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Die Wahrheit · 1901-03-01 · Heft 9 (1.3.1901) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1901
Issue
Heft 9 (1.3.1901)
Date
1901-03-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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y --iC Nu 9^ Me Wahrheit Sette 7. rnzd des Gottesdienstes, wie der Volksschule gleichmäßig bemächtikigen, . Im Interesse des lieben Friedens nahm der-Gemeinde- Vorstand einsgöMitglieder der Resormpartei in seine Mitte ans; LochMese mussteil bald einsehen, dass sie ans diesem Wege ihre altf.r> die Reform/ des-. Gottesdienstes und des Glaubenlebens überhaupt ahzielendell Bestrebuligel» nicht verwirklichen können. Sie. beschlossen, dann,. ei«»en Reformverein zn bilden. Das Organ dieses Vereines.war ->,Der ungarische Israelit", ein von Einhorn Heransgegebenes.-Wocheublatt. Die Resormbestrebungen fanden jedoch - im' Lande wenig Anklang. Im besonderen wollte man das Glanbeltsleben Uticht .angetastet wissen. Ein seltsames, Echo dieser Emancipations-und Resormbestrebungen war das unter dem 17. April 1848 bei dem Pester Magistrat einger.eichte Gesuch der Zünfte, dass diejenigen Inden, welche kein Jncolatsc echt besäßen, aus Pest vertrieben werden soyen, ein. Verlangen, welches der Bürgermeister Leopold Rottenbiller vor dem Ministerium verdolmetschte. Da der Reformverein von der Gemeinde die Ueberlassnng eiu.es Bethauses für. den Samstags-, richtiger Sonntags-Gottesdienst und die Deckung der Kosten verlangte, erklärte Rabbiner Schwab.in seinem hierüber abgegebenen Gutachten, dass diese Gesellschaft das Indenthnm nicht reformiren, sondern Umstürzen wolle und sich vom Indenthume losgesagt habe. Daraufhin wählte der Reformverein Ignaz (Eduard) Einhorn zu seinem Rabbiner. Am Vorabende des jüdischen Neujqhrssestes am 27. September, wurde der im Valerojschen Hause in der Königs- Hasse befindliche Reformtempel eingeweiht. Ignaz B.irnay, der Secretär der Pester jüdischen Gemeinde, sagte von diesem Tempel: „Es ist in demselben durchaus nicht der Typus der jüdischen Kirche zu erkennen. Man ist hier wohl in keiner christlichen, aber auch in keiner jüdischen Kirche." Präsident des Reform- Vereines war Dr. Joses Rozsay, Secretär war Dr. Ludwig Schwarz; hervorragende Mitglieder des Vereines waren : Moriz Munk, Carl Neuss, Jacob Lackenbacher, Carl Harsch, Leopold Schulhoi, Carl Waizenkorn, Joses Ligeti, Dr. Heinrich Pollak. Der Reformtempel war der erste in ^>est, in welchem eine .Kanzelrede der Juden in ungarischer Sprache gehalten wurde. Die.Emancipation der Inden, um welche der Neform- Derein eigentlich kämpfte, wurde von der ungarischen Nationalversammlung in Szegedin am 28. Juli 1849 ausgesprochen. •4 Der Freiheitskrieg mit allen seinen Folgen legte der Pester jüdischen. Gemeinde schwere Opfer auf. Die eigentliche Prüfung Mn aber erst dann, als Hrynau in Pest seinen Einzug hielt. Um die Pester und Alwsner Inden für die Unterstützung des Freiheitskampfes exemplarisch zn bestrafen, legte er ihnen eine schwere Contribution aus. Ans die Details dieses Ereignisses, wollen wir hier nicht näher ei »gehen, da wir sie als bekannt voraussetzen. Am 3. April 1857 sank Rabbiner Schwab ins Grab. Sein Andenken wird von der Pester jüdischen Gemeinde für alle Zeiten hochgehalten werden. Sein Nachfolger im Amte wurde der Stettiner Rabbiner W. A.Meisel, der am 13. August 1§59 seine Antriltspredigt hielt. Wenige Wochen später wurde Ler in der Tabakgasse neue, prächtige Cultnstempel eingeweiht. An der palriotischen Bewegung der sechziger Jahre nahm die Pester jüdische Gemeinde mit Leib und Seele, theil. Seit dem 1. September 1861 stand der hochangesehene Augenarzt Dr. Ignaz Hirschler an ihrer Spitze. Dr. Hirschler bemühte sich mit rastlosem Eifer itm die Regelung der Angelegenheiten der Gemeinde und um die Auffrischung des Glaubenlebens. In seinen Fnßstapfen wandelte sein Nachfolger im Amte, Jacob Länyi. In der Zeit seiner Amtsführung fällt die Berufung des noch'in unseren Tagen verdienstvoll wirkenden Predigers Dr. Samuel Kohn, der am 2. Juni 1866 im Cultnstempel in der Tabakgasse .seine ungarische Antrittspredigt hielt. Er war es auch, der am 23. Februar 1867 an derselben geweihten Stgtte Re Wiederherstellung der Verfassung in einer von flammender, Patriotischer Begeisterung durchwehten Kanzelrede feierte. Gemeinde-!und Vereinsbote. - HA ns der P l e u a r i i tz n n g des B o rstandes vom 24. Februar 1901, unter Vorsitz des Präsidenten, C o m m e r c i a l r a t h e s Klinge r.) Aus dem Einlause wird^ zur Kenntis gebracht: An Spenden: Von Herrn Leopold Sachs zum Andenken an seine Eltern Jacob und Anna für das „Wölflerheim" Kr. 400.—; vom israelitischen Bethausvereine „Montefiore" Naturalien für die Insassen des israelitischen Alterversorgungshauses; ans beu Sammelbüchsen im Fünfhauser Tempel für Arme Kr. 364.84; aus den Sammelbüchsen im Pltakringer Tempel für Arme Kr. 205.84; Sammelspende des „Neuen Wiener Tagblatt" für die armen Brigittenauer Schulkinder Kr. 7.—. Weiters gelangt zur Verlesung eine Einladung des Verbandes der israelitischen Humanitätsvei eine Bnai Brith für Oesterreich zur coilstitnirenden Generalversammlung des Hilssvereines für die nothleidende jüdische Bevölkerung in Galizien, sowie zum Beitritte der Cnltnsgemeinde zn diesem Vereine. Der Präsident erklärt, dass er der Generalversammlung namens des Cultnsvorstandes beiwohnen werde, die Frage des Beitrittes wird, nachdem die Einladung erst wenige Tage vor der Plenarversaininlullg anlangte, dem Vorstände zur Beschlnssfassnng vorgelegt werden; ein Antwortschreiben des Enratorinnis der israelitischtheologischen Lehranstalt, betreffend die vom Vorstände der Cnltnsgemeinde angestrebte Ereirnng einer Religions-Bfldiliigsaustall am Seminar, wird der Unlerrichtssection zu weiteren Behandlung zngeiviesen. . Iit Abwesenheit des Herrn Moriz Edlen v. Knssner, des Obmannes des Comites für die Beinsnug von Bertranensmanneni. betrcffend die Anstellung eines Hilfspredigers, reserirt der Obniann-SleUvertreler Herr Director Simon über die Vorschläge dieses Comites. Die vorgelegre Liste, deren Zusammensetzung im Sinne des § 41 des Statutes unter Rücksichtnahme auf die den verschiedenen rituellen Richknngen angehörenden Bethansvereine erfolgt ist, wird eu bloc angenommen. Herr Wilhelm Knssner reserirt nantens des Comites für die Bernsung von 120 Vertrauens nä-tnern im Sinne des § 36 des Statutes und des § 2 oes CnUnsstener-Negniati'vs. ^n den ans Wahlen hervorgegangenen 120 Vertrailensmännern .feien im Sinne des § 4 des Cnltusstener-Negltlativs weitere 120 Vertrauensmänner zn berufen, und zwar in der 'Weise, dass 84 ans den einzelnen Wahlbezirken tu der im Statute festgesetzte» Anzahl und 36 ans der Gruppe der Höherbestenerten ernannt werden. Ans diesen Vertrauensmänner.'«, welche bisher die Aufgabe halten, bei. der Cultnssteuerbemessnitg mitzuwirken, sind in der Folge im Sinne des Statutes auch Bezirkscommisiionen zu bildet«, welche«« gewisse Agenden des Cululsoorstanoes zugewreseu werden können. Die Vorschläge des Comites werden im Sinne des Referates des Herrn Wilhelm Kllssner einstimmig angenommen. Herr kniserl. Rath Dr. Lieben reserirt über eine Angelegenheit des Tempelvereines Simmering. Die Auszahlung eines die Subvention dieses Vereines um circa Kr. 200.— übersteigenden Betrages wird zur Kenntnis genommen. Ueber Antrag des Vertreter-Collegiums «vird zur Herstellung eines Grabdenkmales für einen verdienten Functionär der Cultusge«neittde eine Beitragsle:stnng beschlossen. Herr Dr. Spitzer reserirt ««amens der Rechtssectio«l über die Statute» des Vereines zur Wahrung der Interessen des orthodoxen Judenthums in Wien und Niederöfterreich. Nach längerer Debatte, an welcher sich die Herren Wilhelm Knssner. Vicepräses Dr. Stern, Theodor Ritter von Taussig, Director Simon, Dr. Steger, Dr. Grünseld, Dr. Berger und kaiserl. Rath Weil betheiligten, »vird der Antrag der Rechtsseclion angenommen, dahingehend, dass vorn Standpunkte der Cnltnsgemeinde mit Rücksicht ans ihren statutarischen Wirkungskreis gegen die vorgelegten Statuten unter den von

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