Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1908
- Issue
- Heft 10 (6.3.1908)
- Date
- 1908-03-06
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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üLSL^ S5BBBH ■SC WWW 'Jto 10. Die Wahrheit Seite 11. mehrerer Aktionäre kann mehr als 50 Stimmen führen. Das Stimmrecht in der General-Versammlung kann durch Bevollmächtigung eines anderen stimmberechtigten Aktionärs ausgeübt werden, doch sind Vollmachtsurkunden spätestens einen Tag vor der General-Versammlung der Direktion vorzulegen. _ (Alle Rechte Vorbehalten.) (Nachdruck verboten.) „Esther."*) Dramatisches Fragment in zwei Aufzügen von Franz Grillparzer. Um drei Aufzüge vermehrt von S. Bineta. (Fortsetzung.) 4. Auszug. Schlafzimmer des Königs im Palaste. Unberührtes Bett, König in einem Lehnstuhl. K ö u i g. Wozu zur Rast mich strecken? Weiß ich doch Kein Schlaf senkt sich auf meine Augenlider. Ein klarer Bergsee schien mir ihre Seele. In dessen tiefer und krystall'ner Flnt Die Sonne meines Glückes sich beschaute. Und eigen ist's! Wie gern ich jetzt auch möchte Mich überreden, eine Pfütze sei's, In dessen Schlamm und Kot mein Herz versunken: So kann ich's trotzdem nicht; denn Esthers Bild Steht sieghaft stets vor meinem inner'n Blick, Wenn auch getrübt, so doch in sanftem Glanz. Wenn diese Augen, diese Lippen lügen, Dann gibt es nirgend Wahrheit auf der Welt. Sie wollte ihr Vergehen entschuldigen, Ich wehr! es ihr in sinnlos hest'ger Art. Ich fjätt7 zumindest doch sie hören sollen. Allein wozu? Derartige Verbrechen Sind zentnerschwer, nichts mindert ihr Gewicht. Denn nicht der Mensch allein, der König auch Ist hart in mir getroffen; heißen wirb's: „Der Perser Herrscherin ist eine Jüdin!" Brauches mehr, daß meine Feinde triumphieren? Darum hinweg weichmütige Gedanken! Schwärm' ich doch diese Jüdin an, als wäre ich Ein Flaumbart noch und kein gereister Mann. Die Krone gilt's! Man fühlt erst ihren Wert, Wenn Raubgesindel sie entreißen will. Erwachen einstige Träume doch von Größe In meiner Brust und scheuchen siegreich fort Den ganzen Jammer mir der letzten Tage. Ist häuslich Glück versagt mir, nun wohlan. So grünt vielleicht der Lorbeer mir des Ruhms. Kleinasiens Griechen unterwerf7 ich mir, Ich mach' mich würdig kriegerischer Ahnen. So lösche ich die Schmach, wasch' ab den Schimpf, Daß ich der Gatte war der Jüdin Esther. Der Morgen bricht heran mit zartem Rot, Gemahnt an Esthers Rosenwangen mich. Die Stirn' mit ihrem Alabasterglanz, Sie überstrahlt die Perlen meiner Krone, Auch wenn sie um Kleinasien verwehrt. O, Ahasverus! Schwächling, raff' dich aus, Ermanne dich, verloren bist du sonst. So zwing' ich mich denn, an Geschäfte denken. Gleich dieser Mardochai, den ich vergessen! Ein undankbarer König ist ein Scheusal, Hat er doch Macht in nnerschöpfter Fülle. Mit rasch , entschloss'ner Tat hat -dieser mir Gedient, darf ich zu lohnen ihm da säumen? (Ein Diener tritt ein.) Diener. Es wünschet Haman seines Königs Ohr, Er harrt seit Stunden schon. König. Er trete ein. Du kommst gerade recht, ich sinne nach. Der Punkte zwei sind's, die mich jetzt beschäft'gen: Wie dankt ein König dem, dem er verpflichtet, So daß ihn.niemand zeihen kann des Geizes? Dies war' das Erste, hilf die Frage lösen. > Haman (bei Seite). Ich sagt' es immer, Herz hat dieser.König, Um Esthers willen, will er mich noch ehren.' (Laut.) Zwar weiß ich nicht, wer also hat ein Anrecht Auf meines Königs ausnahmsweisen Dank. Doch wer es immer sei, ich ließ ihn kosten ' " Die Wonnen alle, die die Majestät Gewährt, wenn auch ans kurze Stunden nur. Ich ließe diesen Mann in Purpur kleiden Von einem Großen, der dem Throne nah; Der müßt die Krone auch aufs Haupt ihm setzen, Anschirren ihm das königliche Leibroß. Den Bügel müßt er halten, aus ihm Helsen Und durch die Stadt als Herold ihn geleiten. Mit starker Stimme dann auch vor ihm rufen: „So tut der König dem, den er will ehren." König. Nicht übel, angenommen ist.dein Vorschlag. Ein starker Geist bist du, denn bis ins Kleinste! Mall deine schöpferische Phantasie Wie flink ein Bild mir bunten Farben ans. Und nun zur zweiten Angelegenheit. Die klingt viel nüchterner, ist nicht poetisch, Die Antwort wird da nicht so prompt erfolgen. Wo nehm' ich Geld! Ich plane einen Krieg. Haman. Nicht einen Augenblick bedenk' ich mich. Wir nehmen es ganz einfach dorr, wo's ist Zn finden reichlich, wo es liegt in Truhen, In mächt'gen Hansen, bei den Inden nämlich. Wir nehmen diesen Juden nicht nur Gold, Das wir benötigen, sondern auch ihr Leben. Denn wozu könnten wir ihr Leben brauchen? König. So grausam konnr'st du sein? Es sind ja Menschen. H a m a n. Und du, mein König, willst die Furie des Krieg's Entfesseln, du mit deinem weichen Herzen? Hier kannst du vor dich üben, kannst dich stählen,! Willkommene Gelegenheit ist da. I Denn dieses Volk verdient ja auch kein Mitleid, j Zerstreut in allen Landen deines Königreichs i Sie breiten aus die Wurzeln des Gewinns,! Die unterirdischen des Lugs und Trugs,! Und saugen so am Mark deS Volks, i Nicht leben sie nach deinen Satzungen, j Ganz and're Sitten haben sie und Bräuche.! Sie halten sich hochmütig abgeiperrt,! Mit einem Worte, Herr, es sind ganz einfach Juden. | König (bei Seite). Das kommt beinahe mir gelegen jetzt,; Für Esthers Tat, an Esthers Volke Rache.! (Laut.) Nun gut, jedoch wie dies ins Werk wohl setzen? > Haman. So kinderleicht! Ich rufe Magier ein, Man wirst das Los, bestimmt den Tag, den Monat, j Und schlägt an diesem Tag im ganzen Reiche Das überflüssige Gesindel tot. König. Nun gut, so nimm mein Petschaft denn und eile, Bereite alles Nötige vor; noch eins! Zuvor jedoch tust du mit Mardochai Genau so, wie du vorgeschlagen mir. Ich ehre dich damit, als meinen Günstling. Haman. Mein König, hör' mich an, unmöglich ist's. König. Das war' die Treue! Was? Du lehnst dich auf? Haman. Zwei Worte sagen alles, Mardochai Ist Jude ja. König. Ein Jude? umso besser. Nicht nehm' ich mein Gebot deshalb zurück. Dem Mardochai gescheh' sein doppelt Recht. Die Ehre, die er sich bei mir verdient. Die werde ihm und teilen mag er dann Am allgemeinen Tage des Gerichts Das Schicksal aller seiner Stammgenossen. Du riefst mich ja zur Tatkraft auf, nun sieh' An dir und jetzt will ich sie gleich erproben. Nun schnell zum Pförtner, keinen Widerspruch! (Haman ab.) i