israelitischen Ktrltusgemeinde in Wien dem Vereine eine Subvention pro 1913 gewährt hat. Die Mitteilung wird mit Befriediguttg und Dank zur Kettntttis genommen. Der Witwe Skolnik ans Stanislau wird im Sinne der Statuten ein Witlvenbeitrag bewilligt und gleichzeitig beschlossen, sich an die Gemeinde Stanislau schriftlich, wegen Zuweisung einer gebührenden Pension oder einen entsprechendett Beitrag zur Gründung einer Existenz für die sich in Not befindende Witwe nach dem langjährigen verdienstvollen Kantor zu wenden. I. Bizepräsidettt Schorr und Kassier Jurberger referieren über die Kaffagebahrung. Alle Wertpapiere, die alten und die tteu angekauften, sind in der Bank deponiert ivorden. Bezüglich der Aktion der Prager Kantoren ging die Anschauung dahin, daß es gewiß am Platze wäre, wenn die Repräsentanz der Prager Knltusgemeinde Ordnung bezüglich des Tranungswesens schaffen lvürde. Vorsteher Kaufmann berichtet über die dortigen ihm bekannten Verhältnisse und ist der Meinung, daß die Herren H. Kantoren, wenn selbe auch beit Titel Oberkustose führen — da sie auch kantorale Funktionen ansüben und oft die Oberkantoren zu vertreten haben — auch in ihrer Standesehre nicht verletzt werden sollen. Von verschiedenen Seiten wurde mit Befremden darauf hingewieseu, daß die Herren Kollegen in Prag nicht Mitglieder des Kantoren-Vereines sind. Es wird wohl erwartet, daß dies jetzt geschehen dürfte. - Nach Anregung verschiedener Standesfragen wird die Sitzung vom Vorsitzenden geschlossen. * * Die geehrten Herren Mitglieder werden ersucht, den Pflichtbeitrag für das verstorbene Mitglied Jsak Skolnik, Stanislau, raschest einsenden zu wollen. Ebenso wird gebeten, die restlichen Vereins- und Pflichtbeiträge u m g e h e n d z u z u s e n d e n, da der Vorstand ohne Rücksicht im S in n e der Statuten nt it der Ausschließung Vorgehen müßte. Zur Aktion der Prager Kantoren. Betreffs der Aktion der Prager Kantoren ist vom Vorstände der Altneu-SynagogefolgendeZnstimmnngskttndgebung eingelangt: V o r st a n d der A l t n e n - S y n a g o g e in Prag. Prag, den 5. Mai 1913. In Beantwortung Ihrer geschätzten Zuschrift beehrt sich der Vorstand der altehrwürdigen Altnen-Synagoge in Prag zu erwidern, daß die von den Bernfskantoren Prags und der Vororte eingeleitete Aktion zur Abwendung von Mißständen bei Ausübung der kantoralen Funktionen und zur Fernhaltnng unberufener Elemente die vollste Sympathie des gefertigten Vorstandes findet. Wir sind gerne bereit, die Herren Kantoren in ihrem Kampfe ums Dasein, welcher auch noch durch das Eindringen nnbernfener und unfähiger Elemente erschwert wird, ans das nachdrücklichste zu unterstützen, und bitten um Erstattung geeigneter Vorschläge, durch welche den von Ihnen gekennzeichneten Uebelständen gesteuert werden könnte. Mit vorzüglicher Hochachtung: Für den Vorstand: Dr. Sabat.

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