Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1908
- Issue
- Heft 42 (30.10.1908)
- Date
- 1908-10-30
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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OkKerr.-ungar. Kantoren -Zeitung. Im Interesse der Erhaltung des Fachblattes werden die geehrten Herren Kantoren dringendst ersucht, das Abonnement sür das am 1. Oktober begonnene, wie auch die eventuell restlichen Abonnementsbeträge umgehend einzusenden. Amerikanischer Srief. New-Iork, am Ausgang des Sukkothsestes. Geehrter Herr Redakteur, lieber Herr Kollega! Ich kannte kaum den Ansgang des Festtages erwarten, nm Ihnen und den lieben Wienern über einen höchst bedauernswerten Vorfall, welcher sich gestern, am Schemini- Azereth-Tage, hier abspielle. zu berichten. Gestern hat nämlich die Tochter unseres erst vor einigen Jahren leider zu früh verstorbenen. hochachtbaren und glaubeustreuen Kollegen Zirom Talb nach vorangegangeuer Taufe in der protestantischen Kirche geheiratet. Die New-Iorker Judenschaft befindet sich infolge dieses Ereignisses in berechtigter Indignation, da die nunmehr getaufte Künstlerin an der hiesigen Oper war und gewissermaßen ans Kosten der Inden, durch das große Interesse welches dieselben an ihrem Vater und an ihr selbst nahmen, groß geworden ist. Als diese Künstlerin vor wenigen Monaten beim Direktionswechsel ans der Oper entlassen ivnrde, haben die New-Iorker Blätter und die jüdischen Besucher der Oper in demonstrativer Weise gegen diese scheinbar unverdiente Kränkung der Künstlerin und die scheinbar antisemitische Gesinnung, durch welche man sich ihre Entlassung zu erklären suchte, Stellung genoinmen. Und wie lohnte die Künstlerin diese Anteilnahme der Glaubensgenossen? Durch die Taufe!! und durch die Heirat am Schemini-Azereth-Tage, zur selben Stunde, da ihres Vaters beim Maslirgebete in pietätvoller Ehrung gedacht wurde. Schmachvoll für New-Iork! Ansonsten gehen wir und die große Welt über Taufen, die sich im Laufe der Zeit so oft ereignen, gleichgiltig hinweg; ist doch gewöhnlich die abtrünnige Person nicht wert, daß man von ihr spricht; doch dieser Fall von unglaublicher Pietät- und Herzlosigkeit kann nicht genug gebrandmarkt werden. Die Wiener werden vielleicht ans den Zeitungsberichten bereits Kenntnis von diesem Ereignis haben und sich sagen, so etwas Unerhörtes kann nur in New-Iork Vorkommen. Wie wir hören, beabsichtigt die Künstlerin, welche hier in New-Iork ihre Rolle ansgespielt hat, nach Europa auf eine Tournee zu gehen; hoffentlich empfangen sie dort unsere Glaubensgenossen mit den ihr gebührenden — Ehren. Nun will ich Ihnen, geehrter Herr Redakteur, über unseren, im heurigen Sommer abgehaltenen Kautorentag, welcher, wenn ich nicht irre, zu gleicher Zeit mit ihrem Jubiläumskantorentag stattgefnnden hat. Einiges berichten. Der New-Iorker Kantorentag, der glänzend besucht war, faßte bedeutsame Beschlüsse zur Hebung der Standesinteressen. Besonders wurde die Errichtung einer Kantorenschule für Amerika unter großem Jubel der Kollegeuschast beschlossen. Auch der in der Versammlung erschienene Vertreter der New-Iorker Knltnsgemeiude hat mit vielversprechenden Worten die Unterstützung dieser sür Amerikas Kantorenstand so notwendigen Institution zugesagt. Würde doch eine amerikanische Kantorenschule in erster Linie die Ueberflutung der hiesigen Stellungen mit ausländischen Bewerbern verhindern, namentlich aber d a s d e n g e s a m t e n K a n t o r e n- 1t a n d s ch w e r schädigende E i n d r i n g e u u n io ürdige r Elemente h intanhalte n und in absehbarer Zeit einen intelligenten, fachlich dnrchgebildeten Nachwuchs schaffen, der das Ueberlanfen schiffbrüchig gewordener Theatersänger oder zugrundegegangener Kanflente wenigstens in Amerika unmöglich machte. Doch welcher Unterschied zwischen Wien und New- Iork! Nach Ihren Berichten in der Kantorenzeitung haben Sie in Wien die fast gleichlautenden Beschlüsse gefaßt, nur mit dem Unterschiede, daß Ihr rühriger Verein dieselben bereits verwirklicht hat. während bei uns in New-Iork, bei dem allgemeinen Hasten nach materiellen Gütern, derart ideelle Bestrebungen nur langsam gedeihen und manche kostbare Zeit verstreicht, bis die so wichtigen, die Lebensexistenz unseres Standes bedingenden Ergebnisse des Kamorentages zur Ausführung gelangen. Ihr seid nach dieser Richtung in Europa, speziell in Wien, sehr zu beneiden. Hoffentlich wird unser New-Iorker Verein, durch die Berichte aus Wien ermuntert und um dem Wiener Kantoren- Verein nicht nachznstehen, sich seiner Pflicht erinnern und energisch nachzuholen trachten, was er bisher versäumt hat. Ich werde Ihnen dann über die Wirkung meines Appells wieder berichten. Die Feiertage sind bei uns in New-Iork sehr gut verlausen, alle Kollegen haben sich glänzend bewährt uub die Anerkennung, die ihnen sür ihre Leistungen zu Teil wurde, ist ihuen vom Herzen zu gönnen. Ich glaube diesmal ausführlich genug gewesen zu sein und hoffe, diesen Bericht nicht unnütz geschrieben zu haben. Indem ich die Wiener Kollegenschasr und Sie. verehrter Herr Redakteur, herzlichst begrüße, verbleibe ich Ihr ergebener Neiv-Iorker Kollega. 25jähriges Inbilämn. Am Simchasthorafeste feierte die Gemeinde Steiuamanger das 25jährige Amtsjubilüum ihres beliebten Oberkautors Max G o l d st e i n. Schon um 9 Uhr füllte sich der große Tempel mit andächtigen Zuhörern jeder Konfession, die durch ihre Anwesenheit ihrer Verehrung für den Gefeierten Ausdruck geben wollten. Nachdem das Verlesen der Thora beendet war und der Jubilar als Chatan Maftir vom Chore begrüßt worden war, trug er vor offener Bnndeslade den für diese Gelegenheit komponierten Psaim 111 mit Chvrbegleitung vor. Nach Beendigung des Psalmes hielt Herr Rabbiner Dr. Bela Bern st e i u eine inhaltsreiche Festpredigr, in deren Rahmen er die Verdienste des Jubilars um die Hebung des modernen Gortesdienstes mit Beibehaltung der alttraditionellen Gesänge rühmend hervvrhob. Als der Gottesdienst zu Ende war. fand im großen Gemeindesaale eine Festsitzung statt. Der Präses der Gemeinde, Herr Ludwig G e i st. eröffnere die Sitzung und nachdem er den Zweck der abznhalteuden Sitzung erörtert harte, übergab er das Wort Herrn Bizeprüses Dr. Ede S ch l e i f f e r, der. von großem Beifall begleitet, in seiner gehaltvollen Rede auf das innige Verhältnis, welches zwischen Gemeinde und Kantor die verflossenen 25 Jahre obwaltete, hiuwies und das Auerkennungsschreibeu der Gemeinde, welches künstlerisch ausgeführt war, verlas. Oberingeuieur Armin Frank hielt au den Jubilar, den eine fünfgliedrige Deputation holte, eilte Ansprache und übergab ihm das Geschenk der Gemeindemitglieder: 2000 K in einer Anweisung zur Gemeiudekasse und das Anerkennungsschreiben. Chordirigent Joses K ö v ö s y übergab im Namen des Chorpersonales, in Begleitung herzlicher Worte, eine goldene Uhr mit der Gravierung : S2'C‘”vn min nrräir Der Jubilar, der vor freudiger Aufregung kaum Worte fand, dankte sür die ihm erwiesenen Ehrungen und hiemir war die Feier zu Ende. Nachmittag begaben sich mehrere Deputationen von Vereinen in die Wohnung des Jubilars, um ihn und seine Familie zu beglückwünschen. Selbstverständlich fehlte es nicht an Telegrammen vom In- und Auslande von Kantoren und Verehrern des Jubilars, die nicht nur den Kantor, sondern auch den Künstler beglückwünschten! Konkurs. Io der israel. Kultusgemeinde Jamnitz in Mähren ist die Stelle des Kantors mir einem Fixum von 1200 Kronen und Nebeneinkommen von mindestens 20Ö Kronen zu besetzen. Offdete von Bewerbern, die ledig, musikalisch gebildet und befähigt sind, den Religionsunterricht an der Volksschule mit Erfolg zu erteilen, sind bis zum 20. November an den Kultusvorstand zu richten. Reisespesen werden bloss dem Akzeptierten bewilligt. Samuel Kohn Kultusvorsteher.