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Die Wahrheit · 1899-12-11 · Heft 38 (11.12.1899) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1899
Issue
Heft 38 (11.12.1899)
Date
1899-12-11
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. „Wahrheit." Nr. 38. vom Vorstande Landesgerichtsrath Dr. Jacob Kohn, Landesschulrath Dr. Gustav Kohn, Herr M. Bondi, die Rabbiner Buxbaum und Kramer, Dr. Drublowicz, Bügerschullehrer Pollak rc. Nach dem Mincha-Gebete und Entzündm der Menorah durch den emeritirten Director Löw bestieg Herr Oberlehrer Kohn die Kanzel und schilderte in begeisterten, gu Herzen gehenden Worten die Bedeutung des Abends, .welche richtig erfasst zu haben, wohl der im Hebräischen so tüchtigen Schuljugend des Vereines zuzumuthen ist. Bei den darauf folgenden Declamationen der Schulkinder thaten sich namentlich die Schüler Spiegel und Koppel besonders hervor. Mit Abfingung der Volkshymne und dem MaariwGebete schloss die glänzende Feierlichkeit. Es wäre künftig zu wünschen, dass dieses confessionelle Institut bei unseren Gemeindemitgliedern mehr Berücksichtigung und Förderung fände. Wie«. Die zionistischen Corporationen Wiens veranstalteten Donnerstag, den 30. November, eine „Makkabäer-Feier", die unter geradezu imposanter Betheiligung — circa 3000 Personen füllten die „Sofien-Säle" — einen überaus würdigen Verlauf nahm. Nach der Begrüßungsansprache durch das Präsidium worden durch Obercantor Bauer, der mit dem gesammten Tempelchore der türkischen Gemeinde unter der Leitung des Chordirigenten Löwit sungirte, die Chanukalichter entzündet, und nach dieser weihevollen Ceremonie hielt Herr Heinrich Jork-Steiner die Festrede. Mit großer Begeisterung wurde der Festchoral „Makkabäer-Lied" ausgenommen und musste der Vortrag desselben wiederholt werden. Das von Fräulein Spitz mit Orchesterbegleitung prächtig gespielte Violinsolo „Kolnidre", sowie die künstlerisch vollendeten Recitationen des k. u. k. Hofschauspielers Conrad Loewe vom Burgtheater und des Fräulein A. Hetsey vom Raimundtheater fanden stürmischen Beifall- Lebhaft acclamirt wurde auch eine Rede des Herrn Dr. Theodor Herzl. An die Vorträge schloss sich ein recht animirtes Tanzkränzchen an. Der massenhafte Besuch lässt ein nicht unbedeutendes Reinerträgnis erwarten, das, wie bereits in voriger Nummer mitgetheilt wurde, den Opfern der jüngsten Judenexceffe gewidmet ist. Wie«. Es ist gewiss ein überaus humanes Werk, in der strengen Winterszeit nicht nur an die armen Schulkinder, sondern auch an arme alte Leute zu denken unddieselbendurch BescheerungmitwarmenKleidernvorden Unbillen des Winters zu schützen. Ein derartiges Bekleidungsfest fand Samstag, den 3. December im großen Saale der Restauration S o h r, II. Circusgasse 1, statt, woselbst 35 alte, jüdische Männer mit vollständiger Winterkleidung bedacht und hierauf reichlich bewirthet wurden. Es war ein erhebender Anblick, diese alten Leute mit beglückten Gesichtern und zumeist auch gutem Appetite an der reichgedeckten Tafel sitzen zu sehen, ein chillulhascheni, wie er schöner nicht gedacht werden kann. Dank und öffentliche Anerkennung verdienen die Männer, die sich in den Dienst dieser guten Sache gestellt haben, besonders der wackere Obmann des Vereines, Herr F. Schwarz, sowie die Herren Philipp Weiner, Michael Duldner, Elias Weis und der Cassier Herr Beckmann. Die Feier wurde mit einem Männerchor unter Leitung des Dirigenten Löwit eingeleitet. Im Namen der Beschenkten dankte ein alter Mann mit rührenden Worten. Wie«. Bei der Tischgesellschaft „Die lustigen Schwäger" fanfc am 15. November in Waldenberger's Restaurations-Localitäten, II., Schmelzgaffe, Kleiderbetheilung an alte Männer ohne Unterschied der Confession statt. Obmann Franz Pietsch hielt eine Ansprache an die Versammlung. Um die Ausführung dieses humanitären Actes haben fich die Herren Ferdinand Eder, Julius Blum, Michael Kellner und Heinrich Wetzler besonders verdient gemacht. Wie«. Sonntag, den 10. d. M. fand im „Bayerischen Hof" die vom Vereine „Armeuvater" arrangirte Betheiligungs-Feier armer Schulkinder mit Winterkleidern statt. Unter den zahlreichen Gästen bemerkten wir den Reichsraths-Abgeordneten Hofcath Kar eis u. v. A. Der Verein steht unter der Leitung des verdienstvollen Obmannes, Restaurateur M. Edelhoser (Hotel „du Nord") und des Stellvertreters Cafetier Goldmann (Cafe Nizza). Schriftführer de« Vereines ist Herr Julius R u b i n st e i n. Prag. (Goldene Hochzeit.) Der langjährige Cursor mehrerer hiesiger Wohlthätigkeitsvereine, Herr Marcus Raduitz, feiert dieser Tage mit seiner Gattin Anna, geb. Taussig, die goldene Hochzeit. Sümislmr. Im hiesigen Chortempel fand eine erhebende Chanukaseier statt, bei welcher Prediger Dr. T a u b e l e s aus Tarnopol die Festpredigt hielt. Obercantor Löwensohn, welcher hier in Folge seiner Tüchtigkeit große Sympathien genießt, zündete die Chanukalichter mit Chorbcgleitung an und hierauf gelangten zwei Compositionen L ö w e n s o h n's „Noans zur“ und „Mismor Sehir chanukas liabbajis“ zur Aufführung, die allgemeinen Beifall fanden. Stanisla«. Der Zivn-Berein „Crez Israel" veranstaltete jüngst eine überaus gelungene „Makkabäer-Feier", bei welcher Obercantor Löwensohn die Chanukalichter anzündete unö ein aus'Studenten zusammengesetzter Chor mitwirkte. Der Präsident des Vereines Dr. Jonas hielt die Festrede in polnischer Sprache und Herr Schurr eine deutsche Rede. Herr Professor G r a b e n st e i n trug einige Lieder vor, welche allgemeinen Beifall fanden. Lebhaft acclamirt wurde auch die Vicepräsidentin des Frauenvereines Frau M a s l e r, welche einen Vortrag in deutscher Sprache hielt. Der Vicepräses des Vereines Dr. Landes überreichte dem Dirigenten Obercantor L ö w e n s o h n einen Taktstock aus Elfenbein als Ehrengeschenk. Ratibor. Herr Cantor Hermann Singermann, bisher in Könitz (Westpreußen), ein Bruder des Obercantor Singermann in Troppau, ist hier nach einem mit großem Beifalle aufgenommenen Probevortrage einstimmig als Obercantor gewählt worden. Der Untergang von Sodom «nd Gomorrha durch einen Sternschnuppenfall. Wie in den Zeitungen genugsam zu lesen war, haben die Menschen hie und da vor wenigen Tagen eine tüchtige Angst vor dem Meteorschwarm der Leoniden und dem durch sein Eintreffen angeblich heraufbeschworenen Weltuntergang gehabt. ES ist nun mit alledem nichts gewesen, aber wenn schon die landläufigen Märchen vom Weltuntergang genügt haben, um in manchen Köpfen eine wahre Panik zu erzeugen, so ist es als ein wahres Glück zu betrachten, dass die Behauptung eines Engländers, Namens Garbett, die im Londoner „English Mechanic" zu lesen ist, nicht ftüher allgemein bekannt geworden ist. Dieser phantasiebegabte Herr glaubt nämlich durchaus, die Beweise dafür in der Hand zu haben, dass die Städte Sodom und Gomorrha durch einen Meteorregen zu Grunde gegangen seien, und dass überdies jener Sternschnuvpenfall genau dieselbe Entstehung gehabt habe, wie. die anscheinend jüngst verwichenen Leoniden. Zunächst stützt sich Garbett auf einen Commentar seines Landsmannes Usher zum ersten Buch Moses, wo das Datum der Zerstörung Sodom auf das Jahr 1896 v. Chr. angegeben wird. Im Ganzen gingen vier Städte zu Grunde, aber nach dem alttestamentarischen Bericht fiel nur aus zwei von ihnen, nämlich Sodom und Gomorrha, Feuer vom Himmel herab. Lot und seine Töchter flohen nach Zoar, wagten aber nicht, in dessen Ruinen Rast zu machen. In der Furcht vor einem neuen Falle von: Himmel, nahmen sie ihre Zuflucht in einer bombensicheren Höhle, wie Garbett es nennt, und glaubten, die einzigen am Leben gebliebenen menschlichen Wesen in der Welt zu sein. Während sich Lots Weib umwandte, wurde sie von dem Bruchstück eines der Salzmeteore (?) getroffen und darunter begraben. Der Salzhaufen wurde ihren Enkeln gezeigt, und so entstand die Sage, dass die Frau in eine Salzsäule verwandelt worden sei. Garbett rechnet nun genau aus, dass eben in dem Jahre 1896 v. Chr. der Leonidenschwarm oder dessen Vater, der nach Tempel benannte Komet, die Erde getroffen haben müsse. Er will sogar wissen, dass dieses Naturereignis gerade in der Zeit um Sonnenaufgang und in der geographischen Breite von 31 Grad über die Erde hereingebrochen sei. Die Meteore müssten senkrecht auf die Städte niedergefallen sein, so dass gesagt werden konnte, der Herr hätte Feuer auf die sündigen Orte herniederregnen lassen. Auch die Beobachtung des gegenwärtigen Verhältnisses des Todten Meeres, das im Arabischen noch heute See des Lot heißt, gibt Garbett eine Bestätigung seiner kühnen Vermuthung. Kein anderes Thal der Erde sei so beschaffen, dass die Schichten von beiden Seiten nach dem Innern zu einfallen, dls ob sie durch einen Schlag zusammengebrochen wären. Wenn nach der Aussage Mosis die Jordan-Ebene vor jener Katastrophe ein blühender Garten war, so schreibt Garbett die jetzige wüste Beschaffenheit dem massenhaften Vorkommen von Salz zu. Es besteht für ihn ein unerklärlicher Zusammenhang zwischen den Meteoren und Salz, obgleich noch kein Mensch ein salzhaltiges Meteorgesehen hat. Ferner will er Nachweisen, dass das Todte Meer nördlich von Jericho gewesen und dass die Gegend südlich sei, erst durch den Aufprall der Meteore so weit eingeschlagen worden sei, dass der See sich weiter südwärts verlegte. Auch der etwaige Einwand, dass doch unmöglich der Feuerregen auf einen so beschränkten Erdraum niedergesallen sein könne, macht den englischen Phantasten nicht irre, — Die Erde hat doch auch in unserem Jahrhundert schöne Sternschnuppenregen erlebt, und Mancher wird sich eines solchen berauschend-schönen Anblickes in der Erinnerung bewusst sein, aber noch nie ist dabei ein Mensch zu Schaden gekommen, weil eben die Meteore in den allerseltensten Fällen die Erde erreichen, vielmehr fast sämmtliche schon in der Atmosphäre verglühen. __

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