Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1913
- Issue
- Heft 7 (14.2.1913)
- Date
- 1913-02-14
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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. Bon- Babette Fried/ Prag. ° ' ' (Fortsetzung») . . Als der Träger noch immer schüchtern/an der Türe stand _ilnd ihre Ansprache/erwartete, zog sie - sich, mit raschem Griff Len- Schleier von ihrem Gesichte und trat ganz nahe an ihn Heran. ' ./ /. Blitzartig war das Erkennen gewesen und wie vom Blitzstrahle getroffen, taumelte er zurück, das Gesicht schamerglüht jnit beiden Händen bedeckend. r „Das ist schön, Herr Borgstein, daß ich Sie entdeckt Habe. Jetzt aber muß die Ihrer unwürdige Beschäftigung ein "Ende nehmen. Sie müssen jetzt in Kreise kommen, wie Sie ^hrem 'Bildungsgrade ziemen." „Lassen Sie mich, Fräulein, meiner Wege gehen, ich will niemals wieder die Ihren kreuzen." Er wandte sich ab, um ohne ohne weiteren Abschied das Zimmer zu verlassen. „Bleiben Sie, David," sagte Klara, indem sie seine Hand -faßte, nm ihn znrückznhalten, „ich habe viel an Ihnen gut zu .machen." „Ja, weiß Gott, Sie haben mein Lebensglück vernichtet." „Ich kann es wieder Herstellen, vertrauen Sie mir nur." , .„Vertrauen? Ich Ihnen, die Sie mich verraten haben? Ich habe ein edles Mädchen von Kindheit an gerne gehabt, sie war arm, aber sie hätte mir alle Schätze der Welt ersetzt, wäre ffie mein geworden. Der Widerstand meiner Eltern wäre zu beseitigen gewesen. Da kamen Sie dazwischen. Mit Sirenenkünsten haben Sie sich in mein Herz geschlichen, haben die reine, keusche Liebe, die ich für dieses edle Mädchen gefühlt, daraus verdrängt — dann haben Sie mich schmählich verlassen. Dies ließ mich nicht mehr unter den Meinen. Ich ging fort in die Welt, allein, .ans Nimmerwiedersehen. Als Toter werde ich von meinen Eltern betrauert — und das ist Ihre-Schuld, Fräulein! Wie können Sie es gntmachen?" „Durch Reue und Liebe. Komm, Geliebter, stiehe mit mir hinüber in die neue Welt. Meine Barschaft, mein reicher Schmuck .und mein sonstiges'Vermögen sichern uns genügende Existenzmittel im fremden Lande. Aber bald muß es geschehen, so lange .nicht meine Mutter, die unweit von hier weilt, davon erfährt. Sind wir einmal eingeschifft, dann sind wir sicher. Du bist 4ann Deine schwere Arbeit los. und ich die Fesseln, in die ich Mich ans Verzweiflung über Dein Fernbleiben schlagen ließ." „Sie sind nicht mehr frei?" „Hast Du denn die Karte nicht gelesen, die ich Dir vorhin gab?" . „Jawohl, aber anfangs kannte ich Sie nicht, später glaubte -ich, es wäre ein fingierter Name." „Laß das, und entschließe Dich noch heute." Tranrig antwortete David: „Bis jetzt bin ich bloß leichtsinnig und unbedacht gewesen. Jetzt soll ich noch schlecht werden, nnd die Frau eines Anderen entführen? Nein, niemals! Jetzt, gnädige Frau, haben Sfe das Vernichtnngswerk an mir vollsührt. Selbst das arbeits- und entsagungsvolle Leben, das ich chier führe, ist mir durch Ihre Dazwischenknnst verleidet worden. Ich muß fort von hier, um mir eine andere Heimat zu suchen. "Wo ich diese noch finde, das steht, bei Gott!" Der tiefe Schmerz, die grauenhafte Hoffnungslosigkeit, Welche in den Worten des jungen Mannes zum Ausdruck gelangten, hatte ans die leichtsinnige Frau einen tiefen Eindruck hervorgebracht. An sich und ihre verbrecherischen Wünsche hatte ffie gar nicht, gedacht oder eigentlich auf letztere verzichtet. Sie dachte nur daran, den jungen Mann, als dessen bösen Dämon -sie sich betrachtete, von seinem Pessimismus zu heilen, und ihn der Welt, das heißt dem Kreise, dem er seiner Bildung und seinem ganzen Wesen nach gehörte, wieder zu geben. Sie wußte, daß. der junge Mann, wenn er einmal dieses Zimmer verließ, 'sich auf immer ihrer und seines Vaters Nachforschungen entziehen würde. Darum faßte sie ihn an der Hand, um sein rasches Entfernen zu verhindern und sagte mit fester gehobener Stimme:! was'Wr soch^LMrocher^haben/ FM l habe -mich"^ von einer momeutanew Aufwallung zn einem. Vor» schlage verleiten lassen, der beleidigend für Sie, entehrend für mich ist. Ihre sittliche Entrüstung hat mir die Augen geöffnet, - und den. Weg gezeigt,den-ich wandelnsoll. Ich will, zu meinem I Manne zurückkehren, will versuchen, ihm mehr zu sein, E vor-; hetz Kehren auch Sie zu Ihrem Vater zurück, ' der/sich nr ntt- - gestillter Sehnsucht nach seinem einzigen Kirche verzehrt?' — —. „Schütteln Sie nicht,so trotzig Ihr Hatipt! Sie haben mehr! gefehlt, als gegen Sie gefehlt wurde." „Ich gefehlt? Worin denn?" „Ja Sie, und zwar gegen Ihre Eltern, denen Sie eine Stütze sein sollten, und im Gegenteil die Ursache grenzenlosen Kummers geworden sind." „Meine Mutter lebt nicht mehr, dies habe ich durch Zufall erfahren." „Ja, Ihre Mutter ist allem Erdeuleid entrückt. Und Ihr Vater trägt es mutig wie ein Philosoph." „Wie ein Narr," meinte David bitter. „Wer hat den geistreichen, gebildeten Mann zu einem Narren gemacht? Doch nur unverschuldetes Unglück. Und daß er in Ermangelung eines anderen Erwerbes wieder zu diesem greifen mußte, das war. ehrlich gesprochen, wieder Ihre Schuld." „Oder die Ihre," unterbrach sie David." „Auch die meine. Sie haben recht. Gar oft habe ich mir dieses unter' Tränen bitterer Rene selbst gesagt. Mein Stolz ließ es nicht zu, dies öffentlich zu bekennen. Aber während ich, das schwache Weib, nun daran gehe, meine Schuld nach Möglichkeit zu büßen, wollen Sie in Ihrem unglückseligen Starrsinn beharren, der weder Ihnen noch einem anderen zum Vorteile sein kann." „Was soll ich tun? Ich bin ein armer gebrochener Mann, der nichts mehr hoffen kann." „Sie sollen die Hand erfassen, die sich Ihnen zur Rettung darbietet." „Die Ihre?" „Nein, die würden Sie, und nicht mit Unrecht znrückstoßen, aber die Hand meiner, Ihnen trotz Allem wohlgesinnten Mutter. Versprechen Sie mir, so lange auszuharren, bis sie hierher kommt. Geben Sie selbst ein Telegramm an sie ans. Längstens morgen nm diese Zeit ist sie hier, und wird das Weitere verfügen. Versprechen Sie mir dies?" Tiefbewegt, stumm, reichte David der jungen Frau.die Hand, als Zeichen des Einverständnisses. (Fortsetzung folgt.) flu^utionen des ö|.~ung. Jiiuitoren-lereines. Eingezahlte Beiträge. Goldenberg. Marienbad, X 15.—, L. Kartschmaroff, Nagy-Kanisza, X 10.—, S. Kohn, Horazdowitz, X 8.-^,- S. Jelinek. Oberhollabrnnn, X 4.—, Jg. Saller, Breitenbrnnn. TL 2.—, S. Handgriff, Znaim, X 2—, Moritz Rosenfeld, Güssing, X 4.—, B. Singer, Jnngbnnzlau. TL 2.—, A. Freisinger, Pilsen. TL 4.—, A. Blum. Schlau, TL 4.—, M. Fuchs, Trebitsch. K 8.—, L. Schächter, Czernowitz X 10.—, I. Bauer, Wien, TL 9.—, Ph. Baßl, Wien, X 4.-—, S. Grob, Wien, TL 5.—, H. Lemberger, Wien. X 10.—, Ed. Regner, Wien, X 5.—, I. Bakon, Wien, X 2.—, Fr. Teltsch, Wien, X 8.—. Lewitin, Bisenz, K 20.—. An Spenden anläßlich des 60. Geburtstages des Präsidenten I. Bauer sind eingegangen: Kaufmann, Wien, X 25.—, Baffer, Wien, X 10.—, Jnrberger, Wien, X 20.—, Schlesinger, Wien, X 10.—. Die P. T. Mitglieder werden dringendst ersucht, die Pflichtbeiträge für das bernfsunfähig gewordene Mitglied H. Lemberger, Wien, sowie die fälligen Mitgliedsbeiträge im Sinne der Statuten umgehend an den Vereinskassier, I. Kantor S. I n r b e r g.e r, II., Tempelgasfe 3, zu senden. Der Vorst a nd.