Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1908
- Issue
- Heft 46 (27.11.1908)
- Date
- 1908-11-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Friedinami. — Zu den Wiener Knltnswaylen. — Ein belauschter Dialog. — Dr. Moritz Rotkopf. — Leitende Ideen der allgemeinen jüdischen Koloniiations-Lrganisatlon. — Leben und Wirken der Juden in Lesterreich in vorinärzlichen Zeiten. — Verschiedene Nachrichten. — Literatur. — Feuilleton: Eine berühmte Frau. — Ausrritre aus dem Judentum. Huldigung der österreichischen Knltnsgemeinden. In den stimmungsvollen Festeslagen, da Oesterreichs Völker jubelnd dein Herrscherthrone nahen, wurde auch den Vertretern des jüdischen Volkes die hohe Gnade zuteil, dem geliebten Monarchen die Glück- und Segenswünsche zu seinem 60jährigen Regierungs-Jubiläum, die aus hunderttausenden dankerfüllten und patriotischen jüdischen Herzen dringen, unter Ueberreichnng einer Huldigungsadresse persönlich übermitteln zu dürfen. Und so wurde Donnerstag, den 26. d. M., 12 Uhr mittags, im Anschluß an die anderen Deputationen, auch die Huldigungsdepntation der jüdischen Knltnsgemeinden in Oesterreich von Sr. Majestät dem Kaiser in besonderer Audienz empfangen. Die Deputation bestand ans folgenden Mitgliedern: Präsident Dr. Alfred Stern, I. Vizepräsident Dr. Gustav K o h n, Oberrabbiner Dr. G ü d e m a n n für die Wiener Kultusgemeinde und die Gemeinden Niederösterreichs, Präsident Dr. Arnold R o s e n b a ch e r-Prag für Böhmen, Präsident Dr. Hermann Fialla-Brünn für Mähren, Präsident Dr. Theodor S o n n e n s ch e i n-Troppau für Schlesien, Präsident Dr. Simon S ch a f f-Lemberg und Präsident Dr. Samuel T i 1 l e s -Krakau für Galizien,. Präsident Dr. B. Strauche r- Czernowitz für Bukowina, Präsident Benedikt S ch w a g e r- Linz für Oberösterreich und Salzburg, Präsident Bernhard Biller-Graz für Steiermark, Kärnten und Kraiu, Vorsteher Wilhelm D a n n h a u s e r -Innsbruck für Tirol und Vorarlberg, Präsident Dr. Graf und Rabbiner Dr. Brettholz- Triest für Triest und Küstenland. Um 12 Uhr trat der Kaiser in Marschallsuniform in die Geheime Ratstnbe, wo die Andienz stattfand. Oberrabbiner Dr. Güdemann bat den Monarchen, den Segenssprnch über ihn sprechen zu dürfen, was der Kaiser huldvoll bewilligte, wobei der Kaiser und sämtliche Mitglieder der Deputation das Haupt bedeckten. Dann hielt Dr. Alfred Stern folgende Ansprache: Euere kaiserliche und königliche Apostolische Majestät! Allergnüdigster Herr und Kaiser! Tiefbewegten Herzens erscheinen die Repräsentanten der israelitischen Knltnsgemeinden Oesterreichs vor dem geheiligten Antlitze Euerer Majestät, um namens der gesamten Judenschaft Oesterreichs, namens V/4 Million Bekenner des mosaischen Glaubens, ihre innigsten, herzlichsten Glückwünsche Euerer Majestät zu Allerhöchst Ihrem ^tegierungsjnbilänm ehrfnrchtsvollst darznbringen. Euere Majestät geruhte vom Anbeginn Allerhöchst Ihrer Regierung den Grundsatz des gleichen Rechtes, entsprechend der Gleichheit der Pflicht, allen Jpreu Untertanen, so auch uns gegenüber konsegnenr walten zu lassen. Ueberströmenden Herzens, ans dem Tiefsten unserer Seele sagen wir Dank, ehrfurchtsvollen, heißen Dank und geben diesem Danke Ausdruck in einer Huldignngsadresse, welche die Unterschriften von 450 Knltnsgemeinden trägt, und welche wir Euerer Majestät mit der ehrfurchtsvollsten Bitte unterbreiten, dieselbe Allergnädigst enrgegennebmen zu wollen. Au dem Gedenktage des Allerhöchsten Regiernugsautrirres werden wir Inden Oesterreichs in tausenden israelitischen Gotteshäusern in feierlichem Gottesdienste heiße Gebete zu Gott emporsenden, dankend der göttlichen Vorsehung, die uns einen Herrscher gab, erfüllt von Weisheit, Milde und Gerechtigkeit, und bitten: Gott beschütze, erhalte und segne Seine M a j e st ü t n n s e r e n g e l i e b t e n K a i s e r F r a n z I o s e f I. Der Kaiser erwiderte folgendes: „Für die Hnldignnglder israelitischen Knltnsgemeinden sage Ich Ihnen Meinen wärmsten Dank. Die israelitische Bevölkerung har immer eine staats- und gesetzestrene Gesinnung, Ergebenheit für Mein Hans und Anhänglichkeit an Meine Person bekundet. Ich schätze auch ihren Familiensinn und 'ihre Freude am W o h l t n n. .Seien Sie ^versichert, daß Ihre Glück w ü n s ch e Meinem' Herzen w o h l g e r a n haben und daß Sie und Ihre Glaubensgenossen Meines k a i s e r l i ch e n S ch n tz e s g e w i ß s e i n k ö n n e n". Se. Majestät wendete sich dann zunächst an Herrn Oberrabbiner Dr. Güdemann und den Präsidenten Dr. Stern. Ersteren fragte der Kaiser, wie lange er in Wien tätig sei, letzteren, wo er geboren und wie alt er sei. Auf die Antwort Dr. Sterns daß er 77 Jahre zähle, bemerkte Se. Majestät: „Da sind wir ja Altersgenossen^. Dann besichtigte Se. Majestät die Adresse, über deren Ausführung er sich höchst lobend äußerte. Zum Schluffe ließ sich der Kaiser sämtliche Mitglieder der Deputation vorstellen und an jeden einzelnen. richtete er huldvolle Worte. Die Audienz währte ungefähr eine halbe Stunde. Die Hnldignngsadresse har folgenden Wortlaut: Euere kaiserliche königliche Apostolische Majestät! Allergnädigster Kaiser und Herr! In den tausendstimmigen, den millionenstimmigen Jubelchor, der heute an dem weihevollen Gedenktage des Regierungsm*?¥m**z