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Die Wahrheit · 1908-11-20 · Heft 45 (20.11.1908) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1908
Issue
Heft 45 (20.11.1908)
Date
1908-11-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Slrbaftiou n. Slbimniltuuiou : |i Wien, II/, Siinumhiüih* -T.Jl T'I-pD'mi hrv fi 'TiüIlS j! Jl. k. öftere. Postjpitrkassa- . jj Scveck-Konto Sir. 100.91$. j; ]ilU'CV^tt!j Divieviunl grilmltcitr ji?Jo)lj>aveiIlf*,’{etle.?r> H-ilrr. jj JlDomicmciilJu.;^uui tu>ii«- |! ftnb m aiMfii z»didi>: |j nitb I! Unabhängige. Zeitschrift für Mische - Intere^en^ * Er sche in L jeden S r e i t n g. «otto: „Ort- (jobtHs ist Wahrheit!“ cj iili »• j> v i’ i»%: >«aiijiat)virt . . it >4 ÖulB|iibria: Ik 7 j\iir öultii^t'riiintr : li'.uniiiDii^ jr >» Wiir '.'1 n•?11111 r>:;j (UllltjltlQvtl) j; U JWiibfl i>6rr >« *Jc*. i |lv. 45. Wien, 2^ Uovember t008 Die Vorstandswahlen in der Wiener Kultusgemeinde. Das Zentral-Komitee für die Kultusvorstands-Wahlen 1908 versendet folgenden Aufruf: An die. P. T. Herren Wähler der Wiener Ehltnsgemeinde! Am 22. November findet die Wahl von neun Vorstandsmitgliedern der Israel. Kultusgemeinde Wien statt. In überaus ernster Zeit schreitet die Wählerschaft in diesem Jahre zur Urne. Von allen Seiten werden die Juden bedrängt, lauern ihre offenen und geheimen Gegner, um sie in wirtschaftlicher, in sozialer und ' in politischer Beziehung zu unterdrücken. Nie wäre ein enger Zusammenschluss innerhalb des Judentums notwendiger gewesen als jetzt, nie ein einiges Vorgehen wichtiger als in dieser schweren Zeit. Statt dessen aber wird in leichtfertiger Weise in unseren eigenen Reihen Zwietracht gesät, zur hämischen Freude unserer Feinde, denen die oitgerühmte jüdische Solidarität längst ein Dorn im Auge war. Auch unsere Gemeinde ist von dieser traurigen Erscheinung nicht verschont geblieben. Unter tönenden, auf Wählerfang berechneten Schlagworten, deren Erfüllung zum Teile ausgeschlossen, zum Teile nur unter Gefährdung des mit Mühe hergestellten, finanziellen Gleichgewichtes möglich ist, zieht die Opposition in den Wahlkampf ein und droht, das gemeindeerhaltende Element von der Verwaltung der Gemeinde zu verdrängen. Der Weg der allmählichen, zielbewussten Entwicklung soll verlassen und die abschüssige Bahn der phantastischen Experimente betreten werden. Was die Gemeindevertretung in den letzten Jahren in ruhiger, einträchtiger Arbeit geleistet hat, ist aus den von zwei zu zwei Jahren an die Gemeindemitglieder gesandten Berichten ersichtlich. Wem die Erhaltung und ruhige Entwicklung unserer Gemeinde am Herzen liegt, wird es nicht zugeben, dass der von der Opposition angestrebte „neue Kurs“ in der Gemeindestube zur Geltung komme, sondern wird gleich uns bestrebt sein, Männer in den Kultusvorstand zu entsenden, die für gCSUIldG Reformen auf dem Gebiete der Gemeindeverwaltung Sinn und Verständnis haben, aber frei sind von dem Bestreben, Umwälzungen vorzunehmen, durch welche der Bestand der Gemeinde gefährdet wird und ernste erfahrungsreiche Gemeindemitglieder von der Verwaltung abgestossen werden. Die Opposition hat jedoch eines voraus: die werbende Kraft einer skrupellosen Agitation. Eine solche Agitation kann aber nicht von Männern betrieben werden, die gewohnt sind, ihre Worte zu wägen, ihre Versprechungen zu halten, die nicht Ehrgeiz dazu treibt, -ein Mandat für den Kultusvorstand anzustreben. Wähler der Wiener Kultusgemeinde! Die Gefahr, im Wahlkampfe zu unterliegen, liegt nicht in der Stärke der Opposition, die durch lärmende Aufdringlichkeit ersetzen will, was ihr an Kraft und Zahl fehlt; sie liegt vielmehr in der Gleichgiltigkeit der weitaus überwiegenden Mehrheit der Gemeindeinitglieder, die es bisher versäumt hat, einer, die ruhige Entwicklung der Gemeinde bedrohenden, künstlich auf gebauschten Bewegung durch die Ausübung des Wahlrechtes entgegenzutreten. Kein Wähler darf es diesmal verabsäumen, durch seinen Stimmzettel zu bekunden, dass er nicht gewillt ist, auch in den Kultusvorstand den Unfrieden hineintragen zu lassen, der dem Ansehen unserer Gemeinde nach Aussen schon so viel Schaden zugefügt hat.

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