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Die Wahrheit · 1909-05-07 · Heft 18 (7.5.1909) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1909
Issue
Heft 18 (7.5.1909)
Date
1909-05-07
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 18. Oesterr.-migar. Kantoren-Zeitung Seite 11. Die Kautorrn und der Gemeind etag. Der „Oesterr.-nngar. Cantoren-Vereiu" hat an den in Wien abgehaltenen Gemeindetag folgende Eingabe gerichtet: „In dem dem Gemeindetage vorliegenden „Entwurf eines Gesetzes für den Ausbau der Regelung der äußeren Rechtsverhältnisse der israel. Religionsgesellschaft", erscheint das vom österr.-ungar. Kantoren-Verein in einer motivierten Eingabe an das vorbereitende Komitee gestellte Ansuchen, dem Kantorenstande eine Vertretung in der zu schaffenden Gesamtorganisation der österreichischen Judenschaft einzuräumen, nicht berücksichtigt und auch in jenen Bestimmungen des Entwurfes, wo vom Kantor die Rede ist, ist demselben die ihm vermöge seines Berufes als Träger des jüdischen Gottesdienstes gebührende Würdung nicht zuteilgeworden. Infolgedessen sieht sich der gefertigte Verein genötigt, im Namen und im Aufträge der Gesamtheit der Kantoren Oesterreichs gegen die vorliegende Fassung des Gesetzentwurfes vor dem Gemeindetage Protest zu erheben und demselben folgende Vorstellungen zu unterbreiten: In allen Staaten, in denen für die Juden Konsistorial- oder ähnliche Repräientativverfassnngen bestehen, ist neben dem Rabbiner, als dem Seelsorger der Gemeinde, auch dem Kantor, als gottesdienstlichem Funktionär, Sitz und Stimme in der Vertretung der Gesamtheit durch Wahl oder Ernennung eingeräumt. Wenn nun bei Abfassung des vorliegenden Entwurfes die Ausschaltung der Kantoren damit begründet wurde, daß es sich hier nicht um die Schaffung einer religiösen, sondern einer mehr politischen Organisation handle, so muß entgegen diesem Standpunkte darauf hingewiesen werden, daß der Entwurf nach den Ausführungen des Motivenberichtes vornehmlich den Ausbau der inneren Organisation der jüdischen Kultusgemeinden bezweckt, daß den Organen der Repräsentanz, wie Landesverbände und Reichsverband zahlreiche, die Interessensphäre des Kantoren und Kultusbeamten stark tangierende Äugenden zugewiesen sind und daß insbesondere Fragen, welche die Ausbildung von Kantoren, die Festsetzung der von den Bewerbern um dieses Amt nachzuweisenden fachlichen Qualifikation, die Organisierung von diesbezüglichen Lehranstalten, die Feststellung von Lehrplänen und Prüfungsordnungen, die Sorge für die standesgemäße Besoldung rc. betreffen, mit Umgehung der eigentlichen Fachkreise und durch Laien allein eine gedeihliche und zweckmäßige Lösung nicht finden können. Zudem darf nicht unerwähnt bleiben, daß mit Ausnahme einiger weniger Großgemeinden in der weitaus überwiegenden Mehrzahl der österreichischen Knltnsgemeinden die Kantoren nicht nur die für jede Gemeinde uuerläßlichen Funktionäre des Gottesdienstes sind, sondern auch das Amt des Religionslehrers, Sekretärs, ja oft auch das des Rabbiners versehen, gewissermaßen also in einer Person den gesamten Kultusbeamtenstand repräsentieren, und daß somit eine ihnen zuerkannte Vertretung in der Organisation nicht nur einen Akt der Gerechtigkeit gegenüber den Kantoren, sondern implizite gegenüber der gesamten Knltusbeamtenschaft bedeuten würde. Aus diesen Erwägungen wird dem Gemeindetage die Bitte unterbreitet, die §§ 6, Absatz 1, 18 b), die über die Zusammensetzung der Landesverbände und des Reichsverbandes abhandeln, dahin zu ergänzen, daß auch auf die Vertretung des Kantorenstandes Bedacht genommen werde. Als eine verletzende Mißachtung und Zurücksetzung des Kantorenstandes müssen wir es auch betrachten, daß in jenen Paragraphen des Entwurfes, wo die einzelnen Knltusfunktionäre aufgezählt erscheinen,' der Kantor, der in jeder Gemeinde der erste und wichtigste Funktionär nach dem Rabbiner ist, vollkommen übergangen wird, oder wo seiner Erwähnung geschieht, ihm nicht der ihm gebührende Platz neben dem Rabbiner eingeräumt wird. Wir ersuchen daher um betreffende Ergänzung und Textänderung des § 20, 11t. h), Absatz 1 und 2 sowie des § 31, damit der Oberrat berechtigt sei, Vertreter des Kantorenftandes bei Entscheidung von kantoralen Fragen als außerordentliche Mitglieder zur Abgabe eines Gutachtens zu seinen Sitzungen einzuladen. Der Einsicht und dem Gerechtigkeitssinn des Gemeindetages vertrauend, erheben wir die vorstehenden Petita namens der Gesamtheit der Kantoren Oesterreichs und hoffen, daß einem Stande, dem zwei so wichtige Gebiete des jüdischen Gemeindelebens, wie Gotteshaus und Schule auvertraut sind, bei Schaffung einer Gesamlorganisation die ihm gebührenden Rechte nicht voreuthalten werden." Dem Proteste des Kantoren-Vereines haben sich nachfolgende Kantoren angeschlosfen: B r o d A.-Prag. B ä h r-Jägerndorf. B o ch n e r-Bielitz. Bloch- Winterberg. B e n e f ch - Klattau. Baffer- Wien. Bassel- Wien. B a r b a s ch - Kremueun. B e r m a n - Leipnik. Blnm-Schlan. Bauer-Wien. Beinkeles-Staab. Brunuer- Jglan. B r a u n f e l d-Holleschau. B r e i n i g-Prag. C h e i tm a n n - Suzawa. Deutsch -Osvieczim. E r z b e r g-Leitmeritz. E i s n e r - Königgrätz. E i b e n s ch ü tz - Wien. Erber- Saaz. Fuchs D.-Wien. Friedlände r-Olmütz. F u ch s-Trebitsch- F r e i s i n g e r-Pilsen. F u ch s-Prerau. F i n g e r h u t-Prerau. F r i e d l - Dürrmanl. F r i e d l - Komotau. Falk-Mödling. F r i e d l ü n d e r - Wien. G u t m a u n - Wien. G r y b - Aussig. G r ü n w a l d-Klattan. G r ü n w a l d-Göding. Grünblatt- Jägerndorf. G o l d m a n n - Bielitz. G i e b l i ch m a n n-Wien. G o ldenberg-Lnndenburg. G ottlieb-Obercerekwe. Grünfeld- Wien. G u t m a n n - Prag. G e i r i n g e r - Gablonz. G r u s ch k a - Prag. G o t t l i e b - Prag. G o l d e n b e r g - Marienbad. G r ü n st e i n - Kojetein. G o l d f ch e i d-Nenmarkt. G o l d m a n n-Ostrau. G r o b-Wien. Hir f ch-Preloutsch. Herzka- M. Anssee. Horn- Graz. H a n d g r i f f-Znaim. H e i l p e r n - G. Jenikan. H a b n - Teschen. I e l l i n e k - Oberhollabrunn. I l l m e r - Oderfurt. Insel- Piesling. I u r b e r g e r - Wien. K o h n E.-Ung.-Hradisch. K o h n B.-Böslau. K l ä g e r-Wien. Kramer- Klosterneuburg. K o h n -Wien. K o r u f e l d-Pilsen. K o h n-Salzburg. Kräusle r-Anspitz. K n r z w e i l-Falkenau. Klauber- Neustadt. K o r n st e i n e r - Jglau. Koruitzer- Prag. K l ä g e r-M.-Ostrau. K o r u f e! d-M.-Ostrau. Krau s- Prag. L u st i g W.-Ung.-Hradisch. L ö w y -M.-Ostrau. L ö w y- Kohljanowitz. L ö w - Brüx. L ö w e n s o h n - Eibenschütz. Sandall - Wien. Löwenfohn - Saaz. Löwensohn - Linz. Lederer- Teplitz. Ledere r-Eger. Samberg» Kolin. Lewitin - Neunkirchen. L ö w i t -Wien. L ö w y - Freistadt. M a t y a s-Wien. M o o r-Prag. M i ch a l o v s k y-Holeschau. M i r s k y-Prag. Liebe u-Wottitz. Nähnadel - Pardubitz. Presse r-Kuttenberg. P r e i ß N.-Jereth. P r e tz u e r-Leipnik. P i s k a t i - Linz. P e k a r n i k -Wien. P o b o r s k y - Teschen. R o s e n f e l d - Butschowitz. R o t h w e i n - Wien. R o s n e r - Biala. R e i ch a r d - Kremsier. R e i n k r a u t-Kanitz. Reiser- Neuern. Reiche r-Beneschau. Reine r-Saaz. Rech t-Krems. R o t t e r - Wien. R i ch t m a n n-Lann. Rubi n-Prag. R abbin o w i t s ch- St. Pölten. R o s n e r-Hermanmestez. Rosen- Straßnitz. R e i c i n-Straßnitz. R a b b i n o w i ch - Boskowitz. Regner- Mistelbach. S ch w a g e r-Czernowitz. Schechter- Czernowitz. Schlesinger - Wien. S e l e n k o - Freiwaldau. S i l b e r s ch ü tz - Neutitschein. Singe r-Wien. Singerm a n n-Troppau. S ch l e s i n g e r-Troppau. S ch o r r-Wien. S o s e r-Trebitsch. S t o e ß l e r-Olmütz. Singe r-Jungbunzlau. S t e i n her z-Linz. S t e i n h a r d-Nenbydschow. Seifert- Baden. S t e i n b e r g - Bischofteinitz. S t e i n - Postelberg. Smotritzky - Wien. Stern- Austerlitz. S ch r e ck e r - Neubydschow. Schwarz- Prag. S ch a p i r a - Horodenko. Schmitz- Göding. S ch l e i s f e r - Wien. Schlesinger- Olmütz. S t ö ß l e r - Olmütz. Schn eider - Kohljanowitz. S a m e k -Schüttenhofen. U r i ch - Neutitschein. U e b e r a l l - Wscherau. Weißmau n - Wien. Weinberg - Dornavatra. W e i ß g a r n-Eibenschütz. Weiß- Wien. Werdisheim- Stockerau. W i. l k o w i l s ch - Eger. Weiß- Jglau. Weißmann- Ung.-Brod. W o l f e n s o h n-Eiwanovitz. Die Eingabe wurde am Gemeindetage vollinhaltlich zur Verlesung gebracht. Die betreffs der §§ 6, 18 und 31 ausgesprochenen Wünsche wurden abgelehnt und nur die Änderungen des § 20 angenommen. Trotz der Ablehnung werden jedoch die Kantoren mit allen gesetzlichen Mitteln die von ihnen angesprochenen Rechte weiter anzustreben suchen.

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