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Die Wahrheit · 1910-11-04 · Heft 43 (4.11.1910) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1910
Issue
Heft 43 (4.11.1910)
Date
1910-11-04
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 43. Oesterr.-nngclr. Kantoren-Zeituug Seite 11. Die Herren Kollegen werden höflichst und dringendst ersucht, den Abonnementsbetrag sowie die eventuellen Rückstände umgehend einzusenden. Die gepfändete Synagoge. Zu welchen Konsequenzen das Uebelwollen eines Vorstandes gegenüber dem Knltnsbeamten führen kann, das zeigt die Geschichte vou der gepfändeten Synagoge in der elsäßischen 'Gemeinde Brumath. die jetzt durch alle jüdischen Blätter Deutschlands läuft. Der Straßburger Israel. Wochenschrift wird über diesen Fall folgendes aits Brumath geschrieben: „Zn einem unerhörten Sk a n d a l hat sich dieser Tage die Prozeßsache der hiesigen Knltusgemeinde ausgewachsen. Bekanntlich hat der frühere Kantor Klein, dem vor etwa sechs Jahren, als er sich nach bOjähriger Dienstzeit vom Amte zurückzog, da er infolge eine» schweren Augenleidens seinen Dienst nicht mehr versehen konnte, von der damaligen Kommission eine lebenslängliche Pension von 500 M. bewilligt erhalten, die ihm auch regelmäßig bis letztes Jahr ansbezahlt wurde. Da die jetzige Kommission sich trotz verschiedener Aufforderungen des Kvnsistorinms weigerte, die Pension weiter zu zahlen, beschritt Herr Klein den Klageweg und das Landgericht Straßbnrg entschied, daß die Gemeinde die Pension von 500 M. weiter zu zahlen und sämtliche Prozeßkosten, die eine sehr erhebliche Höhe heute bereits erreicht haben, zu tragen hat. Dieses Urteil hat damals in allen Kreisen lebhafte Befriedigung hervorgerufen, dies umsomehr, als sich alle rechtlich denkenden Menschen freuten, daß unserem hochverehrten und beliebten Herrn Klein, der sich um die hiesige Gememde verdient gemacht hat. Schutz gegen Ungerechtigkeit zuteil geworden ist. Man hätte nun glauben sollen, daß der Spruch des Gerichtes die Angelegenheit endgiltig aus der Welt schaffen würde, leider scheint auch vor dem Richtersprnch der Haß sich nicht beugen zu wollen. Der Vorstand der Gemeinde hat sich anscheinend nicht an das Urteil des Gerichtes gekehrt, denn dieser Tage sind nun die Synagoge und verschiedene sich in derselben befindlichen Gegenstände sowie bei zahlreichen hiesigen Familien die K n l t u s b e i t r ä g e gepfändet worden. Man kann sich lebhaft denken, welche tiefe Empörung wegen dieses unerhörten Vorfalls bei der hiesigen Bevölkerung, der nunmehr der Geduldsfaden zu reißen beginnt, platzgegriffen hat, aber auch in der ganzen Umgegend und in weiten Kreisen herrscht bittere Entrüstung über biefen unglaublichen Skandal, der wohl in der Geschichte unserer Gemeinden einzig dastehen dürfte. Es ist dringend notwendig, daß die Vorgesetzte Behörde ungesäumt und energisch eingreift, damit diesem Skandal ein Ende gemacht wird, und eine Kommission verschwindet, die durch ihr unglaubliches Verhalten diese Zustände herbeigeführt hat, die nunmehr anfzuhören haben. Bor den anderen Konfessionen bedeutet dieser Fall eine Schande, der nicht dazu beitragen kann, unser Ansehen zn heben, die Urheber der Affäre brauchen sich jedenfalls ans diesen traurigen Ruhm nichts einznbilden." Auf Intervention der Behörde, die schließlich doch eingreifen mußte, mußte die Gemeindeverwaltung vou Brumath von ihrem Amte znrücktreten und die Angelegenheit wurde bann gemäß dem gerichtlichen Beschlüsse applaniert. Die Ursache solcher nicht' vereinzelt dastehenden Zwistigkeiten in den Gemeinden soll mit dem seit einigen Jahren geänderten Wahlmodns der Verwaltungen der elsässischen Gemeinden liegen. Früher wurden die Verwaltnngskommissionen vom Konsistorium ernannt, während sie jetzt aus der freien Wahl der Gemeindemitglieder hervorgehen und da ist es denn auch ganz natürlich, daß in vielen Ortschaften Elemente in die Verwaltung kamen, die in keiner Weise befähigt sind, öffentliche Angelegenheiten mit dem nötigen Takt und nach Recht und Billigkeit zu leiten. Da hatte ein Verwaltungsmitglied einen persönlichen Feind in der Gemeinde. Was lag da näher, als seinem Gegner seine Macht fühlen zn lassen? Und gedacht, getan. Eines schönen Tages ist man in der Synagoge. Der Gegner macht irgend eine Bemerkung zu seinem Nachbar. Das genügt dem neuen „Ratsherrn", um seinen Feind bei der Polizeibehörde zu denunzieren. Es kommt zum Prozeß. Der Rabbiner, der Kantor, der Synagogendiener, die Gemeindemitglieder werden als Zengen geladen, und der Skandal ist fertig. Wie die Dinge in Brnmalh liegen, wissen wir nicht genau. Aber wir gehen wohl kanm fehl in der Annahme, daß es sich auch hier im letzten Grunde einfach um persönliche Geschichten handelt. Und wir mögen hingehen, wo wir wollen, alle Skandalaffären. die in der letztvergangenen Zeit, sowohl im Unter-Elsaß wie im Ober-Elsaß luie in Lothringen, vorgekommen sind und noch immer Vorkommen, lassen sich in der Regel ans persönliche Zwistigkeiten znrückführen. Hier ist es der Kantor, der dem oder jenem nicht paßt, dort der Synagogendiener und an einem anderen Orte der Rabbiner. Und weit der eine oder andere dieser Knltnsbeamten so viel Selbstbewnßtsein hat, daß er es nicht für nötig findet, vor jedem Einfaltsptnsel. selbst wenn er Mitglied oder sogar Vorsteher einer Synagogenkommission ist, zu Boden zn kriechen, muß er bestraft, seines Amtes enthoben, seiner Pension beraubt werden. Ja. wenn es möglich wäre, würde man ihn sogar nach Sibirien expedieren. Wir stimmen mit den Anschauungen des früher von nns zitierten Blattes nicht ganz überein. Ob gewählte oder ernannte Vorsteher, das ist für die Knltnsbeamten so ziemlich gleich und wenn sie den Uebergriffen. denen sie von dieser Seite ansgesetzt sind, wirksam begegnen wollen, so gibt es dagegen nur ein Mittel und das heißt: Organisation. Wiener Kantorrnklud. Die erste Zusammenkunft im Klub nach den Feiertagen fand Montag, den 31. Oktober. 6 Uhr abends, unter sehr starker Beteiligung statt. Fast sämtliche Wiener Kollegen waren anwesend, nach langer Zeit auch wieder Oberkantor G u t tm a ü n und als Gast von auswärts Oberkantor L ö w y ans Mähr.-Ostran. Den Vorsitz führte kaiserl. Rat Oberkantor Singer. Zunächst wurde Bericht erstattet über die Schritte, die der Kantorenverein bei der Behörde behufs Kreierung einer Kantoreuschule eingeleitet hat. und die diesbezüglichen Mitteilungen des Vereinssekretärs Dr. L ö w y, der die Möglichkeit einer Aktivierung der Anstalt in Aussicht stellte, fanden allseits freudige Aufnahme. Nach Besprechung einiger derzeit aktueller Personalsragen berichtete Oberkantor Baue r über eine Anregung des Präsidenten des kroatischen Kantorenvereines Oberkantor Rendi in Agram, dahingehend, daß eine Vereinigung sämtlicher kantoralen Organisationen behufs Durchführung gemeinschaftlicher Aktionen angestrebt werde. Der Anregung wurde lebhaft zugestimmt und Oberkantor Löwy in Mähr.-Ostran versprach, auch unter den Mitgliedern des Mähr. Kantoren- Vereines für diese Idee Propaganda zn machen. Schließlich wurde über das Winterprogramm der Zusammenkünfte im Klub debattiert und beschlossen, alle 14 Tage einen fachlichen Vortrag zu halten, deren ersten kais. Rat Oberkantor Singer zngesagt hat. Die Zusammenkünfte finden von nun ab jeden Montag 6 Uhr abends im Cafe Maendel, Praterstraße 33, I. Stock (Klubzimmer), statt. Austritte aus dem Judentum. H e r m a n u Haus Richard, Kaufmann, geb. 8. Februar 1884 m Wien, IV. Rainervlatz 2. Stern Jenny, Privat, geb. 5. September 1883 in Wien, II. Hillersdorfgasse 1. Müller Richard, Privat, geb. 26. Juli 1864 in Prag. I. Fleischmarkt. A l t m a n n Martha, geb. 16. Dezember 1883. in Prag, I. Opernring 8. T o d e s k o Alice, geb. 20. Juli 1882 in Wien. III. Obere Bahngasse 20. Fröhlich Johanna, Private, geb. 16. März 1879 in Wien, VUL Bennogasse 1. P i cf Otto. Kutscher, geb. 17. Juli 1889 in Wien. X. Angeligasse 32. Heim Rudolf, Gemischtwarenverschleißer, geb. 20. August 1884 in Wien, VI. Mariahilferstraße 115. Herz v. Herten rieb Herta. Private, geb. 22. Mai 1857 in München. I. Stadiongasse 4. H o f m a n n Olga, Beamtin, geb. 16. Dezember 1884 in Wien, I. Franz Josef-Kai 41. Tauber Ernst, geb. 8. Februar 1831 in Wien, Zuschrift des Linzer Magistrates.

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