Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 613 (22.1.1937)
- Date
- 1937-01-22
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite e Dil STIMME Wien, Freitag, 22. Jänner 1937. — Nr. 618. HlädcUeH im \titrf>wz Es ist ein eigenartiger Szenenwechsel: Von den dunklen, gleichgültigen, so ganz und gar unfestlichen Straßen der Josefstadt hinein in ein uraltes, schweigendes, wie verwunschen da• liegendes Haus, eine gewundene Treppe hinauf, und, plötzlich ein festlich-heller Raum, an einem langen, weißen Tisch, auf dem vier Kerzen paare brennen, junge Menschen, angeregt, erwartungsvoll, jeden Eintretenden im Chor herzlich-heiter grüßend... Schalom! Schalom Sabbathf Schalom... Unendlich weit ist auf einmal die Josefstadt, in deren Mitte man doch ist, unendlich weit und unwirklich ist alles, was noch vor Minuten des Nächste und Wirklichste gewesen. Man spürt nur eine Wirklichkeit mehr: Die jüdische Wirklichkeit. Man ist beim Onegg Sabbath des Kibbuz der WIZO in der Florianigasse. Im Sommer waren die Mädchen in Lainz, wo die WIZO vor einem Jahr ihre Hachschara eingerichtet hat. Im Winter wandeln sich die Bäuerinnen von Lainz zu Hau-shaltsgehilfinnen, Köchinnen, Schneiderinnen und anderen „StädterinnenIch habe sie im Sommer in Lainz gesehen. Damals ist mir ihr gesundes Aussehen aufgefallen. Hier am Onegg-Sabbath-Tisch fällt mir ihr gepflegtes Aussehen auf. Jüdische Arbeiterinnen, unsere neue Generation für Erez Israel. Uralte jüdische Tradition lebt zukunftsverheißend wieder auf. Körperliche Arbeit in produktiver Synthese mit Geistigkeit und Kultur, wie es im alten Erez Israel immer gewesen ist und wie es einzig und allein im neuen Land sein kann, soll es werden und bestehen. * Onegg Sabbath; Die Leiterin des Kibbuz, Frau Berta Berger, sagt ein paar Sätze über seinen Sinn. Sie hat das schon oft gesagt, aber man hat dm Gefühl, daß das immer so sein muß, an jedem Onegg Sabbath, und die Zuhörer, die es schon so oft gehört haben, erwarten es doch immer wieder. Wie man ein Gebet immer wieder sagen und hören will. * ,Es wird gesungen, hebräisch, deutsch, jiddisch. Lina (hier haben alle nur Vornamen) trägt mit gedämpfter Stimme vor. Der Kibbuz hat schon seine anerkannten Lieblingslieder. Man berät vor jedem Lied, was jetzt kommen solle, und dann sind es natürlich immer dieselben Lieder. Heitere Lieder, fromme Weisen, traurige Melodien. Lina singt sie alle sympathisch, anspruchslos und doch eindringlich. * Onegg Sabbath ist ein Fest der Besinnung, aber auch der Belehrung. Diesmal ist Frau Amalie Kantor zu einem Vortrag gebeten worden. Sie spricht über Mendele Mocher Sforim. Nach dem Vortrag sagt Frau Berger in einem Satz die treffende Kritik: Wir haben in dieser Schilderung das östliche Städtl geradezu körperlich nahe gefühlt... Lina aber, das Mädchen aus dem Städtl, hat während des Vortrages manche Träne aus dem Auge gewischt. Und jetzt singt sie aus dem Städtl Lieder von Mendele. Sie singt mit einer Stimme, die an die Tränen von Millionen Juden aus Jahrhunderten gemahnt. * Noch eine kurze Ansprache eines Gastes, noch Lieder... das „Programm“ ist schon erschöpft, aber auch der elfjährige Bub, der zu den ständigen Gästen des Onegg Sabbath der WIZO-Mädchen gehört, läßt sich nicht vor 10 Uhr nach Hause schicken (sein zwanzigjähriger Bruder muß sehr energisch werden, ehe er sich durchsetzt)... Man ist der Gefangene des Sabbath, man kann nur schwer wieder hinaus aus der jüdischen Wirklichkeit in die Josef stadt, und alles, was dazu gehört... in die wirkliche Whklichkeit, der man sich doch immer wieder beugen muß. heilig. Vom Stadtschulrat gen. Leitung: Trude Weiß cand. med. SCHULERHORT CENTRAL II., TaborstraBe 8 B Telephon U 14-908 Lilian Grünwald Absolventin des Chajes-Pädagogiums Der allgem. Zion. Handwerkerverband „Baaleh Mikzoah" wurde im Jahre 1934 gegründet und zählt derzeit 390 Mitglieder. Er befindet sieh in steter Aufwärtsentwicklung. Die Eröffnung eines zwei, »en Heimos flir die nördlichen Bezirke steht bevor. Seine Tätigkeit ist: Vorbereitung seiner Mitglieder für Palästina, durch Abhaltung von Hebräischkursen, Zion. Kursen, kulturellen Vorträgen und geselligen Zusammenkünften. Umschichtung und Arbeitsnachweis, Tätigkeit für die Zion Fonds und Schekelverkauf während der Wahlen entwickelte der Verband eine ganz besonders rege Tätigkeit. Jede Woche Sichot. Derzeitige Leiter* lug. Kende und A, jtosegg, A A Das HeüjaUesfesi dec Däüme wird am 15. Soh’wat (27. Jänner) gefeiert. „Der Frühling ist in unser Land eingezogen. Die Blüten erscheinen am piX3 ixiJ D'33f3<1 Boden ' VTT " *T“ Die Zeit der Nachtigall ynn VOM ny nahet " ” *T” Und die Stimme der Turteli|J3nX3yatt>3 ijnn 71p! taube ertönt in unserem "s" 5 "! ' ~ s Lande.“ So wird der Einzug des Frühlings im Sohir haschirim (hohen Lied) geschildert. Am Festtage segnen und genießen wir alle Früchte und danken Gott, daß er uns bis nun am Leben erhalten hat. In Erez Jisrael wandern die Kinder hinaus in das aufsprießende Land und pflanzen Bäume. Wir in der Galuth tragen auch unser Scherflein bei, daß Bäume in Palästina wachsen. Ohne Bäume gibt es keinen Schatten, kein Wasser im Land, und ohne Schatten und Wasser ist das Land nur eine Wüste — wie es auch bis jetzt durch viele hunderte Jahre war. Einen Baum großzuziehen kostet aber viel Geld. Der Setzling muß sorgfältig aufgezogen werden, der junge Baum muß begossen, beschnitten und vor allem gegen Schädlinge beschützt werden In manchen Straßen Tel-Avivs werden die jungen Bäume mit einem starken Drahtgitter umgeben — damit sie nicht beschädigt werden. Der Keren Kajemeth L'Jisrael, der jüdische Nationalfonds, nimmt die Baumspenden entgegen. Ein Baum kostet S 10.50. Der Baumspender bekommt ein schönes Diplom, das seinen Namen trägt. Man kann auch zur Ehrung eines Menschen einen Baum auf seinen Namen pflanzen. Ganze Wälder sind durch Spenden aus dem jüdischen Volk entstanden. Der Keren Kajemeth verbindet das jüdische Volk, verbindet die jüdischen Kinder der ganzen Welt mit Palästina. hrqr*? niKF*M fra tos mnm < m y f v~ vrmzzg: Am 15. Schwat v. Sch. Schalom'1 Am Chamischa Assar bischwat, wenn der Frühling zu uns kommt, steigt ein Engel herab, mit einem Notizbuch in der Hand. Er notiert jede Blüte, jeden Baum, jeden Zweig und alle Setzlinge unserer Gärten. Von Stadt zu Stadt, von Dorf zu Dorf fliegt er, der leicht-beflügelte, forscht im Tal, untersucht im Berg, durcheilt die Wüste schnfbll und kehrt in den Himmel zurück- Und wenn das Buch voll sein wird mit Baum, Blüte und Strauch, wenn die Wüste zu einem Feld wird und unsej ganzes Land ein bewässerter Garten — dann wird der Messias erscheinen. "i&j? rnp&tp nx» Vokabeln: M33 beim Kommen — wenn kommt. *!?K <153^3 ifc>y ntifona t:- TT T-J- ,VP7X 3'3X Xp3 .T : T3 DpJB ,1JkSö UV T“ **: t:" •* 13 Sa .pjrSa .prSa otfft ♦W33 'JJB3 Saj 1D3 Sk id3& Sk vy» t: v T:. . ., »Q'Ö33“Sp XVI X&3 —t : - t .ins pH3 Xus ipirr TT " J— ” naien nx «ws imy T .. - v lT . «Ö'Öttfrl Sx 3ltM -T “ v TI xStt ,1'JT Dp3B,1B^ •*T v: * - v; pan p irrt? ibrv isiantfa vt 1 T : *" v : — mi »3 wann Sai vt ■■ t: m'titon jtdv i zn, vStt zu uns. DpJD .... DpJD TI* Ein- ■cbreibebuch. Garten, unser Garten, ytflj Setzling. *1» Hllgel. schnell. 1319 Wüste. **9 verwandeln. TOT- er wird verwandelt, yi^ Land. ^13$ — unser Land. illl relchlioh bewässert. Ein Dichterwort zum Pflanzen und Aufbauen . Schaff das Tagwerk meiner Hände hohes Glück, daß ich's vollende; laß, o laß mich nicht ermatten. Nehii es sind nicht leere. Träum.' Jetzt nur Stangen diese Bäume geben ernst noch Frucht und Schatten. Johann WoLgang Goethe. 'iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiii Auflösung des biblischen und der Scherzrätsel aus der vorigen Nummer: Noah. — Strick-Nadel. — 0 h rua> D'g&ufaU In den letzten Jahren ward es zum feststehenden Brauch: Die „Lehrer der Kolonien Unter-Gagliläas“ versammeln ihre Schüler am 15. Sch’wat in D’ganjah, um dort Bäume zu pflanzen. Weshalb gerade in D’ganjah? Nun, weil die Erde D’ganjahs die Erde des Volkes ißt, Eigentum des Nationalfonds. Schon vor Sonnenaufgang beginnt der Zug der Kinder. — Manche kommen zu Fuß, andere zu Pferd oder im Wagen angefahren, und an der Spitze: Chöre und Instrumentalmusik. Achthundert Kinder sind gekommen. Im Umkreis des Jordan-Ufers sind 400 Setzlinge vorbereitet. Bei jedem Setzling sind zwei Kinder. Zwei Kinder — ein Setzling, ein Setzling — zwei Kinder... Der Tag ißt hell. Eß ist einer jener prächtigen, leuchtenden Tage, wie sie im Jordan-Tale so häufig sind. Die weißen Gewänder der Kinder und die Strahlen der Wintersonne passen zueinander und verleihen alldem den Reiz eines Feiertages ... Sehr beechäftigt sind die D’ganjah-Kinderl Aufß sorgfältigste sind sie bemüht, ihre jungen Gäste freundlich — wie es sich bei Brüdern ziemt — zu empfangen. — Achthundert Kinder stehen bei vierhundert Setzlingen und warten... Auf ein Signal beugen alle wie ein Mann ihre Häupter und senken die Setzlinge in die vorbereiteten Grübchen. Allee ist in die Arbeit vertieft. Das Auge kann sich nicht sattsehen am Anblick des Umkreises, der erfüllt ist von Bäumen und Kindern, Menschen und Bäumen... Beide — beide werden Wurzeln schlagen in die Erde, werden blühen und gedeihen ... Ein Bund ißt zwischen unseren Kindern und der Erde geschlossen worden. Wachsen wird der Baum und heranwachsen das Kind... Jahre werden vorüberziehen.,. Wenn der Knabe — zum Mann geworden — kommen wird, um das Land zu sehen, wird sein Herz eine besondere Liebe zu dießem Ort und zu dem Baume, den er mit eigenen Händen gepflanzt hat, fühlen. Und an mein Ohr dringt jetzt eine Unterhaltung zwischen zwei Kindern: „Bei meiner Wiederkehr im nächsten Jahr werde ich sofort zu diesem Platz treten und schauen, ob mein Baum wächst und gedeiht ...“ Aus dem Hobräischen d. J. Manoach von Herbert Achtentuch, 5. Gymnasialklaßse. illllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllillllllllllllliiiiiliiiniilillllllllllllllllllllllllllilllllllllllllllllll /' — „Was machst du mit den Schillingen da im Topf?“ „Da sollen Bäume draus wachsen/“ — „Da sollen Bäume wachsen?“ „Da nicht, aber in Palästina!“ * Briefkasten Herbert Achtentuch: Beiträge aus Palästina sind uns immer willkommen. Auch in Übersetzung. Erika Schwarz: Es freut mich, daß du alle Spiele aus der „K.-St.“ auswendig gelernt hast. Gruß. Walter Weiß: Der Odysseus ist nichts für dich. Ich werde dir etwias anderes verftcMeo,