Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1908-11-27 · Heft 46 (27.11.1908) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1908
Issue
Heft 46 (27.11.1908)
Date
1908-11-27
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/3062972-3063418-3063464--05783-3072733
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Die Wahl Heu Seite 11 Ar. 46 folgt dann eine Zusammenstellung der Bnchstaben nach ihrer äußeren Aehnlichkeit, um so BerwechSlnngen vorzubeugen. und schließlich eine Tabelle der l a u t v e r w a n d t e n Zeichen. Ans diese Weise ist es dem einigermaßen aufgeweckten Kinde leicht ermöglicht, sich gleich wieder in das Lesen einzngewühnen. Wir wollen hoffen, daß bei einer zweiten Auflage dieses nützlichen Lehrbehelses auch die Vokalzeichen und das Zch'wa mit einigen Beispielen, wo sämtliche Lantzeichen vertreten sind, beigefügt werden, mit so allen, auch den rigorosesten Anforderungen, Nachkommen zu können. Das handliche, in schönen Farbenzeicheit ansgeführte Lesezeichen sollte in keinem Hause fehlen. Die Herren Lehrer aber sollten es besonders braven Schülern als Aneifernng für die anderen als Belohnung verteilen. Man kamt das schöne, in Form der Zehngebotetafeln ansgesührte Kärtchen um 20Heller von den Buchhandlungen beziehen. A.H.L. Kirre gebildete Irau. Bon Babette Fried. Erstes Kapitel. Das Eckhaus, in welches wir unsere freuudlichen Leser sichren, wurde wohl mit dem pompösen Namen eines stockhohen Hauses bezeichnet, in Wirklichkeit bestand es doch bloß ans einem Souterrain und einem Hochparterre, welch letzteres man ans kleinstädtischer Artigkeit die Bel-Etage benannte, während zu dem sogenannten Parterre einige Stufen abwärts führten. Nachdem sich ein größerer Teil unserer Erzählung in diesem Hanse, und zwar in den unteren Lokalitäten abspielt, so müssen wir wohl diesem Raume eine größere Ansmerksamkeit znwenden. Die von der Straße ans hinnnterführenden vier Stnsen waren im Lause der Jahre ganz ausgetreten und wacklig geworden, so daß sich der Eintretende recht vorsichtig bewegen mußte, um nicht hinnnterznpnrzeln und die Glastüre zu durchbrechen. die in den irnteren Raum führte. Beim Oeffnen dieser Türe ertönte der schrille Ton einer Glocke, welche über derselben angebracht ist, um den Bewohnern die Ankunft des Fremden .nizuzeigen. Denn der Raum, der betreten rvird, ist ein Äeschäftsladen, und zwar eine Buchhandlung und ein Papiergeschäft. In t>eu schmalen Regalen, welche längs der Wand zur rechten Hand ausgestellt sind, befinden sich Bücher, meist in hebräischer Sprache, diverse Ausgaben von Bibeln und allerhand jüdischer Lehrbücher, sowie die zahlreichen der jüdischen Liturgie dienenden Bücher und Broschüren, als da sind: „Sidnrim, Machsorim, Kines, Megiles Sstichos, Hagadahs und T'chines," verschiedene Ritualien als: Talisim. Tefilin, Mesnsos mtb diverse mehr oder minder kunstvoll misgeführte Tableaus, welche als Misrach dienen und an jener Leite der Wohnung angebracht werden, welche gegen Osten liegt, um dem andächtigen Beter die Richtung zu bezeichnen, wohin er sich bei dem Gebete zu wenden habe. Ans der entgegengesetzten Seite barg das anfgestellle Regal diejenigen Schreib- und Zeichengeräte, welche in dem Städtchen Absatz fanden. Der Eingangstür gegenüber war wieder eine Tür angebracht, welche in ein großes Gemach führte, das zur Hälfte als Wohnzimmer, zur Hälfte als Werkstälte diente. Beim Oeffnen dieser Türe kam dem Besucher der Geruch von frischem Kleister, nassem Papier und verschiedenen Ledersorten entgegen. Der Eigentümer des Buch- und Papiergeschäftes betrieb gleichzeitig das ehrsame Bnchbinderhandwerk, oder eigentlich besser gesagt: der Buchbindermeister Elias Fischer betrieb auch nebenbei ein kleines Buch- und Papiergeschäft. Der obere Teil dieses Zimmers, welches durch zwei bis an die Stubendecke reichende Fenster-nur mäßig erleuchtet war, enthielt die Maschinen und sonstige Handwerksutensilien des Meisters, sowie auf einem langen Brette anfgeschichtet: ungebundene, halb oder ganz gebundene Bücher; der lange Tisch, der ebenfalls zum Handwerke benutzt wurde, reichte bis tief in die untere Hälfte der Stube und mußte zur Essenszeit für den Meister und sein Weib, sowie für die beiden zuhause anwesenden Kinder als Speisetisch dienen. Das älteste der Kinder, ein Knabe, hatte gleich nach seiner Barmizwah das Elternhaus verlassen, um in der benachbarten Ltadt das Schneiderhandwerk bei einem braven jüdischen Schneider zu lernen. Es geschah indessen nnr selten, daß diese aus vier Personen bestehende Familie ganz allein bei Tische gesessen wäre. Es hätte ihnen auch nicht recht gemundet, wenn »icht ein hungriger Gast das ausgiebige, aber in seiner Herstellung frugale Mahl mit ihnen geteilt hätte. Da war es entweder ein armes Schulkind, das einmal in der Woche einen „Tag" bei ihnen „aß", oder ein armer reisender Handwerksgeselle. das war den guten Leuten einerlei, ein altes Bettelweib oder irgend ein Bedürftiger, jemand mußte mitessen, sonst schmeckte Meister Elias, gewöhnlich Reb Elijeh genannt, das Essen nicht recht. Auch bessere Leute pflegten in dem gastfreien Hanse freundlich ausgenommen zu werden, denn in der Khilloh war kein jüdisches Gasthaus, und fremde Inden, die der Zufall, oder ein Geschäft in das Geschäft geführt hatte, nahmen gerne die Gastfreundschaft des Fischerschen Ehepaares in Anspruch, um doch etwas Warmes koscher essen zu können. Waren solche Gäste zu Tische geladen, dann öffnete Madame Rösl ihr Gaststübl, dessen Möbel wohl von verschiedener Farbe und verschiedenem Stil hergestellt waren, das aber doch den Glauben an eine gewisse Wohlhabenheit anskommen ließ. Eben war das Mittagsmahl beendet worden und der heutige Gast, ein Schnorrer ans dem Polenlande, nach gesprochenem Tischgebete, worin er den Segen des Allbarmherzigen auf seinen freundlichen Gastgeber, dessen Weib und Kinder und ganzen Besitzstand herabflehte. Halle das Hans verlassen. Moriz und Robert halten ebenfalls gebenscht und dann artig Vater und Mutter die Hand geküßt and dabei nach altem Brauch: „Wünsch' wohl gespeist zu haben" gesagt, dann tvaren sie hinansgestürmt ins Freie, trotz des langsam und dicht herabrieselnden Regens. Sie hatten ja „frei", heute am Chol-hamved Snkkos, und der Regen hatte ja das Privilegium, um diese Jahreszeit niederzitfallen, wie er auch der Toilette der Fischerschen Sprößlinge keinen sonderlichen Abbruch zu tun vermochte. Das einzige Hebel, das dieser Regen verschuldete, war der Umstand, daß die Familie mit dem Gaste anstatt in der schön ansgeschmückten Sukeh in ihrer Stube speisen mußte. Auf die diesbezügliche Entschuldigung der Hausfrau antwortete der talmndknndige Pole: „Nu, was ist? Wenn der Herr seinem Diener, der ihn einen Becher Wein darreicht, denselben über den Kopf gießet, kann sich da der Diener helfen? Wenn Gott Schem bornch hu haben wollte, wir fallen die Mizwas Sukeh mekajem sein, ließe Er da an Snkkos gerade so viel regnen?" Gegen diesen Ausspruch ließ sich nichts einwenden, und der Pole aß mit gutem Appetit weiter, trotzdem sich statt des gebotenen Laubes eine feste Decke über seinem Haupte wölbte. Der Hausherr hingegen halte mit geringem Appetit gegessen, und als der Gast und die Kinder die Stube verlassen hatten, begab er nch nicht, wie er es sonst zu tun pflegte, an seine Arbeit, sondern blieb an der Stelle, wo er gespeist hatte, fitzen, den Kopf an seine Hand gestützt, in tiefes Nachdenken versunken. _'Fortsetzung folgt.)_ Austritte ans dem Judentum. K a tz Kamilla. ledig, geb. 16. April 1890 in Jistebnitz (Böhmen, Bezirk Tabor), XVI.. Hasnerstraße 136. Fischer Pantine, ledig, geb. 1. Mai 1880 in Wien. XVI.. Ganglbanergaffe 36. G r o ß in a u n Adolf, Handclsvraktikant, ledig, geb. 26. August 1893 in Wien. II.. Novaragaffe 16. S t e i n f e l d Moriz, Kaufmann, verheiratet, geb. 20. August 1875 in Brünn, II., Stuwerstraße 19. I o z e f i P a u l i n e geb. Magaziner. Beamtensgattin, geb. 9. September 1881 in Wien. II., Kaiser Jvfefstraße 23. Goldfeld Franziska, Private, ledig, geb. 12. September 1875 in Breslau, III., Hansalgasse 6. Scheer Margit, Private, ledig, geb. 18. November 1883 in Budavest, XIV., SechShanserstraße 74. Jalowetz Heinrich, Kapellmeister, ledig, geb. 3. Dezember 1882 in Brünn. IX., Süulengasse 11. Spoliansky Marie, Privac, ledig, geb. 22. September 1886 in Odessa (Rußland). I.. Singerstraße 2. Notiz. Fusion Unionbank—Intern. Elektricitäts-Gesellschaft. Vom 20. November a. c. beginnt der Umtausch der Aktien, und zwar für je eine Internationale Elektricitäts-Aktie, l1/r> CJnionbank-Aktien. oder K 600.— bar, für jede Internationale Elektricitäts-Aktie.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.