Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 44 (16.11.1906)
- Date
- 1906-11-16
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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'Jir. 44. Die Wahrlieu Leite 9 Kindern frei ins Auge sehen, da ich es war, die ihnen in so zartem Alter den Vater geraubt hatte." Dr. Landesmann fand es nicht an der Zeit, ihr in dieser Sache zu widersprechen, so fest er selbst von ihrer Unschuld überzeugt war. Er bat die still vor sich hin Weinende mit einigen Worten, seine Versicherung der treuesten Freundschaft anzunehmen und ihr künftiges Schicksal getrost seinen Händen zu überlassen. II- Hanna Brauer war die Tochter des Oberlehrers au einer jüdischen Privatschule mit Oeffentlichkeitsrecht in einer kleinen Landstadt Böhmens. Ihre Eltern waren nicht ganz vermögenslos gewesen, als sie in die Ehe traten, dann hatten sie gearbeitet und gespart und jedem Komsort entsagt, nur um ihrem einzigen Töchterchen eine gnte Erziehung, sowie eine anständige Mitgift und Ausstattung geben zu können. So hatte Hannchen in ihrem Elternhause Alles gelernt, was zum Leben notwendig und nicht notwendig war, nur Eines nicht, nämlich zu gesallen. Und! grade das hätte sie am liebsten getan. Nicht als ob das Lehrersi töchterlein von Natur aus gefallsüchtig gewesen wäre, aber es j tat ihr so weh, ihres unansehnlichen Aeußeren wegen überall! zurückgesetzt zu werden. . Es war für sie so unbeschreiblich ver-! letzend und kränkend, daß so viele Mädchen, welche ihr in jeder! Hinsicht nachstanden, ihr dennoch vorgezogen wurden, weil diel selben schöner waren, als sie.! Hanna war keine leidenschaftliche Tänzerin; sie hätte lieber den Abend in ihrem bescheidenen Stübchen bei einem guten! Buche zugebracht, als in dem ländlichen Tanzsaale, wo sie nicht! selten als Mauerblümchen figurierte, aber um Alles in der Welt! wäre sie nicht von einer Tanzunterhaltung zurückgeblieben, welche j von ihren sogenannten Freundinnen besticht wurde; man hätte in diesem Falle gesagt, daß sie deswegen ansbliebe, weil sie zum Tanze nicht begehrt werde. Das „Man würde sagen" spielte überhaupt in dem Leben dieses Mädchens eine große Rolle. Hätte Hanna in einer größeren Stadt gelebt, wo doch Wert aus Erziehung und Bildung gelegt wird, anstatt in jenem Krähwinkel, wo ihr Vater angestellt war und wo sie sich vorkam „unter Larven die einzig fühlende Brust", wer weiß, ob sich nicht dann doch jemand gesunden hätte, welcher das stille, bescheidene Walten des geistig io hochstehenden Mädchens anerkannt und um sie geworben hätte. Aber sie lebte in einem Orte, dessen Bewohner für nichts 1 anderes Sinn hatten, als das tägliche Brod erst zu verdienen, dann zu bereiten, dann zu verzehren; Mädchen, Heirats-; kandidatinnen, wurden daselbst nach dem mehr oder minder; schönen Aeußern, allenfalls auch nach der zu erwartenden Mit-! gift beurteilt. Hanna, das unscheinbare, häßliche Mädchen, wurde von ben in Betracht kommenden jungen Männern mit Hohn, im i günstigsten Falle mit Mitleid behandelt. Gar oft behandelte man aber den Blau si r n m p f mit raffinierter Bosheit. Jede schlechte Note im Zeugnis, jede Strafaufgabe, die ein ehemaliger Schüler; ihrem Vater zu verdanken batte, wurde ihr mit bösen, beleidij genden Worten heimgezahlt. Einmal sogar raffte sich das schüchterne! Mädchen zu der Entgegnung auf: ..Ja, Sie haben Recht, die Strafen, die Ihnen von meinem Vater wurden, in Ihrem Gedächtnisse zu behalten, es ist auch das Einzige, was Sie ans jener Zeit behalten haben!" (Fortsetzung folgt.) Keschäflsnoliz. Die sparsame Hausfrau. Bei der stetig zunehmenden Teuerung aller Lebensmittel ist es eine wahre Wohltat, daß man durch Einführung von Ceres-Speisefett, das halb so billig ist als anderes Fett, größere Beträge sparen kann. Ceres-Speisefett ist kein Surrogat, sondern das reine Fett der Kokosnüsse, die frisch an der Sonne getrocknet nach Aussig a. E. verschifft werden. Dort werden sie in den Nährmittelwerken ..Ceres" der Schicht-Aktiengesellschaft gepreßt und zu Speisefett verarbeitet. Die mit C e r e s-S p e i s e f e 1 t zubereiteten Speisen sind billiger und schmackhafter als die mit irgendeinem anderen Fett hergestellten. Aufruf! Theodor Herzl-Denkmal in Czernowitz. Der Gemeinderat der Universitäts- und Landeshauptstadt Czernowitz hat unserem Wunsche Rechnung getragen und in semer Sitzung vom 10. Juli l. I. beschlosseu, den Alten Markt bei der Judengasse „Theodor Herzl-Platz" zu benennen. Es ist der Name unseres dahingegangenen Führers, dessen beispiellose Hingebung für die Regeneration des jüdischen Volkes die ganze Welt mir Bewunderung erfüllte, dem Fürsten und Staatsmänner ihre Verehrung bekundet haben; jenes Großen in Israel, der den, zionistischen Gedanken zu hellster Begeisterung entflammt, den zerstreuten Volksgenossen eine Weltorganisation, ein Judenparlament geschaffen und für eine Heimat der seit Jahrtausenden bedrängten Brüder, seines jüdischen Volkes, aufopferungsvoll sortgewirkt, bis inmitten rastloser Arbeit sein Herz zu schlagen aufgehört hat. Auf dem nach ihm benannten Theodor Herzl-Platz, der entsprechend reguliert werden wird, soll nun als ein bescheidenes Zeichen dankbarer Liebe und Anerkennung der ö st l i ch e n Volk sgenossen ein Theodor Herzl-Denkmal sich erheben, in jenem Stadtteile, wo die altjüdischen Familien von Czernowitz ihr Domizil hatten und noch heute aus den umliegenden Synagogen jüdische Gebete und Gesänge laut werden. Dieses „jüdische Viertel" mit seinem zum Teil recht armseligen Judenhäuschen wird bald modernen Bauten Platz machen, die ghettoartigen Quartiere werden schwinden und ein neuer aufstrebender Stadtteil wird entstehen. Inmitten desselben soll das Theeodor Herzl-Denkmal postiert werden, eine weithin sichtbare Zierde für die schöne Landeshauptstadt Czernowitz und gleichzeitig ein Wahrzeichen der Eintracht ihrer Bewohner, die ihren nationalen Wünschen gegenseitig Sympathie entgegenbringen. Wahrlich, ein schönes Werk, das von jedermann gefördert zu werden verdient! Es ergeht darum an alle Juden, wie auch an alle anderen Freunde des Verstorbenen, die ihm als Mensch und Schriftsteller nahestanden, der Appell, die Errichtung des Theodor Herzl-Denkmals eifrigst zu propagieren und für den D enkma lsond in Czernowitz Geldspenden zu sammeln. Kein Jude verabsäume es, zum Gelingen dieses schönen Werkes beizutragen. Heller an Heller wird zu einem ansehnlichen Kapitale werden! Jeder agilere darum in seinem Kreise; bei festlichen und traurigen Anlässen sei des Denkmals für weiland Theodor Herzl gedacht! Die Geldspenden sind an das Bankhaus A. B a d i a n L S o h n, Czernowitz, zu senden. Czernowitz, im Oktober 1906. Die lüdisch-nat. akademisch e Ver b in düng „H asmonaea": cand. inr. B. Werber cand. iur. I. Buchsbaum dz. Schriftführer. dz. Senior. Dr. Josef Vierer, Arzt in Radantz; Dr. Josef Burstyn, k. k. Feldprediger in Ung. Hradisch; Jsak Blum, Ingenieur in Jassy; Dr. Marco Cooler. Redakteur, Czernowitz; Dr. Mayer > Ebner, Landesu. Gerichtsadvokat. Czernowitz; Dr. Berthold i Frucht, Arzt, Czernowitz; Dr. Jancu Goldenstein, Arzt in Jassy;! Heinrich Herschmann, Magister der Pharmacie, Czernowitz;! Karl Klüger, Chefredakteur des „Czernowitzer Tagblattes",! Czernowitz; Dr. Jakob Kammer, Hofu. Gerichtsadvokat in! Wien; Dr. Adolf Langhaus, Advokaturs-Kandidat in Dornaj Watra; Dr. Sigmund Neuberger. Arzt in Zablotow. Dr. Paul! Rieber, Landesu. Gerichtsadvokat, Czernowitz; Emil Schecht,! Apotheker in Zastawna; Dr. Mayer Schifter, Landes- und! Gerichtsadvokat, Czernowitz; Dr. Jsak Schmierer, Landes- und - Gerichtsadvokat, Czernowitz; Dr. Elias Stroh. Advokatursi kandidat, Czernowitz; Moses Stroh, Advokatnrskandidat, j Czernowitz. | Anregungen betreffs des Theodor Herzl-Denkmals und; sonstige Zuschriften sind an die H e r z l d e n k m a l-K o m m i s s i o n > der akad. Verbindung „Hasmvnaea" (Herrengasse 29, I. Stock) zu richten, woselbst auch Sammelblocks an Vertrauensmänner ansgefolgt werden.