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Die Wahrheit · 1906-01-12 · Heft 2 (12.1.1906) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1906
Issue
Heft 2 (12.1.1906)
Date
1906-01-12
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 2. Die Wahrheit S eite 11. Lais. Rat Dr. Lieben. Kais. Rat Wilhelm. Kais. Rat Waitzner. Kais. Rat j "SDr. Krüger. Pros. Ignaz Brüll. Prof. Joses Sulzer. Dr. Adler. Dr. Fialla.! Dr. Schreiber. Die Doktoren Ignatz und Julius Weiß, Sternberg, Kanitz, , Ehrmann, Löwy. Die Ortsschulräte S. Heit und Fuchs. Redakteur Kraus. Dr. Thaler und Frau. Poiizeibezirksleiter Kende. Prof. Dr. Steinherz. Prof. Pollak. Vorftand-X. Bezirk Seligmann und Straßberg. Direktor Weber. Direktor Fischer. Dr. Libitzky. Sekretär Braun. Sekretär Fleischer. Vorsteher Deiches. Kultusvorsteher Steiner-Schidlof. Dr. Rosenfeld-Znaim. H. Berliner. Armenrat Josef Pollak. Vorsteher der Armenanstalt Josef Jellinek, Emil Jellinek. Dr. Grünfeld - Szenitz, Dr. Alkalay - Belgrad. Cand. Phil. I. Alkalay-Wien. Lehrer Ungar-Graz. Markus Bondi. Ad. Hofbauer-Wien. Rektor Prof. Dr. Schwarz. Prof. Büchler. Lektor Friedmann. Lico Russo.' Markus Russo. Brüder Asriel. I. Finzi. I. Fermo und Gemalin. Dr. Pisk. Die Beamten der Kultusgemeinde: Horowitz, Brösler, R. Kraus. Hoflieferant Ad. Beck. Vorsteher Dr. Löwy. Musikdirektor Rubin-Prag. Hotelier Winternitz (Lewy), Guth und Sohr. Religionslehrer Adolf Rotier. Wilhelm Breuer. Mädchenverein „Moria". Dr. Krenberger. Prof. Kanitz. Ingenieur Kram. I. Bekmann. Dr. Achselrath. Dr. Laub. Dr. Porges. D. I. Sussin. Alfred und Morenu Heim. Lazar Sussin. Sam. Russo. Generalsekretär Gerhard. Familie Marmorek. Ingenieur Marbach. Dr. Jellinek. Dr. Katscher-Znaim. Albert Löw. Architekt S. Löwy u. v. A. Nachdem den ganzen Tag über die Schaar der Gratulanten dem Jubilar ihre Sympathie bezeugt hatte und eine unzählige Menge von Telegrammen eingetroffen war, fand zum Abschlüsse des schönen Festtages um 8 Uhr abends im „Hotel de l'Europe" ein vom Vorstande des österr.- ung. Kantoren-Bereines veranstaltetes Festbankett statt, an welchem nebst dem Jubilar, seiner Gattin und den Familienmitgliedern, viele Kollegen und Freunde und Vertreter humanitärer Vereine teilnahmen. Oberkantor Singer brachte als Vorsitzender an der Festtafel den ersten gemül- und humorvollen Toast auf den Jubilar und dessen Gattin, Dr. K a h a n toastierte auf den Kantorenstand und insbesondere auf jene Personen, die .zum Gelingen des schönen Festes beigetragen, Kantor L ö w i t auf den Bereinspräsidenten Oberkantor Singer und dessen Gattin, Oberkantor Guttmann auf die Familie des Jubilars, Dr. Herzfeld auf Oberkantor Guttmann und Kantor Löwit als die Arrangeure des Festbanketts, Kantor A. R o t t e r auf die abwesenden Kollegen. Im Anschluß an diesen Toast wurde eiu Telegramm an den derzeit in Abbazia zur Herstellung seiner Gesundheit weilenden I. Kantor Moriz Blatt abgesender. Humorvolle und sinnige Rede wechselte mit ausgezeichneten, von stürmischem Beifall belohnten gesanglichen Darbietungen der Herren Oberkantoren Guttmann und Bass er und erst in später Stunde fand die überaus animierte Festtafel ihr Ende. Aurückgefunden. Novelle von Babette Fried, Prag. (Fortsetzung.) Unter diesen und ähnlichen Gedanken hatte der Pole die Pinhofka erreicht. Beruhigend legte sich die köstliche Waldesruhe auf sein aufgeregtes Gemüt. Der Waldesschatten umschmeichelte ihn, so daß sein wild tobendes Blut ruhiger in seinen Adern -floß. Ermattet von dem weiten Wege, ließ er sich im kühlen Moose wieder, wo ihn bald ein sanfter Schlummer umfing. Wie lauge er so geschlaffen hatte, wußte er selber nicht, als er erwacht war. Seine Taschenuhr war stehen geblieben und kein Mensch war im Walde zu sehen oder zu hören. Diejenigen, welche diesen Wald als Ziel eines Aussiuges zu wählen pflegten, waren heute mit Arbeit sowohl, als mit Anschauen der Dekorationen, so wie der fremden Gäste beschäftigt, daß sie ihren gewohnten Spaziergang aufgaben. Diejenigen aber, welche die Pintovka zum Zwecke des Holz-, Pilze- oder Erdbeersammelns aufzusuchen pflegten, fanden heute eine lohnendere Beschäftigung oben in der Stadt. Neugierig sah sich der Pole um und blieb wie versteinert stehen vor dem Anblicke, der sich ihm darbot. Auf einem der sich terrassenförmig erhebenden Hügel saß eine Frauengestalt, beleuchtet von einzelnen Sonnenstrahlen, welche durch die Zweige der hohen Tannen hindurchzitterten. Ruhig saß sie da, die Augen sinnend ins Weite gerichtet. Der kleine Mund war halb geöffnet, so daß die weißen Zähne hervorschimmerten. Sie war mit einem duftig weißen Gewände bekleidet, und das dunkle, in dicken Zöpfen geflochtene Haar zierte ein Eichenlaub. War das ein Weib aus Fleisch und Blut, oder eine Nymphe des Waldes, die zu erblicken ihm seine aufgeregte Phantasie gestattete? Jetzt machte das holde Wesen eine Bewegung, um etwas weben sich Liegendes in die Hand zu nehmen. Die kleine Entfernung zwischen beiden gestattete es dem jungen Manne, den Gegenstand sofort zu erkennen. Es war eine Strickerei. „Ah," meinte der Fremde lächelnd, „das ist jedenfalls eine der vielgepriesenen Töchter des Landes, denn Nymphen und Feen stricken keine Strümpfe." Von einem starken Baumstamme verborgen, war der Pole von der Schönen nicht eher gesehen worden, bis er in ihre unmittelbare Nähe gelangt war. Das Rascheln des welken Lqubes, das bei seinem Herannahen laut wurde, ließ die Dame ausblicken. Glühende Röte bedeckte ihre Wangen, als sie des Fremden ansichtig wurde. In einem zwar fremdartig klingenden, aber sonst ganz korrekten Czechisch sprach er sie an. Sie antwortete ihm in derselben Sprache. „Habe ich das Glück, Fräulein, in Ihnen eine Tochter der gastlichen Stadt Tabor, vielleicht gar eine Abkömmlingin des tapferen Taboriten zu begrüßen?" „Ich bin beides nicht, mein Herr! Ich bin wohl eme Tochter des Landes, wie Sie an meinem geläufigen Czechisch erkennen dürften, aber ich stamme aus einer anderen Gegend her, und bin mit meinen beiden Zöglingen bei deren Großeltern zu Gaste. Dieser Wald ist unser liebster Ausflugsort, und auch heute haben wir ihn als Ziel unseres Spazierganges gewählt, trotzdem er wie ausgestorben ist. Sie sind der Einzige, dem wir heute noch begegnet sind." „Ja, alles ist mit den Vorbereitungen zum morgigen Feste beschäftigt," sagte der Fremde, „es herrscht oben eine eilfertige Geschäftigkeit. Doch lag mir daran, die wunderbare Umgebung der Stadt in Augenschein zu nehmen, so daß ich meine Bekannten verließ und mich hierher begab. Der köstliche Waldesschatten hatte mich zum Schlummer eingeladen, und beim Erwachen erblickte ich eine holde Nymphe mit einem Eichenkranz auf dem holden Lockenhaupte." Erschreckt griff das junge Mädchen nach dem Kopse, offenbar in der Absicht, den grünen Hauptschmuck, an dessen Vorhandenseiu sie vergessen hatte, herabzureißen. Doch der junge Mann hinderte sie daran, indem er sie sanft, aber entschieden bei der Hand faßte. „O bitte, behalten Sie doch diesen Schmuck, der ihnen so wunderbar zu Gesichte steht, und schenken Sie mir die Gunst, Sie darin noch eine Weile bewundern zu dürfen! Gestatten Sie mir auch, mich Ihnen in aller Form vorstellen zu dürfen: Dr. phil. Josef Dansky, Professor am polnischen Gymnasium zu Krakau." „Sie sind gewiß als Deputierter hier angekommen," sagte das Mädchen, nachdem sie sich leicht verneigt hatte. „Ja, sozusagen als Führer mehrerer Deputattonen aus Krakau. Man hat mich zu diesem Ehrenamte ausersehen, weil ich als Lehrer der slavischen Sprachen auch des Czechische» mächtig bin, so weit mächttg, um mich verständigen zu können, wenn auch mit einer an's Polnische erinnernden Aussprache." „Wirklich, Sie sprechen ein gutes Czechisch, Herr Doktor, was man nicht von allen Herren sagen kann, die zur Denkmalsenthüllung hierhergekommen sind." „Wie, Fräulein, auch Sie haben bereits diese Beobachtung gemacht?" „Natürlich! Wie Sie vielleicht wissen werden, haben die Bewohner der Stadt sich erbeten, die als Deputationen hier anlangenden Gäste in ihren Wohnungen auszunehmen, nachdem die hier bestehenden Hotels und Gasthäuser sich als nicht ausreichend erwiesen haben. Die Großeltern meiner kleinen Zöglinge, bei denen wir als Gäste wohnen, haben der aus den vornehmsten bestehenden Einquartterungskommission auch ein Zimmer zur Verfügung gestellt. Heute früh brachte man uns die Einquartierung, zwei sehr feine Herren, ich glaube, es sind auch Doktoren aus Agram, aber mit ihrem Czechischen war es sehr übel bestellt. Da uns die slovenische Sprache ebenso fremd ist, wie ihnen die czechische, so verfiel ich auf einen Ausweg und sprach sie französisch an. Nun war eine vollständige Verständigung möglich, aber nur mit mir, denn die Alten kennen keine fremde Sprache." (Fortsetzung folgt.)

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