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Die Wahrheit · 1901-12-27 · Heft 50 (27.12.1901) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1901
Issue
Heft 50 (27.12.1901)
Date
1901-12-27
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 50 Pte Mahrheit. Seite S. Ehrengeschenke überreichte. Ein gleiches Ehrengeschenk wird auch dem abwesenden Obercantor Guttmann in geeigneter Weise zugesendet werden. Obercantor Bauer dankte in längerer Rede für die ihm und seinem Eollegen Guttmann erwiesene Ehrung. Unter großem Jubel wurde sodann dem sehr verdienstvollen Obmann, Herrn Isidor Schwarz, der als seltener Wohlthäter und edler Menschenfreund von Herrn Boskowitz in längerer Rede gefeiert wurde, das Ehrenmitglied-Diplom überreicht. Sichtlich gerührt dankte der allgemein verehrte Obmann sür die ihm dargebrachte Ehrenbezeugung. Nachdem noch die Herren Heimann, Feldmann, Striks und Greisler unter Leitung des in der Gesellschaft verehrten Schriftführers, Herrn Isidor Löwit, einige hübsche Quartette zu Gehör gebracht hatten, schloss mit Vortrag des Tischgebetes durch Herrn Obercantor Bauer das animierte, würdige Brudermahl. Besonderes Lob und aufrichtigen Dank verdient auch der in Wien bestbekannte Restaurateur Sohr sür die Verabreichung der geschmackvollen Speisen. Zöie«. (Berichtig u n g.) Unter den Theilnehmern an der constituirenden Versammlung des „Sulzerbund" wurde in voriger Nummer auch Herr Cantor Zlocensko genannt. Es sei hiemit constatirt, dass derselbe Obercantor der Cultusgemeinde Ho lies ist. Höerholkavrunn. Die am 5. d. vom Cultusvorstande veranstaltet Chanuka-Feier, zu welcher Herr Leopold Skutezky und Frau eine prachtvolle Menorah für den Tempel spendeten, nahm einen würdigen und allgemein befriedigenden Verlauf. Das festlich beleuchtete Gotteshaus war mit Andächtigen und vornehmlich von Schülern des Staatsgymnasiums, sowie der Volks- und Bürgerschulen dicht gefüllt. Nach dem Mincha-Gebete wurde das „Haneros lialolu“ von der gesummten Schuljugend unter Leitung unseres tüchtigen Religionslehrers und Cantors, Herrn Sigmund Jellinek, gesungen und dann stimmte der Cantor mit seinem Knabenchor und den Gymnasial-Schülern das herrliche „>Ioau8 zur'1 an, welches in exacter Weise abgesungen wurde. Mit dem Abend- Gebete schloss diese erhebende Feier, welche vom Cantor Jellinek;um erstenmal seit dem Bestände der hiesigen Gemeinde in dieser Art begangen wurde, wofür auch demselben Beifall und Anerkennung zutheil wurde. Zkurgstall. Donnerstag, den 19. d. M. früh, .verschied hier Frau Regina Schulz, die hochbetagte Mutter unseres allverehrten Cultusvorstehers, Herrn Emanuel Schulz, im Alter von 78 Jahren. Die Verblichene entstaminte einer frommen Familie aus Triesch in Mähren und lebte in glücklicher Ehe mit ihrem — vor 14 Jahren ihr in den Tod vorausgegangenen — edlen und wahrhaft frommen Gatten, Reb Chaim Schulz, sel. And. Nach ihr trauern nicht nur drei ehrenwerte Söhne, denen die Verblichene eine liebevolle, aufopfernde Mutter war, sondern auch viele Arme beweinen in ihr eine edle, gutherzige und freigiebige Glaubensschwester. Geduldig und gottergeben ertrug sie — besonders in letzter Zeit — ihr schweres Leiden, und es war rührend, wie sie ihren hingebungsvollen Kindern gegenüber ihre fast unerträglichen Schmerzen zu verheimlichen suchte. Welch allgemeiner Beliebtheit sich die edle Frau erfreute, zeigt am deutlichsten das-imposante Leichenbegängnis, das am Freitag Nachmittag am israel. Friedhof in Ubbs a. d. Donau stattfand. Bus der ganzen Umgebung strömten Leute herbei, um der weit über die Grenzen unserer 5 politischen Bezirke umfassenden Cultusgemeinde hinaus bestbekannten, frommen und überaus wohlthätigen Greisin das letzte Geleite zu geben. Auf dem Friedhofe widmete unser Herr Rabbiner aus Amstetten der Verblichenen einen wohlverdienten Nachruf, in welchem er den klaren Verstand und die edlen Eigenschaften der Verstorbenen besonders hervorhob. Nach der Beerdigung verrichtete der älteste Sohn der Verstorbenen — Herr Tempelvorsteher David Schulz aus Pirnitz in Mähren — das Minchagebet vor der ganzen Trauerversammlung, welche sodann — mit Rücksicht auf den nahenden Sabbath — die Heimreise, in bereit gehaltenen Fahrgelegenheiten sofort antreten musste. — Möge die allgemeine Theilnahme den gebeugten Hinterbliebenen zum Tröste gereichen! M. Mandl. Melitz-Z3iata. Im Prüfungssaale der ^isr. Volksschule fand am 15. d. Nachmittag die Betheiligung von 24 bedürftigen isr. Lehrlingen mit Winterbekleidung statt. Die Feier war eine einfache aber würdige, die Gaben waren reichlich bemessen und praktisch ausgewählt. Obmann- Stellvertreter, Herr R. Kessel, begrüßte die zahlreich erschienenen Ehrengäste, unter welchen sich auch der Präses der isr. Cultusgemeinde, Herr S. Pollak, sowie Herr Rabbiner Dr. Steiner befanden, in herzlicher Weise und wandte sich dann in einer von geradezu väterlicher Fürsorge erfüllten Ansprache an die Lehrlinge. Ausgehend von dem Worte: „Wer Mühe säet, wird Freude ernten", richtete er liebevolle Mahnungen an die Zöglinge, denen allen er als ein treuer Freund und Berather stets zur Seite steht. Herr Kestel pries den Segen der Arbeit und seine Worte bezeugten, dass er manch tiefen Blick in junge Menschenseelen gethan. Insbesondere herzlich wandte sich Herr Kestel an einen der Lehrlinge, der seine Lehrzeit vollendet hat, und sprach schließlich allen Wohlthätern und Gönnern des Vereines den herzlichsten Dank aus. Unter den letzteren befand sich diesmal auch Baron Hirsch, dessen reiche Gabe es ermöglichte, die Betheilung heuer besonders reich zu gestalten. Hoffentlich wird von dieser Seite dem Vereine das gleiche Wohlwollen auch in Hinkunft zutheil, damit der Verein seiner schönen Aufgabe, für die Erziehung bedürftiger Lehrknaben zu sorgen, dauernd mit best" möglichsten Erfolge gerecht werden kann. Dem Dank für Herrn Kestel gab Herr Rittermann Ausdruck. Er gedachte der Fürsorge des Herrn Kestel sür die israel. Lehrlinge, die sich nicht nur auf deren leibliches, sondern insbesondere auch auf deren geistiges Wohl erstreckte. Er gedachte insbesondere des durch Herrrn Kestel angeregten Lehrlings» curses, in welchem die Zöglinge geistige und religiöse Anregung finden, in welchen der Grund für ihre innere Entwickelung gelegt werde, und brachte Herrn Kestel die vollste Anerkennung hierfür zum Ausdrucke. Die Anwesenden gaben ihre Zustimmung zu dieser wohlverdienten Ehrung! durch allseitigen Beifall zu erkennen und beglückwünschten überdies Herrn Kestel herzlich zu dem schönen humanitären Werke. ZLudapest. Baron Heinrich Levai de Kistelet, der Sohn eines! armen Schächters in einer kleinen Dorfgemeinde, hat es noch als? Jude bis zum Oberhausmitglied gebracht und war bis zu seinem 70. j Jahre Jude, der sich auch seines Judenthums bewusst war und die! Interessen seiner Confession stets förderte. Nach einer höchst unange-! nehmen Assaire musste er die Generaldirectorsselle bei der allgemeinen! ungarischen Assekuranz-Gesellschaft, deren Gründer er gewesen, nieder-? legen. Er nahm dann die Taufe und erhielt die ungarische Baronie.! Nun soll er in der kurzen Zeit, die seit seinem llebertritte verstrichen, ein überaus eifriger Katholik (?) geworden sein und fein einige Millionen Gulden betragendes Vermögen rein katholisch-kirchlichen Zwecken vermacht! haben. Litteratur. Aaöv. Ar. Keppner's jüdisch - literarischer Abreiß-Kalender 1902, Kofchmin (Israel Tuch). Der 3. Jahrg. dieses vortrefflichen, in Oesterreich leider noch immer nicht eingeführten Kalenders zeichnet sich vor seinen Vorgängern durch besondere Reichhaltigkeit der biographisch-geschichtlichen Angaben und der poetischen Citate aus. Eine Fülle historischen Materials bietet diese so bescheiden austretende Arbeit. Man lernt hervorragende Gelehrte, Rabbiner, Dichter, Künstler, Staatsmänner, Lehrer, Wohlthäter Schriftsteller, Kausleute der Vergangenheit und Gegenwart, sowie deren Leben, Werke und Wirken auf leichte Weise kennen. — Die bürgerlichen und jüdischen Kalenderangaben erscheinen aus jedem Blatte. Vorzüglich sind auch die Inhaltsangaben der Wochenabschnitte. Die Feiertage sind durch Rothdruck hervorgehoben. — Dieser Kalender an der Wand jüdischer Familienhäuser könnte belehren und erziehen. Belehren durch den Reichthum positiver Daten, erziehen durch die vortrefflich ausgewählten Stücke aus Bibel, Talmud, Midrasch, Poesie und Prosa der gesammten hebräischen Litteratur. Wir wünschen dem Kalender möglichst große Verbreitung. Henry Heorge, Moses. Preis 50 Pf. Berlin. I. Harrwittz Nachfolger. 5. u. 6. Tausend! — Henry George, der Apostel der Bodenreform, gewinnt schnell einen immer größeren Kreis von Anhängern auch bei uns in Deutschland. Der Bund der deutschen Bodenreformer hat es verstanden, in kurzer Zeit eine achtunggebietende Position in unserem öffentlichen Leben einzunehmen. Das Hauptwerk der Bodenreform ist bekanntlich Henry George's „Fortschritt uud Armuth". Wer aber nicht zu diesem dicken Buche greifen, sondern zunächst den „neuen Apostel" einmal in seiner Gegenwart kennen lernen will, der greife zu dieser kleinen Broschüre. Die glänzende Sprache, die hinreißende Begeisterung, die auch diese Vorlesung Geoorges durchweht, lassen erkennen, welche Macht über Verstand und Gemüth dieser Amerikaner auszuüden vermag.

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