Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 18 (11.5.1906)
- Date
- 1906-05-11
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8. ' Die Wahrheit Nr. 18. Vereines und der Unterstützten den wärmsten Dank für ihre Güte hinnehmen. Prag. Samstag, am 6. Mai fand in der altehrwürdigen Zigeunersynagoge zu Prag ein .feierlicher Schlußgottesdienst statt. Die Synagoge stützt auf jenem Teile der ehemaligen Indenjetzt Josefstadt, welcher jetzt M Äffanierungszwecken demoliert werden muß. Dieses Schicksal traf vor mehreren Jahren die Neufynagoge und harret auch der Hochsynagoge. Aus Anlaß des Festgottesdienstes erstrahlte das Gotteshaus tn hellster Beleuchtung und, war schön dekoriert. Nicht nur die regelmäßigen Synagogenbesucher, sondern auch eine große Anzahl von Andächtigen und geladenen Festgästen füllten die Synagoge in allen ihren Räumen. Die Vorstände,der .anderen Synagogengemeinden, die Herren Rabbinen mit dem Herrn.Oberrabbiuer Dt. N. Ehrenfeld an der Spitze, die Kantoren p. s. w. waren anwesend. Die Feier begann mit einem erhebenden Na toMi-Gesange, dann wurde Mmcha gebetet. Hierauf wurde von dem Rabbiner der Gemeinde, dem Herrn Dr. Aladar Deutsch, vor geöffneter Bundeslade zum letzten Male an dieser Stätte das Kaisergebet verrichtet. Hierauf hielt Herr Dr. Deutsch, die Festrede, worin er in einer in Form und Jnhatt gleich vollendeten Weise von dieser Stätte Abschied nahm und gleichzeitig in gedrängter Kürze ein Bild des Entstehens und Bestehens des Gotteshaches aufrollte. Kein Auge blieb tränenleer. Man sah nicht' nur Frauen, sondern ergraute Männer weinen und schluchzen und die Mauern, in denen sie so manche weihevolle Stunde verlebten, küssen und mit ihren Tränen benetzen. Nach Schluß der Predigt verrichtete der Herr Rabbiner das Seelengebet für den Gründer der Synagoge, besten Namen diese, auch trug. In einem anderen Teile der Stadt, in der Jerusalemsgaste, erhebt sich der Prachtbau eines neuen Tempels, Kaiser Franz Josefs-Jnbiläums-Tempel genannt, der noch im Laufe dieses Sommers eingeweryt und seiner Bestimmung übergeben werden wird. B. F. Budapest. (Generalvers ammlung der Pester israelitischen Religionsgemeinde.) Die Repräsentanz der Pester israelittschen Religionsgemeinde hat letzten Sonntag, unter dem Vorsitze des stellvertretenden Präsidenten Hosrat Dr. Philipp Weinmann, ihre ordenttiche Generalversammlung gehalten. Der Vorsitzende begrüßte die zahlreich erschienenen Repräsentanten und meldete mit Bedauern, daß der Präsident der Gemeinde, Hofrat Sigmund Kohner, seine Stelle uiedergelegt habe und daß alle Versuche, ihn zum Verbleiben in seinem Amte zu bewegen, fruchtlos geblieben sind. Redner würdigte die außerordenüichen Leistungen und Verdienste des zurücktretenden Präsidenten und schlägt vor, daß die Anerkennung der Verdienste Kohner's im Protokoll verewigt und ein Auszug des Protokolls durch eine Deputation Herrn Hofrat Kohner überreicht werde; ferner daß das Porttät Sigmund Kohner's gemalt und im großen Sitzungssaale angebracht werde. Diese Vorschläge wurden einhellig angenommen. Präsident meldet ferner, daß der Gemeindevorsteher und Chef der Finanzsektion Ludwig Baum garten seine Stelle niedergelegt habe, er beantragt, daß die Generalversammlung dem zurückttetenden Gemeindevorsteher für die eifrige Versetzung seines Amtes Dank und Anerkennung ausspreche. Dieser Anttag wurde einhellig angenommen. Nachdem für die Gebahrung das Absolutorium erteilt worden, ergreift zum Jahresberichte Dr. Wilhelm Grauer das Wort. Er konstatiert mit Bedauern, daß die Gemeinde noch immer kein Gymnasium hat. Mit einem Gefühle des Schmerzes ersieht er aus dem Jahresberichte, daß die Zahl der Austritte aus der jüdischen Konfession jahrjährlich zunimmt. Lobend gedenkt er der Tätigkeit der Lehrer, die alles Mögliche aufbieten, um den Schülern die Religiosität einzuflößen. Dies genügt aber nicht; der Lehrer muß dahin wirken, daß in der Seele des jüdischen Kindes auch das jüdische Selbstüewußtsein Wurzel faste. An der Spitze der Gemeinde wünscht er nur solche Männer zu sehen, die mit ganzer Seele und ganzem Herzen der Sache des Judentums dienen. (Allgemeine lebhafte Zustimmung.) Präsident nimmt diese Aeußerungen freudig zur Kenntnis und teilt die Ansichten des Vorredners. Präsident meldet sodann, daß am 7. Juni l. I. die vierzig Jahre voll werden, seitdem j Rabb. Dr. Samuel Ko h n mit großem Eifer, von der aufrichtigen Verehrung und Liebe der Gemeinde umgeben, sein Amt versieht. Redner stellt, den Antrag daß die Generalversammlung dem hochverdienten Manne den Titel und die Würde einees Obberrabiners verleihen und ihn hievon im Wege einer Deputäüon verständigen möge. Die Generalversammlung nahm diesen Anttag einhellig an. Auf Vorschlag des Vorstandes wird sodann der provisorische Sekretär der Gemeinde Dr. Julius Weiß bürg in dieser Stelle definitiv bestätigt. Die zur Wahl eines neuen Gemeinde-Präsidenten einzuberufende Generalversammlung wurde auf den 20.- Mai l. I. anberaumt. Zum Schlüße wurden Hofrat Sigmund Kohner, Dr. Wilhelm Bnzsonyt und Alexander T s U k m den Gemeinde-Ausschuß gewählt. Nach Schluß der Generalversammlung fand unter Vorsitz des Ministerialrates Dr. Ludwig Ballai eine Konferenz der Repräsentanten statt, in welcher der Beschluß gefaßt wurde, an Magnatenhaus-Mitglied Sigmund Ko rufeld, der jüngst einstimmig für die Stelle des Gemeindepräsidenten kandidiert worden ist, eine Deputation zu entsenden und ihn um Annahme der Präsidentenschaft zu ersuchen. Die aus sechzig Repräsentanten bestehende Deputation begab sich - unter Führung Ludwig Ballai's zu Herrn Kornfeld, um ihm den Beschluß der Repräsentanten-Konferenz -mitzuteilen. Herr Kornfeld dankte in längerer Rede für die Ehrung und Kundgebung des Vertrauens, erklärte jedoch auf das entschiedenste, derzeit die verantwortungsreiche und viel Zeit in Anspruch nehmende Stelle nicht annehmen zu können. Er ersuchte die Deputation, von seiner Person derzeit abzusehen, erklärte sich aber bereit, im Vorstande ' der Gemeinde mit größtem Eifer mitzuarbeitem Die Deputatton nahm diese Entschließunq mit Bedauern zur Kemttnis Md es wurde vereinbart, eine neuerliche Konferenz der' Repräsentanz ^znberufen, Wie verlautet, besteht die'Absicht, den bisherigen Vizepräsidenten Hoftat -Dr. Weinm-nnn zum Präsidenten zn^ wählen, in welchem Falle Sigmund Kornfeld die Stelle eines Vizepräsidenten annehmen würde. Kattowitz- Die Symphonie. „Bon Babylon nach Rom" von Oberkantor Zivi-Eberfeld, die anläßlich des letzten philharmonischen Konzerts des hiesigen städtischen Orchesters, unter Leitung des Herrn Oberkantor Singer eine so meisterhafte Wiedergabe gefunden hat und der von dem musikliebenden und musikverftändigen Publikum eine so begeisterte Aufnahme bereitet worden ist, gelangt bei der Generalversammlung des Deutschen Kantoren-Berbändes am 3. Juni er. (1. Pfingstfeierlag) in Dresden durch das dortige philharmonische Orchester zur Ausführung. Der Komponist hat bereits an Herrn Oberkantor Singer das Ersuchen gerichtet,- das Werk wieder zu dirigieren. Aus musikliebenden Kreisen Unserer Stadt, namentlich von Herrschaften, die durch die am gleichen. Abend stattgefundene Generalversammlung des „Vereines für Kunst und Wissenschaft"' am Besuch des letzten Konzerts des städtischen Orchesters abgehalten waren, ist wiederholt die Anregung ergangen, das Werk in Kattowitz nochmals zur Aufführung zu bringen. Jeder Musikverständige kann sich diescm Wunsche nur anschließen. London. Die „Franks. Ztg." veröffentlichte vor einiger Zeit einen Artikel von Davis Trietsch, der entschieden die Insel Cypern, die unter englischer Verwaltung steht, als Auswanderungsland für die russischen Juden empfiehlt. Wie jedoch die Londoner „Jewish- Ehronicle" berichtet, hat ihr das englische Auswärtige Amt schon vor einiger Zeit mitgeteilt, daß Cypern keine Möglichkeiten für eine jüdische Ansiedlung biete. Petersburg. Die Untersuchung gegen den Verfasser der zu Pogromen gegen oie Juden aufhetzenden Proklamationen, Staatsrat Lawroff. ist nunmehr beendigt. Lawroff wird der Prozeß gemacht. Bekanntlich wurden die Proklamationen in der Petersburger amtlichen Druckerei, mit Erlaubnis des Zensors Sokolow, gedruckt. Der die Untersuchung führende Beamte hat die Sache Sokolow an den Prokurator weitergegeben. Ktteratnr. Die exegetische Terminologie der jüdischen Traditionsliteratur von Dr. Wilhelm Bache r, Professor an der Landes-Rabbmerschule zu Budapest. Leipzig, I. C. Hinrichs'sche Buchhandlung, 1905. Zn dem 1899 erschienenen ersten Teil „Die bibel-exegetisch e T e r m i n o l o g i e d e r T a n n a i t e n" ist jetzt der zweite Teil „Die bibel- und traditionsexegetische Terminologie der Amoräer", beide Teile unter obigem Titel zu einem Ganzen vereinigt, in vornehmer Ausstattung erschienen. — Eine Arbeit Bachers bedarf keiner besonderen Empfehlung. Jeder Freund der talmudischen Literatur wird sie mit dankbarer Freude begrüßen, namentlich aber den Studierenden wird diese gediegene, fleißige Arbeit ein willkommenes, unentbehrliches Hilfsmittel darbieten. nprt Tannaim und Amoraim, ihr Leben und Wirken, Kultusarten des heidnischen Götzendienstes u. s. w., historisch bearbeitet von Leopold Landesberg, Bezirks-Rabbiner in Szeghalom, Ungarn. Erster und zweiter Teil: I. R. Abbahu und H. R. Seira. Ein höchst originelles, geistvolles Werk, das dem Leser Belehrung und Unterhaltnng in überraschender Fülle bietet und den Wunsch wachruft, daß die übrigen Teile dieses Werkes möglichst bald erscheinen möchten. Allerdings kommen auch hie und da sprachliche und sachliche Entgleisungen vor. So die beständige Anwendung des Hithpael anstatt des P i e l in ttansitiver Bedeutung, oder wenn - der Verfasser den Pomp ejus einen Feldherrn des Augustus Octavianus sein läßt (II., 1), oder wenn er die Esther von R. Meir Hadassa genannt werden läßt (1,11), was ja die heilige Schrift selbst tut (Esther II., 7)! Aber das sind eben Entgleisungen, wie sie auch jedem noch so geistvollen Autor unterlaufen können — Homer soll ja auch einmal geschlafen haben l Der Wert dieses eigenartigen Werkes wird dadurch nicht beeinträchtigt und wir rufen dem greisen Verfasser ein herzliches "2 iv zu. Rabb. Dr. Kahan, Znaim. ' Moses Maimonides und Moses Mendelssohn in ihrer Bedeutung für die Zukunft des Judentums, von Prof. Dr. Adolf Biach, Brüx, ist vor kurzem in dritter Auflage erschienen und! durch , ein Schlußwort vermehrt, das dem Andenken Gabriel Ri eß ers gewidmet ist. Für diejenigen, die sich eingehender mit dem Wesen des Judentums beschäftigen wollen, sei hingewiesen auf die Werke von Güdemann-WieN) Eschelbacher-Berlin, Schreiner-Berlin, Baeck-Oppeln; von Schriften geringeren Umfanges sei besonders hingewiesen ans die geistvollen Vorträge : C. Seligmann, „Judentum und Weltanschauung", Frankfurt a/Main und F. Perles-Königsberg. Schließlich sei noch angeführt ein Wort des vor kurzem verstorbenen weltbekannten Kritikers der „Neuen Freien Preste" Ludwig Speidel, der, obwohl P r o t e st a n t, in einem herrlichen Feuillet onder „N. F. P." (1. Nov. 1897) bemerkte: - „Wie viele von uns müßten das beste Stück ihrer selbst hinwegwerfen, wenn sie vergessen wollten, was sie, sei es in der Religion, sei es in der -Wissenschaft. oder im Leben, den Juden verdanken." Möge, auch vorliegendedritte Auflage zur Erkenntnis beitragen, wie notwendig für uns jüdischeVolksschriftensind. pWnigtMLM am i besten mit ScittchSc h wä nseife fraet» KV-ilien'rf») /; sie ditjl: aü'ch die -' (teste Kaliseite) schänstg WEISSWASCHE