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Die Wahrheit · 1910-10-28 · Heft 42 (28.10.1910) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1910
Issue
Heft 42 (28.10.1910)
Date
1910-10-28
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 42. Die Wahrheit Seite 9. Moses. Bon Babette Fried, Prag. (Schluß.) Als ihr aber Vas unablässige Flehen des verstoßenen -Gatten-schon lästig wurde, sprach sie: „Laß ab von mir, Unwürdiger! Du hast dich einst vermessen, die Hand nach einer Königstochter auszustrecken. Die Liebe dieser Törichten hat dir einen Platz zunächst dem Throne -angewiesen. - Du warst der Erste nach Pharao. Schlecht aber hast du ihr diese Liebe gelohnt. Du hast sie verraten und in den Armen von Bnhlerinnen ihrer vertrauensvollen Liebe gespottet. Als ich dies ersnhr, glaubte ich vor Schmerz rasend werden zu müssen. Aber ich gewöhnte mich an den Gedanken deiner Treulosigkeit; ich war nahe daran, dir zu verzeihen. Daß du aber derart verworfen bist, die heilige Unschuld eines Kindes deiner Sinuenlust opfern zu wollen, das kann ich dir niemals vergeben. Jetzt gehe fort von hier, so lange du es als freier Mann noch kannst, so lange mich meine Milde nicht reuet. Verlassest du aber nicht in kürzester Zeit den Ort, den du durch deine Gegenwart entweihtest, so rufe ich meine Diener herbei, welche dich in Fesseln von hier fortführen." Schweigend erhob sich der von seiner fürstlichen Gemahlin Verstoßene, und nachdem er noch einen Kuß ans den Saum von dem Gewände gedrückt hatte, verließ er gesenkten Hauptes die Hütte des Lewiten. Jetzt ließ die Prinzessin ihre Blicke in dem Gemache -umherschweifen. „Wo ist mein Kind, Weib?-' wandte sie sich an die in Ghrfnrcht vor sich neigende Jachebed, ,,ich sehe es nirgends." Jachebed schlug einen Vorhang zurück, der eine Ecke der Stube von dem andern Teile derselben trennte, und wies auf -eine zierlich gesiochtene weiche Binsenmatte, auf welcher, eingehüllt in weißes Linnen, ein holdes Knäblein ruhte. Aus Besorgnis, es zu wecken, hauchte die Pharaonentochter einen sanften Kuß auf die Stirne des Kindes, und zog -eigenhändig den Vorhang wieder über dasselbe. Mit leiser Stimme und einer Vorsicht, wie sie nur.die zärtlichste Besorgnis hervorbringt, sprach die Prinzessin zu Jachebed: „Es war meine Absicht gewesen, dein Hans derart einzurichten und auszuschmücken, daß es würdig fei, meinen Sohn Lu beherbergen. Aber ich fürchte, daß es nicht Sicherheit genug für ihn bietet. Darum mache dich bereit, mit ihm in den königlichen Palast zu kommen, wo du ihn in meinem Harem in vollster Sicherheit pflegen kannst. Auch wäre es mir dann möglich, ihn jeder Zeit sehen, und mich an seinem Gedeihen freuen zu -können." Statt des Ausdruckes größter Freude, wie es die Prinzessin erwartete, prägte sich tiefe Betrübnis auf den Zügen der Mutter aus. „Dein Wille ist mir Gebot, hohe Frau! Aber wie kann ich meine Mirjam, dies schwache Mädchen, hier zurücklassen, allein und schutzlos? Können sich nicht Auftritte', ähnlich dem vorigen wiederholen? Der Vater verbringt den ganzen Tag im Frohndienst, und das Mädchen, halb Kind, halb Jungfrau, wäre der Willkür jedes Einzelnen preisgegeben, ohne daß jemand zu seinem Schutze da wäre." Die an keinen Widerspruch gewöhnte Fürstin faltete bei diesen Worten des hebräischen Weibes unmutig die Stirne. Doch bald siegte das bessere Gefühl in ihr und unter dem Eindrücke der eben erlebten Szene sprach sie: „Dein Gatte soll vom Frohndienste befreit sein und die Ehre feiner Tochter schützen, während du mit meinem Sohne an den königlichen Hof ziehest." So geschah es auch. Als Fürstensohn wurde der zu großen welterschütternden und weltbeglückenden Taten Ausersehene am königlichen Hofe erzogen. Daselbst hatte ihm seine hebräische Mutter die Liebe zu seinem geknechteten Volke eingeflößt. Die ihm später als Gefährtin zugeteilte Leah hatte ihm in Erzählungen und Liedern die Geschichte seiner Ahnen mitgeteilt und sein empfängliches Herz für die Leiden seines Volkes entflammt. So kam es, daß er langsam aber stetig seiner hohen Bestimmung entgegenreifte. Manche der Lehren, welche der, der Priesterkaste eingeweihte Jüngling empfangen, die Mysterien, in welche er eingeweiht wurde, hatten seinen Geist erschlösset!, und für die großen Ziele, denen er zustrebte, fähig gemacht. Die Wissenschaft. die ihm am königlichen Hofe eingeprägt wurde, war eine Vorbereitung zu den bedeutungsvollen Dingen, die er, vom göttlichen Geiste beseelt, dereinst verbringen sollte. Durchdrungen von seiner hehren Aufgabe, die Befreiung seines geknechteten Volkes von unerträglicher Sklaverei, der Erschließung von Kultur, Sitte und Gottesfurcht für dasselbe, hatte er dennoch nicht vergessen, daß er sein Leben und seine Erziehung der Tochter Pharaos verdankte, und er hat bis au deren spätes Ende der edlen Basjah eine kindliche Zuneigung und unwandelbare Innigkeit bewahrt. Biel später noch dankte er es der gütigen Vorsehung, daß dieser edlen Frau Kindersegen versagt geworden. Dadurch war ihr der Schmerz erspart geblieben, gleich den andern ägyptischen Müttern ihren Erstgeborenen dem rächenden Würgengel opfern zu müssen; denn dieser zog im Lande herum und verschonte so wenig den Erstgeborenen und mutmaßlichen Thronerben Pharaos, als den Erstgeborenen in der Hütte der verachteten Fellahs. Nur die Schwelle der Hebräer, welche dem göttlichen Gebote gemäß, ihre Türpfosten bezeichnet hatten, überschritt er schonend. Den einstigen Gemahl seiner Pflegemntter, dessen Verrat einst seine Aussetzung verschuldete, war der jugendliche Moses noch einmal begegnet, doch ohne ihn zu kennen. Von seiner Gemahlin verstoßen, vom königlichen Hofe verbannt und aller seiner Würden enthoben, hatte dieser Elende ein abenteuerliches Leben geführt. Den Stamm der Hebräer, dem er die Schuld für seinen Fall zuschob, haßte er aus ganzer Seele, und betätigte diesen Haß, indem er die Angehörigen desselben überfiel, so oft sich ihm Gelegenheit dazu darbot. Bei einem solchen Geivaltakte, wo er eben einen Israeliten bedrohte, wurde er von Moses beobachtet. Dieser, ein achtzehnjähriger Jüngling war eben hinausgegangen. um seinen unglücklichen Brüdern Mut zuzusprechen und Hoffnung einzuflößen. Von heiligem Eifer entflammt, und im Bestreben, den Unterdrückten von seinem Dränger zu befreien, hatte er im Zweikampfe den einstigen Gemahl seiner Pflegemutter getötet. Diese Handlung war die Veranlassung, daß der heldenmütige Jüngling ans seinem bisherigen Vaterlande fliehen mußte. In der Wüste, wohin der Flüchtling seine Schritte lenkte, wurde er von einem äthiopischen Nomadenstamm gastfreundlich aufgenommen. Dort in der Stille und Einsamkeit des Wüstenlebens wurde das große Werk der Befreiung vorbereitet, besser und vollständiger, als es an dem glänzenden itud geräuschvollen Fürstenhofe geschehen wäre. Wiener Kimlorenklnb. Die erste Zusammenkunft nach den Feierlagelt im Klub der Wiener Kantoren findet Montag, den 31. Oktober, 6 Uhr abends, im Cafe Maendel, II, Praterstratze 33, I., Stock (Klublokal) statt und io erden hiemit sämtliche Wiener Kantoren eingeladen, an derselben teilzunehmen. Auch auswärtige Kantoren find als Gaste herzlich st willkommen. Die Klubleitung. Vereins-Zahnarzt Dr. Max Weisz. Wien, II., Circusgasse 47. Ordination von 9—6. Telephon 18390.

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