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Die Wahrheit · 1902-11-21 · Heft 44 (21.11.1902) · page 1

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1902
Issue
Heft 44 (21.11.1902)
Date
1902-11-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Redaction und Administration: i Wien, II/,. Novaragasse 27.! ff. k. österr. Po:':lv:rcassa s Check-Conto Nr. 846.25! ' j Inserate i 20 Heller per Nonpareille-Zeile.; Abonnements- und JnserationS- - betröge sind in Wien zahlbar und klagbar. Unabhängige Aeitschrist für Mische Interessen. Erscheint jeden Freitng. Motto: „Das Siegel Gotte» ist Wahrheit!" Serugsprets: 0>an,iährig . . . ff. 12.—; Halbjährig .... ff. 6.— . I Für CultuSbeamte: | Ganzjährig.... ff wj Für Altsland.: j; Ganzjährig . . .3 Mark. 6 Rubel o'er 16 Fc» Nr. 44. Wien, 21. November 1902. Anhalt: Wahlaufruf. — Wiener Cultuswahlen. - richten. — Organisation und Fachblatt. - Wissenschaft oder — Gelehrsamkeit. — Ein moderner Prediger. — Verschiedene Nach- Sehr geehrter yerr! Am 23. d. AI. findet die Wahl von Vertretern in die Wiener israelitische Tultusgemeinde statt. N)ir erlauben uns nun an 5ie die dringende Bitte zu stellen, sich an der Mahl betheiligen zu wollen, zumal eine Gruppe von Glaubensgenossen es neuerdings angczeigt gefunden hat. politische Schlagworte zu gebrauchen und ein utopisches Programm aufzustellen, das. wenn die Durchführung auch nur versucht würde, die mit großer Blühe ins Gleichgewicht gebrachte finanzielle Lage der Gultusgemeinde ernstlich gefährden würde und die Tultussteuer um ein Vielfaches erhöhen müsste. Mohl wünschen auch wir, dass die Miener Tultusgemeinde angesichts der herrschenden traurigen Verhältniße und Mangels einer höheren jüdischen Vertretungsinstanz ihre Thätigkeit auch über den localen und statutarisch allzu eng begrenzten Wirkungskreis hinaus ausdehne und als Führerin der gesammten Zudenschaft auftrete. Allein ihr Hauptaugenmerk ist dem Statut gemäß auf die Befriedigung der religiösen und Humanitären Bedürfuiße zu richten. Wir verlangen von dem Tultusvorstande der größten Gemeinde unseres Vaterlandes, dass er sich mit der Unterrichtsfrage eingehend beschäftige und bestrebt sei, durch entsprechenden Religions- und jüdischen Geschichtsunterricht auf die fugend derart zu wirken, dass unsere Glaubensgemeinschaft gefestigt werde. Angesichts der großen Opfer, welche die Gemeindemitglieder durch Bezahlung einer namhaften Tultussteuer bringen, dürfen wir mit Recht die Forderung erheben, dass nicht nur die bestehenden Wohlthätigkeitsanftalten erhalten, sondern erforderlichen Falles auch neue errichtet werden, umsomehr, als bei der Jetzigen Strömung unsere Glaubensgenossen von den interconfessionellen Wohlthaten beinahe völlig ausgeschlossen sind. Um eine gerechtere Vertheilung der Tultussteuer zu erzielen, .muß der Vorstand bei der Regierung neuerdings ächritte ein leiten, damit für die Bemessung der Tultussteuer eine gesicherte Grundlage geschaffen werde. Dringend nolhwendig erscheint die Aufstellung einer jüdischen, dauernd fortgesetzten Statistik, überaus wünschenswerth, dass die Wiener Tultusgemeinde einen staatlichen Beitrag zum israelitischen Tultus erlangen möge, und als anstrebenswerthes Ziel muß es bezeichnet werden, dass die private und Vereinswohlthatigkeit durch Initiative der Tultusgemeinde organisirt werde, um erfolgreicher wi ken zu können. Es.mußj nicht nur als ein Gebot der Dankbarkeit, sondern als eine Pflicht des Tultusvorstandes betrachtet werden, dass den Tempel- und Bethausvereinen die größtmögliche Unterstützung erwiesen werde, denn sie allein find es, welche die Gemeinde entlasten und durch selbständige Erhaltung ihrer Bethäuser einem außerordentlich großen Ureise von Glaubensgenossen die Möglichkeit bieten, den religiösen Pflichten nachzukommen. 5ache der Tultusgemeinde muß es in Einkunft sein, für einen allen Glaubensgenossen zugänglichen Gottesdienst an würdigem Orte während unserer hohen Feiertage, bei welchen die vorhandenen Gotteshäuser nicht genügen. Vorsorge zu treffen. Der Wirkungskreis der Bezirkscommiffionen, welche heute eigentlich nichts wie steuercommiffionen sind, soll wesentlich erweitert und die Autonomie der einzelnen Bezirke im Zntereffe des Ganzen ausgestaltet werden.

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