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Die Wahrheit · 1909-09-15 · Heft 37 (15.9.1909) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1909
Issue
Heft 37 (15.9.1909)
Date
1909-09-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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ahrcheil Redaktion und Jldminisiration: Wien, II/, N-ivaraqasse 27 Telephon der Druckerei 15302. K. k. öslerr. Vostsparkassa- Scheck-Konlo Jlr. 1000.918. Inserate: Tie viermal gespaltene Nonpareille-Zeile 25 Heller., Abonnements-'und Jnsertionsberräge sind in Wien zahlbar und klagbar. nakhängige Herlschnst für jüöische MlereA'eir. Erscheint jeden Ir eilag. Motto: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!” Vezngspreis:!i Ganzjährig.K 14.—!' Halbjährig.K 7.— li j’ Für Shiltu$beamte: ij Ganzjährig.K 10. — Für Ausland: Ganzjährig.8 Mark 6 Rubel oder 16 FrcS. Ur. B1?. Wien, 15. September 1009. Inhalt: Neujahr. — Gedenkblatt 5669. — Das schlummernde Israel. — Tempel- und Kautorjublläum. — Der Antisemitismus iu Ruklaud. — Zur Kantorenbeweaiing. — Der Ueber-Ueber-Chossid. — Nerschiedene Nachrichten.— Feuilleton: Ein neues Licht. — Rösch haschono.— „Polen". — Synasiogeugejänge. — nm^ nisrnrn hot Den geschätzten Lesern, Mitarbeitern und Freunden unseres Blattes entbieten wir zum Jahreswechsel die herzlichsten Glückwünsche. Die Redaktion. Uenjahr! El eloba dolfo eni! Nach Gott sehnet sich mein Auge! So rufen mit mir wohl tausende begeisterte Juden, doch wie steht es mit unserer Gesamtheit? Der Talmud bemerkt: osur lignow daas sckel berios afilu dato scliel akkum, es ist verboten, die Menschen zu täuschen, selbst einen Heiden darf man nicht täuschen und im unklaren lassen über Dinge, die einmal doch aus Licht kommen. Das Judentum entbehrt heute! jeder Festigkeit nach i n n e n und a u ß e n. Als es sich im j heurigen Jahre um die Schaffung einer jüdischen Oberbehörde! handelte, da zeigte sich unsere Zerfahrenheit und Schwäche:! mar so^var bocbe uinar sowar bocbe. Der eine zog her, j der andere hin und der dritte, der schadenfrohe Gegner lacht! Wohin wird es denn führen, wenn der Zerbröckelung des Judentums nicht Einhalt getan werden kann? Die Folgen zeigen > sich täglich in geradezu erschreckender Weise: Abfall, Jndiffej rentismus ans allen Seiten. Wohl waren derartige Erscheinungen j stets zu beobachten, doch heute scheinen sie den Höhepunkt er-! reicht zu haben. Darum soll der Posannenschall der Klage über i solche Zustände Israel ausrütteln. Jeder soll seinen Bruder für der Väter hehren Glauben, für die Einfachheit und Größe unserer Lehre nach seinen Kräften gewinnen und begeistern und das! Gefühl unserer Zusammengehörigkeit wachrufen, es steigern und zur , Höhe des kraftvollen Lebens bringen, daß es nimmer erlösche.! Ascbre hoom jodea seruo. Heil dem Volke, das diese j gellenden Mahnrufe versteht und sich zu seinem Gotte ausrafft! > Mögen wir uns alle fest znsammenschließeu und über Meinungsj Verschiedenheiten und Nebenfragen nicht unsere Zukunft vergessen! j Mögen die Schofarklänge ein Weckruf sein, der die Schwachen! und Mutlosen stärkt, die Starken und Mächtigen an ihre Psticht! gemahnt! In den traurigen Tagen der täglich wachsenden! inneren und äußeren Not sollen wir auch von unseren Gegnern,! wie von jedermann, Kleinarbeit lernen! Ziehen wir hinaus; in bedrohte Länder zu unseren Brüdern, um sie zu stärken durch unsere Teilnahme, und sie zur Ausdauer zu ermutigen in schwerer Not! Sammeln wir die zerstreuten Kräfte, Helsen wir rasch und ausgiebig, um vorwärtszukommen! Das ist kesrwob wacbasimo to-wo, das ist unser Anteil an der Besserung im neuen Jahre! Hört es, Ihr Mächtigen, Großen und Maßgebenden! Wir schätzen Euch und blicken hilfesuchend zu Euch empor! Seid dessen eingedenk, daß mit der Jugend die Zukunft uns gehört, daß die kommenden Jahre uns mit der Erhaltung der Jugend erhalten sind, daß wir mit den Jungen und den Alten zusammen vorwärtsschreiten. Nur mit der Begeisterung der Jugend ist unsere Zukunft gesichert, ist uns Dauer und Festigkeit gegeben. Möge also die Jugend wieder gewonnen und begeistert werden! Die Wege und Mittel sind mannigfach, jeder sei ein Kämpfer und Streiter für unser Volk! Der Vater nehme das Kind und in einem Augenblicke der Sammlung zeige er ihm an seiner Lebensgeschichte und der seiner Groß- und Urgroßeltern Gottes Walten und Führen, Gottes Größe und Güte gegenüber Israel! Die Mutter versäume nicht, die Tochter in jeder Weise ans ihren Berns als jüdische Frau nnd Mutter vorzubereiten und so sie dem Judentum als Stütze und Hilfe zu gestalten. Bessob su iscbto, sein Haus, das ist seine Frau, sagt die Mischna, und besser kann man nicht die große Auffassung von unserer Frau anssprechen. Des Hauses Mittelpunkt und ganzer Inhalt sei die Frau! Sie sehe darauf, daß badliku es haner des Sabbats und Festes Licht im Hanse leuchte, Begeisterung und Liebe zu unserem Stamme im Hanse gepflegt und ins Leben mitgegeben werde! Ja. Ihr Frauen, tut. was Ihr den Manerl Eurer Angehörigen schuldet, gedenket des Beispiels Eurer Mutter, die die Stütze und Kraft ihres Mannes und ihrer Kinder, in inniger Frömmigkeit nnd Hingebung der Väter Glauben betätigte und förderte! So macht es auch Ihr jungen Frauen, zeigt Euch würdig der großen Vergangenheit, der hehren Lehre unseres Gottes und ebnet der Zukunft eine Bahn! Und Ihr, Jünglinge und Jungfrauen, gedenket doch ein wenig auch Eures Stammes, Eurer Vergangenheit nnd der Bestimmung, der Väter heiligt Erbe zu besitzen! „Erwirb es, um es zu besitzen!" Macht es zu Eurem geistigen Eigentum, um es als Besitz zu schützen! Erst erwerbet das Wissen der Thora, dann wird ihr Besitz Euch beglücken! Widmet eine Tagesstunde Eurem Gotte, seiner Lehre urd unserer Gesamtheit! Mehr wollen wir nicht, da Ihr selbst mit der Zeit und dem fortschreitenden Verständnis schon von selbst mehr Lust empfinden werdet. Unsere Zeit ist leider dem religiösen Empfinden sehr abgeneigt. Viele schämen sich ihres Glaubens, viele wollen vor der Welt nicht als „klerikal" gellen, als ob man bei strengster Beobachtung des heiligen Glaubens nicht auch der fortschrittlichste Manu sein könnte. Wir werden von unseren nichtjüdischen Mitbürgern, mit denen wir zumeist durch gemeinsame Erinnerungen. Schulen und sonstige Beziehungen verbunden sind, keineswegs

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