Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 656 (1.7.1937)
- Date
- 1937-07-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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«•!!• 4 Oll STIMM! Nr. 656. — tWden, Donnerstag, 1. Juli 14*67. Kongreßwahl Heuie von & bis 40 Uhr abends Jeder Zionist erfüllt seine Pflicht I Keiner fehlt I sollte nach dem Pensionsgesetz schon im vorigen Jahr abgebaut werden, aus besonderem Gründen hatte man ihn aber noch für ein weiteres Jahr beschäftigt. Dor Ablauf dieses Jahres fiel zufällig mit der jetzigen Äbbnumaßnahmie zusammen. •Schließlich wurde eine Jüdin abgebaut, deren Mann eine gutgehende Tankstelle hat. Alle andei ren bei der Mcsse-A. G. a »gestellten Juden, auf die kein© der erwähnten gesetzlichen Bestimmungen zutraf, sind in Stellung geblieben. Es sei richtig, daß die Zahl der ab gebauten Juden verhältnismäßig hoch er scheint-, doch sei es reiner Zufall, daß auf sie die zwingenden Bestimmungen der zitierten Gesetze zutrafen. Treffpunkt der Zionisten Samstag, 3. Juli */,9 Uhr, beim Gartenfest der Zionistischen Sektion Breitensee, Ottakringer Bräu (Hietzinger Hauptstraße). Es wirken mit: Leo K euß-Brandhofer, Hugo Knepler, Ditta Alexander, Joe Willner. - Arrangement Sigmund Arm, Kurt Futterwelt. Das Fest findet bei jeder Witterung statt. Jazz-Kapelle Kurt Reinhard. Ausnahmezustand in Czenstochau Warschau, 25. Juni. (JTA.) Obwohl in Czenstochau allmählich Ruhe und Ordnung zurückzukehren beginnen und einzelne jüdische Geschäfte wieder geöffnet werden, hat die Polizei am Donnerstag, den 24. Juni, den Ausnahmezustand verhängt. Ab 9 Uhr abends müssen dl« Haustore gesperrt sein. Außerdem wurde der Ausschank alkoholischer Getränke verboten. Insgesamt wurden bisher 300 Verhaftungen Seinem Mitgliede MAX WEISER gratuliert herzlichst anläßlich seiner Promotion zum Doktor der Rechte der Klub „Erez Israel“ vorgenannten. Bei zahlreichen Verhafteten fand man geraubte Ware. Der Gouverneur von Kiele e, Dziadosz, Ist in Czenstochau eingetroffen und hat die Verwaltung der Stadt übernommen. Ira Laufe des Mittwoch ist neuerlich Polizeiverstärkung in Czenstochau eingetroffen. Die Juden fürchten, daß es am 26. und 27. Juni anläßlich der katholischen Pilgerfahrt nach dem als heilige Stadt verehrten Czenstochau zu neuerlichen Ausschreitungen kommen könnte. Die antisemitische Presse ruft die polnische Jugend auf, an der Pilgerfahrt teilzunehmen. Bel der jüdischen Gemeinde haben sich bereis 300 Juden gemeldet, die durch den Pogrom materiellen Schaden erlitten haben. Der Prozeß gegen Bendrak, den Mörder des Bahnbediensteten Baran, findet am 1. Juli statt. Bergson zur katholischen Kirche übergetreten? Die Zeitschrift „Tribüne Juive“, Straßburg, meldet, daß der Philosoph Henri Bergson, der im 78. Lebensjahre steht, zum Katholizismus übergetreten ist. Wie mitgeteilt wird, ist es dem Professor des katholischen Institutes in Toulouse, G o r c e, gelungen, diese Bekehrung durchzuführen. Bereits vor einem Jahre waren Meldungen erschienen, daß Bergson zur katholischen Kirche übergetreten sei. In einer Erklärung an die JTA. hatte Bergson diese Mitteilungen als unrichtig bezeichnet. Palästinensische Sportler in Berlin Am 23. Juni trafen die Mitglieder des Makkabi Awschalom aus Petach Tikwa in Berlin ein. Sie wurden vom Vorstand und der Repräsentanz der Jüdischen Gemeinde zu Berlin feierlich empfangen. In seiner Begrüßungsansprache heb der Gemeindevorsitzende Direktor Heinrich Stahl hervor, daß die Sportmannsdhait faßt ausschließlich Menschen umfaßt, die in Palästina geboren sind und auf dem Boden Palästinas arbeiten. Namens der Sportler überbraobte der Mannschaftsführer L i p s k y der Berliner Gemeinde die Grüße der Stadt Petach Tikwa. Am gleichen Abend wurden die Gäste im Beisein der Vertreter der großen jüdischen Körperschaften und Institutionen Deutschlands im Brüdervereinshaus durch den deutschen Makkabikreis begrüßt. Im Namen des Präsidiums sprach Dr. Rabau, der die Geschichte des Makkabi Awschalom schilderte. Er hob hervor, daß Makkabi Awschalom seit 25 Jahren besteht und seinen Namen nach einen sei- Beh konz- Realbüro Ing.M.Mühlbauer Kauf und Verkauf von Realitäten, Hypofheken I., II. und III. Sätze, Bau- und Zwischenkredile Gebäudevenvallung ★ Büro i Franz-Josefj-Kal 11 fei. R-25-0-44 Wohnung : II., Vorgarlemlr 150, fei. R-41-8-88 ner Mitglieder trägt, das bei heldenmütiger Abwehr eines arabischen Überfalls auf Petach Tikwa im Jahre 1921 gefallen ist. — Für die Reichsvertretung der Juden in Deutschland begrüßte Dr. Franz Meyer die Gäste. Er erklärte, das gesamte Judentum in Deu ts chland nehme Anteil an dem Besuch der palästinensischen Mannschaft. Am Donnerstag fand ein gemeinsames Mittagessen der Gäste mit den Vertretern der Zionistischen Vereinigung für Deutschland statt. Am Nachmittag des 24. Juni trug der Makkabi Awschalom, der Handbai 1meister Palästinas ist, im Rahmen eines großen Sportfestes sein erstes Wettspiel gegen eine Auswahlmannschaft der Berliner MakkaJbd-Vereme aus. Das Spiel endete mit einem 3:2-Sieg der Palästinenser. Nach dem Wettspiel fand ein Aufmarsch der Mannschaften aller Berliner Vereine mit ihren Fahnen statt. Den Abschluß des Sportfestes bildete die Herzl-Gedenkfeier. Dr. A. Rabau hielt eine Ansprache, in der bt unter anderem ausführte, der 40jährige Kampf des Zionismus um Wiederaufrichtung des jüdischen Volkes und seines Landes habe in der Jugend Palästinas, deren Vertreter zum Besuch ihrer Brüder hier eingetroffen sind, einen sichtbaren Ausdruck gefunden. Dr. Raßau schloß mit dem Appell, den Kampf für ein ungeteiltes Volk un.d ein ungeteiltes Land fortzusetzen. ALLGEMEINE ZIONISTEN! Euch .vertritt bei der heutigen Wahl nur die Liste Nationaler Block Keine Stimme einer anderen Liste Listenführer: Dr. Oskar Grlinbaum, Ing. Robert Stricker Chaim Nachman Bialik (Zum 3. Todestag.) Von David Rothblum Mag das Wort noch so kühn und noch so anmaßend klingen, es entfernt »ich nicht, von der Wahrheit: Seit den Propheten gab es keinen Dichter, der mit solcher Wucht und Unerschrockenheit zum Volke sprach, cs geißelte, es in die rechten Bahnen wies, wie Bialik, keinen nach Jehuda, Halevy, der mit so viel Liehe und Zärtlichkeit, seinen Ruhm besang. Das Volk war für Geißelhiobe und Liebkosung gleich dankbar. Die P ei ts chens ehl äg e, die er am Ende des Poems „In der Stadt des Morden»“ auf die Männer miedersausen Meß, die sich ohne Selbstverteidigung hinsohlaohten ließen, wurde ergeben und gedruckten Hauptes entgegengenommen. Hoch erhobenen und stolzen Hauptes lauschten sie aber den Lobessängen auf WIZO II gratuliert herzlichst Ihrer Hachschara-Referentin, Frau Gusti WEISER, anläßlich der Promotion ihres Sohnes. Was die Legende in des Königs Salomo Klugheit, Reichtum, Macht und Rai,hm flocht und wob —, hat, Bialik in dieses Meisterwerk in unvergleichlicher Sprache und seltenen poetischen Schwung hineingodiohtet. Die einzelnen Kapitel sind wie die Gobeliubikler alter Meister, zart, wahr, farbenfroh, natürlich und menschlich, feinsinnig, verständnisinnig, gütig und glut/ig. Manche Stellen mmten an, als wenn sie Ausschnitte aus der Bibel wären. Kein Dichter wurzelte im Volke gleich ihm, keiner kannte die Seele Israels von den dunkelsten Anfängen bis auf die Gegenwart . Tr , .. . .. , wie er. Er war kem zünftiger Historiker und die ewigen Kräfte der Nation, die aus den , , „ n .. „ A „ ® ... , , Tr ’ „ . , , kannte genau alle Zeitläufte unserer Ge- Gedichten über den ersten Kongreß, „Achad- .. °vt7 ..., n in ni„ I schichte. Was tter jMiscta Geist jemals geschaffen, war klar und gegenwärtig, was das Volk jemals gelitten, war tief in seinem Herzen eingegrahen. Er hat sich nie außer- Haam“, den „Bauern in Palä»stina“, „Die, Feuerrolle“, den „Matmid“ erklingen. Bialik war der gefeiertste Mann im jüdischen Volke. Er hatte als Dichter keinen Gegner, . ., , n , ... „ ._ .. . ,r , , . _ ■ j , , , e , halb der Reihen gestellt, er war immer mita!s Mensch keinen Feind, als Lehrer und, . . . „ , ’T ., , ,. , , ... . , . ,TT., ’ , „ r. l l ten drin in Freud und Leid. Er lebte und Wegweiser keinen Widersacher. Kem Poet, , , , , , , j* T dji i i . T i_ . . atmete das Leben und die Luft seiner Brühern Gelehrter, kein Lehrer wurde in einem , T , r. , ,, . T , , . , ,r „ ’ , , . ,! der. In der Galaith und um Lande. Er sah solchen Maße verehrt gepnesm und ver-; „ uw, w lind offmi ta m himmelt, w,e er. Sem Weg m d,e Litemtur wie gleicht einem Triumphzug, emeni unerhörten, . _ ,, ,, V XT„ re*,, , P3’ ., , . , das Leid und kummervolle Herz der Na- Siegeslauf. Alles blockte zu ihm stolz und; ,. , m rtl . . ®A . . ,. i I tion. das einem geschlossenen Tränenkeldh beglückt empor, wie zu einem nationalen , . , ._ _ Heros, der alle Volksgenossen gleich beglückt. Das Bewußtsein, einen solchen Mann aus seiner Mitte hervorgeibracht zu haben, gab dem Volke Vertrauen in sich selbst, verlieh ihm Kraft und Selhstsiohenheiit, schenkte ihm den Glauben an die große Zukunft, die ihm der alte Gott verheißen und durch den Mund seiner Propheten verkündet hat. Bialik hat die Goldsobätze unserer Kultur und Geistigkeit, von denen wir immer wie herabgekommene Epigonen großer Vorfahren faselten, aaif die wir bestenfalls, wie auf museale Reichtümer hinwiesen, in lebendige Verwendung genommen und uns durch die Fülle ihres praktischen Wertes bereichert und geblendet. Das galt vor allem vom hebräischen Wort. Dann von der jüdischen Sage. Dann von der mittelalterlichen Dichtkunst. Dann vom Leben und Streben, Hangen und Bangen in der Galuth um die Heimat. Dann vom ganzen, ganzen Geistesleben des jüdischen Volkes, von seinen Anfängen bis zur Gegenwart. Überall grub er und aller Orten schürfte er und fand das Gold, das er uns mit vollen Händen aus seinem gottbegnadeten Füllhorn spendete. Nie aufdringlich, nie mit deT Geste, stets unpersönlich, stete betonend, er gebe daß zurück, was er von der Nation empfangen. Seine Sprache ist unerhört, unerreicht, unvergleichlich. Bialik hat die hebräische Sprache erlöst. Daß Verdienst seiner Vorgänger und Zeitgenossen soll nicht geschmälert werden, er aber hat das tote Wort, die leblose Phrase, die entgeisterte Wendung wieder lebendig gemacht, wie er die „Toten der Wüßte“ lebendig, schauerlich lebendig und unsterblich gemacht hat. Er -hat die thalmudischen Ausdrücke durch den poetischen Gesang geadelt, sprachlichem Wendungen, die längst in Vergessenheit geraten waren, Sinn und Bedeutung gegeben. Aus der Rumpelkammer alten Sprachgebrauches hat er sich Wort und Laut geholt, um seine Verso au zieren. In der neuhebräisohen Literatur vermochte keiner vor ihm in jene Tiefen zu dringen, aus denen er sich Stoff und Form für seine Dichtkunst holte. Zu den Schätzen, die er hob, gehört die jüdische Sage, die er liebevoll behandelte und schöpferisch fortsetzte. Er sammelte und putzte die jüdischen Sagen heraus wie kleine Kinder, die man zärtlich schmückt und ziert, um mit ihnen Staat zu machen. Sein eigenes Kind, „dio Sage von den Drei und Vier“, hat die anderen in den Schatten gestellt. gleicht. Darum verstand er wie keiner zum Volke zu sprechen, in Poesie und Prosa, in Schrift und Wort, denn er sprach ausnahmslos seine, des Volkes Sprache. Und was immer er sagte, es ward ihm gelauscht wie einem Boten Gottes. Man sagte von Goethe, seine Werke wären eine große eigene Konfession — von Bialik kann man sagen, was er dichtete und schrieb, was er singen und sagen tat, — es war stets eine Konfession seines Volkes. Restaurant Billet Bestrenommierte Küche ^3 Reichhaltige Menüs ä S 1'90 u. 2°60 ll.,Hammerpurgsta!Igasse3 (nächst Salztorbrüdce) Große Bialik-Feler. Mittwoch, den 30. Juni, 8.15 Uhr abends, — am dritten Todestage unseres nationalen Dichtern Ch. N. Bialik — veranstaltet der Bialik- Klub im Feetsaale des Hotel „Continental“, IT., Taborstraße 4, eine Bialik-Andachtsfeier. Oberrabbiner Dr. J. Taglicht hält die deutsche Gedenkrede, Präsident des Bialik-Klubs Dr. D. Rothblum hält die hebräische Gedenkrede. Oberkantor Margulies verrichtet das Andachtsgebet. Hilde Dulitzkaja und J. Segal-Rosenbaoh tragen Bialik-Lieder vor. (Am Klavier: Frl. Riegier und G. May.) Kleiner Regiebeitrag. Ihrem Mitgliede dipl. Kaufm. Fräulein Bosla JEiger zu ihrer Verlobung mit Herrn Simon Alster, Karlsbad gratulieren herzlichst Zionistische Bezirkssektion Leopoldstadt und Klub „Erez Israel“ Das Gartenfest der Zionisten ln Breitensee. Herr Staatsrat Dr. Des kl er Friedman n, Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Wien hat das Protektorat über das am 3. Juli stattflndende Gartenfest der Zionistischen Bezirkesektion Broitensee übernommen. Andere prominente Persönlichkeiten der Zionistischen Organisation haben ihr Erscheinen zugesagt. Da« Fest wird ein Treffpunkt der Zionisten Wiens sein und da für ein vornehmes Programm mit Leo KculLBrandhofer, Hugo Knepler, Alexander Joe Willner und der Jazz- Kapelle Kurt Reiuhard vorgeaorgt ist, wird es jeden Besucher zufriedenstellen. Deshalb auf, am 8. Juli zum Feste! Tinnirton V Helfet dem Keren Kajemeth in den Sommerfrischen und Kurorten - ErlUlllMBIl durch Veranstaltung von GARTENFESTEN UND AKADEMIEN